Steelworks: Fahrradrahmen aus Stahl

Im vergangenen Jahr kündigte der Stahlkonzern Thyssenkrupp ein Joint Venture mit dem chinesischem Rahmenbauer Jingu sowie dem Stahlhersteller Ansteel an. Ziel der Kooperation sei es, mit innovativen Produkten Marktpotenziale für Leichtbau- und Stahl-Designräder zu erschließen.

Nun wurde ein erstes Produkt der Zusammenarbeit präsentiert. Der Rahmen steelworks sieht aus wie ein Alu- oder Carbonrahmen, ist in Wirklichkeit aber aus Stahl. Allerdings wurden keine herkömmlichen konifizierten Stahlrohre für den Rahmen verschweißt. Stattdessen besteht er aus zwei Halbschalen aus Stahl, die mit hochpräziser Laserschweißtechnik zusammengefügt werden. Das Ergebnis ist die Kombination zweier Eigenschaften, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen: extreme Steifigkeit bei gleichzeitig hohem Fahrkomfort. Angeblich soll die neue Rahmenbauweise auf lange Sicht billigere Rahmen als Konkurrenzprodukte garantieren.

Verkaufsstart des neuen Rahmens soll im Spätsommer 2019 sein.

Thyssenkrupp: steelworks

Utrecht: Für Menschen und Räder planen, nicht für Autos

Mit etwa 350.000 Einwohnern ist Utrecht die viertgrößte Stadt der Niederlande. Noch vor dreißig Jahren sah Utrecht so aus wie heute jede gewöhnliche mittelgroße Stadt in Deutschland: voller Autos, für die die Straßen verbreitert und die Kanäle zugeschüttet wurden, um noch mehr Platz für Kraftfahrzeuge zu schaffen. Irgendwann hat man in Utrecht erkannt, dass dieser Weg zu Städten führt, in denen die Menschen an den Rand gedrückt werden.

Nachdem man in Utrecht das Ruder herumgerissen hat, wurden Straßen einfach entwidmet, Straßen wurden wieder in Kanäle zurückverwandelt. 98% der Einwohner besitzen ein Rad und der Anteil des Radverkehrs in der Innenstadt liegt bei 60%. Unter dem Bahnhof entsteht gerade eine neue Fahrradabstellanlage mit 12.000 Parkplätzen.

Der 13 Minuten lange Film von Streetfilms fasst gut zusammen, wie Utrecht in den vergangenen Jahren zu einer menschenzentrierten Stadt transformiert wurde.

Utrecht: Planning for People & Bikes, Not for Cars from STREETFILMS on Vimeo.

Regierender Bürgermeister lässt sich anstecken vom Wiener 365-Euro-Jahresticket

Michael Müller hat sich in einem Interview der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) für einen stark verbilligten Öffentlichen Nahverkehr ausgesprochen. Wörtlich sagte er: „Tatsächlich habe ich mich von diesem 365-Euro-Jahresticket in Wien anstecken lassen. Ich will Schritt für Schritt auch das Ziel verfolgen, ein Jahresticket für den öffentlichen Personennahverkehr für 365 Euro anbieten zu können.“

Zur Zeit kostet ein Nahverkehrsabo im Tarifbereich AB in der günstigsten Variante 728 Euro im Jahr, also fast genau zwei Euro am Tag. Müller möchte diesen Tarif „Schritt für Schritt“ auf einen Euro senken.

Die Stadt Wien hatte diesen Schritt im Jahre 2012 gewagt, die Zahl der verkauften Jahrestickets war daraufhin stark angestiegen.

Die Einführung eines 365-Tickets wäre ein starkes Signal ür eine umweltfreundliche Verkehrspolitik in Berlin. Die regierende rotrotgrüne Koalition hat in den vergangenen knapp drei Jahren den Preis eines Sozialtickets von 36,00 auf 27,50 € gesenkt. Nach den Sommerferien können Schüler den Nahverkehr kostenlos nutzen.

