Utrecht will den Ampelwald lichten

Verkehrsampeln wurden erfunden, um den Kraftfahrzeugverkehr flüssiger und reibungsloser abzuwickeln. Vor gut hundert Jahren wurde die erste elekrisch betriebene Ampel in Ohio in den USA aufgestellt, zehn Jahre später zog Berlin mit der ersten Ampel am Potsdamer Platz nach. Heute werden in Berlin gut 2.000 Lichtsignal- bzw. Lichtzeichenanlagen betrieben. Nicht wenige davon bremsen Fußgänger und Radfahrer zugunsten des Kraftverkehrs gehörig aus.

Auch in Utrecht ist man sich der Tatsache bewusst, dass an vielen Ampelanlagen der Radverkehr besser und schneller geleitet werden kann. Deshalb hat die Stadtverwaltung alle Verkehrsteilnehmer aufgefordert, zwischen dem 24. Februar und dem 30. April 2015 Ampeln in Utrecht zu melden, die unnötig oder kontraproduktiv sind. In den zehn Wochen der Befragung kamen insgesamt 4.760 Meldungen zusammen.

Nach sorgfältiger Analyse der Meldungen beginnt die Verkehrsverwaltung von Utrecht in diesem Monat mit dem testweisen Abschalten einzelner Ampelanlagen. Bei anderen Anlagen werden die Laufzeiten verändert, sodass sie zum Beispiel nachts nur noch blinken. Bei einer weiteren Gruppe von Ampeln können Radfahrer nun durchgehend nach rechts abbiegen.

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11 Gedanken zu „Utrecht will den Ampelwald lichten

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  1. „Bei einer weiteren Gruppe von Ampeln können Radfahrer nun durchgehend nach rechts abbiegen.“

    YEEEAAAAHHHH! *sehr dafür*

  2. Auf Hauptstraßenampeln wird man hier kaum verzichten können, seltsame Nebenstraßenampeln kenne ich aber auch. Sowas wie Bernburger Ecke Dessauer Straße.

    Ich habe in letzter Zeit einige Radwegampeln festgestellt, die nur noch halb so lange grün sind wie die Fahrbahnampeln. Das kam mir an den betreffenden Stellen neu vor. Habt Ihr so etwas auch festgestellt? Ich denke, dass das eher ein Zeichen dafür ist, dass wir in Berlin sogar wieder Rückschritte machen, habe aber kein flächendeckendes Bild.

    Eine Ampel ist mir positiv aufgefallen, und zwar wenn man von Alt-Stralau auf die Stralauer Allee zufährt. Es gibt zwas noch eine zeitliche Überschneidung mit Rechtsabbiegern, aber die ist recht klein geworden. Das ist nah dran an einer separaten Ampelschaltung für den Radverkehr und dürfte die Abbiegeunfallproblematik entschärfen.

  3. @Berlinradler

    Als besonderes Negativbeispiel fallen mir hier die selbst bei manch neuer LZA genutzten kombinierten Fußgänger-/Fahrradsignale ein. Neulich ist es mir tatsächlich passiert, dass ich das Umschalten einer solchen Kombi-Ampel verpennt habe, weil ich nur auf die Fahrbahnampel neben dem Radweg geachtet habe. Zum Glück hat der rechtsabbiegende Autofahrer Rücksicht vor Vorfahrt walten lassen.

  4. Bei kaum einer Maschine kommt soviel Autorität mit soviel Dummheit zusammen. Mal gespannt wie lange in Ohio die Lichter ausgewesen sein müssen bevor Berlin sich bequemt zumindest nachts mal einen nennenswerten Teil dieser absurden Gesslerhüte ruhen zu lassen.

  5. Die Beispiele für Ampeln, die den Radverkehr unnötig ausbremsen sind ja
    nachgerade unzählig.

    Mir fallen da auf Anhieb ein:

    1.Kreuzung Osloer Str./Residenzstraße in westl. Richtung wird man mittels Fahrradampel gaaanz lange vor dem Autoverkehr angehalten.

