Radfahrerin nach Abbiegeunfall gestorben

Seit heute gibt es die traurige Gewisssheit, dass die Serie tödlicher Rechtsabbiegeunfälle auch in diesem Jahr nicht abreißt.

„Tödliche Verletzungen erlitt eine 49-jährige Radfahrerin heute früh bei einem Verkehrsunfall in Altglienicke. Nach den bisherigen Ermittlungen befuhr die Frau auf dem Radweg die Wegedornstraße in Richtung Rudower Chaussee. An der Kreuzung Wegedornstraße Ecke Ernst-Ruska-Ufer bog ein 42-jähriger Lkw-Fahrer gegen 7 Uhr nach rechts in die Straße Ernst-Ruska-Ufer ab. Dabei kollidierte er mit der Radfahrerin. Sie geriet mit ihrem Fahrrad unter den Lkw und wurde nach Zeugenaussagen eine große Strecke mitgeschleift. Trotz einer sofort eingeleiteten Reanimation konnte der alarmierte Notarzt nur noch den Tod der 49-Jährigen am Unfallort feststellen. Der Lkw-Fahrer kam zur ambulanten Behandlung in eine Klinik. Die Ermittlungen des Verkehrsermittlungsdienstes der Polizeidirektion 6 dauern an.
Die Frau ist das 17. tödlich verletzte Verkehrsunfallopfer in diesem Jahr auf Berlins Straßen.“

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 1446 vom 20.05.2010 – 12:20 Uhr


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29 Gedanken zu „Radfahrerin nach Abbiegeunfall gestorben

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  1. Mein Beileid den Hinterbliebenen!

    Die Stelle ist doch eigentlich gut einsehbar!? Wenn man vom Mauerweg kommt, ist man schlecht zu sehen, da muss man aufpassen. Aber dort wo der Unfall stattgefunden haben soll ist doch eigentlich freie Sicht.

  2. Kann da mir mal jemand (an dem Kartenausschnitt) sagen, wer da wo lang gefahren ist? Den Text versteh ich nicht so richtig. Der LKW-Fahrer ist von Osten nach Süden abgebogen, die Radfahrerin ist aber von S nach N gefahren? Dann muss sie doch linksseitig unterwegs gewesen sein, oder wie ist es zum Unfall gekommen?

  3. „Der LKW-Fahrer ist von Osten nach Süden abgebogen“

    Nein, umgekehrt.

    Mein allergrößtes Mitgefühl den Hinterblebenen.

  4. Ja, jetzt ist es klar. „Klassischer“ Rechtsabbiegerunfall. Sehr traurig. Ein vermeidbarer Unfall mehr.

  5. Never ending story – sehr traurig! Beileid an die Angehörigen und Freunde. Der Wahnsinn wird weitergehen, viele Diskussionen, wenig Taten. Manches mal wünscht man sich nur noch eine geschulterte Bazooka gegen diese alltägliche Bedrohung.

  6. Bereits gestern wurde in Zehlendorf eine Frau durch einen Radweg in Kombination mit einem Rechtsabbieger schwer verletzt: http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/296197/index.html

  7. Na schaut euch doch mal die Stelle Machnower Straße Ecke Teltower Damm an. Da fährt man von Norden kommend halb auf dem Bürgersteig, unter der Brücke wird dann weiter nach rechts geleitet und doll dann auf der Höhe der Fußgänger die Fahrbahn überqueren. Unter der Brücke geht es bergab, dementsprechend hoch sind die Geschwindigkeiten, mit denen dort nach rechts abgebogen wird.
    Tempelhof, Zehlendorf, Charlottenburg, diese ganzen CDU-geführten Bezirke sind bezüglich Radfahrersicherheit wirklich das Allerletzte.
    Meine Freundin fährt den Teltower Damm jeden Tag gen Süden, der „Fahrradweg“ wurde dort vor 30 oder 40 Jahren gebaut, seitdem ist nichts mehr passiert. Und fährt man dort auf der Straße, wird aggressiv dicht überholt.
    Kann nicht endlich mal der Liter 6€ kosten! Wann ist denn nun endlich soweit?

  8. Es ist so unendlich frustrierend, immer wieder diese Unfallbeschreibung zu lesen. Wenn es schon keine Sofortmaßnahmen gegen diese Unfallart gibt, warm dann nicht wenigstens mittel- oder langfristig wirkende Maßnahmen? Warum nehmen wir denn Verkehrstote als dermaßen normal wahr, dass wir als Gesellschaft fast keine Anstrengungen mehr unternehmen, um diese zu verhindern?

