Für die Statistik

Der ADAC veranstaltet Expertenreihen zum Thema Sicherer Radverkehr. Das allein ist sicher keine Meldung wert, einige der Leser interessieren sich jedoch für Statistiken rund ums Radfahren. Ein interessantes Dokument ist dieses hier:

Rad Fahren auf sicheren Wegen (PDF vom ADAC)

– täglich 28 Millionen Fahrten mit dem Rad, durchschnittliche Streckenlänge 3,2 km

– 1,6 Getötete Radfahrer pro 100 Millionen Personenkilometer, im Vergleich Pkw: 0,28, Fußgänger: 1,85, Motorrad: 5,36

Ein weiteres interessantes Dokument:

Radverkehrssicherheit Probleme und Lösungen (PDF vom ADAC)

– 25,7% der bei Unfällen verletzten Radfahrer erleiden Kopfverletzungen, 5,4% Wirbelsäulenverletzungen

– Schädel-Hirn-Trauma 4,5%

Quelle: ADAC.de, Fachveranstaltungen 2011

Diskussion in de.rec.fahrrad zu diesem Thema: Hier

15 Gedanken zu „Für die Statistik

Kommentare-Feed
  1. Nach diesen Zahlen gab es also in Deutschland im Jahre 2010 nur einen Radverkehrstoten.

    Der ADAC sollte sich um Themenfelder kümmern, wo er mehr Kompetenz aufzuweisen hat.

  2. Es fehlt hier das entscheidene Detail „pro Tag“ (also: 28 Millionen Fahrten/Wege pro Tag). Dabei ist die Statistik für die Fahrten von 2008 und die der getöteten Radfahrer von 2009.
    Die erste PDF der http://www.udv.de/ finde ich nicht schlecht.

  3. schoen das der adac heini der das foto auf seite 6 geschossen hat dies offensichtlich durch die heckscheibe eines autos getan hat, und somit quasi dokumentiert, das er _LINKSSEITIG_ auf dem radweg steht.

  4. Die Zahlen für die verletzten Radfahrer kann man nehmen, in Geschenkpapier einwickeln und in die Tonne kloppen. Kaum ein Unfall wird gemeldet. Das sieht bei Autounfällen, wo sofort beide Parteien zur Versicherung rennen ganz anders aus.

    Meine persönliche Statistik sieht so aus:
    – seit 2007 etwa 10.000km jährlich
    – 10 Verkehrsunfälle, davon zwei ohne Fremdbeteiligung
    – von den 8 Unfällen mit Fremdbeteiligung 8 mit alleiniger Schuld des Unfallgegners
    – von den 8 Unfällen mit Fremdbeteiligung 5 mit Fahrerflucht
    – von den 8 Unfällen mit Fremdbeteiligung 3 absichtlich herbeigeführt (Anzeigen nach § 153 eingestellt)

    Meine persönliche Statistik sieht also glücklicherweise abgesehen von der Schwere der Unfälle recht düster aus. Interessant wären nicht nur die Toten je 100 Mio. Personenkilometer, sondern auch die Getöteten je 100 Mio. Personenkilometer. DIESER Wert wäre recht aussagekräftig.

  5. @Martin:

    Die überwiegende Zahl der Unfälle zwischen Pkw und Fahrrädern wird von den Pkw-Fahrzeugführern verursacht. Das läßt sich aus den Unfallstatistiken ableiten. Sie wird zwar nicht explizit so veröffentlicht, man kann die Zahlen aber umgekehrt lesen. Und da läuft es meist darauf hinaus, dass um die Hälfte aller Radfahrerunfälle von Fahrradfahrern mit(!)verursacht werden. D. h. nur bei ca. der Hälfte aller Unfälle mit Radfahrerbeteiligung hat der Radfahrer überhaupt eine Mitschuld, und entsprechend liegt die Alleinschuld auch maximal so hoch, vermutlich jedoch deutlich niedriger. Auch wird diese „Mitschuld-Quote“ nach oben getrieben durch Unfälle zwischen Radfahrern untereinander, wo ganz zwangsläufig auch einer der Radfahrer Hauptverursacher ist.