    2.An der Seestraße in westl.Richtung, an der linksseitigen Einmündung Turiner Str. sowie an der linksseitigen Einmündung Sylter Str. Beidenfalls gibt es zwischen Rad-und Autoverkehr keinerlei Berührungspunkte, der den Radweg kreuzende Fußgängerverkehr ist sehr schwach. Erstgenannte Ampel heißt bei mir „Friedhofsampel“, denn rechts befindet sich eine Gartenpforte als Friedhofszugang. Fahre da oft lang und habe noch nie jemanden aus dieser Pforte kommen sehen. bestimmt 90 % aller Radler
    machen sich dort zu Rotlichtsündern.

    3.Bettelampel an der Seestraße,wo der Radweg Berlin-Kopenhagen
    die Seestraße kurz vor bzw. hinter der Autobahnausfahrt über einen breiten Mittelstreifen quert. Hier gibt es abartig lange Wartezeiten und aus westl. Richtung kommend ist es weder Fußgängern noch Radfahrern auf dem gemeinsamen Überweg möglich, beide Richtungsfahrbahnen am Stück
    zu überqueren. Andersherum funktioniert das komischerweise besser, wenn auch wegen der auch hier langen Wartezeiten nicht wirklich gut. So manch ein Radler, Fußgänger oder Jogger fühlt sich deshalb veranlasst, das Rotlicht zu ignorieren. Das ist indessen insbesondere an der südl. Fahrbahn recht gefährlich, weil viele der KFZ, von der Autobahn kommend, noch hemmungslos zu schnell fahren. Zudem habe ich bereits mehrere Rotlichtverstöße von KFZ-Lenkern er- und überlebt, zuletzt gerade gestern. Da war auch ein 40-Tonner dabei, der mir fast die Schuhe plattgefahren hätte. Hier stand mal ein weißes Geisterrad, doch unsere VLB pennt
    und pennt und pennt.

    4.Auf der Kreuzung Greifswalder/Michelangelo-Str. wird man, obwohl bei grün in den Kreuzungsbereich eingefahren, im Kreuzungsbereich zugunsten des aus der Michelangelo-Str. rechts abbiegenden KFZ-Verkehrs von einer roten Fahrradampel ausgebremst. Die Ampel ist häufigst gar nicht zu sehen,weil Fußgänger davor stehen. Ich hatte das mal fotografiert und auf der Velo Berlin dem Vertreter der Senatsentwaltung für Stadtverwicklung gezeigt. Ich bekam die lapidar-freche Antwort, dass doch auf dem Asphalt
    eine Haltelinie angebracht sei. Somit müsse ich doch wissen, dass sich dahinter eine rote Ampel befinden könne. Ähnlich bescheuert montierte
    Fahrradampeln lassen sich stadtweit finden.

    5.In diesem bescheuerten Radsicherheitsportal hatte ich auf eine für den
    zügigen Radverkehr völlig blödsinnige Ampel hingewiesen:“So etwa 150 Meter vor der ampelgeregelten Einmündung der Marienburger Str. in die Greifswalder Straße ( Richtung Süd) befindet sich eine Vorampel, an der auch der Fahrradverkehr durch eine Haltelinie ausgebremst wird. der Grund dieser Ampel ist wohl die an dieser Stelle in die
    Linksabbiegerspur einschwenkende Straßenbahn, die hier vom Autoverkehr nicht behindert werden soll. Was das allerdings mit dem auf
    einer Fahrradspur geführten, geradeausfahrenden Radverkehr alles tun hat vermag sich mir nicht zu erschließen. Das sind vermeidbare
    behördliche Schikane. Also grüne Fahrradampel für den geradeausfahrenden Radverkehr anbauen“.

    Da hat sich natürlich nichts getan. Da mein Hinweis nicht in die Top 30 gekommen ist, darf ich wohl nicht damit rechnen, dass sich zu meinen Lebzeiten jemand damit beschäftigt. Da ich bereits den Status Altersrentenantragsteller erreicht habe, dürfen die jüngeren Blogteilnehmer
    vielleicht noch zuversichtlich sein.

