Fahrradkultur in Deutschland

Gerade bei ZeEvilKohl gelesen: „Der Spaziergang durch die Fahrradblogs zeigt mal wieder dass Deutschland Entwicklungsland ist was Fahrradkultur angeht…“ Weltspitze in Sachen Fahrradkultur ist für ihn vermutlich die USA. Ich finde, man kann die beiden Länder schlecht vergleichen. Sicher, die Zahl der US-Blogs, die sich mit dem Radfahren beschäftigen, ist Zehnerpotenzen größer als hier. Aber dort ist das Velofahren Minderheitensport und keine Alltagsfortwegung. Mit dem Fahrrad zum Arbeitspatz, zur Schule oder zur Uni? „Way too dangerous!“ würden wahrscheinlich neun von zehn Amis antworten. Dennoch hat ZeEvilKohl  recht, wenn er sagt, es gäbe zu wenig Fahrradkultur in Deutschland. Ich möchte den fahrradkulturellen Entwicklungsstand aber lieber am Modal Split festmachen als an der Zahl und Qualität von Blogpostings.

22 Gedanken zu „Fahrradkultur in Deutschland

Kommentare-Feed
  1. Ich meinte eher Dänemark und die Niederlande…aber nunja man liest stets dass, was man lesen will 😉

  2. Jo, dann habe ich dich wirklich falsch verstanden.

  3. Dacht ick ma Kalle, ist halt nicht immer einfach eindeutig eloquent und unterhaltsam zu sein in 140 Zeichen 😉
    Die Dynamik der in Amerika entstehenden Alltagsfahrradbewegung ist dennoch überwältigend, jedem Anfang wohnt ein…

    Darüberhinaus mache ich das mit der nötigen Entwicklungsarbeit in D eher daran fest wie stark man von der Straße gehupt wird und wie lange noch die Frage kommt : „Kannst du dir kein Auto leisten?“ wenn man erwähnt das man im Alltag eigentlich alles mit dem Rad macht.

  4. Gibt es denn eigentlich irgendwo eine Seite, die die diversen Fahrradblogs mal auflistet bzw. einen Überblick über existierende Fahrradkultur in DTl. bietet?

    Wünschenswert wäre doch eine Vernetzung der Blogs, um den Druck im Land hin zu einer Dänemarkisierung bzw. Kopenhagenisierung deutscher Städte voranzubringen.

    Jede deutsche Stadt sollte so einen Blog wie Kopenhagen haben und die Fahrradprojekte lokal vorantreiben: http://www.copenhagenize.com/

    Jede deutsche Stadtverwaltung sollte sich fragen lassen, warum es sowas wie diese praktischen Fahrradhalter (http://www.copenhagenize.com/2010/01/holding-on-to-cyclists-in-copenhagen.html) nicht längst in jeder deutschen Stadt in Massen gibt. Oder warum es viel zu wenig Plätze zum Abstellen und Anschließen von Fahrrädern gibt.

  5. Fahrradfahren wird doch eher als Freizeitbeschäftigung angesehen. Solange nicht jeder bei sich selbst anfängt und sich einbringt und versucht etwas zu ändern wird immer nur eine Minderheit aufschreien und auch als solche wahrgenommen werden. Als meckernde und störende Gruppe ohne wirkliche Einfluss. Es herrscht das Diktat des Autowahns. Auf Kosten aller.

  6. @betonkopf: Eine Übersicht über deutschsprachige Fahrradblogs habe ich auch schon mehrfach vergeblich gesucht. Schön fände ich z.B. eine Lösung mit Gregarius (gregarius.net) o.ä. Mangels geeignetem Webspace habe ich mir auf http://www.netvibes.com/ksued#Fahrrad mal eine kleine Übersicht mit den jeweils jüngsten Einträgen gebaut.

  7. Sicher ist Deutschland Entwicklungsland, aber ich sehe eine positive Entwicklung. Hervorheben möchte ich dabei die Rolle des Internets und Usenets als Vernetzer – denn in der „realen Welt“ ist man als tiefgreifend interessierter Radfahrer doch recht allein.

