Critical Mass

Wieso ist die Critical Mass in manchen Städten sehr erfolgreich, während sie andersorts vor sich hin dümpelt? In Hamburg zieht die CM von Monat zu Monat mehr Radfahrer an. Am vergangenen Freitag zog es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mehr als tausend Menschen zur großen Radfahrer-Party auf die Straßen. Auf Helmuts-Fahrrad-Seiten wird so über die Ausfahrt berichtet: „Der jeweils letzte Monats-Freitag ist wirklich immer ein Highlight. Kaum über null Grad, am Ende leichter Schneeregen und trotzdem über 1.000 Teilnehmer – Wahnsinn. Die November-CM war wieder eine geniale Sache. Begeistert hat mich natürlich die zum Teil extrem aufwendige und abgefahrene Beleuchtung der Räder. Speziell was mit einfachen Knicklichtern möglich ist, haut mich vom Sattel. Sehr, sehr cool und nachahmenswert.“ Hier ein Video der Critical Mass Hamburg vom 25. November 2012.

Beispiele für wenig erfolgreiche CMs gibt es viele. In Berlin hat die örtliche CM-Facebook-Seite zwar 1.700 Likes (Hamburg: 5.100 Likes), aber am letzten Freitag des Monats versammeln sich selten mehr als hundert Radfahrer auf dem Heinrichplatz, dem traditionellen Startplatz der Berliner CM. Ist es das wenig konstruktive Verhalten der Polizei der Grund für die niedrigen Teilnehmerzahlen? Sie schafft es in Berlin immer wieder, die Demo zu zerbröseln.

Oder ist der Leidensdruck für Radfahrer in Berlin geringer? So wird die Berliner Critical Mass im April mit den folgenden Worten kommentiert: „Critical Mass in Berlin, seriously?! What the hell is the point of that? Doing it in a city where bike lanes are wide and plentiful and public transport is well above average, thanks to moronic events like this you‘re just giving car/truck drivers yet more reasons to hate cyclists.“

37 Gedanken zu „Critical Mass

Kommentare-Feed
  1. Critical Mass is a facebook like. I’m on a motherf*cking bike!

    http://vimeo.com/38128621

  2. Hallo, ich fahre regelmäßig in HH mit und es macht echt Spass. Was ich hier beobachtet habe, ist dass das Event so groß geworden ist und so viel Spass macht, dass auch nicht Fahrradverrückte gerne mitfahren und auch Leute aus diversen Altersklassen (von Kindern (mit Eltern) bis hin zu Senioren. Meine Nachbarn kennen es, meine Freundin fährt bei Eiseskälte mit, etc.

    Es wirkt so, als ob es mehrere Stufen der kritischen Masse gibt: die eine ist 16, wegen der STVO, eine andere ist bei ein paar Hundert, weil es dann eben ein cooles Event ist, das Spaß macht (und sogar im Winter funktionieren kann). Mit riesigem Leidensdruck hat es in HH jedenfalls nicht zu tun. Sonst müsste die CM in Stuttgart sich kaum vor Teilnehmern retten können.

    Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn im Winter schon so viele mitfahren, wird es im Sommer richtig gut.

  3. Eine gute Organisation, fester Termin entspannte Polizei und Planung über das doofe Facebook helfen natürlich auch. Hier wird noch darüber nachgedacht, die Sache zu verbessern, eine Idee ist z.B. Livetracking im Netz für Zuspätkommer.

  4. wir bleiben im norden:
    http://www.cmrostock.de
    Nachdem die Halloweenrunde durch Rostock auf äußerst gruselige Weise durch die Rennleitung zerschlagen wurde, lief es am letzten Freitag äußerst harmonisch entspannt ganz ohne aktive Polizeibeteiligung. Bleibt abzuwarten ob das ein einmaliger vorweihnachtlicher Ausrutscher war oder (hoffentlich) eine geänderte Strategie im Umgang mit dem Fahrradverkehr.

  5. Im Vergleich Hamburg – Berlin, dürfte der Leidensdruck bei Hamburger Radfahrern wesentlich höher sein. Soviele benutzungspflichtige Schrottradwege wie Hamburg immer noch hat, hatte Berlin nie.

