Weniger Blech in der Linienstraße?

Die Linienstraße ist von Bordstein zu Bordstein gemessen etwa sieben Meter breit. Nach Ansicht der Verkehrsplaner ist das Platz genug für zwei Parkstreifen sowie eine Fahrspur als kombinierte Autospur in beide Richtungen beziehungsweise als Fahrradstraße. Kfz-Lenker befahren die Linienstraße meist exakt mittig und geben in der Regel keinen Millimeter Platz, wenn ihnen Radfahrer entgegenkommen. Als Radler muss man sich zwischen den Autos hindurchzwängen, für Sicherheitsabstände bleibt kein Platz. Besonders misslich ist es für Radfahrer, wenn sich zwei Autos begegnen. Für die Autofahrer ist das Millimeterarbeit, sie tasten sich Zentimeter für Zentimeter voran, für die Radfahrer bedeutet das: absteigen und warten, bis die Autos endlich aneinander vorbei gekommen sind. Für eine Fahrradstraße ist dieser Zustand nicht zumutbar.

Die westlichsten hundert Meter der Linienstraße wurden gerade umgestaltet. Statt zweier Parkstreifen gibt es hier nur noch einen mit schräg geparkten Autos. Zusätzlich ist die Linienstraße zwischen Tucholksky- und Oranienburger Straße nun Einbahnstraße. Es wäre ein Gewinn für die Linienstraße als Fahrradstraße, wenn diese Regelung in der ganzen Straße eingeführt würde.

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21 Gedanken zu „Weniger Blech in der Linienstraße?

Kommentare-Feed
  1. Ach ja? Ich sage voraus, dass eine breitere Fahrspur die Autofahrer dazu animiert schneller zu fahren. Das dürfte dann der komplette Tod der „Fahrradstraße“ sein.

  2. Fahrradstraßen funktionieren nicht, der Durchschnittsautofahrer beachtet doch die Beschilderung (wenn sichtbar und vorhanden) doch eh nicht, oder wenn er sie entdeckt, weiss er nicht wie er zu handeln hat, denn Recht und Brummbrumm hat er ja weiterhin, wieso sollte man sich also plötzlich anders verhalten. Das ist wie Anlieger frei, einfach durch und Ignorieren, kontrolliert ja eh keiner…

  3. Anlieger-Frei-Schilder für Autos aufstellen, rigoros überwachen und Ordnungswidrigkeitsgelder bei Verstößen kassieren (anfangs rund um die Uhr, nachdem sich es rumgesprochen hat nur noch an täglich z.B. 18 von 24 Stunden). Die Bußgelder sollten so hoch sein, dass die Autofahrer einen Autoverzicht erwägen müssten (zur Vermeidung ihrer Privatinsolvenz).
    Folge wäre: Erfreulich weniger Autoverkehr, Linienstraße wäre als Fahrradstraße endlich nutzbar, Stadtkasse wird aufgefüllt.

  4. Ich meine, das ist schon ne Anliegerstraße.

  5. Eine Fahrradstrasse, die auch als Schleichweg genutzt werden kann, ist keine. Besser ist es, die Strasse nicht durchgehend für Autos befahrbar zu machen, indem man zwei aufeinander folgende Abschnitte als gegenläufige Einbahnstrassen kennzeichnet mit Radfreigabe in Gegenrichtung. Oder als unechte Sackgassen, wo am Ende Pfosten stehen, durch die nur der Radverkehr durchschlüpfen kann.

  6. @gernfahrer: ich glaube fahrradstrassen sind grundsätzlich „anlieger frei“-strassen

  7. Fahrradstraßen sind grundsätzlich nur für Radfahrer reserviert. Anlieger frei ist die Ausnahme. In der Realität ist man natürlich weniger mutig, eine Fahrradstraße nur für Radfahrer habe ich noch nie gesehen.

  8. Was ich vergessen hatte – ist die Einbahnstraße eigentlich „Radfahrer frei“?

    Komisch ist das schon. Eine Straße nur für Radfahrer und ausnahmsweise für Autos freigegeben. Dortdrin eine Einbahnstraße, ausnahmsweise für Radfahrer freigegeben.