    Ohne Internet und Usenet wären Radfahrer von Informationen abgeschnitten, da den normalen Medien die Sachkunde und das Interesse fehlt. Nun müssen sich die Leute nur noch interessieren, das ist der schwierigere Part und das Fehlen des Interesses ist es, was mich der Aussage, Deutschland hinke hinterher, zustimmen lässt.

    Noch gibt es Leute, die sich tatsächlich nicht vorstellen können, wie man ohne Auto ein angenehmes Leben führen kann. Es gibt Leute, denen nicht der Gedanke kommt, über den Besitz eines Autos überhaupt nachzudenken, da es für sie so normal wie eine Wohnung ist. Es gibt 18-Jährige, die sich mit der Erlangung des Führerscheins weniger bewegen als durchschnittliche Rentner. Über Ressourcenverfügbarkeit haben die meisten jungen Menschen sich nie Gedanken gemacht, obwohl Mangel und Krisen absehbar sind.

    Aber: Es gibt eben auch uns. Also ist nicht alles verloren 🙂

    betonblog scheibt, dass man Blogs vernetzen sollte, um mehr Druck auszuüben. Mal ein ganz konkreter Vorschlag für Berlin (auf andere Städte ebenso anwendbar) – wie wäre es denn, wenn wir hier besondere Missstände mal zu Aufrufen nutzen, sich bei der entsprechenden Behörde zu beschweren? Als Einzelner wird man abgebügelt – was aber, wenn die gleiche Risikokreuzung von mehreren Leuten immer wieder zu Beschwerden führen würde? Die Linienstraße wäre beispielsweise gut geeignet.

  8. @ohneautounterwegs Hmmm, wird das wirklich überwiegend als Freizeitbeschäftigung gesehen? Ich könnte mir vorstellen, das wesentlich mehr Kilometer von Leuten gefahren werden, die jeden Tag zur Arbeit radeln. Das taucht zwar in der Werbung & den Fahrradzeitschriften wie Bike etc. nicht auf, weil man da nicht viele Produkte verkaufen kann, aber diese Ich-muß-da-und-da-hin-Fahrten könnten durchaus bedeutender sein als die Freizeitfahrten (aber vielleicht ist das auch eine allzu subjektive Sicht). Das wäre ein schönes Argument, um das Fahrradfahren nicht zu minorisieren im Verkehr.

    @berlinradler Ich denke auch, dass man das Internet zur Vernetzung der Radfahrer besser und offensiv nutzen sollte und auch, um konkrete sichtbare Verbesserungen in der eigenen Stadt durchzudrücken. Nach meiner (aber eben nur stark subjektiven) Wahrnehmung gibt es eine enorme Zahl von auch im Straßenbild leider vereinzelten Radfahrern (von der Grüppchenbildung bei Schneetreiben abgesehen ;-): http://www.copenhagenize.com/2010/01/safety-in-numbers.html), die man nur selbstbewußter zusammenführen müsste. Ich habe mir mal die Domain frankfurter-fahrradsommer.de gesichert (zeigt momentan noch woanders hin) und versuche das in FFM. Erste Ideen: Falschparker-Fotogalerie auf flickr, Facebook-Fanpage, Fotos von im Nirvana endenden Radwegen, Petitionen für ganz konkret z.B. mehr Plätze zum Anschließen von Rädern, echte Fahrradkultu, radfahrer-Gadgets, Design-Accessoires etc.

    Ich denke, wenn man die visuelle Präsenz (und das Selbstbewußtsein) von ohnehin sich schon im Verkehr befindenden Radfahrern im Alltag steigern könnte, ließe sich was bewegen.

  9. @betonblog Es geht mir nicht um die Kilometerleistung, das glaube ich Dir gerne, denn wer fährt, der fährt aus Überzeugung. Es gibt kein Magazin für Alltagsradler (ich glaube auch nicht, dass es so voll wäre wie diverse Automagazine), die Magazine die ich kenne kratzen das Alltagsfahren nur am Rande. Viel bezieht sich auf Wochenend- und Urlaubstourer. Oder eben Sportler auf MTB oder Rennrad.
    Bis zum 18. Lebensjahr ist das Fahrrad vielleicht eine Alternative zum Moped oder zur 50er, danach giert alles nach Führerschein und Auto.
    Jeder ist in der Verantwortung in „seiner“ Stadt oder bei seinem Arbeitgeber etwas zu ändern. Vielleicht erzeugt dies das Momentum das benötigt wird. Aber bis dahin wird noch viel Zeit vergehen. Deutsche Städte haben da meiner Meinung nach den Trend verschlafen.

