Schlösserstiftung lässt Radfahrer herein

Bisher war die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg unnachgiebig, in ihren Parks durfte nicht geradelt werden – selbst das Schieben des Fahrrads war auf einigen Wegen verboten. Zuwiderhandlungen wurden mit Bußgeldern geahndet. Nach Bürgerprotesten, Unterschriftenaktionen und einigen Klagen zeigt die Stiftung nun ein Herz für Radfahrer. Die meisten Wege, u.a. im Park Sanssouci in Potsdam, sind nun freigegeben. Nachts werden die Wege jedoch geschlossen, die Öffnungszeiten sind im Sommer 6-21 Uhr und im Winter 8-17 Uhr. Begründet wird dies mit der Unfallgefahr im Dunkeln. Siehe Tagesspiegel.

Ich (berlinradler) sehe solch eine Entscheidung aus zwei Perspektiven. Die Verärgerung einiger Fußgänger kann ich gut verstehen, fahrzeugfreie Rückzugsgebiete sind zur Erholung notwendig. Einige der „härteren“ Kommentatoren werden sicher auch das Abdrängen des Radverkehrs von den normalen Verkehrswegen kritisieren. Dennoch nutze ich als Radfahrer sehr gerne grüne, autofreie Wege und halte das für sicherer als Mischverkehr mit Kraftfahrzeugen. Der große Druck, der von Radfahrern ausgehend auf die Stiftung einwirkte, zeigt doch, dass ein großer Anteil der Radler die herkömmlichen Verkehrswege als nicht geeignet ansieht. So gesehen empfinde ich die Öffnung von Parks für Radfahrer als einen Zwischenschritt, der die Situation verbessert, eine sinnvolle Verkehrspolitik aber leider nicht ersetzen kann.

11 Gedanken zu „Schlösserstiftung lässt Radfahrer herein

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  1. Nicht radfahren dürfen ist ja okay, denn die Sache mit der Rücksichtnahme auf schwächere Verkehrsteilnehmer können die meisten Radfahrer genau so wenig wie viele Kfz-ler. Aber nicht schieben dürfen … welche Knalltüte sich das ausgedacht hat.

  2. Ich bin etwa ein Jahr in Potsdam gependelt. Dabei musste ich auch durch den Park Sanssouci. Eine sehr schöne Strecke, aber das Zusammenleben von Pendlern und Touristen ist wirklich nicht einfach zu regeln. In vielen Ländern sind Radfahrer eher unbekannt. Noch unbekannter ist bei Touristen, dass in Potsdam tatsächlich auch Menschen leben und arbeiten. Obwohl ich mein Tempo im Park reduzierte, habe ich immer noch genug Spaniern und Amerikanern einen gehörigen Schrecken eingejagt.
    Letztlich gibt es in Potsdam viele Konflikte ähnlich der Gentrifizierungsdebatte in Berlin. Alteingesessene fühlen sich von wohlhabenden Berlinern und Touristen bedrängt. Studenten haben dort eine gute Uni, aber kein Lebensumfeld.
    Die Parks in Potsdam sind so groß, dass es häufig keine alternativen Wege gibt. Ich musste dadurch, alles andere wäre ein Umweg auf großen Straßen gewesen. Die Entscheidung damals die Parks zu sperren war eine Entscheidung für die Touristen und gegen die Menschen dort.
    Gut, dass sich das nun geändert hat.

  3. schönen Gruß aus dem Westen ! Hier im schönen Rheinland gibt es in Brühl auch ein Schloss mit Park. Wenn man von Rhein aus nach Brühl fährt, ist ein sehr schöner Weg mitten durch den Park. Auch hier – selbst schieben ist veboten… und das perfide: schiebst Du Dein Rad trotzdem (Rücksichtnahme !) kommt der Parkwächter auf dem Fahrrad mit so was von einer Fahne – und schickt dich wieder zurück.
    Vermutlich würde man im Spurt noch durchkommen, aber das will man ja seinen Kindern und den Fußgängern nicht antun.

  4. hat das mit dem schieben überhaupt eine rechtliche grundlage?
    wer sein fahrrad schiebt ist doch per gesetz fußgänger, oder? sogar beim seitlichen rollern auf einer pedale ist man fußgänger im rechtlichen sinne, soweit ich weiß.