NZZ: Interview mit den Stadtoberhäuptern von Wien, Berlin und Zürich

So geht Verkehrswende. Nicht.

„CDU/CSU und SPD wollen im Bundeshaushalt 2020 die Mittel für den Aus- und Neubau der Infrastruktur für die Bahn kürzen. Zugleich sollen die Haushaltsmittel für die Straßen weiter steigen“, sagt Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Verkehrsausschuss für die Grünen.

Googlet man mal nach „Bundeshaushalt 2020“, dann findet man den „Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2020 (PDF, 176 KB)“ und da bekommt der Haushalt 20 einen anderen Drall. Zitat: „Im Verkehrshaushalt werden die Investitionen gegenüber dem geltenden Finanzplan weiter erhöht. Die klassische Verkehrsinvestitionslinie (der Bereiche Straße, Schiene und Wasserstraße) wird im Jahr 2020 gegenüber dem noch geltenden Finanzplan um über 770 Mio. € auf rund 15,3 Mrd. € gesteigert“ (Seite 11). Dass Gastels Zahlen (2020: 10,92 Mrd. € Investitionen für Autobahnen, Bundestraßen und Schienenwege) und die Zahlen der Regierung (2020: 15,3 Mrd. € Investitionen in den Verkehrsbereich) nicht vergleichbar sind, liegt vermutlich daran, dass die Investitionen in den Wasserstraßenausbau und die Milliarden für den Radschnellwegbau bei Gastel nicht berücksichtigt werden.

Und weiter aus der Haushaltsvorlage der Bundesregierung: „Die Steigerung kommt vor allem dem Schienenbereich zugute, der als klimafreundlicher Verkehrsträger weiter gestärkt wird“ (Seite 11). Konkrete Zahlen werden dann allerdings nicht genannt, stattdessen recht blumige Aussagen darüber, dass ganz, ganz viele Milliarden (konkret: 51,4 Mrd. €) für die Schienenwege im Zeitraum 2020 bis 2029 eingeplant sind. Gut zu wissen, dass heute in zehn Jahren viel Geld in den Schienenausbau gesteckt werden soll, allerdings hilft uns das hier und heute kein Stück weiter. Notwendigerweise ist der sofortige Aus- und Neubau der Schieneninfrastruktur erforderlich und nicht erst in einer Dekade.

In den Kommentaren zu Gastels Tweet werden auch Neuwahlen und eine grüne Regierung gefordert. Mal abgesehen davon, dass das nicht passieren wird, weil zu viele SPD- und CDU-Abgeordnete Angst haben, nicht wiedergewählt zu werden und deshalb die Merkelregierung nicht in Rente schicken, bekomme ich bei solchen Äußerungen immer ein flaues Gefühl im Magen. Die Grünen schlagen einen CO2-Preis von 40,- € pro Tonne vor. Das führt ungefähr zu einer Spritpreiserhöhung von 10 Cent pro Liter. Da die Einnahmen aus der CO2-Steuer „dem Bürger wieder zurückgegeben werden sollen“, schlagen die Grünen die Streichung der Stromsteuer und eine Barauszahlung von 100 Euro pro Einwohner vor. Der Rest des Geldes soll in die Ladeinfrastruktur von E-Autos gesteckt werden. Richtig gelesen. Der kleine Mann soll zehn Cent mehr für Sprit zahlen, das Geld fließt (teilweise) in die Infrastruktur für 30.000-Euro-E-Autos. Das ist Umverteilung von unten nach oben. Wenn die Grünen wenigstens vorgeschlagen hätten, die Mehrwertsteuer für Bahnfahrten von 19 Prozent auf Null zu stellen und die MwSt. für Regionalbahnen von 7 % auf Null zu setzen. Aber so kann ich nicht wirklich glauben, dass mit den Grünen eine radikale Verkehrswende geht.

Bundesfinanzministerium: Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2020 (PDF, 176 KB)

Thilo Jung: Grünes „Sofortprogramm“ zum Klimaschutz: Hofreiter, Baerbock & Kretschmann – BPK 28. Juni 2019 (Youtube-Video)