death.bike

Heute wurde ein Internetprojekt aus der Taufe gehoben, das nur aus einer einzigen Seite besteht. Auf ihr sieht man einen Counter, der heute bei „1“ steht. Die Zahl bezieht sich auf einen tödlichen Verkehrsunfall in Morsbach, der einzige mit Radfahrerbeteiligung, den es in dem jungen Jahr 2017 gegeben hat. In Morsbach wurde ein 46 Jahre alter Radfahrer getötet, als ein 85 Jahre alter Kraftfahrer aus Herbertshagen kommend nach links auf die L94 einbiegen wollte und dabei offenbar den Radfahrer rammte.

Es bleibt wohl ein frommer Wunsch von Radfahrern, dass dieser Counter auch am Jahresende noch einstellig ist oder gar bei 1 bleibt, denn duchschnittlich stirbt etwa ein Radfahrer pro Tag in Deutschland. Die Seite „death.bike“ will die tödlichen Radfahrerunfälle dieses Jahres dokumentieren und auf einer schwarz unterlegten Landkarte verorten.

death.bike
Radverkehrsforum: Darum geht’s bei death.bike
via: itstartedwithafight

22 Gedanken zu „death.bike

Kommentare-Feed
  1. Ist das noch blöder Opferkult oder schon Leichenschändung?

  2. Leider habe ich eine Stunde nach Veröffentlichung dieses Beitrages schon den zweiten Toten eintragen müssen…

  3. Leider schon 2 jetzt…

    (Meine Verlinkungen geht nicht. 😉 )

  4. Absolut ekelhaft und menschenverachtend, mit dem Tod anderer Menschen Geld zu verdienen. Der Betreiber wäre gut beraten, die Seite wieder aus dem Netz zu nehmen.

  5. @Lebendiger Radfahrer: Wo verdiene ich denn Geld mit dem Kram?

  6. Ich verstehe die Aufregung nicht. Ist es also „Opferkult“, „Leichenschändung“, oder „menschenverachtend“ am Ende des Jahres die Unfallstatistik auszuwerten und auf die Verkehrstoten hinzuweisen? Es mag ja Effekthascherei sein, aber offensichtlich kann man sich in unserer oberflächlichen „Web 2.0“ Demokratie nicht anders Verhör verschaffen. Verkehrspolitik, die die Sicherheit von Rad- und Fußgängern ernst nimmt, ist nun einmal nur auf Kosten des goldenen Kalbes Auto zu haben. Und um das in D durchsetzen zu können muss man Druck machen. Einfache Appelle haben doch in den letzten 60 Jahren nichts als Lippenbekenntnisse gebracht.

    Was interessant wäre, ist zu verfolgen welche Konsequenzen den Todesfällen folgen. Wie ernsthaft wird ermittelt, wer war (Haupt-) Schuld, kommt es zu einer Anzeige oder Verurteilung, zieht die Stadt Konsequenzen in ihrer Verkehrsplanung an der Unfallstelle, etc. Vielleicht kann man ja andere RF finden, die vor Ort am Ball bleiben und nachhaken? Bei Polizei und Staatsanwaltschaft nachfragen, evtl. sogar die Angehörigen kontaktiert etc….. Als erste Kontaktstelle könnte der Journalist vor Ort dienen. …nur ein Gedanke.

  7. Ich finde diese Seite nicht schlimmer (und auch nicht besser) als z.B. die „Geisterräder“ des ADFC oder die jüngsten Mahnwachen der Volksentscheidsinitiative. Auf unterschiedliche Arten wird eben auf die Lebensgefahr aufmerksam gemacht, der man als Radfahrer manchmal durch Autofahrer ausgesetzt ist.

    Ich persönlich halte nichts davon, die Gefahren des Radfahrens permanent überzubetonen und konzentriere mich lieber auf die Vorteile, preiswert und bequem von A nach B zu kommen, gesund zu bleiben, Lebensfreude durch körperliche Aktivität im Freien zu entwickeln, die Umwelt zu schonen etc.

    Radfahren ist – trotz der Toten – eine sichere Art der Mobilität und man kann nur davor warnen, statt radzufahren daheim zu bleiben. Bei Unfállen im Haushalt sterben in Deutschland jedes Jahr mehrere Tausend Menschen. An Bewegungsmangel sterben vermutlich noch viel mehr. Also lieber das sehr geringe Risiko eines Verkehrsunfalles eingehen und glücklich radelnd leben!

    (Eine Bemerkung noch aus Datenschutzsicht: Die OSMap wird mittels API von Mapbox dargestellt und zwar durch direkte Aufrufe des Browsers zu Mapbox. Können diese Sachen nicht durch den death.bike-Server gehen? Also Server als Proxy? Sodaß mapbox nicht die IP-Adressen aller death.bike-Aufrufer sammeln kann?)