    Was die Normierung der Unfallzahlen auf Kilometer angeht wählt der ADAC übrigens einen unüblichen Weg. Bei den meisten Studien zum Verhalten im Verkehrsraum wird nicht auf Kilometer, sondern auf Expositionszeit abgestellt. Also nicht „1 km als Radfahrer, 1 km als Fußgänger, 1 km als Autofahrer“, sondern „1 Stunde im Straßenverkehr als …“

  6. Da fällt auf, dass die Getöteten pro Personenkilometer angegeben werden. Das ist aber insofern Unsinn, als dass man mit dem Rad weniger weit fährt als mit dem Auto. Deshalb gibt man die Getöteten normalerweise pro Zeiteinheit an. Dann würden die Radfahrer aber besser abschneiden als die Autofahrer. Und das darf in einer ADAC Statistik natürlich nicht sein.

    Man kann auch mit dem Modal Split rechnen. Also 10% aller Verkehrsanteile werden mit dem Rad zurückgelegt, bei 462 Getöteten. Dasselbe nun mit den Werten für Auto vergleichen (fehlen leider in dem Dokument), und man hat einen Wert, der näher an der tatsächlichen Gefährdung ist als die Personenkilometer. Auch da vermutlich besser fürs Fahrrad.

  7. @Martin:

    Dann noch Antwort Teil 2: Deine Unfallzahlen sind krass. Du scheinst ein ziemlicher Bruchpilot zu sein. Da würde ich an Deiner Stelle aber das eigene Fahrverhalten mal kritisch überdenken.

    Dabei unterstelle ich Dir nicht, dass Du „falsch“ fahren würdest im formellen Sinne. Aber zu jedem Unfall Pkw/Rad gehören (mindestens) zwei Parteien. Und sowohl die StVO wie auch jegliches „vernünftige“ Verhalten im Straßenverkehr sind eigentlich so ausgelegt, dass es zu den meisten Unfallszenarien eigentlich nur dann kommen kann, wenn zwei Seiten Mist machen. Der typische Abbiegeunfall (Radfahrer geradeaus, von rechts abbiegendem Auto abgeräumt) beispielsweise läßt sich dadurch vermeiden, entweder von vornherein nicht rechts von abbiegenden Autos zu fahren. Oder eben vollbremsbereit zu fahren.

    Ich komme seit 2007 auf über 60000 km und 1x „Feindberührung“ mit glimpflichem Ausgang und wohl beiderseitiger hälftiger Schuld (zwei „Parkplatz-Raser“ treffen an schlecht einsehbarer Stelle unvermittelt aufeinander). Mit der Unfallgegnerin damals wurden Adressen ausgetauscht, letztlich hat sie ihren Lackschaden selbst getragen, und ich meine (nicht sonderlich wilde) Handverletzung auskuriert.

  8. @ dan

    Als Bruchpilot würde ich mich nicht bezeichnen, ich fahre eben zu Stoßzeiten in der Stadt herum. Meine eigene Fahrweise habe ich schon deutlich mit dem üblichen angepasst also weiter Abstand zu parkenden Autos, obligatorischer Schulterblick links bei Kreuzungen und sehr auffälliges Erscheinungsbild inklusive Dinotte-Rücklicht. Bei den Unfällen war so gut wie alles dabei, auch einmal der typische Rechtsabbiegerunfall, bei dem ich mich aber als Schutzschild schräg hinter meine vor mir radelnde Schwester eingeordnet hatte und ihr den Unfall so erspart hatte. Die 3 absichtlichen Unfälle konnte ich zwangsläufig nicht vermeiden, zweimal Vorfahrtsnahme aus ruhendem Verkehr ohne Blinker und ähnliches, einmal von einem zurücksetzenden PKW das Fahrrad überrollt und ein einziges Mal eine vermeidbare Situation, bei welcher ich einer Vorfahrtsnahme nicht mehr durch Bremsen entgehen konnte. Alles in allem also eher Unglück meinerseits als vermeidbare Situationen.