  6. Als inzwischen kaum-noch-Autofahrer und hauptsächlicher Radfahrer kommen mir die CMes etwas gewollt und aufgesetzt vor, und möglicherweise sind sie sogar kontraproduktiv. Ich provoziere ‚mal etwas:

    Critical masses an Fahrrädern sind sehr wichtig, aber täglich und immer im Alltagsverkehr und nicht alle paar Wochen ‚mal als „Event“. Man vermeidet es, diese Veranstaltungen offiziell als Demonstration anzumelden, aber letztlich ist es eine solche. Und zwar eine, die dann den Autofahrern als Verkehrsbehinderung erscheint. Wenn statt dessen wirklich jeden Tag so viele Radfahrer auf den Straßen unterwegs wären, wenn die komischen „Radwege“ ob der großen Masse an Radfahrern völlig überlastet wären, dann hätte man tatsächlich eine „kritische Masse“ erreicht, die etwas bewirkt. Aber doch nicht als Happening mit albernen Weihnachtsbaumbeleuchtungen …

    Andererseits gestehe ich ihnen mehr Wirksamkeit zu als den komischen Sternfahrten, bei denen vor allem die Forderungen etwas diffus (und irgendwie noch kontraproduktiver) sind.

  7. In Wien ist es auch immer wieder lustig, im Sommer waren es inzwischen über teils zwischen 1000-1500 Mitradler, im Winter immerhin ein paar hundert…
    Und: hier gibt es keinen § zu geschlossenen Verbänden, aber inzwischen hat sich die Polizei zumindest in Wien dran gewöhnt…
    Macht immer wieder Spaß, das ist wohl die Hauptmotivation. Das vieles hier bezüglich Fahrradplanung und -gesetzgebung im argen liegt (grundsätzlich Radwegbenutzungspflicht, Alkohollimits bei Radfahrern gleich der der Autofahrer (ist in Deutschland etwas anders) und und und), schadet der Motivation zum mitradeln aber auch nicht gerade.

    Naja, auch wenn die Straßenverkehrsordnung in vielen Punkten einfach Schwachsinn ist, scheint sich zumindest in der Wiener Stadtpolitik etwas in Richtung Fahrradfreundlichkeit zu ändern (wichtige Radwege werden zuerst mit den wichtigen Hauptstrassen von Schnee geräumt! Diskussionen über Fahrradstrassen & Shared Space….), diverse populistische Vorschläge wie Radnummerntafeln aus anderen Ecken kommen aber auch immer wieder mal auf….

  8. Stichwortgeber für linksalternativprogressives Bullshitbingo.

    Yep, passt.

  9. das größte problem was berlin hat, ist das alle immer nur an ihren schwanzvergleich denken. der ist nicht fahrrad genug als ich, der hat keinen helm auf, der ist ein yuppie usw. . wie immer in berlin. wenn mal alle (auch die bekannten leute) ihren arsch hochbekommen würden, dann könnte das ja mal was gutes werden. so schländern immer die 150 leute um den kreisverkehr….

  10. Ich habe 2010/2011 in Leicester, UK (ca. 300.000 Einwohner) gelebt und dort die Gründung der lokalen CM miterlebt. Innerhalb von 3 Monaten sind die Teilnehmerzahlen dort derart in die Höhe gegangen (mehrere hundert), dass sie die zur zweitgrößten Englands (nach London) aufgestiegen ist.
    Ich habe im Unterschied zur Berliner CM festgestellt, dass die Lestaraner Organisation sehr viel inklusiver ist: Es gibt T-Shirts und Sticker, bei jeder Mass werden Flyer an Autofahrer und Passanten verteilt, die auf die Hintergründe der Veranstaltung hinweisen, es gab von Anfang an ein Motto pro CM (inkl. Verkleidungen), die Polizei und Stadtverwaltung werden von Seiten der CM aus informiert, eingebunden und eingeladen, nach jedem Ride geht es gemeinsam in ein Pub, das spezielle „CM-Preise“ anbietet, usw.
    Vor allem aber wird die Provokation von Autofahrern konsequent vermieden (anders als es z.B. in Berlin der Fall ist).
    Das hat dazu geführt, dass dort mindestens so viele Familien mit kleinen Kindern und Hunden sowie „Normalos“, sprich Rad-Pendler an der Mass teilnehmen wie Fixie Bike Punks und Kuriere und ich während der Zeit dort niemals von irgendwelchen Übergriffen oder Beleidigungen von Autofahrern auf die CM gehört habe. Im Gegenteil.
    Ich weiß nicht, ob sich das auf Großstädte übertragen lässt, aber vielleicht wäre es ein Weg.

