Bußgelder für Radfahrer in den Niederlanden

Das Velomagazin Fietsen.123 hat eine komplette Übersicht aller radfahrerbezogener Bußgelder im Jahr 2012 veröffentlicht. Die niedrigste Strafe liegt bei dreißig Euro, die höchste bei 130 Euro.

Fahren unter Alkoholeinfluss (0,54 Promille): € 130,-
Keine Kooperation bei der Alkoholkontrolle: € 85,-
Keine Pedalreflektoren : € 30, –
Keine Reflektoren am Laufrad: € 30, –
Defekter roter Reflektor: € 30, –
Falsche Beleuchtung: € 45, –
Defekte Pedale: € 85, –
Defekte Glocke: € 30, –
Defekte Bremsen: € 45, –
Defekte Lenkung: € 85, –
Schlechter Rahmenzustand: € 45, –
Bei Haifischzähnen keinen Vorrang einräumen: € 85, –
Nicht Stoppen im Stop-Bereich: € 30, –
Auf Busspur fahren: € 45, –
Kreuzen durchzogener Linie: € 45, –
Nicht Stoppen an Stoppschild, Rotlicht, Fahne etc: € 130,-
Zeichen zur Temporeduzierung missachten: € 130,-
Rechts überholen: € 85,-
Schnellweg / Autoweg benutzen:  € 130,-
Kreuzung blockieren: € 85,-
Negieren verpflichtender Radwege: € 45,-
Auf dem Weg nicht rechts fahren: € 85,-

Es folgt eine lange Liste von Behinderungen, die unterschiedlich teuer sind. Die Behinderung eines Busses an der Bushaltestelle kostet € 45,-, die Behinderung eines Blinden mit Blindenstock € 130,-, die Behinderung eines Fußgängers auf dem Zebrastreifen € 130,-. Fünfundachtzig Euro teuer wird es, wenn man als Radfahrer andere durch Kehren, Spurwechsel oder Anfahren behindert oder einen Bahnüberweg blockiert. Recht günstig ist dagegen das Schneiden einer Militärkolonne mit 30,- Euro.

Fietsen.123: Compleet overzicht: alle mogelijke bekeuringen voor fietsers in 2012

18 Gedanken zu „Bußgelder für Radfahrer in den Niederlanden

Kommentare-Feed
  1. mhh das schneiden einer militärkolonne würd ich mir glatt mal gönnen 😉
    .
    wie im falle dänemarks wundert mich auch hier die höhe der strafen und verglichen mit dem geringen gefährdungspotential eins velos erscheint mir das alles etwas drakonisch. da müsste man mal den bußgeldkatalog für autofahrer gegenüberstellen um zu schauen, ob das bußgeldniveau bei den dänen und niederländern vlt. insgesamt deutlich höher ist als bei uns.

  2. Es zeigt aber auch, dass Radfahrer in diesen Ländern als Teil des Straßenverkehrs wahrgenommen werden und nicht nur als schnelle Fußgänger zählen. Zum Bewegen eines Fahrzeuges gehört nun einmal ein gewisses Maß an Verantwortung, daher finde ich die Entgelte zumindest bei gefährdendem Verhalten vollkommen in Ordnung. Dass es auch bei Lappalien wie defekter Klingel oder zu wenigen Rückstrahlern teuer wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

  3. Naja, und vor allem wird es jetzt auch nicht sonderlich „konsequent“ verfolgt 😉

    Bis wir aber so ein schönes Parkverbotsschild für Räder bekommen, werden noch etliche Schläuche draufgehen.

  4. wobei so dinge wie „schlechter Rahmenzustand“ geradezu nach der Geschmackspolizei rufen 😉

  5. Nicht schlecht – manche der Owis gibts hier gar nicht. Und ein „Zeichen zur Temporeduzierung“ auch nicht.

    Und manche laden zur Willkür ein. „Nicht rechts fahren“ kann man im Zweifelsfalle sehr hart auslegen, deutsche Fahrradspuren geben ja einen Geschmack davon, wie weit rechts man Radfahrer gerne hätte.