  9. Die BZ hat einen Artikel und einige Bilder zu dem Unfall:

    http://www.bz-berlin.de/bezirk/treptow/lkw-fahrer-uebersieht-radfahrerin-tot-article849860.html

    So wie ich den Bericht verstanden habe, kam die Radfahrerin in dem Kartenausschnitt von unten über die Brücke und wollte die Kreuzung geradeaus überqueren. Der LKW Fahrer kam ebenfalls über die Brücke und wollte nach rechts abbiegen.

    Auf der Google Maps Karte kann man auf der Brücke jedoch keinen Radweg erkennen. Allerdings sind auf der Kreuzung Radfaherfurten markiert, die offensichtlich auf das Hochboard führen. Weiss jemand, wie das beschildert ist?

  10. @Jakob, in der Bing-Maps-Vogelperspektive kann man mit etwas Fantasie einen Radweg erahnen. Auf der Brücke könnte dieser nicht markiert sein. Benutzungspflicht kann ich in Bing nicht erkennen, aber darauf würde ich nicht viel geben.

    http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=sr3wh6j3th28&scene=53128336&lvl=2&sty=o&where1=Wegedornstra%C3%9Fe%2C%2012489%20Berlin

    Was man erkennen kann – die Haltelinie für Radfahrer ist nur knapp vor der der Fahrbahn. Selbst wenn beide auf die grüne Ampel gewartet haben, könnte der Lkw-Fahrer sie nicht gesehen haben.

    In Jüterbog gab es auch kürzlich einen tödlichen Unfall. Eine Frau wollte die Fahrbahn hinter einem stehenden Lkw überqueren. Währenddessen fuhr dieser los und überrollte sie. Meines Erachtens müsste es für Lkw im Stadtverkehr zwei Verbote geben – Rechtsabbiegeverbot und Rückwärtsfahrgebot. Im Lebensraum von Menschen tonnenschwere Fahrzeuge völlig legal bild durch die Gegend zu steuern ist doch grotesk.

  11. Ich habe mir die Stelle angeschaut. Es ist am Ende des Mauerwegabschnitts Richtung Adlershof passiert. Wie Jakob schreibt kamen die Radfahrerin und der LKW von Süden über die Brücke. Die Fahrbahn ist wegen der Brücke recht schmal, so dass man den Fußweg für Radfahrer freigegeben hat. Es sind große Radfahrersymbole aufgemalt. Im Kreuzungsbereich wird der Rad-/Fußweg dann abgesenkt. Der Radweg ist hier dann nur noch durch gedachte Linien von der Fahrbahn zu unterscheiden, er ist weder optisch noch baulich von der Straße abgegrenzt.
    Aus den aufgemalten Kreuzen glaube ich zu erkennen, dass die unglückliche Frau in eben diesem Bereich erwischt wurde.
    Die ganze Gegend ist für Radfahrer eine einzige Schikane. Der Mauerweg entlang der Autobahn ist natürlich super (meine Feierabendrunde), aber alles andere nicht. Mir fallen da ein: Die neue Strecke entlang des Wissenschaftszentrums Adlershof (Benutzungspflicht aud unklaren Gründen), Adlergestell (Radweg in schlechtem Zustand, in zwei Richtungen zu befahren) und dann eben die Stelle, wo es heute zum Unglück gekommen ist.

  12. Berlinradler+Jakob: Eure Vermutung halte ich auch für plausibel. Danke für den Link auf Bing. Sieht alles nach Neubaugebiet aus (zumindest zum Zeitpunkt der Entstehung der Luftbilder). Und trotzdem alles voll mit konventionellen Radwegen, von deren Gefährlichkeit eigentlich jeder Verkehrsplaner längst wissen müsste. Weiter nördlich diese schwarzen Teile auf dem Bürgersteig, das sollen wohl auch Radwege werden.

    Da ist dann wohl der halbherzige Versuch zu erkennen, die Radfahrer vor der Kreuzung wieder mit dem Fahrbahnverkehr zusammenzubringen, was dann wohl gründlich misslungen ist, wie man seit heute weiss. Kann mal jemand einen der Verantwortlichen für den Bau anzeigen, auch wenn es nur symbolischen Wert hat?