  5. Naja, auf seinem Privatgelände wird man sich schon aussuchen können, ob man ein Fahrrad mitnehmen darf oder nicht. Insofern sehe ich da keine rechtlichen Probleme. Fies isses trotzdem, zumal diese Gärten in Potsdam ja wirklich sehr groß sind und je nach Ziel nur mit große und nervigen/gefährlichen Umwegen zu umfahren sind.

    Am besten fand ich den Tagesspiegel-Kommentator, der meinte, es gäbe doch schon genug andere Orte wo man mit dem Rad fahren könne. Offenbar kommt der Gedanke, dass man ein Fahrrad als Mittel zur Fortbewegung von a nach b verwenden kann in seiner Hinrsimulation gar nicht erst vor.

  6. ja, solche typen gehen mir auch auf den senkel. die wollen sich in ihren argumentationsstrategien erstmal absichern, in dem sie sagen „ich fahre ja auch viel fahrrad, ABER man soll doch bitte den echten verkehr nicht behindern blablabla …“
    ja, wo und wann denn? sonntags im durchs grüne in den meisten fällen und immer brav auf dem radweg, egal wie schlecht der is.

  7. Es gab in den Parks eine zeitlang so Sicherheitsleute, Typ „Wäre-gern-Bulle-bin-aber-zu-doof“. Es gibt Anekdoten, dass die Hunde auf Studentinnen gehetzt haben und mit Gas gedroht haben.
    Ich hatte damals die Wahl über den Hügel an der Orangerie zu fahren, oder parallel zur D-Bahn. Auf der Straße waren aber Tramschienen eingelassen auf unangenehmste Art und Weise. zudem sind beide Strecken länger als der Weg durch den Park. Zum Glück wurde dann relativ schnell doch ein Weg mitten durch wieder frei gegeben.

  8. Cool an dem Kommentator im Tagesspiegel fand ich, dass er normales zulässiges Verhalten in einem Atemzug mit grobem Fehlverhalten nennt. Wenn „mitten auf der Straße“ fahren schon falsch ist, dann ist auch klar, wie er darauf kommt, dass Radfahrer gegen alle (!) Regeln verstoßen. Aber was solls, man kann mit Argumenten nicht jeden erreichen. Dummerweise ist die Autoquote unter den Dümmsten vermutlich am Höchsten.

  9. @berlinradler
    ich hab lange überlegt, ob ich zu dem kommentar was sagen soll. aber ich den gefallen hab ich ihm dann nicht getan. über einen kommentar hätte er sich sicher gefreut

  10. Mir juckt es ja auch in den Fingern. Gerade die Leute, die aus ihrer Fahrzeugwahl ein höheres Wegerecht ableiten, gefährden Radfahrer gerne mal absichtlich.

    Ich verstehe überhaupt nicht, wie die Leute immer darauf kommen, dass der Radverkehr den Straßenverkehr so aufhält. Die in Diskussionen beschriebene Situation, dass jemand minutenlang hinter mir her“schleichen“ musste, habe ich noch nie erlebt. Dafür sehe ich es tagtäglich, wie in einer „engen“ Straße (durch parkende Fahrzeuge eng gemacht) immer einer in einer Lücke warten muss, damit der Entgegenkommende Platz hat. Auf Hauptstraßen regt man sich über Radfahrer auf, nicht aber über die zahlreichen Zweite-Reihe-Parker. Und wenn mal einer einparken muss, dann kommt der gesamte Verkehr zum erliegen.

    Klar muss mir auch ab und zu jemand Vorfahrt gewähren oder einige Sekunden auf mich warten – mit nem Auto würde ich denselben aber viel mehr aufhalten. Zudem sehe ich ein relatives Gleichgewicht, m.E. muss ich etwas mehr auf Autos warten als die auf mich.

    Aber wie gesagt, mit Argumenten kommt man ja an solche Leute nicht heran. Die Verkehrsgestaltung ist für sie gottgegeben, weil sie ja seit Kind an so ist.

  11. „Aber wie gesagt, mit Argumenten kommt man ja an solche Leute nicht heran. Die Verkehrsgestaltung ist für sie gottgegeben, weil sie ja seit Kind an so ist.“

    genau da liegt das problem. diskussion und argumente kann man sich sparen. kostet nur nerven und lebenszeit. da freu ich mich lieber, dass ich es besser weiß.

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