Alle 19 Stunden ein getöteter Radfahrer

In Deutschland ist im Jahre 2008 alle 19 Stunden ein Radfahrer im Straßenverkehr getötet worden. Das wurde gestern vom Statistischen Bundesamt im Bericht „Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2008“ bekanntgegeben. Während die Gesamtzahl der Unfallopfer im Straßenverkehr auf dem niedrigsten Stand seit den fünfziger Jahren lag, stieg die Zahl der getöteten Radfahrer von 425 im Jahre 2007 auf 456 im vergangenen Jahr. Das bedeutet einen Anstieg um 7,3 Prozent. Auch die Zahl verunglückter Radfahrer stieg an, wenn auch nur leicht. Lag die Zahl der Verunglückten unter den Radfahrern 2007 bei 79.004, so stieg sie im Jahr 2008 auf 79.423. Besonders stark sind ältere Menschen auf dem Fahrrad von schweren Unfällen betroffen. Der Anteil der Senioren an allen mit dem Fahrrad Verunglückten betrug 16%, jedoch waren 48% von allen getöteten Fahrradfahrern 65 Jahre und älter.
Statistisches Bundesamt: Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2008 (pdf-Dokument)

18 Gedanken zu „Alle 19 Stunden ein getöteter Radfahrer

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  1. Und dennoch ertrinken immernoch mehr Leute im Jahr als aufm Rad umkommen, SCHWIMMFLÜGELPFLICHT für alle!

  2. Bei der Rate dauert es ja noch Ewigkeiten, bis die endlich weg sind …

    (denkt sich sicherlich der eine oder andere Motorverkehrsapologet)

  3. is ne wage vermutung, aber es könnte sein, dass der anteil unter senioren deswegen so groß is, weil das menschen sind, die ein leben lang auto gefahren sind. dann steigen die irgendwann altersbedingt oder aus finanziellen gründen oder weil sie nicht mehr zur arbeit müssen, sondern nur zum supermarkt um die ecke auf das rad um, sind aber total schlecht vorbereitet.

  4. Schade, dass in der Meldung keine Referenzzahlen über das Verkehrsaufkommen erwähnt werden. Die gestiegene Zahl der Fahrradtoten/-verletzten hängt ja vermutlich mit der gestiegenen Zahl an Fahrten oder gefahrenen km zusammen. Wobei es eigentlich gemäß dem „safety in numbers“-Argument kein linearer Zusammenhang sein sollte. Mehr RadfahrerInnen = mehr Sicherheit für den/die EinzelneN, aber absolut eine höhere Unfallzahl.

  5. Traurige Statistik, jeder tote Radfahrer ist einer zuviel …..
    Bei den Senioren vermute ich eher, dass die Älteren einen Tick später als jüngere Menschen reagieren. Bei den rücksichtslosen und oft zu schnell fahrenden Autofahren ist das dann der entscheidende Bruchteil einer Sekunde…ist auch eine wage Vermutung 😉

  6. Na, die Älteren überleben auch schwere Verletzungen schlechter. Ich würde da garnicht unbedingt zuviel orakeln. Aber spannend wären wirklich einigermaßen präzise Zahlen über die Zunahme des Radanteils. Dann wäre das immerhin in einen Zusammenhang mit den Zahlen der Unfälle und Getöteten zu setzen. Ich würde ja auch der Kalten auch eher vermuten, dass die Zahl der Radfahrten stärker angestiegen ist, als die Zahl der Umgekommenen.
    Ansonsten wollte ich noch sagen: Schwimmflügel für alle!
    k.

  7. jaja mal wieder eine nette Statistik…
    demnach ist Radfahren auch gesünder als laufen!
    Wäre doch nett wenn die Statistiker mal einige Annahmen wie Helmpflicht, Nullpromille oder 30er Tempolimits in Städten und deren Auswirlkungen auf die Unfallstatistik simulieren und durch rechnen könnten.

  8. Das Problem ist, dass immer mehr Leute Rad fahren die die StVO kennen. Leider kennen sie nicht die tödliche Gefahr die ensteht wenn man sich als Radfahrer StVO konform verhält und denkt andere machen das, Radfahrern gegenüber, auch.
    Als Radfahrer hat man nur zwei Möglichkeiten. Entweder man entwickelt den Radfahrerminderwertigkeitskomplex und steckt eben überall zurück, oder man entwickelt den 7. Sinn und ahnt die Gefahren.