  11. Hmmm…. weiß nich, is nich so einfach.

    Einmal wird CM als eine Art inoffizielle Demonstration verstanden, dargestellt und/oder auch betrieben und dann kann CM auch einfach nur bedeuten „es sind gerade soviele Räder auf einen Haufen, dass sie wie ein Fahrzeug >funktionieren<“ (können) und letzteres halt ohne, dass irgendeine Art von Aussage oder neudeutsch Message, dahintersteckt. Nur wird letzteres in Schland meines Wissens nach nie in der Weise „betrieben“, das kennt oder kannte man nur aus z.B. asiatischen Ländern.

    Und dann sind da noch die schlandischen Paragraphen … hab ich aber keinen Nerv drauf. 😉

    Was in Schland auf breiter Front m.E. fehlt, ist der richtige Umgang damit. Stichwort Verkehrserziehung bzw. richtiger: „nicht stattfindende Verkehrserziehung“ und zwar egal ob beim Kfz’ler, radfahrenden oder latschendem Volk. Viel Halbwissen (bestensfalls halb…) und der Rest wird mit vom Ego geleitetem Wunschdenken aufgefüllt und durchgezogen. Bis auf den Bundesverkehrsminister, der braucht gar keine Ahnung zu haben, der läßt sich ja schließlich fahren.

  12. @N.M.: Meine Gedanken gut zusammengefasst, danke.

    Ich war nie auf einer CM und wüsste auch nicht, was ich da sollte. Meiner Wahrnehmung nach sind diese Nicht-Demos irgendwo zwischen Ausdruck eines Radfahrerminderwertigkeitskomplexes (mal mit 50 Radfahrern minutenlang den Kreisverkehr blockiert – den Autobonzen haben wir es jetzt aber mal so richtig gezeigt, ey!) und kleiner Schwester von Autokorsos angelegt. Wenn mittlerweile auf Partyvolk gezielt wird – bitte, wer’s braucht. In Hannover werden Citymassenausfahrten schon als kommerzielle Veranstaltung mit Startgebühr angeboten. Mein Selbstverständnis als Teil des Verkehrs demonstriere ich mit jeder Fahrradbenutzung – und ohne nervige Hunde, Kinder, Betrunkene und Karnevalisten als Begleiter. 🙂

  13. “es sind gerade soviele Räder auf einen Haufen, dass sie wie ein Fahrzeug >funktionieren<”

    Also genau eines. Denn ein Fahrrad ist ein Fahrzeug. Da braucht man nicht mehrere.

    Diese Schere im Kopf sollte endlich mal weg, mehr Selbstbewusstsein in den Radfahrer rein und so.

  14. @“wie ein fahrzeug“: na, ich denke, es geht da eher um rechtliche feinheiten wie prinzipiell nebeneinander fahren dürfen und das erlaubte verhalten an ampeln.

    @autokorsos: kann man so sehen. und dann kann man sich auch gleich fragen: „wieso eigentlich nicht?“

    @polizei: nachdem beim vorletzten mal eine polizeieskorte von anfang an dabei war, und sich die rennleitung am vergangenem freitag gar nicht für uns interessierte. obwohl wir an wannen/polizeistationen etc. vorbeifuhren, keimt bei manchem die hoffnung, dass die polizei jetzt einen plan hat, wie sie mit dem haufen radlern am freitag abend am monatsende umgehen soll.

    @stuttgart: könnte aber auch an den bergen liegen, trotz leidensdruck ;).