    Neben der Tatsache, dass ich wie angeraten solche Hinweise befolge (und sie auch wenn möglich im Bekanntenkreis weitergebe), mache ich zusätzlich auch gemäß StVo ALLES richtig. Also keine roten Ampeln, nicht benutzungspflichtige Radwege vermeiden, kein Nebeneinanderfahren, bei entsprechenden Verhältnissen immer mit sehr gutem Licht unterwegs und wenn möglich Kleidung in Signalfarben. Aber wenn ein älterer Herr einen anfährt, weil man nicht den Radweg mit Ski-Langlaufspuren nutzt und die Anzeige trotz Kennzeichen, Foto und Beschreibung eingestellt wird, kann man sich schon seine Gedanken über den Zustand auf unseren Straßen machen.

  9. @Martin:

    Ich staune halt nur. Bin in Berlin als Kurier unterwegs und auch schon in vielen anderen Städten Deutschlands auf der Straße gewesen. Brenzlige Situationen kenne ich zur Genüge. Aber alle 4000 km ein Unfall mit Pkw-Beteiligung? Da würde mir glaub‘ ich die Lust am Radfahren vergehen. Bzw. als Kurier würde man damit vermutlich pleite gehen, da ständig mit den Folgeschäden (material- und körpermäßig) beschäftigt.

    StVO-Konformität im Fahrstil halte ich übrigens für eine ziemlich untergeordnete Thematik, wenn es um Unfallvermeidung geht. Man lebt nicht unbedingt sicherer, wenn man sich an alle Regeln hält. Für viel wichtiger halte ich, ständig alles um einen herum zu beobachten, ständig beide Hände am Lenker zu behalten, sich ordentlich Raum im Verkehr zu verschaffen und die eigene Fahrgeschwindigkeit vorausschauend auszulegen. Also nicht auf maximale Fahrgeschwindigkeit zu setzen, sondern eher ein ruhiges, mit dem sonstigen Geschehen synchronisiertes Tempo zu wählen. Gern auch mal 2-3 km/h langsamer als das, was man streßfrei fahren könnte. Das hält einem nämlich dann bei drohenden Engpässen auch die Möglichkeit offen, nicht nur durch Bremsung, sondern auch durch Beschleunigung mal aus einem Gefahrenbereich schnell herauszukommen.

  10. Im PDF Radverkehr aus Sicht des ADAC (S. 3):

    ………………..

    Unabhängig trassierter Radweg
    Radweg mit Trennstreifen
    Bordsteinradweg
    Auf dem Gehweg abmarkierter Radweg
    Gemeinsamer Rad- und Fußweg
    Auf der Fahrbahn abmarkierter Radfahrstreifen
    Fahrradstraße
    Provisorischer Radweg an Baustellen

    „Die Reihenfolge, in der hier die verschiedenen Radwegtypen vorgestellt werden, ist zugleich eine Rangliste der Verkehrssicherheit.“
    ………………..

    … wobei mir nicht klar ist, ob das der Stand von 1980 ist 😉

    Sehr schön allerdings das Bild auf S. 6 im selben PDF 😀

  11. auch gut, aus dem offensichtlich schon vorher vorformulierten Schlusswort des ADAC:

    ……………………
    Am Beispiel aus der Stadt wurde plakativ dargestellt, was Städte und Gemeinden unternehmen
    können, um das Radfahren nicht nur sicherer, sondern auch attraktiver zu gestalten. […]
    Als Beispiel möchte ich für Anlieger geöffnete Fahrradstraßen
    nennen, die für den Radverkehr wenig bringen, wenn die Beschränkung auf den
    Anliegerverkehr nicht realistisch durchsetzbar ist. Oder denken wir an die Anlage von
    Radfahr- und Schutzstreifen in jenen Straßen, wo es aufgrund des hohen Parkdrucks oder zu
    geringer Fahrbahnbreiten zwangsläufig zu Sicherheitsproblemen kommen muss.
    …………….

    Ich würde sagen, dabei handelt es sich um richtig erkannte Probleme, nur dass die Lösung nicht mitgeliefert wird: Ordnungsamt als Verhaltenstrainer vorbeischicken und gut is.