    Die STVO in ihrer Autofixiertheit lässt einige Konstellationen gar nicht richtig abbilden.

  9. Eine Fahrradstraße ist eine Fahrradstraße! Auf der Fahrbahn fahren ausschließlich Radfahrer!
    Leider gibt es die Ausnahmen. Und die heißt „Anlieger frei“. Gedacht für Anwohner, Rettungsdienste, Müllabfuhr etc.
    Das funktioniert im Umland recht gut. Nur hier in Berlin nicht. Warum?
    Die Schilder „Fahrradstraße“ sind zu klein. Sie werden von den Kfzlern nicht „richtig“ erkannt. Und wenn, viele kennen die in der StVO festglegte Regel zur Fahrradstraße nicht! Auch sehe ich in der Linienstraße Schilder, die widerrechtlich mit div. Aufklebern unkenntlich gemacht worden sind.
    Ein Bedarf an Aufklärung ist dringend erforderlich. Das macht der ADFC Berlin bereits in seinen Fahrkursen, bei Verkehrssicherheitsberatungen, bei Frühlings- und Herbstchecks. Ergebnis: Ein hoher Anteil von Inhabern einer Fahrerlaubnis, die noch nie etwas von einer Fahrradstraße gehört haben! Der rbb hatte im Sommer über die Linienstraße als Fahrradstraße berichtet.
    Fazit: Permanente Kontrollen und Sanktionen durch die Polizei. Zusätzlich intensive Aufklärung durch die Medien und die Verkehrspräventionsbeamten der Polizei Berlin.

  10. Diese Schrägparkplätze sind furchtbar. Jeder 6m lange Kleinlaster kann sich ganz entspannt hinstellen und den halben Bürgersteig und die halbe Strasse blockieren, ersteres insbesondere wenn rückwärts eingeparkt wird.

    In Großstädten wie Berlin sollten nur noch Kfz zugelassen werden dürfen wenn man einen eigenen Stellplatz nachweisen kann. Und sofortige Abschaffung der Stellplatzsatzung.

  11. Ich gebe für Christophs Vorschlag +1 🙂

    Das Japanische Modell mit eigenem Stellplatznachweis sollte in Ballungsräumen eingeführt werden, stellt euch vor was man da alles an Platz zurückgewinnen könnte…

  12. Genau diese Art zugeparkter Straße meinte ich neulich in einer anderen Diskussion. Schon, wenn man als Radfahrer den Sicherheitsabstand zu parkenden Autos wegen „sich plötzlich öffnender Türen“ einhalten will, muss man mittig auf der Straße fahren.
    Es hört sich immer so schön an: als Radfahrer Nebenstraßen benutzen. Tu ich auch gerne, aber diese als Parkraum missbrauchten Straßen sind nix besser als Durchgangsstraßen, nur anderes schlecht. Im Prinzip eiert man da im Blindflug lang immer auf der Hut vor ausparkenden Autos, die Straße betretenden Fußgänger, sich begegnenden Autos… ätzend. Der Radfahrer auf dem Foto ist ja auch „mutig“, so dicht an den parkenden Autos vorbeizufahren.
    Sowas als Fahrradstraße zu deklarieren, ist ja wohl der blanke Hohn.

    Zu den Ver(schlimm)besserungen kann ich als Nicht-Berliner naturgemäß nix sagen.

  13. Zitat: „Das Japanische Modell mit eigenem Stellplatznachweis sollte in Ballungsräumen eingeführt werden, stellt euch vor was man da alles an Platz zurückgewinnen könnte…“

    Was ist das denn für ein Modell? Wo kann ein solcher „eigener Stellplatz“ in Ballungsräumen denn liegen? Nur in Parkhäusern, Tiefgaragen oder in der eigenen Wohnung – Stichwort „Car-Loft“? Denn das wäre ja die einzige Möglichkeit, durch eine solche Regelung „Platz zurückzugewinnen“. (?)

  14. @Radspanner

    Die westlichsten hundert Meter der Linienstraße wurden gerade umgestaltet. Statt zweier Parkstreifen gibt es hier nur noch einen mit schräg geparkten Autos. Zusätzlich ist die Linienstraße zwischen Tucholksky- und Oranienburger Straße nun Einbahnstraße. Es wäre ein Gewinn für die Linienstraße als Fahrradstraße, wenn diese Regelung in der ganzen Straße eingeführt würde.

