Rasende Radler

Die österreichische Onlinezeitschrit oe24.at nimmt eine Studie des ÖAMTC (österreichischer Automobilclub) zum Anlass, steigendes Rowdytum bei Radfahrern zu beklagen. Zum Artikel.

Das ist verwunderlich, denn augenscheinlich hat sich die Studie nur mit der gefahrenen Geschwindigkeit in der Stadt beschäftigt. Ein Drittel der Radfahrer sind demnach mit „bis zu 30 km/h“ in der Stadt unterwegs. Mal davon ausgehend, dass damit nicht gemeint ist, dass 2/3 der Radler noch schneller sind, sondern „bis zu“ durch „um die“ ersetzt werden kann, sind die Schlussfolgerungen seltsam. Die Tatsache, dass 30 km/h als zu schnell empfunden wird, könnte zum Nachdenken anregen – schließlich sind europäische Städte meist für Geschwindigkeiten um die 50 km/h ausgelegt.

In Deutschland gilt: Temposchilder gelten auch für Radfahrer. Die innerstädtische, nicht ausgeschilderte Tempobeschränkung von 50 km/h gilt nur für Kraftfahrer. In jedem Falle muss der Situation angepasst gefahren werden – auf Fahrbahnen dürfte Tempo 30 selten zu schnell sein, auf Radwegen kann diese Geschwindigkeit durchaus unangepasst sein.

19 Gedanken zu „Rasende Radler

Kommentare-Feed
  1. „Ich musste so schnell fahren sonst hätte ich ihn nicht überholen können“

    Die Aussage eines „geblitzten“ Autofahrers der mich in einer 30er Begrenzung überholte. Ich war mit dem Rennrad unterwegs. Ich schätze mal er hatte etwa 60 drauf.

    http://maps.google.de/maps?hl=de&ie=UTF8&ll=50.999809,7.031076&spn=0.000947,0.002414&t=k&z=19

    Tätsächlich wurde auch ich rausgewunken und zu den Vorwürfen des PKW Fahrers befragt. Obwohl sie meine Geschwindigkeit (32 Km/h) genau wussten, haben mich ja auch gemessen.
    Sie fragten mich, ob ich weiss wie schnell ich gefahren bin.

  2. Auja endlich tempo 30 für alle, dann muss man die Ampeln auch entsprechend einstellen und man steht nich immer an jeder verdammten Ampel.

    30km/h schaff selbst ich, 50 nun wirklich nicht.
    Und Radwege auf denen man bequem und relativ risikolos 30 fahren kann sind selten.

  3. Diese Denke fand ich schon immer krank: Als Radfahrer ist man mit 30 ein Raser, als Autofahrer mit 50 ein Schleicher. Dass dies nun öffentlich ausgesprochen wird, ist erstaunlich. Fällt diesen Leuten nicht selbst auf wie widersinnig diese Aussage ist?

  4. Auch schön: „Bereits ab 15 km/h kann man sich ohne Helm schwere Kopfverletzungen zuziehen.“

    Oh nein! Hoffentlich erzählt denen keiner, dass jährlich 5000 Menschen im Straßenverkehr den Tod finden. Schließlich gibt es immer noch unverantwortliche Leute, die ihre Kinder trotzdem ins Auto setzen …

  5. > Auch schön: “Bereits ab 15 km/h kann man sich ohne Helm schwere
    > Kopfverletzungen zuziehen.”

    Deswegen ist ja auch die Einführung der Helmpflicht für Fußgänger eine unabdingbare Konsequenz – auch und gerade im heimischen Umfeld, denn: Die meisten Unfälle geschehen im Haushalt!

  6. problem ist das der Radfahrer keinen krach macht. Das wirkt grade auf Fussgänger bedrohlich. Die merken einen später dadurch. Für Autofahrer sind Radfahrer nicht so einschätzbar , das problem haben aber Motobiker auch.