  9. Angesichts der geringen absoluten Anzahl Getöteter (in Relation zur Gesamtheit der Unfälle) ist es müßig darüber zu orakeln, ob der Anstieg mit der Fahrleistung korreliert. Es geht hier um 31 mehr oder weniger in einem Jahr. Wenn hier jeder 500x würfelt, dürfte die Verteilung der 6 genauso schwanken wie die Anzahl der Fahrradtoten von Jahr zu Jahr. Dieses Jahr ists eine Erhöhung, an der Radelrambos und Fahrradterroristen allein schuld sind. Im nächsten Jahr sinkt die Anzahl um 30 und das liegt dann an der tollen Verkehrspolitik und der gestiegenen Helmtragequote.
    In Wahrheit handelt es sich aber um nichts weiter als völlig unkorrelierte, unbeeinflussbare Schwankungen.

    Wenn im Mehrjahresdurchschnitt die Anzahl Getöteter stärker steigt als die Fahrleistung, dann kann man nach Ursachen fragen.

  10. In der Tagesschau wurde das gestern auch angerissen, mit einem erweiterten Bericht über die Diskussion zur Helmpflicht – Ursprung war nachfolgender MDR-Bericht.

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2683744

    Ich fand es etwas ärgerlich, dass hier zwar Statistiken zugrundegelegt werden, prinzipiell aber ohne Zahlen. Gerne würde ich mein Risiko ohne / mit Helm mal realistisch einschätzen. In anderen Punkten wissen wir ja, dass Realismus leider in der Gefahrenwahrnehmung keine Rolle spielt.

    Leider ist das Unfalldenken so konditioniert, dass Unfälle zum Verkehr einfach dazugehören. Das stimmt in der Dimension aber gar nicht. Eine Stadt nur mit Radfahrern würde – wie man beispielsweise aus den Münsteraner Unfallzahlen schlussfolgern kann – kaum Unfälle produzieren.

  11. @berlinradler … der MDR-Bericht lief erstmals nach den Tagesthemen – woher hast Du Deine Informationen über den „Ursprung“?

    An der ganzen Sache ist doch was oberfaul – trotz Vervielfachung des Fahrradverkehrs, hat die Zahl der tödlich verletzten Radfahrer – prozentual nahezu identisch zu allen Straßenverkehrsunfällen – innerhalb von 30 Jahren um 71,5 Prozent abgenommen.

    Nur zur Erinnerung: die Zahl der tödlichen Kfz-Unfälle soll durch Gurtpflicht, Promillegrenzen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und ähnliches abgenommen habe.

    Ohne einen einzigen Passivschutz – auch nicht nennenswert durch einen Fahrradhelm, der im Alltag soweit ich mich erinnere immer noch unter fünf Prozent genutzt wird – hat sich die Zahl der tödlichen Fahrradunfälle gleichermaßen reduziert. Die 456 getöteten Fahrradfahrern sind die zweitniedrigste jemals in der Bundesrepublik registrierte Zahl – also analog der Straßenverkehrsunfälle insgesamt eine kleine Sensation, wenn man das Blutvergießen noch Anfang der 1990er zum Beispiel mit 925 (1991) toten Radfahern vergleicht – also eine Halbierung.

    Wer also hat das Ergebnis der Unfallstatistik so massiv gegen Radfahrer missbrauchen können, ohne, dass dies wenigstens einem Journalisten aufgefallen wäre?

    Um noch einen Beitrag zu tödlichen Fahrradunfällen mit Helm zu bringen: ich musste mir gestern gerade die Geschichte eines Berliner Radfahrers anhören, der mit Helm gegen ein Auto prallte, im Koma lag und sonst ohne erkennbare Verletzungen war. Dass er querschnittsgelähmt war, wurde aufgrund des Komas erst einige Zeit später festgestellt. Die ganze Geschichte erinnert mich an die Warnung von Helmherstellern vor zusätzlichen Gefahren von Helmträgern vor Halswirbelsäulenfrakturen.

