Keine Helmpflicht für Bobby-Car-Fahrer in der Schweiz

In einer Kindertagesstätte in Wollishofen in der Schweiz waren im Mai zwei Brüder mit dem gleichen Plastikauto gestürzt und hatten sich dabei verletzt. Das erste Kind hatte ein Loch im Kopf, das zweite eine Risswunde am Kinn.

Die Eltern nahmen ihre Sprösslinge unverzüglich aus der Krippe und warfen der Leitung der Kita vor, ihre Aufsichtspflichten verletzt zu haben, da die Kids einen Helm tragen müssten, bevor sie auf ein Bobby-Car steigen. Das zweite verunfallte Kind mit dem Riss im Kinn hatte keinen Helm getragen.

Nun hat die Stadt Zürich daraus die Konsequenzen gezogen: „Es wird zwar für Bobby-Car-Fahrer keine Helmpflicht geben, aber laut Katharina Stoll, Bereichsleiterin Kinderbetreuung in Zürich, sind in den neun städtischen Krippen nach den Sommerferien nur noch Autos zugelassen, welche die Norm 71 erfüllen.“ Stadtweit werden nun Bobby-Cars aus dem Verkehr gezogen, die die Norm nicht erfüllen. Allerdings: Das Spielzeugauto, mit dem die Kinder verunglückten, erfüllt bereits die Europanorm.

Tagesanzeiger: Wenn Eltern gegen Bobby-Cars ins Feld ziehen

21 Gedanken zu „Keine Helmpflicht für Bobby-Car-Fahrer in der Schweiz

Kommentare-Feed
  1. Helmpflicht für Stühle ohne Armlehnen. Ganz dringend nötig.

    Kinder, die nie hinfallen, die sich nie verletzen, sich nie ’ne Schramme holen, sich nie was brechen, die haben auch nicht gelernt sich zu bewegen, und können kein Risiko einschätzen. Sie sind gezielt behindert.

    Eltern mit so einer Vollkaskomentalität, die ihre Kinder lieber in rollenden Gummizellen verpackt wissen, gehören dringend selbst erzogen — denn zur Kindeserziehung taugen sie nicht.

  2. Naja, Vollkaskomentalität sehe ich da nicht so, eher vielleicht Angst, Ratlosigkeit und Empörung. Dieselben Gründe, die auch viele Radfahrer zum Helm greifen lassen. Vergesst mal nicht, dass erst ein Kind mit Loch im Kopf nach Hause kommt und dann ne Woche später das zweite mit Schlarzer im Kinn, beide vom Bobbycar gekippt. Da würde ich vielleicht auch versuchen, irgendwas dran zu ändern. Helm ist eben das nächstbeste, was den Leuten einfällt. Die Absurdität fällt hier nur besonders auf.

  3. wir brauchen ein inverses chinamodell in europa. minimum 2 kinder, dann ist die verlustangst der eltern auch nicht so groß.

    sie sp0nartikel, die helikoptermoms ruinieren ihre brut!

  4. @Michael S:
    Und schon wieder ein Kommentar auf diesem Blog, der helmtragende Radfahrer als Vollidioten abstempelt. Ich führ demnächst mal ne Strichliste …

  5. @ Lars: Wo sage ich, dass helmtragende Radfahrer Vollidioten sind? Scheinbar betrachtest Du die Eltern als solche und magst nicht in einen Zusammenhang mit Ihnen gebracht werden. Wenn Du Dich bewusst für einen Helm entschieden hast, bin ich der letzte, der Dich da in eine Ecke stellen will. Ich behaupte aber mal, die allermeisten Leute, die ich so mit Helm rumfahren sehe, tun es nicht, nachdem sie sich gründlich informiert haben, sondern nachdem sie von Verkehrsministern, regionalen Polizeichefs und Unfallchirurgen gehört haben, wie gefährlich Radfahren angeblich ist (Angst) und täglich auch tatsächlich subjektiv Gefahren erleben, vor denen sie Schutz suchen und sich den durch einen Helm versprechen (Ratlosigkeit). Auch die betrachte ich nicht als Vollidioten. Auch ohne Grundinformation können sie ja sozusagen mindestens die gleiche Schutzerwartung für sich geltend machen, wie durchinformierte, statitstikgesättigte Helmprofis. Nur: Sicherheitserwartungen produzieren keine Sicherheit und da sind die genannten Eltern sogar ein ganz gutes Beispiel für. Die Empörung letztlich bezog sich auf die Eltern, die ihre Kinder in die Obhut anderer gegeben und lädiert wiederbekommen haben. Ich sage nicht, dass die Elternreaktion angemessen ist, aber ich verurteile sie auch nicht gleich als Deppen. Wie Du daraus ableitest, ich halte Helmträger für solche, das erklär mir doch noch mal.

  6. @ rbt: Hast Du Kinder?

  7. Auch Schaukeln und Klettern ist gefährlich, nicht nur mit dem Bobbycar kann ein Kind hinfliegen. Oder in kurzen Hosen über den Asphalt rennen. Selbst von Schaukelpferden sind in der Kita, wo meine Tochter derzeit ist, schon Kinder heruntergefallen und haben sich so verletzt, dass sie zum Arzt mussten (nichts dramatisches). Man sollte einfach das Spielen verbieten.

    Ich versuche auch, Gefahren zu vermeiden, indem ich z.B. keine Stricke, Leinen oder Kabel im Kinderzimmer habe, das Kindchen nicht allein auf den Balkon lasse etc. Aber irgendwo gibt es eine Grenze zwischen normaler Elternsorge und übertriebener Angst. Ein Kind, das im geschützten Raum eines Kita-Spielplatzes mit dem Bobbycar seine 10, vielleicht auch mal 15 km/h umherfährt, geht nun wirklich keine großen Gefahren ein, die über die normalen Spiel-Gefahren hinausgehen.