    Kreuzung blockieren ist auch nicht schlecht. Kenne das Problem von Radfahrern eher nicht.

  6. Je mehr Geld die Volksvertreter für die Fahrradinfrastruktur locker machen müssen, desto mehr steigt der versteckte Hass auf die Radler. Überhöhte Bußgelder und überzogene Reglementierungen sind dann eine ganz normale Reaktion.

    @berlinradler: Schrittgeschwindigkeit für Radfahrer wäre so ein Zeichen für Temporeduzierung. Und Tempo 30 kann man ja auch schon mal überschreiten.

  7. Ach, ich glaube, je mehr Leute radfahren, umso mehr kommt das Thema auch in der Politik an. Hassgefühle entstehen doch eher bei denen, die selbst nicht radeln. Wobei das auch eine Mentalitätsfrage ist.

  8. @kl: In den Niederlanden kann ich mir kaum vorstellen, dass „versteckter Hass auf die Radler“ für den Bußgeldkatalog verantwortlich ist…

  9. ich wage eine latente radfahrerfeindlichkeit der „orbigkeit“ auch für weit hergeholt. dafür ist radfahren „drüben“ einfach zu weit in der alltagskultur verwurzelt. da ist radfahren kein hobby von überzeugungstätern oder hungerleidern.

  10. ersetze wage durch halte, danke

  11. @rbt: auch in Deutschland ist Radfahren kein Hobby von armen Freaks. Radfahren ist völlig unkompliziert, schnell, günstig und macht Spass. Und es hat eben nicht mehr bei allen das Image „…der kann sich kein Auto leisten…“.
    Ein von der Politik ernstgenommenes Verkehrsmittel ist es in D allerdings noch nicht. Sonst würde nicht son Murks geplant.

    Wenn Radfahrer ernstgenommen werden wollen, können Sie auch latzen wenn sie über Rot fahren. Dann will ich aber auch gleiche Rechte und Infrastruktur.

  12. Die Preise in NL scheinen mächtig angezogen zu haben. Letztlich aber das gleiche Phänomen wie in Deutschland auch: irgendwie gehen alle paar Jahre große Aufregewellen durch die Medien, typischerweise im Sommerloch, dann meint die Politik handeln zu müssen, es kommen höhere Bußgelder raus. An der Realität ändert all das überhaupt nichts. Denn die Kontrolldichte in NL dürfte ähnlich niedrig sein wie in DE auch. Zumindest kann ich mich bei meinen gelegentlichen Fahrten durch NL in den vergangenen Jahren nicht daran erinnern, dass man als Radfahrer überhaupt irgendwie einer erhöhten Aufmerksamkeit bedacht wurde.

  13. Ich gebe zu, „Hass“ war die falsche Wortwahl. „Wenig fahrradfreundich“ oder einfach „ignorant“ oder „autoaffin“ dürfte die Mehrzahl der Volksvertreter besser charakterisieren. Es hat sich ja auch bei Umfragen zur Helmpflicht gezeigt, dass die Mehrheit für eine Helmpflicht ist, wenn die Nichtradfahrer in die Umfrage mit einbezogen werden. Nimmt man nur Radfahrer, ist die Mehrheit gegen Helmpflicht. Und da bleibe ich dabei, dass die Bußgeldkataloge in Holland und Dänemark eindeutig nicht fahrradfreundlich sind. Wie oft man mit Kontrollen rechnen muss, spielt für die Beurteilung von Gesetzen keine Rolle. Schon die Drohung verschlechtert das Klima.