  15. na, ich denke, es geht da eher um rechtliche feinheiten wie prinzipiell nebeneinander fahren dürfen und das erlaubte verhalten an ampeln.

    Aha. Was jetzt, gewaschen werden oder trocken bleiben?

    Ausnahmeregelungen für einspurige Fahrzeuge (nebeinanderfahren) oder Gleichberechtigung für Fahrzeuge, d.h., das gleiche Recht, Straßen zu benutzen?

    Und was magst Du mit „erlaubtem Verhalten an Ampeln“ meinen? Da besteht rein rechtlich gesehen Gleichberechtigung, nämlich wenn die Dinger rot sind, ist stehenzubleiben.

    Ein Überdenken der Ampelbehandlung ist beim fahrzeuglosen Verkehr durchaus angebracht, aber um den geht es hier nicht, ist ja kein Fußgängerblog hier.

  16. Nachtrag
    Sollte das Ampelding sich auf die sogenannten „Fahrradampeln“ und die dafür geltenden kaum nachvollziehbaren und komplett schwachsinnigen Regelungen beziehen:
    Weg mit dem Dreck.
    „Fahrradampeln“ sind ausschließlich beim Vorhandensein von „Radwegen“ sinnvoll, aber das Vorhandensein von „Radwegen“ wiederum ist nicht sinnvoll.
    Fahrzeugverkehr ist nicht in unterschiedliche Fahrzeugklassen zu separieren.
    Fahrzeuge gehören auf die Straße (Analpedanten bestehen darauf, von „Fahrbahn“ zu reden, sollen sie meinetwegen).

  17. Noch ein Nachtrag, diesmal mit einer Frage an die Forenleitung:

    Ist euch bewusst, daß der Captcha-Mechanismus im Eimer ist? Da kann man eingeben, was man will

  18. @Jom&Terry: Jo, das wissen wir. „Da kann man eingeben, was man will …“, oder es gleich sein lassen, Kommentar kommt auch so durch.

  19. @Jom&Terry:

    Ausnahmeregelungen für einspurige Fahrzeuge (nebeinanderfahren) oder Gleichberechtigung für Fahrzeuge, d.h., das gleiche Recht, Straßen zu benutzen?

    Und was magst Du mit “erlaubtem Verhalten an Ampeln” meinen? Da besteht rein rechtlich gesehen Gleichberechtigung, nämlich wenn die Dinger rot sind, ist stehenzubleiben.

    Weder noch. Guckstu §27 StVO. Das mit den Ampeln steht da nur implizit drin, deshalb nochmal hier: http://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-bottrop/radverkehr/verkehrsregeln/geschlossener-verband.html

  20. Die Bandbreite der Kommentare hier ist interessant.

    Ich habe meine ersten CMs in Orange County in Südkalifornien mitgemacht, wo Fahrräder höchstens als Freizeitsportgeräte angesehen werden und Räder auf Straßen mit großen Augen angeschaut werden. Wir waren auch nur 20 – 30 Leute. Trotzdem hab ich mich dort wohler gefühlt als auf den CMs in Berlin. Warum? Die gezielten Provokationen einiger CM-Teilnehmer hier nerven tierisch. Wieso 2 Spuren blockieren? Unnötig. Wenn wir Teil des Verkehrs sein wollen, dann müssen wir uns als solcher verhalten und nicht blockieren. Es geht nicht darum, jemanden anzupissen, sondern um Aufmerksamkeit zu erregen und Spaß zu haben. Egal wie viele Leute man ist.

  21. Seh ich auch so KönigKarl, es ist absolut nicht zielführend sich auf CM’s dann gezielt provozierend zu verhalten und so zu tun, als wäre jetzt einfach alles erlaubt, was es sonst (aus gutem Grund) nicht ist.