    Kritisch sehe ich, dass schon den Kindern eine Angstkultur aufgedrückt wird, die mit den tatsächlichen Gefahren nicht übereinstimmt.

  8. Wenn man mal erlebt hat, wie stolz Kinder sich gegenseitig ihre Narben zeigen …

  9. hehe… ja, stimmt. Solange es nur Narben sind. Auch ein Loch im Kopf oder einen Riß im Kinn könnte ich noch verkraften, ohne den Kindergarten zu verklagen. Heftig gefährlich sind z.B. Tellerschaukeln. Da kenne ich aus nächster Bekanntschaft allein drei Unfälle, davon 1 Armbruch und 1 Beckenbruch (!). Trotzdem habe ich da noch nie nach Helmen rufen hören und sehe mich auch nicht veranlaßt, meinen Kindern die Benutzung zu verbieten (ähem, ich weiß von den Unfällen ja durch meine Kinder, also werden die über die Gefahren sicher besser Bescheid wissen, als ich).

    Ich meine, man sollte hier aus dieser Situation (2 Geschwisterkinder unter ähnlichen Umständen verletzt, Eltern drängen auf Gegenmaßnahmen) keine Sensation machen. Die Eltern reagieren sicher von aussen betrachtet über, aber das ist noch kein Grund den Untergang der Spielkultur und das Heraufziehen von Vollkaskomentalität zu fürchten. Da geht es z.B. auf Spielplätzen in Rom schon generell anders ab. Die Mütter schaukeln da ihre Kinder, indem sie sie an einem der Seile ständig festhalten, wenn 4 jährige 3 m vorauslaufen, heißt es gleich Attenta, Attenta! und Wasser ist sowieso was ganz schlimmes.

  10. Ein „Loch“ im Kopf ist ja nun auch sehr dramatisch.

  11. „Loch im Kopf“ = umgangssprachlich für Platzwunde*

    *selbst kindergartenspielplatzversehrt

  12. Allerdings nähern wir uns der völligen Auskleidung mit Luftpolsterfolie. Viele Kindergärten und tlw. auch Grundschulen machen Ausflüge nur noch mit Warnwesten, auch wenn sie gar keine Straßen überqueren müssen.

    Auch aus dem Schulalltag der Lehrerverwandtschaft kann ich eine steigende Klagefreudigkeit berichten. Statt dem Kind einen Rüffel zu geben, wenn es Unsinn gemacht und sich dabei verletzt hat, wird der Fehler bei den Lehrern gesucht und Klage eingereicht.

    Und der Super-Gau: Ein fremdes! Kind in der Öffentlichkeit maßregeln. Wie kann man sich in fremde Angelegenheiten einmischen! Und außerdem, Torben-Frederick muss seine Schuhe auf dem Sitz saubermachen, ansonsten ist seine freie Entfaltung gefährdet, er ist ja so hochbegabt.

  13. Ick wees ja nicht wo ihr so Kinder erlebt, aber bei den Kackbratzen auf meinem Hinterhof kümmert sich von den Erzeugern keiner auch nur nen Scheiss um irgendwas, wahrscheinlich sind eh zuviele da, um den Überblick zu behalten…

  14. Die Kommentare der schweizer Leser find ich irgendwie beruhigend – es gibt doch noch Leute mit dem viel zitierten gesunden Menschenverstand.

  15. jau, die gören bei mir auf dem hof sind ein lebendiges völkchen, klettern auf mauern und stellen viel scheiß an 🙂

    auf dem nachbarhof kann man hingegen schon mal kinder mit helm auf der schaukel sehen…

    (natürlich überspitzt. auch auf dem nachbarhof gibt es leben, nicht nur weil die mauer kein hindernis ist ;-). leider nicht das mit dem helm…)

    ein ergebnis des kinder-in-watte-packens dürften auch die suv-paraden zum schulschluss sein vor entsprechenden gebäuden…

  16. „ein ergebnis des kinder-in-watte-packens dürften auch die suv-paraden zum schulschluss sein vor entsprechenden gebäuden…“

    Wenns nur das wäre. Die eigenen Kinder werden in Watte gepackt, fremde Kinder gefährdet. Sozialverhalten einer automobilen Gesellschaft.

  17. @ berlinradler und sascha restgrau: Geht auch ohne SUFF. Manche Muttis mit Kindersitz hintendrauf kacheln manchmal im Slalom über Gehwege an 3-jährigen vorbei.

  18. […] Preisregulierung bringt freie Tankstellen in Not Emotionen: 11* In Blogs gefunden: Keine Helmpflicht für BobbyCarFahrer in der Schweiz » Rad Keine Helmpflicht für BobbyCarFahrer in der Schweiz In einer Kindertagesstätte in […]

  19. Sonst haben die aber keine Sorgen? Fehlt nur noch dass die Helmpflicht für Fahrradfahrer kommt oder was? Es reicht schon dass es für Mororräder eine Helmpflicht gibt.

    Warum kann man den mündigen Bürger nicht selbst entscheiden lassen wie er sich den Hirnkasten einrennt…

  20. Wobei man Helmpflicht bei Motorrad und Fahrrad ohnehin unterscheiden muss. Das Wirkungsprinzip eines Fahrradhelms ist grundsätzlich anders als das eines Motorradhelms.

    Der Fahrradhelm soll den Aufprall dämpfen, der Motorradhelm verteilt den Druck auf eine größere Fläche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.