Rechte der Radfahrer in Polen gestärkt

Nach der Zustimmung beider polnischer Parlamentskammern wird das Straßenverkehrsrecht für Radfahrer ab dem 1. Mai 2011 verändert.

An stark befahrenen Straßen werden künftig Aufstellfläche für Radfahrer eingerichtet. Durch diese Straßenmarkierungen können Fahrradfahrer sich an Ampeln vor den haltenden Autos platzieren. Sie sind damit für Autofahrer besser sichtbar. Radler dürfen künftig auch rechts überholen, wenn Fahrzeuge vor ihnen extrem langsam fahren, wie zum Beispiel im Bereich von Straßenkreuzungen.

Neu ist ebenfalls die offizielle Erlaubnis, Fahrradanhänger für Kinder zu nutzen und neben Kindern bis zum 10. Lebensjahr auf dem Bürgersteig zu fahren.

Bürgersteige dürfen in Polen künftig generell von Fahrradfahrern genutzt werden, wenn die Höchstgeschwindigkeit auf der Fahrbahn über 50 km/h liegt und das Trottoir mindestens zwei Meter breit ist, oder bei wetterbedingt besonders schlechter Sicht.

In Zukunft dürfen Radfahrer beim Abbiegen in der Mitte der Fahrbahn und nicht mehr nur am rechten Rand fahren. Polnische Kraftfahrer sind beim Rechtsabbiegen ab dem 1. Mai verpflichtet, in den Rückspiegel zu schauen und über die Schulter zu sehen, denn Radfahrer haben absoluten Vorrang und müssen in jedem Fall vorbei gelassen werden

Polnisches Fremdenverkehrsamt: Mehr Rechte für Radfahrer
polen.pl: Radfahrer dürfen in Polen mehr

9 Gedanken zu „Rechte der Radfahrer in Polen gestärkt

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  1. Einerseits natürlich schön, wenn man sich Gedanken macht und die STVO verbessert. Andererseits nur ein Anfang, denn mit den Regeln ändert sich das Fahrverhalten zunächst nicht.

    Ganz schlecht finde ich die Rechts-Überhol-Erlaubnis, man fährt da im Toten Winkel und ist dran, sobald der Überholte nach rechts abbiegt, was ja auch zum Einparken geschehen kann.

    Schön wären konkrete Regeln und Hinweise zu Überholabständen, bin neulich mal ne polnische Landstraße gefahren, da wird überholt als wär man gar nicht da. Nicht nur von polnischen Fahrzeugen.

    Wenn ich an die STVO randürfte, dann:
    – hieße „Anlieger frei“ automatisch „Radfahrer frei“
    – gäbe es nicht nur Erklär-Textschilder für verkehrsberuhigte Zonen („Schrittgeschwindigkeit“), sondern für viele alltägliche Situationen, in denen die Regeln unbekannt sind
    – gäbe es keine RWBP, da sie von den Behörden eh nur missbraucht wird

  2. Ich hätte gerne mal einen expliziten Fall, in dem ein Radfahrer für das Befahren einer Anliegerstraße belangt wurde. Gerne auch in Verbindung mit einem Unfall in einer solchigen.

    Den Begriff „extrem langsam fahren“ hätte ich bitte noch geklärt.
    Bürgersteige zu befahren sehe ich als extrem grentwertig an.
    Ein Lob für die Einführung des Schulterblicks: Hört, hört; „denn Radfahrer haben absoluten Vorrang und müssen in jedem Fall vorbei gelassen werden“!
    Immer? Dawerden sich die Rad-Kuriere aber freuen.

  3. Eine Wunsch-Regel hab ich noch vergessen:
    Konkrete Angabe des Mindestüberholabstands in der STVO.

    @Oberförster, ich kann mir vorstellen, dass die Polizei bei einer solchen Kontrolle alle anhält, also Radler und Autofahrer. So eine Kontrolle selbst hab ich noch nie gesehen.

  4. nun das problem in Polen ist wohl auch die … gelebte STVO 😉
    da muss bei vielen autophilen Polen noch ein langer lernprozess einsetzen. Denn auch von Dose zu Dose ist das Verhältnis deutlich rauhbeiniger als in D. Man muss nicht wie der Berlinradler mal mit nem Rad auf eine polnische Landstraße um das zu merken.

    Das Velo entwickelt sich in Polska erst sehr langsam zu einer Transportalternative zu ÖPNV und Dose und das auch erstmal nur in den sehr westlichen Studistädten wie Poznan oder Krakow (und vlt Warszawa als Leuchtturm im Osten, da hab ich aber keinne Überblick über die lokale Radfahrkultur).

  5. Ganz interessante Zahlen sind hier zusammengetragen:
    http://gastarbeiter-in-polen.blogspot.com/2010/07/ware-ich-gestern-einige-minuten-spater.html

    „Während Polen im Jahre 2008 pro eine Million Einwohner 143 Verkehrstote hatte, hat Deutschland 54 je eine Million Einwohner.“

    Verglichen mit den Zahlen des Statistischen Bundesamts enstricht das etwa dem deutschen Stand von 1990.
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Verkehr/Verkehrsunfaelle/Verkehrsunfaelle.psml

  6. Was waren denn das für Zustände in Polen vor dem ersten Mai ? Das Radfahren muss ja wirklich nicht so viel Spaß gemacht haben in Polen, wenn man so wenige Rechte hatte. Gute Gesetzesänderungen!

  7. mhh grausige zustände?

    ich bin auch skeptisch was die einhaltung der neuen Regeln angeht. Die Verkehrsregeln werden gewöhnlich recht frei ausgelegt, was ja auch die zitierten Statistiken zeigen.

    die Situation wird sich erst ändern, wenn auch mehr Leute aufs Rad steigen. Der Trend dazu hat seeeehr langsam eingesetzt und das auch überwiegend in den westlichen Studistädten wie Posen. In dem Fall muss man mal eine Lanze für den polnischen Hipster brechen, der mit seinem Fixie erste Wege gebahnt hat. Im weiteren bekanntenkreis gibts aber niemanden, der Rad fährt, die meisten besitzen nichtmal eins.

  8. naja. das mit den Fahrradschleusen hätte man gern weglassen können. Die sind ja nun nicht wirklich sinnvoll.
    Aber sonst sind da schon ein paar interessante Sachen dabei.

    Und das hier, ist sogar ein Satz, den man sich in die deutsche StVO schreiben sollte: „Begleiter von Kindern bis zum zehnten Lebensjahr haben das Recht, mit den Kleinen auf dem Bürgersteig zu radeln.“ (Schon alleine, um das tatsächliche zu legalisieren.)

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