    Und danke Kai, der Link erübrigt eine meinerseits wortreiche Erklärung für Jom&Terry.
    Jedoch, wenn man das mit dem geschlossenen Verband und speziell bei passieren von Ampeln die zwischenzeitlich rot werden, mal genauer überdenkt, kommt es zu anderweitigen Problemen, die ich mal als „mentalitätsbedingt“ bezeichnen würde(*). Die deutlich Unentspanntheit, die insbesondere dem schlandischen Autoverkehr nachgesagt wird und – ich war kürzlich auf ein Wochenende in England (darunter London) – die man bei genaueren Hinsehen auch wirklich erkennen kann.
    Ebenso die allzu häufige Haltung des schlandischen Oberlehrer Erziehungsunwesens, was manche Menschen (erzählte erst kürzlich eine gebürtige Irin, die sich inzwischen fragt wie sie ihren Lebensabend in diesem Land nur aushalten soll) in mitunter ernste Konflikte bringt.

    (*) Man stelle sich bitte mal folgende Situation vor:
    Sagen wir in einer Studentenstadt, kommt es auf einer Fahrbahn zu einem Radfahrerpulk, der die magische 16 überschreitet und alle sind sich der daraus entstehenden rechtlichen Möglichkeiten bewußt und verhalten sich dann auf dem weiteren, in dem Fall wirklich zufällig, gemeinsamen Weg auch so wie EIN Fahrzeug. Wie würde das wohl vom durchschnittlichen schlandischen Autolenker aufgenommen? Oder gar der Rennleitung?

  22. @Jochen: Hier in Dortmund bei der CM sind immer genügend Leute, die sich in die Seitenstrassen der Kreuzungen vor die ersten Autos stellen, bis der Pulk durch ist. Anders versteht das sonst auch keiner mit dem „einen Fahrzeug“. Liegt aber sicher nicht an der „deutschen“ Mentalität. Wir hatten auch nie ein grösseres Problem während der CM, auch nicht mit durchgeknallten Fixiereitern. Das Ruhrgebiet scheint insofern toleranter und lockerer zu sein als Berlin.

  23. hier in HH gab es schon Probleme mit durchgeknallten falschfahrern und Lebensmüden Idioten.

    Das benutzen einer Spur fände ich auch super, lässt sich hier in HH aber leider nichtmehr durchsetzen, gibt zuviele Leute die das nicht tun, auch wen die Länge des Verbandes echt beeindruckend wäre.

  24. Was bringt die Im-Pulk-Ein-Fahrzeug-Aktion? Was wird damit erreicht, außer Kandidat für das Bullshit-Bingo zu sein?

    Gleichberechtigung für Radfahrer erlangt man nicht durch sinn- und nutzloses Bestehen auf Ausnahmeregelungen, und diese Pulkaktion ist eine Ausnahmeregelung.

    Also: Cui bono?

  25. @Joe: Es bringt unheimlich viel Spass, wenn man die richtigen Leute dabei hat. Nach aussen bringt es etwas Aufmerksamkeit in der Presse. Nach innen bringt es einen verstärkten Zusammenhalt in der „Szene“. Ansonsten sollte man da nicht so viel reininterpretieren. CMs sind tatsächlich mehr Spassaktionen als politische Willensbekundungen. Besser gefallen würde es mir persönlich auch, wenn ich an jeder Kreuzung mit 20 anderen Radfahrern an der Ampel stehen würde. Ist hier im Ruhrgebiet aber noch lange nicht soweit.

  26. Es bringt in Sachen Verkehrserziehung etwas. Die entsprechenden Verkehrsteilnehmer werden mit Inhalten konfrontiert, die sie entweder nie gelernt, oder erfolgreich wieder vergessen haben, obwohl sie jeder kennen sollte.

    Woher rührt denn diese ständig und überall anzutreffende Unart des im Straßenverkehr Erziehen wollens, indem sich Leute als Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht und manchmal sogar als Vollzugsbeamte in Personalunion verstehen? Ich denke, weil sie sich im Recht fühlen und mitunter auch zu wissen glauben. Und diese Borniertheit bzw. Dummheit macht ja dummerweise auch nicht vor denen Halt, die es eigentlich aufgrund ihres Berufs wegen, wirklichen wissen müssen (aber eben doch nicht tun).

    Es ist extrem belanglos, wie sehr Ausnahme eine Regelung ist, denn es ändert rein gar nichts daran, dass man sie zu kennen hat, als Verkehrsteilnehmer, zumal wenn man sich mit einem Fahrzeug auf der Straße bewegt!

