Verkehrsmittelwahl von Verkehrsministern

Die Allianz pro Schiene hat eine Umfrage unter deutschen Umwelt- und Verkehrsministern zu ihrer Wahl der Verkehrsmittel gemacht. Danach sind viele Minister sind mit der eigenen Verkehrsmittelwahl nicht zufrieden. „Gefragt waren Angaben zur Verkehrsmittelwahl bei der Fahrt ins Büro, bei Dienstreisen und im Urlaub, während gleichzeitig Kriterien für die Wahl bewertet werden sollten. „Sachzwang“ kreuzte die große Mehrheit der Minister an, wenn es darum ging, die Fahrt mit dem Dienstwagen zu begründen. Andere Kriterien wie „Preis“ oder „Gewohnheit“ waren den Angaben zufolge wenig ausschlaggebend, „Umweltverträglichkeit“ und „Bequemlichkeit“ kamen häufig erst an zweiter oder dritter Stelle. „Prestige“ als Grund für die Wahl des Verkehrsmittels landete weit abgeschlagen auf dem letzten Platz.“

Die Antworten der Minister fielen sehr unterschiedlich aus. Während Bundesverkehrsminister Tiefensee (SPD) 60 Prozent seiner Fahrten im Auto verbringt (Flugzeug: 20 %, Bahn: 15 % und zu Fuß 5 %), schätzt  Bremens Verkehrssenator seinen persönlichen Modal Split so ein: (50 % ÖPNV, 30 % Fahrrad, 10 % Fuß, 10 % Auto). Berlins Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat eine Antwort dezidiert abgelehnt.
Allianz pro Schiene: Mein Urlaub ist Urlaub von der Mobilität
via: Fahrradportal

8 Gedanken zu „Verkehrsmittelwahl von Verkehrsministern

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  1. Naja, das ist natürlich sone Sache: Tiefensee reist ja auch quer durch die Republik. Da fährt dann auf direktem Weg selten eine Straßenbahn. Insofern ist das mit dem Bremer Ergebnis nur unter Vorbehalt vergleichbar.

    Was ist eine spannende Sache finde ist, wenn sich Politiker weigern, zu ihrem Verkehrsverhalten Aussagen zu treffen. Und das, obwohl sie durch das Instrument „Selbsteinschätzung“ ja immer noch 100% Kontrolle über ihre Angaben haben.

    Aber um die Aufmerksamkeit erstmal grundsätzlich auf dieses Thema zu lenken (es orakeln schonwieder alle nur über die Stabilität der Renten) ist so eine Aktion sicher gut.

    viele Grüße,
    Konrad

  2. Interessant finde ich den Bogen von Herrn Gabriel. Fahrt ins Büro: Auto, Bahn – dazu handschriftlich „anders geht es nicht“. Der Spruch ist bestimmt von der „alternativlosen Politik“ abgeschaut, einem Begriff, der besonders bei sozialen „Veränderungen“ gerne genutzt wird.

    Gründe für sein Verkehrsverhalten:
    1. Sachzwang
    2. Umweltverträglichkeit
    3. Bequemlichkeit
    4. Preis
    5. Gewohnheit
    6. Prestige

    Dass es „anders nicht geht“ ist schade, denn wenn das heute so ist, wird es in Zukunft auch so sein. So gesehen bedeutet das, dass das Auto auch innerhalb von Städten unverzichtbar ist, wenn man einen terminintensiven Job wie Herr Gabriel hat.

    Dabei ist das Auto in Städten unter anderem deshalb oft das schnellste Verkehrsmittel, weil alle anderen Verkehrsmittel ausgebremst werden. Das gilt für Fußgänger, Radfahrer und insbesondere auch für den ÖPNV. Mit der Straßenbahn oder dem Bus brauche ich für 10 km eine halbe Stunde – das ist wirklich nicht konkurrenzfähig, resultiert aber alleine aus den vielen Wartezeiten wegen dem motorisierten Individualverkehr.