    Lustig. Das ist genau die Gegend, die ich in meinem wütenden Blogbeitrag beschrieben habe. Wo der Autofahrer „Einbahnstraße“ gekläfft hat und nicht realisierte, daß dies für mich nicht gilt. (Ich fuhr Richtung Osten.)

    Ich komme mit der Linienstraße klar. Hatte mit zwei Autos noch keine Probleme. Ist wohl noch nicht vorgekommen bei mir. Im großen und ganzen bin ich froh über die Linienstraße.

    Die meisten Autofahrer machen auch Platz.

    Hinweis:
    Link des Kommentarschreibers wurde am 20.06.2012 gelöscht.
    Rad-Spannerei Blog

  15. Unter http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradstra%C3%9Fe
    findet sich die Definition derselben.

    Aber es gibt zahlreiche Ausnahmen, wer noch alles die sog. Fahrradstraße benutzen darf:
    „Fahrräder sind die einzigen erlaubten Fahrzeuge in Fahrradstraßen.[1] Andere Fahrzeuge können mit Zusatzzeichen erlaubt werden,[1] „Anlieger frei“ kommt häufig vor. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für alle Fahrzeuge 30 km/h.[1] Radfahrer dürfen ausdrücklich nebeneinander fahren[1], auch wenn dadurch der Verkehr behindert wird.[2] Kraftfahrer müssen gegebenenfalls ihre Geschwindigkeit verringern, um eine Behinderung oder Gefährdung von Radfahrern zu vermeiden.[1]“

    Die Augenwischerei könnte man sich dann auch sparen meinetwegen.

  16. Neulich hatte ich einen in der Linienstraße, der hatte so versteckt geparkt, dass er sich von einem Kumpel hat einweisen lassen, als er wieder auf die Fahrbahn wollte. Der Einweiser hat das echt gut gemacht, alle Radfahrer durften warten, bis die Karre umständlich ausgeparkt war.

    Mit der Parkerei haben wir ein Problem, das m.E. nicht in den Griff zu bekommen ist und viele sinnvolle Verkehrslösungen von vornherein unmöglich macht.

  17. @reclaim

    Das funktioniert so das man sich ein Auto nur dann betreiben darf wenn man einen eigenen Parkplatz in einer Garage oder auf dem eigenen Grundstück nachweisen kann, iirc gibt es Sondererlaubnisse wenns der Beruf fordert o.ä.

    Und ja man kann nicht jederzeit neue Parkhäuser aus dem nichts zaubern, die einzig bleibende Konsequenz wäre also das sich die meisten Leute von ihrem privaten Automobil trennen müssten.

    Klingt jetzt hart, aber was im Großraum Tokyo funktioniert sollte sich in vergleichsweise mickrigen Großstädten wie Berlin, entsprechender ÖpnV vorrausgesetzt, auch machen lassen.

    Planungszeitraum dafür sind halt nich 5-10 Jahre, eher 20-30…

  18. Wobei dann ein Trend zu befürchten wäre, der jetzt schon tierisch nervt: Höfe und Hinterhöfe werden zu Parkplätzen. Früher konnte man da noch spielen oder verweilen.

    Letztendlich kann man ein Auto nicht sozialverträglich parken. Selbst Parkhäuser sind nervig, weil ihre Ausfahrten über den Gehweg führen und dort ständig für dumme Situationen sorgen.

  19. Ja die soziale Unverträglichkeit ist bestandteil des Konzepts Automobil… Frisst Platz, Luft, Geld ,Menschen und macht sogar die Nutzer Sauer.

    Die Idee Innenhöfe mit Garagen/Parkplätzen auszustatten gab es iirc in den 60ern oder 70ern schonmal oder?

  20. Ich kann nur für den Osten sprechen, da war das eher unüblich.

  21. vielleicht sollte man auch mal überlegen autos auch nach platzverbrauch und gewicht zu besteuern.

    wenn man alle 5 sitzer durch smarts ersetzen würde, würde man schonmal doppelt so viel platz haben. so als gedankenspiel

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