  13. In der Tat sind praktisch alle Straßen dort im Adlershofer Wissenschaftsgebiet neu und mit Radwegen versehen. Aus unerfindlichen Gründen sind selbst die Radwege an nur minimal befahrenen (sogar vierspurigen) Straßen benutzungspflichtig, eine die Benutzungspflicht rechtfertigende außerordentliche Gefahr auf der Fahrbahn ist dort nicht gegeben. Ein guter Teil der Wege ist zudem nur gepflastert statt geteert.

    @GreenHU: Adlergestell ist wirklich ne tolle Strecke für Radfahrer… Schön auch, dass zugesichert wurde, das Adlergestell auf vier Spuren einzuengen, wenn Autobahn und Großberlinerdamm als Entlastungsstraßen fertig sind. Da hätte man schön die jeweils rechte Fahrspur als Radspur ausweisen können.
    Jetzt sind die Entlastungsstraßen fertig, werden im Falle des GB-Damms nicht benutzt und das Adlergestell bleibt mit benutzungspflichtigen, miesen Radwegen 6-spurig. Während die Fahrbahn aufgrund der massiven Nutzung alle paar Jahre erneuert werden muss, bleibts bei den Radwegen beim miesen Pflaster oder welligen Asphalt.
    Und als ich dann mal auf diesem benutzungspflichtigen Weg fuhr, schickten mich Polizisten auf die Fahrspur, weil das angeblich ein reiner Fußweg sei. Kommt selten vor. 🙂

  14. auch backe.
    wenn ich mir das bild der BZ so ansehe und der LKW nicht anders gestellt wurde, dann wurde die arme frau eine ganz schön weite strecke mit dem LKW mitgeschleift 🙁 scheisse

  15. das muss doch auch im sinne der berufs-lkw-fahrer sein, dass der tote winkel „abgeschafft“ wird, oder?
    wenn ich mal bei nem umzug in nem transporter unterwegs bin, wo man sich allein auf den spiegel verlassen muss, hab ich ein extrem ungutes gefühl, weil ich keinen schulterblick beim abbiegen machen kann. da bin ich immer froh, wenn es einen beifahrer gibt, der für mich die rechte seite absichert.

    das ist doch wahnsinn so ein strassenmosnter zu lenken und dann nicht zu sehen, was um einen passiert.

  16. Der Groß-Berliner Damm ist auch so ein Ärgernis. Großenteils völlig neu gebaute Straße, aber natürlich musste ein Radweg her. Wenigstens nicht gepflastert, dafür aber benutzungspflichtig. Die Strecke liegt an vielen Lkw-Ein- und Ausfahrten. Ich hoffe, hier kracht es nicht auch eines Tages.

  17. @Joshua: Mit einer geschulterten Bazooka Radfahrer abzuknallen ist doch nun wirlich keine Lösung!

  18. Wie Philip schon schreibt, sieht man auf dem ersten Bild wie weit im Hintergrund sich die Ampeln der Kreuzung befinden. Mit Bremsweg hat das nichts mehr zu tun. Ich würde behaupten, der LKW Fahrer hat den Zusammenstoß nicht mal bemerkt. Was für ein Horror so lange mitgeschleift zu werden.

    Nach den Bildern mit dem eingeklemmten Rad zu urteilen, muss sich die Radfahrerin zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes VOR dem LKW befunden haben. Sie ist also nicht irgendwie in die Seite des abbiegenden LKWs gefahren. Also, wenn der LKW-Fahrer noch nicht mal mitbekommt, was VOR seinem Fahrzeug passiert. Dann stimmt doch was nicht. Bedeutet ambulante Behandlung, dass er danach in U-Haft kam?

  19. ambulante Behandlung heißt, dass er zur Behandlung in ein Krankenhaus oder zu einem Arzt gekommen ist und anschließend von dort entlassen wurde.

  20. @Neuköllner: Ich kann verstehen, wenn dich das wütend macht, dass der LKW-Fahrer die Frau nicht gesehen hat. Das ist auch gut möglich, weil der Tote Winkel rechts vorne beim LKW 2m sein kann. Wenn beide an der roten Ampel nebeneinander gestanden habe und dann gleichzeitig losgefahren sind, war sie längere Zeit im toten Winkel und der Fahrer hat gar nicht mitbekommen, dass da überhaupt jemand war. Sollte bei neueren LKW nicht mehr sein, ist aber anscheinend immer noch so.