  12. @topse
    Das InfoRadio hat gestern über diese Statistiken berichtet (dabei aber die Fahrradkomponente außen vor gelassen) und der Bericht kam zu dem Schluss, dass Verbote schwere Unfallauswirkungen vermeiden: Seit den 80igern gibt’s Anschnallpflicht und mehr Tempolimits und seit einiger Zeit die 0,5 Promillegrenze und Nullpromille für Fahranfänger, und dieses habe jeweils zu einem Sinken der Toten- und Schwerverletztenzahlen geführt.
    Keine Ahnung ob dies nur die Schlussfolgerung des Senders war und keine Ahnung ob hier Kausalitäten abgeklärt wurden.

  13. @benno, beim Ursprung habe ich mich doof ausgedrückt. Der Artikel kam so wie oben verlinkt IN der Tagesschau (oder Tagesthemen, eben das was immer 20 Uhr kommt). Da ich in der ARD-Mediathek nur den MDR-Beitrag fand, wollte ich zum Ausdruck bringen, dass der MDR diesen verfasst hat. Eventuell erinnere ich mich da falsch, ist eigentlich ja auch egal.

    Übrigens schön, dass Du das Thema der Abnahme der Unfälle ansprichst. Im Stadtverkehr gilt das genauso. Allein in Westberlin gab es in den 70er Jahren ja (meines Wissens) jährlich um die 300 Tote, in Gesamtberlin sind es heute „nur“ noch um die 70. In der Stadt erkläre ich mir das ganz simpel: Mit den vielen Tempo-30-Zonen. Denn auch damals waren es vor allem Fußgänger, die verletzt oder getötet wurden – ihnen nutzt weder Gurt noch Airbag.

    Dass die Medien von einem „niedrigen Stand“ sprechen finde ich dennoch verniedlichend. Es gibt kein Verkehrsmittel (auch nicht das Fahrrad in einem autofreien Umfeld), das auch nur an die Größenordnung der Unfallverletzten und -toten pro Personenkilometer herankommt.

    Das Thema Helm wird ja sehr kontrovers diskutiert. In meinen Augen ist es eine Nebendebatte. Die Hauptdebatte, nämlich wie man Unfälle in der Stadt – fast nur durch den Kraftverkehr verursacht – verhindern kann, wird überhaupt nicht geführt. Dabei denke ich, Unfallvermeidung ist besser als die Linderung von Unfallfolgen. Sobald es aber an eine vermeintliche oder echte Einschränkung des eigenen Gefährdungsverhaltens geht – und sei es nur durch ein wenig Drosseln der eigenen Geschwindigkeit – sind diejenigen, die eben noch dem „verrückten“ Radfahrer vorgeworfen haben, ohne Helm zu fahren, ganz still.

  14. Helme schützen definitiv vor SHT (Schädel-Hirn-Trauma)!!! In Australien besteht seit Jahren Helmpflicht. Wehrt Euch nicht gegen Helme!!!!

  15. @Aussie, ob Helme schützen oder auch nicht, das ist eine Frage für sich. Eine generelle Unwirksamkeit würde ich ihnen nicht absprechen. Dennoch bin ich gegen eine Helmpflicht.

    Die Verpflichtung, einem Helm zu tragen, könnte ich nachvollziehen, wenn es mehr Unfälle gäbe und die Verletzungen hauptsächlich am Kopf wären. Daher wäre zunächst eine Statistik zu den Verletzungen bei Fahrradunfällen wichtig. Auch die Erfahrungen aus anderen Ländern sind nicht unwichtig, auch der starke Rückgang des Fahrradverkehrs.

    Die Emotionalisierung, wie sie das Thema Helm genießt, würde ich mir bei Hauptunfallursachen für Radfahrer wünschen.

  16. Korrektur: Eine Wirksamkeit würde ich ihnen nicht generell absprechen.

  17. @berlinradler, ich bin nicht unbdingt für die Helmpflicht, vielleicht habe ich mich da falsch ausgedrückt. Ich bin aber für mich selber der Meinung, das wenn ich mein eigenes Verletzungsrisiko auch nur um ein Prozent reduzieren kann, ich dieses nutzen sollte. Der Aufwand für mich selbst ist ja recht gering durch tragen eines Helmes, zumal im Sommer die Sonne nicht so auf den Kopf knallt. Generell hast Du aber Recht, die Emotionalisierung zum Thema Helm ist manchmal zuviel des Guten….

  18. Dieser Artikel sorgt auch für Diskussionen in de.rec.fahrrad, teilweise interessant vertiefend.

    http://groups.google.com/group/de.rec.fahrrad/browse_thread/thread/c0d0d60a94c431cc#

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