    Diese Ampelbeobachtungen konzentrieren sich auf meinen begrenzten Erfahrungsraum und wiewohl sie keineswegs vollständig und abschließend
    wiedergegeben sind, lässt sich daraus schon ableiten, dass sich die Situation stadtweit nur als desaströs zutreffend bezeichnen lässt.

  6. Bettelampeln sind generell ein großes Problem, so gut wie jeder kommt sich pauschal veralbert vor, wenn die Phasen zu lang sind und missachtet die Ampel dann komplett.

    Mache ich auch hin und wieder, um ehrlich zu sein, mit dem Rad aber äußerst selten. 5 Euro wäre mir das wert, mehr oder gar einen Punkt aber nicht.

    Besonders interessant ist die unterschiedliche Schaltzeit bei der Rad-/Fußgängerüberwegsampel in der Daumstraße in Spandau: Wenn ich morgens keine 10 Sekunden warten muss (Schulzeit!), schaltet die Ampel abends auf dem Heimweg erst nach mindestens einer Minute um. Totaler Unsinn, weil in unmittelbarer Nähe Ampeln mit festen Schaltzeiten sind, die dafür sorgen, dass dann 20-30 Sekunden gar kein Auto kommt.

    Oder mein Lieblingsbeispiel, der Jakob-Kaiser-Platz: Zwar mit Induktionsschleifen ausgestattet (die öfters nicht auslösen), sind neben ewig langen Wartezeiten die Fahrradampeln so geschaltet, dass man immer zwei Phasen braucht, um über eine Straße zu kommen. Wenn man also vom Tegeler Weg zum Siemensdamm fahren möchte, muss man glatt vier Mal mindestens 30 Sekunden Wartezeit einplanen. Dort sollte man sich aber hüten, bei Rot zu fahren. Da es von dort in drei verschiedene Richtungen für Kfz auf Autobahnen weitergeht, ist die Durchschnittsgeschwindigkeit und Toleranz zu Rotlichtverstößen entsprechend hoch!

    @Komfortradler
    Zur Überquerung Seestraße Radweg B-KP: Vollkommen richtig, ostwärts ist das eine Qual. Ich plane das immer als Trinkpause ein. Wahrscheinlich wäre es schneller, „geisterzuradeln“ und dann am Dohnagestell die Seestraße zu queren. Ganz nebenbei bemerkt: mit dem Vorteil eines Rotlichtblitzers dort. Aber das ist natürlich keine wirkliche Lösung. Zeigt aber, wozu die Ungleichbehandlung führt: zur „Belohnung“ von Regelverstößen.

  7. Die B1 / B5 in Biesdorf hat auch schöne Bedarfsampeln an der Kreuzung zur Märkischen Allee. Die Kreuzung ist absolut auf Geschwindigkeit getrimmt, man kann da locker mit 70 km/h abbiegen. Der geradeausfahrende Straßenverkehr hat fast immer grün, die Radfahrer und Fußgänger müssen pro Richtung je 2x die Abbiegestreifen queren – mit Bettelampel, enormen Wartezeiten und, von der B1/B5 komment, teils sehr schnellen Ampelmissachtern.

    https://goo.gl/maps/hQGYD

  8. @hvhasel

    Hier mal zur Auffrischung meine Zuschrift zum Thema Jacob-Kaiser-Platz aus dem Radsicherheitsportal:“von Komfortradler | 10.12.2013 – 15:01

