Ich lenke also bin ich. Bekenntnisse eines überzeugten Radfahrers

Seit Anfang Juni liegt ein Taschenbuch des Journalisten Kai Schächtele in den Auslagen der Buchhandlungen: „Ich lenke also bin ich. Bekenntnisse eines überzeugten Radfahrers.“ Der Band besteht aus 38 kleinen, nicht verbundenen Geschichten, die die Liebe Schächteles zum Radfahren behandeln. Seine Leidenschaft erwacht bereits mit fünf Jahren, als er mit seinem BMX-Rad die Welt um ein kleines Dorf in Bayern entdeckt. Schnell wächst in ihm die Überzeugung: „Autofahren ist Pompe, Radfahren ist Rock´n´Roll.“ Im Grunde ist er bis heute bei dieser Haltung geblieben. Aber es ging Schächtele nicht darum, ein weiteres Hassbuch gegen Autofahrer zu schreiben. Er legt Wert darauf, dass er ausdrücklich nicht aus Umweltgründen Rad fährt. Was ihn aufs Rad treibt, sind Spaß und Freude am Pedalieren.

Natürlich ist das Buch polemisch. Schächtele macht sich über die Helmträger genauso lustig wie über die Spießer auf Rädern, er nennt sie Nordic Biker. Manchmal hat man den Eindruck, einzelne Geschichten in dem Buch seien nur erfunden, damit er eine lustige Pointe unterbringen kann. In dem Kapitel, in dem er seinen ersten Fahrradunfall beschreibt, schildert er seine Gehirnerschütterung so: „Es fiel mir zunehmend schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Offenbar drosselte mein Kopf die Leistung auf die lebenserhaltenden Baisfunktionen herunter: Atmung, Herzschlag, Humor.“

Radfahren ist für Schächtele eine Frage des Stils. So kommt es für ihn nicht in die Tüte, mit Packtaschen zu fahren, das widerspricht einfach seinem Gefühl für Stil.

Das Blog zum Buch heißt Radfahren macht glücklich!, Untertitel: Geschichten von strahlenden Menschen auf Rädern. Merkwürdigerweise wird Schächtele hier von seinem Stilgefühl verlassen, denn mit dem halbtransparenten Hintergrundbild ist es recht unleserlich. Inhaltlich ist es allerdings allemal lesenswert und es macht das, was ich mir selbst immer wünsche, vermutlich aber nie schaffe: immer nur über die postiven Seiten des Radfahrens schreiben.

Schächteles Humor zeigt sich auch in seinem Video, das eine Fahrt mit einem leicht abgeranzten Fahrrad mit Klickpedalen von der Castingallee in den Tiergarten beschreibt.

Empfehlung? Buch kaufen oder Blog abonnieren. So wie ich Schächtele kenne, wird er die eine oder andere witzig geschriebene Fahrradstory in seinem Weblog zweitverwerten.

Kai Schächtele: Ich lenke also bin ich
Bekenntnisse eines überzeugten Radfahrers
Heyne-Verlag
München, 2012
8.99 €

Die ersten 20 Seiten des Buches als Leseprobe
Blog: Radfahren macht glücklich

9 Gedanken zu „Ich lenke also bin ich. Bekenntnisse eines überzeugten Radfahrers

Kommentare-Feed
  1. Ein Weinflaschenhalter für´s Rad! :-O

  2. Wunderbares Buch, wie ich finde. Lesenswert!

  3. Was soll das heißen, leicht abgeranztes Fahrrad? Meins sieht mindestens genauso gebraucht aus und ich finde es nicht abgeranzt sondern schön so!

  4. @Michael S: ich meine damit ein Fahrrad, dem man ansieht, dass es häufig genutzt wurde. Wenn ein Fahrrad in Würde altert, dann hat es viel mehr Charme als ein frisch aus dem Laden geschobenes Neurad. Schächteles hinteres Schutzblech sieht so aus, als sei es schon mal gefaltet worden. So ein Blech vorsichtig wieder hingedengelt hat doch einfach mehr Charakter. Insofern habe ich das Wort „abgeranzt“ nicht abwertend sondern eher positiv gemeint.

  5. Im Gegensatz zu den Nordic Bikern ein echter Individualist. Und noch gilt ja zum Glück die 1,6 Promille-Grenze.

  6. @ kalle: Na da bin ich ja beruhigt 😉

  7. Micha, was hältst du davon, den Beitrag
    Show me your Alltagsbike
    noch mal zu machen? Dann könnte man sehen, was die Leutz, die hier lesen und schreiben, so fahren. Mein altes Fahrrad aus dem verlinkten Beitrag (Bild ganz unten: 50er Jahre Modell „Derby“ von Kalkhoff) hatte übrigens vor zwei Sommern Rahmenbruch. Nun fahre ich als Alltagsfahrrad ein noch älteres Modell von Mifa, reichlich abgeranzt, sag ich dir.

  8. […] Vielen Dank für die Empfehlung im Blog der Rad-Spannerei. Aber ich schwöre bei der Ehre von Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von […]

  9. @kalle: Ja, wäre doch ne gute Sache 🙂

    Ich fahre ein 5 Jahre altes VSF-Rad, nachdem mein nur 10 Jahre altes Diamant-Rad hinüber war.

    Sollen wir jetzt alle Fotos schicken, oder wie läuft das dann?

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