    Ich würde meine Wut an deiner Stelle aber gegen diejenigen richten, die für die Planung von den Wegelchen zuständig sind und so ständig neue Tote produzieren.

  21. Naja, der tote Winkel.
    Der wird als Ausrede schon überstrapaziert.

    Ich denk in vielen Fällen haben die Rechtsabbieger schlicht gepennt.
    Vor ein paar Tagen ist hier eine Radfahrerin samt Kleinkind auf dem Sitz unter einen Lkw gestürzt.
    Der hatte sich an der Ampel neben sie gestellt. Beim Anfahren ist sie gestürzt und links unter den Lkw (ich nehm an zwischen Zugmaschine und Auflieger) gekippt. Laut Zeitungsbericht konnte der Lkw-Fahrer von schreienden Passanten gestoppt werden, allerdings erst als er ihr über den Arm gefahren ist.

    Ein- zweimal in den Spiegel schauen, ist wohl schon zuviel Aufwand.

  22. Berliner Zeitung schrieb (21.05.10):
    „… Die Frau ist die erste Radfahrerin, die in diesem Jahr starb. 2009 wurden 9 Radler getötet.“
    Wo solche Informationen herstammen?

  23. Mein größtes Beileid gilt der Familie, die ich übrigens persönlich kenne und in zweiter Linie auch dem LKW-Fahrer, da ich selbst auch einen 40-Tonner durch Berlin und Brandenburg bewege.
    Alle, die meinen der tote Winkel würde als Ausrede benutzt, die würd ich am liebsten zum Mond schießen ohne Wiederkehr!!!!
    Radfahrer an sich nehmen keinerlei Rücksicht mehr ( ich selbst fahre auch Fahrrad, Motorrad und Pkw_mache also genug Kilometer) Wenn sie mehr mitdenken würden, dann passierten weniger Unfälle!!!! Was ist denn dabei mal kurz zu warten und einen Abbiegenden durchfahren zu lassen?????
    Also fasst euch mal an eure eigene Nase und versucht mal wieder auch an roten Ampeln stehen zu bleiben oder auf dem Fußgängerüberweg auch abzusteigen, dann können wir weiterreden!!!

  24. Naja Matze, einerseits willst Du, dass Radfahrer auf ihre Vorfahrt verzichten, damit Du es etwas einfacher hast. Andererseits sollen Radfahrer an roten Ampeln warten. Hier könnte man ja ebenso fordern, dass Autofahrer eben warten sollen, wenn Radler bei Rot fahren. Was ist denn so schwer an folgendem „Kompromiss“ – Abbiegende lassen vorfahrtberechtigte Radfahrer durch, Radfahrer warten an roten Ampeln? Das wäre in meinen Augen eine vernünftige Forderung. Ich kann nicht verstehen, warum für Kraftfahrzeuge ständig Ausnahmen gelten sollen, während Radfahrer sich stoisch an die STVO zu halten haben.

    Und ob nun eine 49-Jährige Radfahrerin in das Muster der von Dir beschriebenen „keinerlei-Rücksicht“-Rowdies passt – ich bezweifle das sehr. Die Radfahrerin fuhr auf einem Radweg bei grüner Ampel, ich finde das vorbildlich!

  25. Bah wie pervers Matze, ob du die verunfallte kennst oder nicht ist mir egal, was für eine Logik steckt denn dahinter dem schwächeren Verkehrsteilnehmer zu sagen er solle sich gefälligst zurücknehmen sonst isser halt Platt, genau das ist einer der Gründe warum der Straßenverkehr so schlecht funktioniert, die Leute denken immer das „Recht des Stärkeren“ durchzusetzen, dem ist eben nicht so.

    Wenn da ein Vorfahrtberechtigter Verkehrsteilnehmer ist, hat man dem eben die Vorfahrt zu gewähren, obs ein Radfahrer ist oder ein Fußgänger oder was auch immer, Vorfahrt bleibt Vorfahrt, wenn das System LKW durch Toten Winkel etc. ungeeignet ist für Mischverkehr sollte man halt das System LKW überdenken, wenn es im Schienenverkehr oder gar in der Luftfahrt soviel Unfälle gebe wie im Straßenverkehr wäre schon längst alles wegreguliert und sicherer.
    Aber nein, mitm Auto isses okay, man sieht nix im LKW und fährt Leute tot? Egal sollen die Leute halt besser aufpassen.