    Eine Verkehrspolitik, die sogar einen Minister in einen Bus steigen lässt, damit er schneller ans Ziel kommt – das wäre eine gute Verkehrspolitik.

  3. Naja, berlinradler, ich denke, die Präferenzen sind nur teilweise mit der Geschwindigkeit der entsprechenden Verkehrsmittel verbunden. Im Auto mit Chauffeur kann man halt gut Telefonate führen, Akten lesen oder eben ein kleines Nickerchen machen. Außerdem verschärft sich beim Fahren mit Chauffeur der Geschwindigkeitsvorteil: man vergeudet keine Zeit mit dem Parkplatzsuchen.

    Und ein Bus ist vor allem deswegen langsamer als ein Auto, weil er eben alle paar hundert Meter an der Haltestelle anhalten muss. Sonst wäre er genau so schnell wie ein Auto (oder bei vorhandenen Busspuren auch öfter mal schneller). Autos sind also an vielem Schuld, aber eben auch nicht an allem.

    10 km in 30 Minuten im Bus kommt mir übrigens eher schnell vor. Das ist ja ein 20 km/h-Schnitt, der auf vielen Innenstadtlinien ziemlich sicher nicht erreicht wird.

  4. @Harald, die Argumente – insbesondere das Arbeiten – hat der Herr Umweltminister auch mal genannt. Mag ja auch alles sein. Dass es derzeit unrealistisch ist, dass ein Minister auf das Auto verzichtet, sehe ich ein, mein Kommentar ist sicher utopisch. Nur halte ich es für problematisch, das Auto – besonders in seiner heutigen Form – für unverzichtbar zu erklären. Gerade mit Blick auf die Endlichkeit der Nutzbarkeit durch mangelhafte Energieressourcenverfügbarkeit.

    Beim Bus-Beispiel dachte ich besonders an die Straßenbahn. Es ist unglaublich nervig, wenn auf der Geradeausspur der Straßenbahn die Linksabbiegerspur der Autos ist. In der Schönhauser Allee oder besonders in Adlershof heisst das oftmals, nicht nur eine Ampelphase abwarten zu müssen. Da frage ich mich schon, warum diese Bürde nicht eher dem Individualverkehr aufgedrückt wird und man der Straßenbahn freie Fahrt verschafft.

  5. Ich bin mal gespannt, wie oft nach der Eröffnung der U55 noch die Fahrbereitschaft des Bundestages in Anspruch genommen wird, um vom Bundestag zum Hauptbahnhof zu gelangen. Über eine schlechte ÖPNV-Verbindung kann sich dann ja wohl keiner mehr beklagen.

  6. Ich kenne eine Gesundheitsministerin ( die kennt Ihr auch alle!), die läßt ihr „Ökoauto mit Sicherheitsstufe“ nach Allicante vorfahren, um dann anschließend mit dem Flugzeug nachzukommen. Im Urlaubsort wird dann dummerweise das Auto geklaut. Alles nicht so schlimm, wenn wir das denn als mündiger Bürger und Steuerzahler nicht mitbekommen hätten. Zur Erinnerung: Das ist die selbe Gesundheitsministerin, die alle Ärzte unter den Generalverdacht der Korruption gestellt hat….Ich bitte das alles bei der Bundestagswahl im September mit einfließen zulassen! Gute Fahrt.

  7. Das ist wirklich ein Hammer! Selbst wenn es dienstlich wäre, könnte ich mir nicht vorstellen, dass es irgendeinen triftigen Grund gäbe, den Dienstwagen aus Deutschland kommen zu lassen. Es gibt vor Ort immer Möglichkeiten, sich ein Fahrzeug zu beschaffen, wenn man das braucht. Abgehoben, die da oben!

  8. vimeo.com…

    Verkehrsmittelwahl von Verkehrsministern » Rad-Spannerei…

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