Kein guter Radschlag

Das Internet-Portal radschlag.de ging vor wenigen Tagen an den Start. Das vom Verkehrsministerium geförderte Projekt wird gemeinschaftlich vom Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), der Deutschen Sporthochschule in Köln und dem ACE Auto Club Europa getragen. Ziel des Projektes ist es, mehr Kinder und Jugendliche aufs Rad zu bringen, indem es Akteure der Fahrradförderung – Kindergärten, Schulen, Familien und Vereine – in ihrer Arbeit unterstützt. Neben viel Helmpropaganda liefert das Internet-Portal Pädagogen, Eltern und Trainern ohne zeitaufwändige Recherchen Unterrichts-, Projekt- und Spielideen rund um das Fahrrad. Rechtstipps – zum Beispiel zum Thema Klassenausflug mit dem Rad und Haftungsfragen – sollen dazu beitragen, Berührungsängste und Vorbehalte abzubauen. Auch für Familien gibt es Servicetipps. In einer Literaturdatenbank kann man auf über 500 Broschüren, Bücher, Artikel, Links, Unterrichtsmaterialien und Spielideen rund ums Fahrrad zugreifen.

Alles ganz schön und gut, aber den aktiven Leser scheut der Radschlag wie der Teufel das Weihwasser. Ein Forum zur Diskussion wäre eine wunderbare Sache, um all die Fragen um die Themen „Kids & Räder“ zu diskutieren. Und tatsächlich, es gibt dieses Forum, wenn auch nur mit zehn mickrigen Beiträgen. Lesen darf man diese Beiträge aber nicht, denn vorher muss man eine umständliche Anmeldeprozedur über sich ergehen lassen und diverse Angaben machen. Ich habe es dennoch versucht, artig alle gewünschten Einträge von der Mailadresse, Passwort (doppelt), Username usw gemacht, schnell noch zum Postfach und den Erhalt der Mail bestätigt und wurde trotzdem barsch abgewiesen: „Während der Anmeldung trat ein Fehler auf.“ Kein Wunder, dass da die Macher des Radschlags unter sich bleiben.
Radschlag

12 Gedanken zu „Kein guter Radschlag

Kommentare-Feed
  1. Ich habe mal das hier durchgelesen (http://www.radschlag-info.de/528.html), ist gar nicht so unvernünftig, vielleicht hätte ich andere Prioritäten gesetzt und teilweise andere Ratschläge gegeben. Etwas komisch finde ich, dass die Fahrrad-Ratschläge überall die gleichen sind, obwohl sie manchmal im Detail verbesserbar sind.

    Sehr gut find ich folgenden Tipp, sicher ein häufiger Anfängerfehler: „Parklücken: Sicherer als das Einschwenken in Parklücken mit dem Gedanken, Platz für Autofahrer zu machen, ist es, nicht einzubiegen und in der Spur zu bleiben.“

    Hier sehe ich ein großes Problem: „Abbiegende Autofahrer übersehen Radfahrer auf Radwegen häufig, sodass Kinder grundsätzlich lernen müssen, diese zu beobachten und vorausschauend zu fahren.“ Das Problem wird erkannt (wenn auch vielleicht nicht in seiner Dimension als Hauptgefahr), meine Lösung in der Praxis sieht aber ziemlich anders aus. Blickkontakt, das ist klar – primär geht es aber um die Vermeidung von Straßen mit Radwegen. Nicht immer, aber oft möglich! Ich denke, so etwas kann man auch in eine „Nicht-Hardcoreradlerseite“ schreiben, es ist ein pragmatischer und sicherer Ansatz.

    Der Helm- und reflektierende Kleidungsansatz ist in der derzeitigen Verkehrsumgebung vielleicht nicht verkehrt (über den Helm mag man streiten), ist aber wirklich ein zu zentrales Thema der Seite. Will man seine Hauptrisiken von oben nach unten abarbeiten, kommt sowas nicht ganz oben auf die Prioritätenliste.

    Man könnte bei einer an Radfahrer gerichteten Seite den Mut aufbringen, an der Verkehrsumgebung Kritik zu üben, statt nur Wege aufzuzeigen, sich durch die gegebenen Verkehrsgefahren zu schlawinern. Zentrales Thema dieser Seite scheint mir die Verhinderung von Unfällen mit dem Auto zu sein, insofern könnte der kritische Verfasser geneigt sein, zu fragen, warum diese Gefahren denn eigentlich so hoch sind. Liegt es an einem Kind, das mit dem Fahrrad zur Schule fahren will?

  2. ein vollkommen falscher Ratschlag wird auf http://www.radschlag-info.de/528.html allerdings auch gegeben:

    „Die Kinder sollen lernen, dass sie Gehwege als Fußgänger und bis zum achten Lebensjahr auch als Radfahrer benutzen sollen. Außerdem ist es wichtig zu erklären, dass sie sich möglichst nah an den Häusern bewegen sollen. So können sich Kinder gefahrlos auch mal einen „Fehltritt“ erlauben.“

    So ein gefährlicher Quatsch. Sich der Fahrbahn und Autos nicht allzusehr zu nähern war meiner nun 3 1/2-jährigen Tochter schon leicht und zuverlässig zu vermitteln, bevor sie 2 wurde.