    Diese generalisierung der bösen Radler und das ständige rausholen der bösen bei Rot fahrenden Radfahrer kotzt mich an, weder sind alle Radfahrer noch alle Autofahrer noch alle LKW Fahrer gleich, es gibt überall Idioten, das Problem ist einfach nur das die Idioten unter den Radfahrern eigentlich nur sich selbst gefährden, im Automobil sind vor allem die anderen gefährdet.
    Wieviele Leute bringt man denn inGefahr wenn man mit dem Rad bei Rot fährt? eigentlich nur sich selbst oder? Und wenn man so blöd ist bei Rot auf eine Kreuzung zu fahren hat man es vielleicht nicht anders verdient, aber das ist doch kein argument um den Radfahrern an sich völlig homogene Verkehrsuntauglichkeit zu Unterstellen.

    Das Verkehrserziehen finde ich persönlich schlimmer als bei Rot fahrende Radler, da hier willentlich in kauf genommen wird das ein andere Mensch umkommt.
    Verkehrsbelehrer auf dem Fahrrad sind mir übrigens noch nicht untergekommen, von Autos wird man gern mal abgedrängt etc. weil der Herr Töfftöff tribut fordert. Aber nein nein, der Straßenverkehr brauch nicht mehr Kontrolle und allet läuft ganz super mit dem Hirnlosen Verkehrskonzept Auto solange sich der jeweils schwächere Verkehrsteilnehmer zurücknimmt.

    Zum Toten Winkel: Wenn man nichts sieht und dennoch fährt verstößt man klar gegen die STVo, schonmal soweit gedacht? Vonwegen Toter Winkel als Ausrede…

  26. @Matze … die Familie hat sich bei mir gemeldet und betont, dass das Opfer immer „vorsichtig und bedacht“ mit dem Fahrrad unterwegs war. Was soll also die sinnlose Hetze angesichts des Unfalls gegen Radfahrer?

    Bekannterweise bin ich auch Lkw-Fahrer, habe einen Tanklastzug während meiner Grundwehrdienstzeit und während meines Studiums Lkw über 7,5 Tonnen durch Berlin bewegt.

    Meine Wut richtet sich nach wie vor insbesondere gegen die Fahrzeughersteller, die Fahrzeuge auf den Markt bringen, mit denen man blind abbiegt.

    Eine Ausrede, man müsse ja in so viele Spiegel gucken, ist zudem noch unfassbarer, wenn man schon einmal in ein Lkw-Cockpit geguckt hat: Viele Lkw-Fahrer sind offenbar so gelangweilt, dass eben dort vom Fernseher bis zur Kaffeemaschine sämtliches Gerümpel auf dem Armaturenbrett zu finden ist.

    Im konkreten Fall wurde das Opfer offenbar sogar frontal gerammt und unter den Vorderrädern eingeklemmt. Bei typischen Rechtsabbiegeunfällen landen die Opfer dagegen unter den Hinterrädern.

    Ebenso unverständlich ist die Verkehrsführung am Unfallort. Natürlich verengt sich die Fahrbahn im Brückenbereich auf eine normal breite Spur. Wenn Lkw-Fahrer und andere Kfz-Lenker die Rechte von Radfahrern respektieren würden, bräuchten letztere nicht kurz vor der Unfallstelle auf den Gehweg und damit aus dem Blick der Kraftfahrer abgeschoben werden.

    Ein Recht von Radfahrern, welches permanent durch Kfz-Führer verletzt wird, ist ein ausreichender seitlicher Sicherheitsabstand beim Überholen. Zählt man die Spurbreite des Radfahrers von 1,00 Meter, einen Sicherheitsabstand zum Bordstein von mindestens 0,50 Meter und einen Abstand zwischen Kfz und Rad von 1,50 Meter zusammen, kommt man auf eine 3,00 Meter breite Fahrspur – überholt werden müsste also auf der Gegenfahrbahn oder der zweiten Spur. Da die Durchschnittsgeschwindigkeit von Radfahrern und Autofahrern in einer Stadt wie Berlin etwa gleich ist, könnten Kfz-Lenker auf gefährliche Überholmanöver leicht verzichten – wenn sie es mit Rücksicht und Gleichberichtigung wirklich ernst meinen.

    Wäre dann noch die Haltelinie für Radfahrer an Kreuzungen fünf Meter vor der Kfz-Haltelinie – also zwei Fahrradlängen – vorgezogen, würden Radfahrer auch nicht mehr im toten Winkel vor dem Lkw verschwinden und sie müssten nicht mehr bei Rot fahren, um sicher und sichtbar vor den Kfz über die Kreuzung kommen.