  27. Du bist lustig, im selben Atemzug, in dem Du anderen das „Erziehen wollen“ vorwirfst, willst Du auch andere erziehen, und merkst gar nicht, daß der Schwanz, in den Du da beißt, Dein eigener ist.

  28. Nein, ich bin in dem Fall mal gar nicht lustig, auch wenn ich es sonst sehr gerne bin.
    Selektives Lesen ist natürlich bequem, jedoch wenig zielführend.

    Ich habe v.a. zweierlei angesprochen. Einmal eine absolute Unart, was das Verhalten angeht, die von keinerlei geltendem Gesetz gedeckt wird. Und dann indirekt das Unwissen über geltendes Verkehrsrecht.
    An anderer Stelle drückte ich es so aus, dass das allzu häufig anzutreffende Halbwissen, hierzulande leider dann mit Ego-zentriertem Denken aufgefüllt wird, anstatt mit dem Versuch das fehlende Wissen sich anzueigenen.

    Ich kritisiere also nicht Verkehrserziehung an sich, sondern falsch verstandene bzw. falsch durchgeführte Verkehrserziehung (die aber eigentlich vom Staat organisiert werden sollte, von dort kommt da aber leider fast gar nichts…). Also die Unfähigkeit und den Unwillen, sich mit den Fakten vertraut zu machen und dieses Manko stattdessen mit „ich will aber, dass es >so< ist! *fußaufstapf* und ausserdem hab ich die PS-stärkeren Argumente und jetzt zeig ich’s Dir, Du dämlicher blöder Radfahrer/Autofahrer!“ aufgefüllt wird.

    Eine CM, die zivilisiert abläuft, oder konsequent angewendetes geltendes Recht, hilft Denkprozesse in Gang zu setzen und kommt ohne offene Agressionen aus. Eine „unzivilisiert“ ablaufende CM sehe ich allerdings auch eher als eine Art Schuss ins eigene Knie.

  29. Eine CM, die zivilisiert abläuft, oder konsequent angewendetes geltendes Recht, hilft Denkprozesse in Gang zu setzen

    „Denkprozesse in Gang setzen“ – ein Kandidat für das Weltverbesserer-Bullshitbingo.

  30. „Bullshit-Bingo“ um sich zu werfen ist wohl die neue Höchstform der Argumentation 🙂

  31. Aber nochmal im ernst – der „geschlossene Verband“ steht genau so in der STVO. Es ist schon traurig, wenn man den dann nur noch als „Weltverbesserer“ anwenden kann und sonst lieber drauf verzichtet, weil ein Großteil der Gesellschaft die STVO nur vom Hörensagen kennt.

  32. Auch wenn der geschlossene Verband so in der StVO drin steht – warum tut er das?
    Warum ist er einer, und warum will der CM-Gedanke ausgerechnet diese Sonderregelung, die doch eher für für Karnevalsumzüge, Trauermärsche und Demonstrationszüge gedacht ist, für sich verwenden?

    Was soll das bringen? Ok, Spaß machen tuts. Ja.

  33. Auch wenn die Vorfahrtregeln so in der StVO drin stehen – warum tun sie das? Warum nutzen die Verkehrsteilnehmer diese Sonderregelung, die doch eher für Warmduscher gemacht ist?

    Verstehst Du, worauf ich hinauswill? Der geschlossene Verband ist keine Sonderregelung, er ist inhaltlich nicht auf Karnevalsumzüge beschränkt. Er steht so in der STVO und sollte wertungsfrei angewendet werden können. Das ist dasselbe wie mit der Wahlfreiheit zwischen „Radweg“ und Fahrbahn. Jemand, der auf der Fahrbahn fährt, nutzt weder eine „Sonderregelung“ noch muss er in irgendeiner Form eine Begründung dafür abgeben. Selbiges gilt für andere Verkehrsregeln, z.B. den geschlossenen Verband.