  10. > Es gibt kein Magazin für Alltagsradler

    http://www.fahrradzukunft.de

  11. @berlinradler:

    Du sprichst die Linienstr. an. Da wäre ein wirksames Mittel, z. B. jetzt in der Zeit, wo die noch vollvereist ist, mal eine CM-artige Aktion auf der Torstraße zu veranstalten. Wenn da einige Dutzend Radfahrer ’nen Nachmittag gemütlich hin und her gondeln geht in Mitte-Nord autoverkehrsmäßig nichts mehr…

  12. Fahrradzukunft kenne ich und lese ich auch gerne, als Fahrradmagazin habe ich es bisher nicht wahrgenommen. Der eine oder andere Artikel ist für Alltagsradler interessant, nur glaube ich nicht dass es die Breite Masse anspricht und da wollen wir ja letztendlich hin, oder?

  13. mhh, ob der alltagsradler so ein magazin überhaupt braucht? hier im münsterland ist die benutzung des velos völlig normal und in allen schichten (sozial und alter) ein teil der alltagskultur. da macht keiner ein aufhebens drum und so ein rad (idr irgend eine hollandrad oder „city-bike“ geschichte) wird 10-20 Jahre lang gefahren. die dinger müssen einfach nur laufen und im vorfeld lässt man sich da eher vom lokalen händler beraten, als sich durch seitenweise testliteratur zu wälzen. die kompos sind dann entsprechend brot und butter, aber mehr braucht man auch nicht. wenn man es dann hat macht man sich auch keinen kopp mehr drum, von den üblichen verschleißteilen mal abgesehen.

  14. Kleine Anekdote aus dem Alltag, Freitag abend am Prenzlauer Berg:

    „Was fährst Du um diese Zeit auch Fahrrad?“

    Die Frage wurde von einem Führerscheinneuling aus einem 3er-BMW heraus gestellt. Zuvor hatte er mich auf einer verschneiten Seitenstraße im 10cm-Abstand überholt. Daraufhin sagte ich: „Du Arschloch, was soll das? An der nächsten Kreuzung sehe ich doch eh wieder“. Okay, das war nicht fein, aber ich war verärgert.

    Doch tatsächlich: An der nächsten Kreuzung stand ich wieder neben ihm. „Hast Du mich Arschloch genannt“?, klingt es aus dem Auto. Das verleugnete ich, habe ihm aber gesagt, was ich von seiner Fahrweise halte. Darauf kam der Spruch, ob ich denn bei Schnee Radfahren müsse.

    So viel zur Akzeptanz des Fahrradfahrens in Deutschland. Dennoch: Gut finde ich, dass trotz Schnee noch Radler auf Berlins Straßen unterwegs sind. Die anderen werden auch noch merken, dass es auf dem Fahrrad weniger kalt ist als an der Tramhaltestelle.

  15. mr. m spricht es ganz genau an – es gibt tatsächlich auch sehr junge Leute, die von einer Diversität der Lebensstile noch nie etwas mitbekommen haben. Den Führerschein mit 18 halte ich insofern für gefährlich – die Sichtweisen anderer Verkehrsteilnehmer werden so nie erlernt. Machen kann man da wenig, man kann wohl nur hoffen, dass mit dem Alter auch eine gewisse Gelassenheit und Toleranz einkehrt.