    Viel schwerer vermittelbar ist die Gefahr zu vermitteln, die auf Gehwegen an Grundstücksausfahrten und Garagenzufahrten (Ein-/ausfahrende Rad-/Autofahrer), an Hauseingängen (eilig heraustretende Fußgänger, einen Kinderwagen aus dem Hauseingang schiebende Eltern) und hinter Häuserecken (schnell und illegal auf dem Gehweg radfahrende Erwachsene oder auch einfach andere Kinder auf Rädern) lauern kann.

    Und um hier das Risiko zu mindern, ist es wichtig, sich möglichst NICHT nahe an den Hauswänden zu bewegen!

  3. Hallo

    Chris ich kann dir nur zustimmen. Der Ratschlag ist sehr schlecht. Es sind schon so viele schwere und tötliche Unfälle passiert, und dann werden auch noch solche Ratschläge gegeben.!

  4. @ Chris:
    Ist die dahinterstehende Logik nicht: wenn das Kind nahe an der Fahrbahn vom Rad fällt oder ausweichen muss, landet es mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem Auto, während es sich auf dem Gehweg „nur“ die Sturzverletzungen zuzieht? Das ist mE erst mal nicht falsch.

    Ich würde sagen, es kommt letztlich stark auf die spezifische Gehweg-Fahrbahn-Konfiguration an. Auf einem typischen breiten und belebten Berliner Gehweg ist das von dir geschilderte Problem sicher relevanter als in einer Kleinstadt mit einem sehr wenig genutzten, schmalen Gehweg an einer Hauptverkehrsstraße.

  5. Eine Option wäre es vielleicht, die Mitte des Gehweges vorzuschlagen. Das müsste aber wirklich von Fall zu Fall entschieden werden. Direkt an der Hauswand, das halte ich ebenso für einen sehr unglücklichen Ratschlag.

  6. „Das müsste aber wirklich von Fall zu Fall entschieden werden. “

    Wieso? Ein Gehweg ist im Regelfall 2,50 m breit (vgl. EFA).

  7. An Harald.

    Sicherlich hast du Recht. Es ist natürlich immer situationsabhängig und auch vom jeweiligen Ort. Ob es überhaupt eine Ideallösung gibt ist fraglich.

  8. @Jens: Gehwege, die 2,50 m breit sind gibt es sicher. Aber genauso gibt es Gehwege, die so eng sind, dass man nicht einmal bequem nebeneinander laufen kann. Und auf solchen Gehwegen muss man sich an der Häuserwand entlangdrücken, wenn man ausreichenden Abstand zum Verkehr halten will.
    Auf breiten Wegen ist die Mitte sicher günstig. Auf schmalen Wegen eher die Hauswand – mit der auch hier nötigen Vorsicht…

  9. @rad-spannerei: Die Anmeldeprozedur ist m.E. nicht umständlicher als anderswo auch. Gefordert werden nur ein paar Standardangaben. Dass man die Anmeldung per Mail bestätigen muss ist auch Standard.
    Dass du dich nicht einloggen konntest liegt möglicherweise an einer unsauberen Programmierung: nach der Registrierung wird die Angabe, die du unter „Name“ eingegeben hast, automatisch in das Anmeldefeld eingefügt. Diese Angabe ist dort aber falsch! Versuch es doch einfach nochmal mit deinem Benutzernamen, dann klappt es auch – bei mir ging es jedenfalls.
    Das habe ich auch schon im Forum als Kritikpunkt gepostet, mal sehen, ob sie das abstellen können.
    Die Idee des Portals finde ich ansonsten gut. Ein wenig hakelig umgesetzt, aber ein Schritt in die richtige Richtung.
    Gruß, BikeBlogger

  10. @BikeBlogger, die Veränderungen in Berlin sehe ich durchaus positiv. Der Wille, etwas für Radfahrer zu tun, ist hier ernsthaft vorhanden und bringt oft gute Lösungen hervor. Nicht alles ist perfekt, aber die Richtung stimmt. Insbesondere das Radroutennetz hat es mir angetan. Die Verbesserungen kann man aber nicht der Bundesregierung, sondern dem Berliner Senat zuschreiben.

    Positive Zeitungsartikel über Radfahrer gibt es manchmal. Der Tagesspiegel verfügt beispielsweise über zwei fahrradaffine Autoren, die teilweise auch tatsächliche Fahrradprobleme ansprechen. Der FAZ-Artikel verlangt von mir eine positive Sichtweise der Arbeit des Verkehrsministeriums. Aus der Vergangenheit kann ich die nicht ableiten, und daher möchte ich für die Zukunft auch keinen Vertrauensvorschuss geben.

    Positiv war vielleicht die Fahrradnovelle 1998, insbesondere die Aufhebung der generellen Radwegbenutzungspflicht. Dass diese Möglichkeit bundesweit fast flächendeckend ignoriert wird und sich der Bund darum nicht schert, macht auf mich nicht den Eindruck glaubwürdiger Fahrradpolitik.

    Von einer Regierung, die Hotels nur noch mit 7% be-mehrwert-steuern will, die umweltfreundliche Bahn aber weiterhin mit 19%, erwarte ich keine ambitionierte umweltorientierte Verkehrspolitik.

  11. Vieles ist natürlich von der jeweiligen Situation abhängig. Manchmal ergibt sich dadurch vielleicht eine Verbesserung oder eventuell eine Verschlechterung.

  12. Hat sich denn nun eigentlich etwas geändert?

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