    Aber es gilt auch eines … für Autos wie Räder … Tempo 30 heisst nicht das man 30 fahren MUSS… man darf nicht mehr …aber man sollte weniger… wenn es situtation erfordert

  7. Ich fahr selten 30km/h. Meistens allein deswegen schon nicht, weil ich es leid bin ständig abzubremsen weil ich nicht als ebenbürtiger Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werde und dann z.B. Autos aus Einmündungen einfach losfahren und mir die Vorfahrt nehmen weil ich ja nur eine Radfahrerin bin, die kann ja garnicht so schnell sein. Da fahre ich lieber gemütlich und umgehe die Konfrontation. Klar ist das keine Ultima Ratio, aber in dem Falle meine persönliche Problemlösung. Siggis Story ist toll. Beschreibt wirklich sehr schön die Denke ggü. Radlern.

  8. @siggi

    das problem kennen wohl viele: dieser zwang bei autofahrern den radfahrer unbedingt überholen zu müssen, auch wenn man als radfahrer in ner 30er zone schon mit 35 unterwegs ist ….
    oder unbedingtes überholen wollen, obwohl die anstehende ampel schon längst rot ist. mit dem ergebnis, dass man den autisten an der roten ampel erneut überholt.
    manche menschen merken einfach gar nichts mehr.

    letztere kategorie, also mensch, findet sich aber allzu häufig auch bei radfahrern. eben noch den langsameren radler mitm affenzahn überholt und was passiert an der nächsten roten ampel? man selber hält an, während der/die depp/in langsam an einem vorbeischlingert, um an der sichtlinie der kreuzung zu halten, weil doch verkehr kommt. ergebniss: langsamradler verpennt die grün werdene ampel, weil er sie nicht sehen kann, man überholt erneut und das spiel beginnt im schlimmsten fall von vorne. erlebe ich mehrmals die woche abends aufm kudamm. solche leute merken auch nichts mehr und man kann froh sein, dass die nur rad und nicht autofahren

  9. Anderes Thema, aber auch interessant:

    Süddeutsche von heute, München-Teil, Titel „“Warnung an alle Radfahrer““

    Thema: Freispruch für Lkw-Fahrer, der beim Rechtsabbiegen Radfahrerin übersehen hatte (was zu deren Tod führte)

    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/234/472756/text/

  10. @Münchner, danke für den Link. Schon frustrierend, dass das Überfahren von Menschen im Straßenverkehr bei einer normalen Verkehrssituation „unabwendbar“ ist, obwohl diese alle Regeln eingehalten haben.

    Schlimm finde ich, dass die Richterin von Radfahrern fordert, eben besonders aufzupassen. Selbst schuld also! Radfahrer benötigen weder einen Führerschein noch eine Verkehrsausbildung, sollen aber spezielle Gefahrensituationen, die andere Verkehrsteilnehmer gar nicht kennen, richtig einschätzen und entsprechend reagieren.

    Absolut falsch finde ich, dass dem Lastwagen ein langsameres Fahren als mit 12 km/h nicht zuzumuten sein soll. Ein absurdes Beispiel, bei dem „Bauernopfer“ für die Leichtigkeit des Verkehrs hinhalten müssen. Der Vater der Verunglückten hat Recht – die Ampeln müssen anders geschaltet werden. Im Zweifelsfalle müsste – würden wir in einer Welt ohne verschrobene Relationen leben – das Rechtsabbiegen für Lkw eben verboten werden.

  11. Münchner schreibt:

    > [Süddeutsche: Freispruch für Lkw-Fahrer, der beim Rechtsabbiegen
    > Radfahrerin übersehen hatte]

    Hier die damalige Pressemitteilung der Polizei.

    Demnach benutzte die Radfahrerin ordnungsgemäß den südlichen Radweg der Arnulfstraße. Sie wurde beim Queren der Sedlmayrstraße vom vorderen rechten Eck des Sattelzuges zu Sturz gebracht.

    Wenn eine Sicherheitseinrichtung (wie z.B. ein Radweg) nur dann als Sicherheitseinrichtung funktioniert wenn der zu schützende aufpasst das ihm nichts passiert ist das keine Sicherheitseinrichtung sondern gefährlicher Schwachsinn.