  16. ich find ja das dreiste, dass typischerweise dann dem radler auch noch die schuld gegeben wird.
    „was fährst du auch …. bla bla ….auf der strasse …. winter …. fahrrad?“

  17. ja, solche klappspaten wie den beschriebenen gibt es immer wieder. in dem alter benötigt man ein Auto wohl als Distinktionsmerkmal um sich klar von den nur wenig jüngeren Abzusetzen.

    viel negativer als Autofahrer, die scheinbar die hohe Präsenz von Rädern bereits verinnerlicht haben, fallen mir die Fussgänger auf. Letztere betreten laufend die Straße/den Radweg, ohne sich umzusehen oder ihre Absicht irgendwie zu signalisieren. Da ist der Geschwindigkeitsunterschied häufig noch deutlich größer als z.B. den KFZ und beide Seiten haben gute Aussichten auf schwere Verletzungen (was für mich die Sache noch unverständlicher macht!)

    Was mir an dieser Diskussion aebr auffällt ist die unterschiedliche gewichtung gewisser Probleme je nach dem, aus welcher Region man kommt. Vlt ist ein deutlich lokaler oder regionaler Ansatz bei der Interessenvertretung da deutlich sinnvoller.

  18. Die Fußgänger sind tatsächlich ein Problem. Ich muss täglich durch die kastanienallee zur Arbeit, und gerade da finde ich es extrem gefährlich wegen der Tramschienen. Besonders negativ fallen mir die „New-York-Mädels“ auf, die sich dort gerne rumtreiben: Große Sonnenbrille und riesige Kopfhöhrer tragend treten sie einfach auf die Straße. Offenbar ist alles, was nicht einen brüllenden Buick-V8-Motor hat, für sie kein ernstzunehmender Verkehr (sorry wegen der Pauschalisierungen, aber ich hoffe, ihr wisst, welchen Typus ich meine).

    Auch viele Radler verhalten sich auf der Kastanienalle bescheuert: Fahren zwischen den parkenden Autos und dem äußeren Rand der Tramschienen, obwohl der Radweg nun zwischen den Schienen markiert ist. Wenn ein Fußgänger auf die Straße tritt, ziehen sie nach links und stürzen entweder in der Schiene oder drängen mich beim Überholen ab (schon zwei Mal passiert in den letzten Monaten). Deshalb überhole ich nun grundsätzlich in der Mitte der Straße, selbst wenn die Radler ganz rechts außen fahren.

  19. Okay Fahrradkultur – klar gibt es die und andersowo mag so besser sein. Und wenn dem so ist, kann man lernen:

    ZB schlägt betonblog Falschparker-Fotogalerie vor: Dafür gibt es ein sehr gutes Blog aus Bristol: http://bristolcars.blogspot.com. Herrlich unterhaltsam, klug, sarkastisch.

    Und neben der Fahrradzukunft (was inhaltlich gut ist, editorisch aber ein Katastrophe,) gibt es natürlich http://www.citycycling.co.uk

  20. bei den nicht auf den verkehr achtenden idioten ist es mir ein besonderes vergnügen dicht dran vorbeizufahren und laut zu hupen mit meiner ballhupe. die erschrecken sich dann immer so schön 😉

  21. Naja die meisten vertraeumten Fussgaenger leben ja schon lange in Berlin. Viele tragen auch die Rundum-Sorglos-Atmosphaere aus dem Auto nach draussen mit. Schoen hinter dem grossen Laster auf die Fahrbahn treten – das fahrende Wohnzimmer ist ja auf der anderen Seite. Die merken nicht mal dass nur meine Vorahnung sie gerettet hat. Das Schlimmste annehmen ist oft goldrichtig.

  22. hab mal zwei frauen tierisch zusammengebrüllt nachdem sie mir ohne zu schauen vors rad gelaufen sind. musste voll in die klötzer gehen und ausweichen, um nicht denen zusammen zustoßen. dann meckern die mich auch noch an, warum ich mich so aufregen würde. als ich denen dann in ganz ruhigem ton erklärt hab, dass man doch gefälligst schauen sollte, eh man andere verkehrswege kreuzt und nur dank meiner reaktion nicht mindest zwei leute im KH gelandet sind fiel die eine trulla mir auch noch ständig ins wort. wahrscheinlich grundschullehrerin. boah, hab ich gekocht danach. am liebsten hät ich der eine gescheuert bei soviel ignoranz. aber wußt es zum glück besser und hab mich aufm rad abreagiert

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