Wie fahrradfreundlich ist die Berliner Regierung?

Gestern vor einem Jahr fand die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin statt, die zur Bildung der rot-rot-grünen Koalitionsregierung führte. Bestandteil des Koalitionspakets war eine neue Radverkehrspolitik, von der allerdings bisher kaum etwas Schrägstrich nichts auf der Straße angekommen ist.

Wie beurteilt die Berliner Bevölkerung zwölf Monate nach der Wahl die Fahrradfreundlichkeit der Landesregierung? Zufälligerweise wurde gestern auch der Fahrrad-Monitor 2017 für Deutschland veröffentlicht. Der Fahrrad-Monitor erhebt alle zwei Jahre das subjektive Stimmungsbild der Radfahrenden in Deutschland. Die Bürgerinnen und Bürger wurden von der Sinus Markt- und Sozialforschung GmbH im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums befragt. Der Fahrrad-Monitor wird im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 vom Verkehrsministerium gefördert. Die Erhebung fand – nach 2013 und 2015 – 2017 zum dritten Mal statt. Immerhin mehr als 3.000 Deutsche zwischen 14 und 69 Jahren wurden befragt.

Eine Frage (Seite 63 der Langversion) lautete: „Würden Sie Ihre Landesregierung grundsätzlich als fahrradfreundlich einstufen?“ Und so stuften die Befragten ihre jeweiligen Regierungen ein:

Berlin landet im Ranking der fahrradfreundlichen Regierungen auf Platz sieben, belegt also einen Mittelplatz. Eine Schulnote „1“ gaben vier Prozent der Berliner Befragten. Da 303 Leute in Berlin online befragt wurden, waren es immerhin zwölf Leute, die dem Land die beste Zensur bescheinigten. 16 Prozent vergaben eine „2“ und 39 Prozent gaben die Note „3“. Insgesamt 41 Prozent der Befragten benoteten die Fahrradfreundlichkeit Berlins mit „4“ oder schlechter (Note „4“: 24 %, Note „5“: 10 %, Note „6“: 7 %).

Fazit: auch wenn sich der Berliner Senat eine fahrradfreundliche Politik auf die Fahnen geschrieben hat, ist das bei der Bevölkerung noch nicht angekommen.

Bundesministerium für Verkehr: Fahrrad-Monitor 2017
Fahrradportal: Fahrrad-Monitor 2017 für Deutschland veröffentlicht

3 Gedanken zu „Wie fahrradfreundlich ist die Berliner Regierung?

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  1. Damit man eine vergleichbare Beurteilung abgeben kann, müßte man doch eigentlich mindestens zwei Länder gut kennen, oder? Ich kenne nur Berlin und kann nur sagen, daß wir Berliner bei anderen Deutschen als Meckerer und Miesmacher gelten. Wenn das stimmt, ist das berliner Ergebnis vielleicht zu negativ, während die Frohnaturen vom Rhein vielleicht sogar mit dem vorletzten Platz noch zu positiv bewertet sind.

    Die positive Bewertung BaWüs kann ich mir nur so erklären: Die Befragten fahren allesamt Auto und finden, daß Fahrräder nur auf den Dachgepáckträger desselben gehören. Und da die Kretschmann-Regierung das genauso sieht, haben sie ein gutes Ergebnis! (Zugegeben: Ich kenne BaWü nicht, sondern beziehe das auf Erlebnisberichte von mir bekannten Schwaben.)

    1. @ Martin,
      ich muss weder Meckerer noch Miesmacher sein um zu erkennen,
      dass sich Berliner „Qualitätsradwege“ weitaus überwiegend in einem
      desatrösen Zustand befinden. An allen Ecken und Kanten ist nur Mangel erkennbar. Und nicht nur Wurzelaufbrüche, Plattentektonik und völlige Ignoranz der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen ( ERA) sind hier zu beklagen. Unsere Berliner Behörden sind zudem offenkundig außerstande diese maroden Rumpelpisten wenigstens
      laufend zu pflegen. Will heißen, ohnehin schon viel zu schmale Wege
      wenigstens rechtzeitig von wucherndem Grün freizuschneiden.
      So waren z.B. Teile des Radfernweges Berlin-Usedom im Sommer zeitweise kaum befahrbar, weil mannshohe Brennnesseln den Weg von beiden Seiten so zugewuchert hatten, dass sich zwei Radler nicht begegnen konnten, ohne dass es zu schmerzhaften Verbrennungen kam. Angesichts dieser allgegenwärtigen Mangelverwaltung ist die
      Fahrradfreundlichkeit der Landesregierung nach meinem Geschmack noch viel zu gut beurteilt worden.

      1. @Komfortradler : Ich stimme Dir vollkommen zu, aber damit haben wir trotzdem keine Vergleichbarkeit hergestellt. Weder Du noch ich wissen etwas über den Zustand von Radwegen in anderen Bundesländern. Keine Frage, daß Berlin Nachholbedarf hat, aber ist das in anderen Bundesländern nun besser oder schlechter?

        Vielen Dank für die Beschreibung des Usedom-Radweges. Den will ich im kommenden Jahr mal fahren. Ich werde mir also auf jeden Fall ein Paar Gartenhandschuhe und eine Unkrautschere mitnehmen! Und lange Kleidung!

        (Viel zu lange Randbemerkung zu schmalen Radwegen: Schmale Hochbordradwege, die direkt an Fußgängern vorbeiführen, in der bestehenden Form zu pflegen oder zu reparieren halte ich für falsch. Sie sollten umgehend verboten werden und eine Art „Notsperrung“ kriegen, bis sie in ausreichender Breite ausgebaut sind. Denn Radfahrer gefährden durch die Nutzung dieser Radwege nicht nur sich selbst, sondern häufig genug auch andere Radfahrer und Fußgänger. Eine Kollegin von mir wurde verletzt, weil sie von einem anderen Radler auf einem schmalen Radweg überholt und touchiert wurde. Die meisten Radler überholen via Gehweg, was illegal und gefährlich für Fußgänger ist. Wenn ich mit meinem Klapprad auf so einem Radweg mit ca. 10 km/h fahre, werde ich dauernd von anderen Radler überholt, die sich, mich und die Fußgänger gefährden. Auch Radwege wie der am Mehringdamm zwischen Bergmannstraße und Gneisenaustraße in nördlicher Richtung sollte sofort geschlossen werden.)

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