    Christoph: bin auch deiner Meinung: „Radfahren ist völlig unkompliziert, schnell, günstig und macht Spass“. Denke aber durchaus, dass Radfahren im Alltag eher schichtspezifisch für einkommensschwache Schichten ist. Man muss eigentlich nur mal schauen, welche Räder in den Städten abgestellt sind. Die meisten in einem desolaten schrottreifen Zustand, echte Drahtesel, auf denen niemand freiwillig und mit Spaß fährt. Erst in den letzen Jahren sieht man zunehmend auch wertige und gut gepflegte Räder, aber immer noch eine kleine Minderheit. Nur in den Innenbereichen von Großstädten radeln auch mal Besserverdiener, Umwelt- und Fitnessbewusste im Alltag. Auf dem Land sind es dann eher Touristen und Freizeitsportler. Im Alltag nimmt dort kaum jemand das Rad, wenn er sich ein Auto leisten kann. Es bedarf also noch einer Menge an Überzeugungs- und Imagearbeit.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang auch einmal auf einen Link zum Status des Fahrrades in China verweisen:

    http://faz-community.faz.net/blogs/asien/archive/2012/01/05/e-bikes-und-autos-statt-fahrraeder-in-china-vom-sterben-einer-spezies.aspx

  14. Subjektiv empfinde ich es oft andersherum, ohne das aber als Fakt hinstellen zu wollen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass das Auto für „Arme“ oft wichtiger ist als für „Gutverdiener“. Die Qualität des Fahrrads sagt nicht viel über das Einkommen aus, viele haben aus pragmatischen Gründen – z.B. wegen Diebstahl oder der Wartungsarmut – eher einfache Räder.

    Radfahrer werden derzeit nicht sehr homogen wahrgenommen. Für die einen eine veraltete, arme Fortbewegungsart. Für die anderen einfach pragmatisch sinnvoll. Für die nächsten dann wieder Lifestyle und Persönlichkeitsausdruck. Und für einige durchaus die Zukunft, trotz des Paradoxons, dass diese bisher immer eher mit mehr Technik verbunden war. Dem steht aber m.E. entgegen, dass das Auto seit Jahrzehnten nicht wirklich weiterentwickelt wurde – von einigem Innenausstattungsschnickschnack mal abgesehen.

  15. Das BIP in den Niederlanden liegt auch deutlich über dem in Deutschland. Also höherer Lebensstandard heißt auch höhere Bußgelder.

  16. Die Bußgelder für Radfahrer liegen anscheinend deutlich unter denen für Autofahrer, so wie in Deutschland wohl auch meistens:
    http://auto-en-vervoer.infonu.nl/diversen/24464-dit-zijn-ze-boetebedragen-nederlandse-verkeerspolitie.html

    So billig wie in Deutschland ist Aggrofahren halt nirgends.

  17. @kl:
    ein Schrottrad (eine sogenannte Stadtschlampe, politisch nicht korrekt, ich weiss…) zu besitzen sagt nichts aus über die finanzielle Situation des Inhabers.
    Bei jungen Leuten gibt es m.E. einen Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Fahrradnutzung. Ich wage zu behaupten, zur Uni fahren mehr mit dem Rad als zur Berufsschule.
    Für viele heute 15jährige hat das Auto nicht mehr so eine Bedeutung wie für Gleichaltrige in den 70/80ern. Leider werden die politischen Vorgaben, die unsere Verkehrsinfrastruktur maßgeblich beeinflussen, noch von der letzteren Gruppe gemacht. Und deswegen nimmt der Radverkehr auch nur so langsam zu. 50 Jahre Gehirnwäsche kann keiner so leicht abschütteln.

    Dazu ein Vortrag von Prof. Hermann Knoflacher, Verkehrsexperte unter

    http://www.jahnsmedia.de/pres20091218/11/

    vielleicht teilweise etwas übertrieben aber mal anders betrachtet. Achtung langes Video.

  18. Lustig anmutende Liste. Erstaunlich detailliert.

    Ich frage mich, ob das eine bereits seit längerer Zeit geplante Veränderung ist, oder ob es eine Folge der neuen Mehrheitsverhältnisse in den Niederlanden wiederspiegelt? So von wegen Saubermenschentum und so ..

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