  8. @MrPorhtnasim, Angehörige kontaktieren fände ich recht weitgehend – allerdings finde ich den Vorschlag, die einzelnen Vorfälle weiter zu begleiten und zu beobachten, ganz interessant. Das dürfte allerdings ohne Polizei-Connections kaum gehen, da Zeitungen i.d.R. nicht mal mehr über spätere Gerichtsverhandlungen schreiben.

    @Martin, das Problem mit den extern geladenen Inhalten hast Du ja mittlerweile auf wirklich jeder Seite. Wenn man Proxy beispielsweise für Openstreetmap-Tiles spielt und mit der gleichen Server-IP sehr viele von denen zieht, kriegt man auch schonmal ne nette Mail mit der Bitte, das zu unterlassen 🙂 Ob Mapbox damit auch Probleme hat, weiss ich nicht.

  9. @Martin:

    So einen Cache oder Proxy untersagt Mapbox leider in deren Nutzungsbedingungen: https://www.mapbox.com/tos/#%5BYmcMYmns%5D

    Allerdings werde ich mir ohnehin etwas überlegen müssen, denn binnen zehn Tagen habe ich schon knapp 30 Prozent meines „Kachel“-Volumens bei Mapbox verbraucht, eventuell kommt da in ein paar Tagen erstmal die stinknormale OpenStreetMap-Ansicht hin, bis ich mir da was überlegt habe.

  10. @berlinradler, @Malte: Ich mache jetzt lieber nicht den Vorschlag, einen eigene Tile-Server aufzusetzen, denn das soll wohl sehr aufwendig sein, schon von der benötigten Rechen- und HD-Leistund her.

    Ja, solche Unfälle weiterzuverfolgen wäre interessant, aber eben auch schwierig. Geht eigentlich nur über den RA eines Unfallbeteiligten, nehme ich an.

    Zeitungen berichten selten: http://www.taz.de/!5307057/

  11. Es mag für manche zynisch klingen, Trotzdem: Da werden pro Jahr in Deutschland mehr Fahrradfahrer durch LKWs zu Tode gefahren als Weihnachtsmarktbesucher. Ich wünschte man würde die Fahrradfahrer mit gleichem Aufwand schützen wollen, wie die Weihnachtsmarktbesucher.

  12. @Neuköllner, zwar sollte man Terrorismus und Verkehrsunfälle nicht gegeneinander aufwiegen, was Du ja auch nicht tust. Ich finde es aber auch interessant, wenn ein Verkehrssenator zum Innensenator wird – denn der Umgang mit Toten im eigenen Ressort scheint sich tatsächlich zu ändern. Ernsthafte Überlegungen, wie man gegen einen Toten nach dem anderen im Straßenverkehr vorgehen kann, scheinen nie angestellt worden zu sein, während man beim Terrorismus recht weitreichend denkt (Videoüberwachung, Fußfesseln, Abschiebehaft zur Vorbeugung …)

  13. @Malte, ich hätte auch noch einen Tileserver mit eigenständigem Rendering. Da ich das als Ein-Mann-Show mache, ist Perfektion noch weit entfernt, so dass ich das bisher nicht an die große Glocke hänge. Aber vielleicht gibt es ja eine wenig aufwendige Lösung, bei der ich Dir für die größeren Zoomstufen dunkelgraue Tiles zur Verfügung stelle. Weiss nicht ob das irgendwie hilft.

  14. Unter http://kuerzer.de/radunfalltabelle findet man eine Aufzeichnung von online gemeldeten Todesfällen mit Fahrradbeteiligung, die bereits seit Anfang 2013 läuft. Inzwischen sind dort knapp 1.600 Meldungen zusammengetragen und u.a. hinsichtlich Unfalltyp, Ortslage, Hergang und Gegnern gegliedert erfasst. Die Seite ist allerdings eher desillusionierend für Fans von besonderer Fahrradinfrastruktur.

  15. @Neuköllner: Ich finde en Vergleich zwischen Verkehrsunfällen und Terror durchaus nicht zynisch, sondern angebracht und notwendig. Der Unterschied ist: In einem Fall wird mit den Achseln gezuckt und gesagt, daß doch Radfahrer besser aufpassen sollen, im anderen Fall werden sämtliche Grund- und Freiheitsrechte zur Disposition gestellt.

  16. “ Radfahrer verstirbt nach Glatteis-Sturz im Krankenhaus“

    Seriously? Was soll das für ne ‚getötete Radfahrer‘-Statistik sein?

  17. Die gute Absicht, mehr Bewusstsein für die Opfer des Straßenverkehrs in der heutigen Form zu schaffen, erkenne ich an.