  34. Was das Fahren in Zweierreihen angeht, sehe sogar ich das als so genannter Regelnazi mittlerweile weniger eng. In Hamburg wartet die Polizei ohnehin schon mit mindestens drei Streifenwagen am Treffpunkt und will uns begleiten und ob wir wollen oder nicht, riegelt sie die Straße vor und hinter uns ab, sperrt manchmal sogar mit Motorrädern die Querstraßen ab. Wenn wir drum eh auf einer leeren Straße unterwegs sind, nehmen wir dann natürlich auch die zweite oder dritte Fahrspur in Anspruch, hin und wieder auch die Gegenfahrbahn, wenn die Polizei sie für uns sperrt. Das hat nicht zwangsläufig etwas mit der Ignoranz von § 27 Abs. 1 StVO zu tun, sondern im Endeffekt auch praktische Gründe: Ansonsten wäre unser Verband mindestens vier oder fünf Mal so lang.

  35. Kurzer Einwurf zur HH-CM: Die wurde im vergangenen Jahr von Monat zu Monat disziplinierter. Kaum Zwischenfälle, dafür tolle Stimmung. Und warum ist die CM so viel grösser als in B oder M oder F? Nun, Hamburg scheint eben eine sehr fahrradaffine Stadt zu sein. So liegt die Nutzungsrate der roten Stadträder (auch immer mehre bei der CM dabei) bei fast gleicher verfügbarer Stückzahl zehn Mal (!) so hoch wie in München.

    Ganz toll finde ich übrigens, dass die Hamburger Polizei bei der CM immer effektiv und freundlich den Tross absichert. Das ist alles andere als selbstverständlich. Kritiker, die auf Polizeibegleitung verzichten wollen, mag ich nicht recht verstehen.

  36. Ach, da dies ja ein sehr politischer Blog ist, möchte ich noch Folgendes hinzufügen: Die zunehmende Radnutzung in der Hansestadt ist für mich ohne Zweifel ein Verdienst des schwarz-grünen Senats unter CDU-Bürgermeister Ole von Beust. Aus dieser Zeit stammt die Einführung des Stadtradsystems. Das Netz der Verleihstationen ist extrem eng, meist liegen nur wenige hundert Meter zwischen den Depots und die Technik funktioniert gut. Entsprechend stark werden die Leihräder genutzt – im Sommer auch von vielen Touristen.

    Dazu kommt die Stadtstruktur. Die meisten Ziele sind innerhalb einer halben Stunde erreichbar, also kostenlos. Erst ab der 31. Minute fallen Kosten an. Das allein erklärt aber sicher nicht die viel, viel höhere Akzeptanz als zum Beispiel in München, sondern sie hat eben auch mit einem politischer Erziehungsprozess zu tun. Radthemen standen unter Schwarz-Grün viel höher auf der Agenda als es jetzt in der roten Alleinregierung der Fall ist. Auch zahlreiche neue Radstraßen, die erst jetzt sichtbar werden, stammen aus der Beust-Zeit.

    Für mich erklärt das wenigstens zum Teil den langsamen Wandel Hamburgs von einer Auto- zur Radfahrerstadt. Und damit eben auch die hohen Teilnehmerzahlen bei der CM. Diese Nicht-Veranstaltung und Nicht-Demo ist fast schon ein Touristen-Highlight. Ich habe schon Mitfahrer getroffen, die extra für die CM von außerhalb anreisen. Das hat doch Potential.

    Im Übrigen stört es mich überhaupt nicht, dass die CM mehr als karnevalistische Spaßveranstaltung denn als politische Demo wahrgenommen wird. Im Gegenteil: Was Spaß macht ist oft glaubwürdiger und hat damit mehr Macht als dogmatische Weltverbesserungs-Forderungen.

  37. ich denke, warum cv in HH so erfolgreich ist, ist die relative offenheit.
    was schon gesagt wurde, wenn es nur um schwachsinnige fahrradatmosphäre ginge, wäre HH weit vorne. und FB mag vielleicht auch eine rolle spielen und dass in HH „traditionell“ etwas garstigeres volk herum turnte – in berlin kipts nur migrierte schwaben ;-)) (un jetzt schnell wegducken …)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.