  27. @Matze
    Das Problem des Sich-Zurücknehmens ist doch, dass dies irgendwann als selbstverständlich angesehen wird. Dann schaut der LKW-Fahrer überhaupt nicht mehr, da Radfahrer ja wissen, was ihnen blüht, wenn sie bei Grün auf dem Radstreifen geradeaus fahren. Dann kommen die Autofahrer und fordern das gleiche und irgendwann darf man um seine Vorfahrt bitten.

    Das gleiche passiert auch an Engstellen. Fahre ich duckmäuserisch am Rand, werde ich auf jeden Fall überholt, ob Platz ist, oder nicht. Fahre ich dagegen offensiv mittig, werde ich zwar ab und zu angehupt, mir bleiben aber lebensgefährliche Überholmanöver erspart. Wohin der bedingungslose Verzicht zugunsten Stärkeren führt, mag jeder sich selbst ausmalen.

    @Ze Kohl
    Verkehrsbelehrer im weiten Sinne gibt es auch unter Fahrradfahrern. Ich zähle bloß auf das Dach klopfen, Fahrerscheibe anspucken, Spiegel umbiegen, aufreizend mittig fahren, Grün-Pfeil-Abbieger blockieren und gepflegtes Anschnauzen auf und das war nur mein heutiger 15-minütiger Heimweg.
    Im engeren Sinne, also dem mutwilligen Gefährden der körperlichen Unversehrtheit anderen, gebe ich dir aber Recht, solche findet man unter den Radlern so gut wie nie. Einzige Ausnahme sind Passanten-Erschrecker durch eng überholen auf Rad- und gemeinsamen Rad-und-Fußwegen.

  28. Benno hat ja schon alles richtig gesagt. Da sind systematische Fehler drin. Mit irgendwelchen Schuldzuweisungen kommt man nicht weiter. Im Gegenteil, man verschleiert die wahre Problematik. Es mangelt es allen Seiten (Radfahrer, LKW-Fahrer, Verkehrsplaner) leider immer noch am Verständnis für die Gefährlichkeit von solchen Kreuzungssituationen.

    Die Folge ist, dass man sich Radfahrer auf die vermeintlich eingebaute Sicherheit des Radwegs verlassen, LKW-Fahrer zu wenig in Spiegel schauen oder sie gar nicht erst haben und Verkehrsplaner immer noch gefährliche Verkehrsführungen bauen lassen, obwohl längst bessere Lösungen bekannt sein müssten.

    Dass die Radfahrerin als sicher, aber vorsichtig beschrieben wird, passt für mich genau in das Bild. Typisch für die Mehrzahl der Radwegbenutzer, eben gerade kein „Rowdy“ und sich praktisch immer an Regeln haltend. Und dass gerade die regelgerecht Fahrenden zum Opfer werden, passt leider auch. Ich glaube sogar, wenn sie bei Rot gefahren wäre, hätte sie bessere Chancen gehabt.

    Das soll kein Vorwurf sein, Die Schuld an dem Unfall muss bei dem LKW-Fahrer und den Verkehrsplanern suchen.

  29. Das sehe ich auch so. Ich darf einfach keinen Radweg queren, wenn ich mich vorher nicht versichert habe, daß ich damit niemanden in Gefahr bringe. Die „toter Winkel“ Diskussion empfinde ich mittlerweile als Hohn und Spott den Opfern gegenüber. Wenn ich den Radweg neben mir nicht komplett einsehen kann, darf ich ihn nicht überqueren. Zur Not muß eben ein Beifahrer mit, der bei jedem Abbiegevorgang aus dem Fenster guckt.
    Aber einfach so drauf losfahren und hoffen, dass da gerade niemand ist, empfinde ich als fahrlässig.
    Was mich angeht – Wenn neben mir ein LKW den Blinker setzt, geh ich auf die Bremse und ich warte, bis das Ungetüm neben mir steht.
    Vorher fahr ich nicht dran vorbei. Bekomme dafür zwar immer mal gern ein dämliches Wort von den Radlern hinter mir, aber durch solche traurigen Meldungen wie diese hier, fühle ich mich in meinem Verhalten bestätigt.
    Mein Beileid den Hinterbliebenen. Ein wirklich sinnloser Tod, mal wieder.

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