  12. Hoffentlich können die Eltern das Urteil anfechten. Ist ja unerträglich. Wenn ich, so wie neulich beinahe, von jemandem umgekachelt werde, weil der Arsch gerade telefoniert und deshalb nich aufpasst, werde ich auf jeden Fall darauf bestehen, dass seine Telefonverbindungen ausgewertet werden.
    Vielleicht war es beim LKW-Fahrer ja kein Funkgerät sondern ein Handy. Und sowas kriegt man dann raus.

  13. Das Urteil ist deprimierend. Ich hoffe, dass es in der nächsten Instanz keinen Bestand hat. Weder in der Süddeutschen Zeitung noch in einem weiteren Artikel des Merkur ist von der Straßenverkehrsbehörde die Rede, die solch einen idiotischen Radweg baut, der durch Bäume oder Büsche perfekt getarnt ist.
    Google-Maps-Foto des Unfallorts

    Ebenfalls verantwortlich für solche Unfälle ist der Gesetzgeber, der schon lange hätte vorschreiben können, dass LKWs mit Kamera und Monitor ausgestattet sein müssen, die den toten Winkel komplett ausleuchten. So etwas kostet nur wenige hundert Euro, was ein Bruchteil der Kosten eines Lastkraftwagens ist. Die Investitionen so einer lächerlichen Summe ist den Fuhrunternehmern natürlich nicht zuzumuten. Ich verstehe nicht, wieso nicht wenigstens sicherheitsbewusste LKW-Betreiber solche System freiwillig nutzen.

  14. @Kalle
    Ist mir egal wieviel Kammeras Spiegel u.s.w. LKW demnächst dran haben. Was ändert sich dadurch für die Radfahrer auf Radwegen?
    Brauchen sie dann nicht mehr auf LKW zu achten? Können sie sich dann auf die Lüge verlassen Radwege sind sicher? Ich vermute mal, dass durch das Aufrüsten der LKW nur noch ein Punkt dazu kommt Radfahrer, auf Radwegen, in trügerische Sicherheit zu wiegen.
    Viel wichtiger ist dafür zu sorgen, dass es diese Konstellation nicht mehr gibt wo rechts abbiegende Fahrzeuge Radwege kreuzen. Entweder, in solchen Fällen Rechtsabbiegeverbot für Fahrbahnfahrer, oder Radwege abschaffen.

  15. Oft vergessen wird auch, dass nicht nur Rechtsabbiegende Lkw ein Problem sind. Die Spiegeldiskussion ist in meinen Augen nur eine Teildiskussion. Die Hauptdebatte wird allerdings in der Öffentlichkeit nicht geführt.

  16. Wieso kann man denn nicht die Regel einführen, dass LKW-Fahrer generell vor dem Rechtsabbiegen anhalten müssen, um sich zu vergeissern, dass niemand kommt?
    Oder so: Wer keinen Dobli bzw- Kamerasystem hat, MUSS halten. Das wäre auch ein Anreiz für die asozialen Fuhrunternehmer, die aus Kostengründen nicht nachrüsten. Habe sogar von Fuhrunternehmen gehört, die schon mehrere Radfahrer auf dem Gewissen haben und dennoch nicht die notwendigen Spiegel anbauen. Was müssen das für Asseln sein?

  17. Aber Anhalten nützt ja leider nichts. Der Lkw-Fahrer kann den Bereich, in den er fährt, schlichtweg nicht einsehen.

  18. es wäre doch ein leichtes an die besonderes gefährlichen ecken einfach ein spiegel an die kreuzung zu stellen, in dem man den kompletten radweg einsehen kann

  19. Wäre es nicht noch einfacher LKW aus den Innenstadtbereichen zu verbannen und vor der Stadt in normale Transporter umzuladen.

    Ja ja teuer teuer umständlich aaaaber: es schafft Arbeitsplätze!

    Jahaaa das Totschlagargument überhaupt, ich sollte Politiker werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.