    Solange es aber keine death.auto und death.ped Zähler gibt, verstärkt dies den medial kolportierten Eindruck, Radfahren sei besonders unsicher, was nicht stimmt. Außerdem werden sich die absoluten Zahlen bei einem km-bezogenen Zuwachs an Radverkehr erhöhen. Das verleiteten ebenfalls zu falschen Schlüssen, wie man an den Meldungen zu Unfällen von Pedelecs ja sieht.

  18. Hinter der Seite steckt Malte Hübner. Der ist mir schon seit einiger Zeit negativ aufgefallen, beispielsweise setzt er sich neuerdings für den Bau von Hochbordradwegen ein und arbeitet hart daran, die Verkehrsmittel-Apartheid voranzutreiben. Ich schlage vor, ihn einfach zu ignorieren und seinen Projekten keine Aufmerksamkeit zu schenken.

  19. Gegenfrage: Wo findet man keine Befürworter der Verkehrsmittel-Apartheid? Meist verstecken sie sich hinter anderen Radfahrern, die angeblich Wegelchen wollen, oder hinter der offensichtlich falschen Behauptung, nicht alle „Radwege“ seien schlecht.
    Seitdem ich ausschließlich Fahrbahnen nutze, weiß ich, was von „Radwegen“ zu halten ist, egal, welcher Art oder von welcher Qualität sie sind. Wer sich wider besseren Wissens nicht gegen „Radwege“ ausspricht, sollte lieber nicht tote Radfahrer zählen.

  20. Solange sich die ‚Neue deutsche Radszene‘ nicht (wieder) an der Zielsetzung der Reduktion von Autoverkehr orientiert, sondern stattdessen – in Nachahmung von Ländern mit steigendem Autoverkehr – auf ’stressarmes‘ separiert-gleichberechtigtes Nebeneinander mit steigender Verkehrsleistung von MIV setzt (Motto: Hautpsache mein Quartier ist abbseits des stressigen Autoverkehrs auf Kurzsterecken befahrbar), sind solche Projekte m.E. ehr zwiespältig.
    Völlig ausgeblendet wird offenbar
    1. Radfahren ist trotz Unfallgefahr sehr gesund und lebensverlängernd
    2. ca. 90% der Verkehrstoten sterben nicht durch Unfälle, sondern durch die Abgase und den Lärm des Autoverkehrs (WHO Schätzungen zugrundegelegt). Der Anteil der verunfallten Radfahrenden an den Verkehrstoten beträgt somit unter 1%.

    Klar, das tägliche versteckte qualvolle Verrecken der Mehrheit der Verkehrstoten in stinknormalen Krankenbetten ist nicht sonderlich ’spektakulär‘, es ist noch nicht mal Radioaktivität im Spiel, was zumindest eine gewisse Aufmerksamkeit sicheren würde, aber es ist DA, und:
    es wird systematisch – im Gegensatz zu den Rad-Unfalltoten – unter den Teppich gekehrt, auch wenn in Gefolge des bereits abgewickelten ‚Dieselskandals‘ ein wenig Unmut erkennbar geworden war. Lediglich die DUH bleibt noch hartnäckig am Thema dran.
    Zeit den Teppich zu lüften?

    Maßgeblich wäre (Primat von Ratio mal vrausgesetzt) eine deutliche Verbesserung der Reisezeit von Radverkehr/Umweltverbund bei gleichzeitiger Verschlechterung der Reisezeit des MIV.
    Da geht es dann nicht um ca. 350 Tote, sondern um ca. 35.000 Tote.
    Mal ganz abgesehen von Asthma, Demenz, Neurodermitis, vermiderter Intelligenzwenticklung, div. Ekzemen, und den vielen weiteren nicht letalen chronischen Erkrankungen, die ganz oder teilweise aus dem Autoverkehr resultieren.

  21. Völlig unabhängig von der Meinung, den man inhaltlich zu verschiedenen Thmen hat: Den Beitrag des „Lebendigen Radlers“ finde ich in Ton und persönlicher Stoßrichtung völlig daneben.

    Die beiden letzten Beiträge verstehe ich nicht, sie haben wohl irgendetwas mit Radwegen oder Separierung zu tun haben und wollen einen Zusammenhang zum Artikelthema herstellen – mir bleibt unklar, welchen.

  22. Oh – lieber Lebendiger Radfahrer und lieber Gast – Malte versteckt sich doch nicht. Er schreibt im Gegenteil sehr offen und lesenswert, zuletzt hier:

    https://radverkehrspolitik.de/ich-habe-die-schnauze-voll-vom-vehicular-cycling/

    Ist doch in eurem Sinne, wenn ich das „aufdecke“, oder?

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