  12. oh… Spitzklammern sind verboten, hier also mit Anführungszeichen: ‚Am Beispiel aus der Stadt „STADTNAME“ wurde plakativ dargestellt, was Städte und Gemeinden…‘ 😀

  13. @dan: Zitat“Die überwiegende Zahl der Unfälle zwischen Pkw und Fahrrädern wird von den Pkw-Fahrzeugführern verursacht. Das läßt sich aus den Unfallstatistiken ableiten. Sie wird zwar nicht explizit so veröffentlicht,[…]“

    Doch sind sie. Jahr für Jahr aufs Neue vom deutschen statistischen Bundesamt z.B hier von 2009: https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1026441

    Seite 6: „Bei Unfällen mit Pkw war der Radfahrer
    nur zu 26 % und bei Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen nur zu 22 % der
    Hauptverursacher des Unfalls“

    Und dort steht auch noch mehr Interessantes im selben Absatz:

    „Von den insgesamt 75 913 „Fahrradunfällen“ mit Personenschaden waren 17 % Alleinunfälle. Bei 3,3 % der Unfälle waren mindestens drei Verkehrsteilnehmer beteiligt und bei 80 % gab es nur einen weiteren Unfallbeteiligten (60 788). Auch hier war ein Pkw der häufigste Unfallgegner (74 %). Bei 8,6 % war ein weiterer Radfahrer und bei 6,4 % war ein Fußgänger der Unfallgegner. Insgesamt galten 42 % aller unfallbeteiligten Radfahrer als Hauptverursacher eines Unfalls. Bei Unfällen mit Pkw war der Radfahrer nur zu 26 % und bei Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen nur zu 22 % der Hauptverursacher des Unfalls. Besonders häufig trug der Radfahrer die Hauptschuld bei Unfällen mit Motorrädern, nämlich zu 64 %. Auch bei Unfällen mit Fußgängern war der Radfahrer überdurchschnittlich häufig der Hauptverursacher (zu 63 %).“

    1) hat man hier mal die 42% Prozent Hauptschuld der Radfahrer an Radfahrunfällen (mit Personenschaden) stehen, von der die Berliner Polizei immer faselt und dabei unterschlägt, dass Alleinunfälle und Unfälle Rad/Rad mit eingehen obendrauf noch diejenigen Unfälle mit Mitschuld einbezieht, so dass es gegen 50% geht.
    Und dann eben direkt daneben, den Fakt dass an 74% der Unfälle PKW-Rad der PKW-Fahrer die Hauptschuld trägt.

    2) sieht man hier, dass sich Radfahrer gegenüber Fußgängern ziemlich exakt genauso scheiße verhalten (im Rahmen ihrer „Möglichkeiten“) wie PKW-Fahrer gegenüber Radfahrern.

  14. Danke für den Hinweis, dass es sich um 28 Millionen tägliche Fahrten handelt, Dgl. Ich hatte die Dokumente nur überflogen.

    Die Angabe pro Personenkilometer finde ich, im Gegensatz zu einigen Kommentatoren, durchaus brauchbar. Dennoch vermeidet der ADAC natürlich, sie in den Kontext zu rücken. Fußgänger und Radfahrer verunglücken in der Regel nicht tödlich, ohne dass ein Kfz darin verwickelt ist. Zu Fuß gehen und Radfahren sind ohne Kfz-Beteiligung fast nie mit tödlichen Unfällen verbunden.

    Daher hat Martin LE Recht, dass nicht nur die Toten pro Personenkilometer (Pkm), sondern auch die Getöteten pro Pkm dargestellt werden müssten.

    Der ADAC scheint auch nur die Frage abzuhandeln, wie man Radwege sicherer machen kann. Die Frage, ob und in welchen Situationen man Radwege überhaupt benötigt, scheint mir viel interessanter zu sein. Ich halte solche Expertenreihen jedenfalls nicht für hilfreich, genausowenig wie wenn der ADFC Expertenreihen zur Sicherheit von Autobahnen führen würde.

  15. […] Personenkilometer gab der ADAC in Fachbroschüren am Anfang des Jahres 1,6 getötete Radfahrer an (Link). Für Berlin kann man folgendes berechnen: Gut 1 Millionen Fahrten täglich*, als […]

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