    Jacob-Kaiser-Platz – schwarzes Loch für Radfahrer

    Jakob-Kaiser-Platz 13627 Berlin
    Jacob-Kaiser-Platz und Fahrradverkehr, die werden nie zusammenfinden. Ich will das mal bildhaft beschreiben. Ich komme aus dem
    Siemensdamm und will zum Goerdeler Damm. Dann stehe ich vor der Ausfahrt Tegeler Weg vor einer roten Bettelampel. Nach längerem Stehen
    muss ich erkennen, dass die Kontaktschleife wiedermal außer Betrieb ist. Ich bemühe mich also an den Anforderungstaster an der Fußgängerampel und stehe nun für meine Weiterfahrt in einer unmöglichen Position. Nach weiterem Warten grünes Licht, Hurra!
    Nach 15 Metern wieder anhalten.Die Fahrradampel an der östlichen Fahrbahn des Tegeler Wegs ist natürlich auch rot. Dann endlich grün auf dem
    Weg zur Ausfahrt Geordeler Damm. Die nächste Herausforderung. An der Ausfahrt Goerdeler Damm natürlich auch rotes Licht. Man ist ja
    lernfähig, also gleich an den Anforderungstaster der Fußgängerampel. Denn die Kontaktschleife hat hier manchmal Kontakt, schleift aber häufig
    auch nur so vor sich hin. Warten, lange warten. Inzwischen hat mich ein Mitradler überholt und dieses Hindernis bei Rotlicht überwunden. Grün,
    meine Anfahrposition von der Fußgängerampel aus befindet sich abermals nicht auf der Ideallinie. Ich überquere die Ausfahrt, um 15 Meter
    weiter vor der Einfahrt wieder vor Rotlicht zu landen. Andernorts nennt man das Rotlichtbezirk. Hier dann aber nach einem Sekundenwarten
    grünes Licht. Ich überquere die Fahrbahn, muss nur noch in scharfer Rechtskurve den Mast der Fußgängerampel umrunden und befinde
    mich dann endlich im Goerdeler Damm. Oder besser gesagt, in dem, was davon übrig geblieben ist. Auf dem Zweirichtungsradweg werde
    ich an der Kreuzung Reichweindamm bei grünem Licht von einem links abbiegenden PKW überfahren und kann mich gerade noch fragen,
    warum ich am Jacob-Kaiser-Platz so lange vor den roten Ampeln rumgestanden habe.

    Mein Vorschlag der Jacob-Kaiser-Platz muss endlich dem automobilen Wahnsinn entrissen werden. Unterbrückt ihn, übertunnelt ihn oder macht es so, wie die Leute in Eindhoven (einfach „Fahrradkreisverkehr“ in Google eingeben und staunen) und gebt ihn wieder frei für Menschen auf zwei Beinen oder zwei Rädern.

  9. @Komfortradler
    Solche umfassenden baulichen Maßnahmen traue ich dem Senat für Stadtentwicklung nicht wirklich zu.

    Es würde aber schon viel helfen, die Ampelphasen einer Straßenquerung zu vereinheitlichen. Oder man hat sogar Zweirichtungsradwege im Kreisverkehr wie am Großen Stern. Ich habe es mir jedenfalls angewöhnt, den Jakob-Kaiser-Platz nur mit maximal einer Querung zu befahren. In Deinem Fall wäre es statt Gordelerdamm dann der Heckerdamm oder nach dem JKP die Olbersstraße und weiter, je nachdem wohin man fährt.

  10. @hvhasel

    Die Gedanken sind frei! Und wenn ich auf der Karte mal ein Lineal zwischen
    Weißensee und Haselhorst lege, dann sind leider Jacob-Kaiser Platz und
    Siemensdamm/Nonnendammallee der direkte Weg. Sicherlich sind Olbersstraße bzw. Heckerdamm gerade noch vertretbare Alternativen aber halt auch mit Zumutungen gespickt. Eine genussvolle Fahrt zwischen
    West (Spandau) und Ost (Hohenschönhausen/Marzahn) ist eben einfach nicht möglich. Das kleinste Übel ist halt immer noch Berlin-Kopenhagen. Übel, weil dieser im Grunde auch einen Umweg lohnende Weg peu à peu vergammelt (Wurzelaufbrüche, Brennesseln und andere Biomasse).

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