ADFC und BUND stellen Ergebnisse der Kampagne „Radspuren frei!“ vor

Von März bis Juli 2014 hatten ADFC und BUND ein Online-Formular mit dem Titel „www.radspuren-frei.de“ ins Netz gestellt und die Berliner Radfahrer gefragt, welche Erfahrungen sie mit zugeparkter Radspuren machen. Während der 99-tägigen Kampagne gingen 2.022 Meldungen ein, die insgesamt 5.964 Blockaden auf 138 Radfahrstreifen und Schutzstreifen betrafen. Hier die Hitliste der 10 am stärksten betroffenen Straßen nach der Zahl der Blockaden pro Kilometer Radspur:

Rang Straßenname Blockaden/km Länge (beidseitig)
       
1 Schlesische Straße 692 970 m
2 Franklinstraße 556 1120 m
3 Wilhelm-Kabus-Straße 508 130 m (einseitig)
4 Vor dem Schlesischen Tor 429 280 m
5 Fasanenstraße 400 75 m (einseitig)
6 Alt-Moabit (vor Stromstr.) 382 170 m (einseitig)
7 Joachim-Friedrich-Straße 343 1340 m
8 Westfälische Straße 324 1360 m
9 Gruner Straße 323 65 m (einseitig)
10 Uhlandstraße 147 3000 m

Auffällig ist, dass sich die Meldungen an bestimmten Orten häufen. So ist der Straßenzug Köpenicker Straße (Platz 17), Schlesische Straße (Platz 1) und Vor dem Schlesischen Tor (Platz 4) sehr stark von Falschparkern betroffen. Auf einer Gesamtlänge von 3,2 Kilometern wurden insgesamt 967 Fahrzeuge gemeldet, die die Radspur blockierten.

Fast 90 Prozent der Behinderungen wurden in den drei innerstädtischen Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte gemeldet. Privatwagen sorgen mit 71 % für den Hauptanteil der Meldungen, weit vor gewerblichen Fahrzeugen (16 %), Taxen (5 %), Postfahrzeugen (4 %), LKW (3 %) und Bussen (1 %). Je nach Charakter der Straße und anliegenden Nutzungen ergeben sich jedoch ganz unterschiedliche Problemlagen. In Geschäftsstraßen wie der Schlüterstraße oder der Westfälischen Str. behindern überproportional viele Privat-Kfz den Radverkehr. In Straßen wie der Franklinstraße (Autotransporter) oder der Huttenstraße sind hingegen gewerblich genutzte Fahrzeuge vorherrschend, in der Köpenicker Straße und Vor dem Schlesischen Tor wiederum Taxen an mehreren irregulären Taxihalteplätzen. Unterschiede git es auch in der zeitlichen Verteilung der Behinderungen bezogen auf die die Tageszeit beziehungsweise auf den Wochentag.

Welche Empfehlungen lassen sich aus den Ergebnissen der Kampagne ableiten? ADFC und BUND schlagen ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor, angefangen bei einer besseren Logistik (verstärkte Nutzung von Paketstationen, Modelle zur Feinverteilung von Gütern mittels Lastenrädern etc) über bessere Planung bei der Neuanlage von Rad- und Schutzstreifen (geradlinige Führung der Streifen), eine einheitliche Halteverbots-Regelung auf Schutzstreifen bis hin zu Kennzeichnung und Freihaltung von Lieferzonen für den gewerblichen Verkehr. Außerdem sollen Angebote zum legalen Kurzzeitparken geschaffen werden.

In einer abschließenden Einzelbetrachtung besonders kritischer Straßen werden auf 20 Seiten die Probleme erörtet und Empfehlungen ausgesprochen. Bleibt die Frage, ob die betroffenen Bezirke die Ratschläge von BUND und ADFC beherzigen.

ADFC und BUND: Ergebnisse der „Radspuren frei!“-Kampagne

5 Gedanken zu „ADFC und BUND stellen Ergebnisse der Kampagne „Radspuren frei!“ vor

Kommentare-Feed
  1. Tja, man muss es eben immer wieder klar machen: Ursprünglicher Existenzzweck der Radwege ist allein das Wohl der Autofahrer und genau nicht das Wohl der Radfahrer.

    Radweg, das ist wenn Geradeausverkehr rechts von Rechtsabbiegern in ein Reservat bzw Lager weggepfercht bzw konzentriert wird. Eine effektivere Methode, Tote und Verletzte zu produzieren ist ja gar nicht ohne weiteres denkbar und bedürfte wahrscheinlich einiger Militärtechnik. Und Straßenverkehr ist ja nun dasjenige gesellschaftliche Alltagsereignis, das dem Kriege am nächsten kommt: wo sonst schon kann man, wenn man sich nur halbwegs geschickt anstellt, reihenweise Leute umnieten ohne jegliche Gefahr einer Bestrafung, sondern im Gegenteil, sich oft genug der Zustimmung und Genugtuung einer in diesem Punkte gewiß pervertierten Mehrheit sicher sein!
    Radwege sind gleichsam die Zuhälter des Straßenverkehrs, auch die Mehrheit der Prostituierten irrt in der Ansicht, ihr Lude würde sie beschützen.

    Radstreifen, das ist wenn ein brutto 1,5 Meter (abzüglich zweimal Breitstrich effektiv 1,1 Meter) breiter Bereich mehr oder weniger bündig an der linken Seite parkender Autos entlang markiert und zur neumodischen Variante das zuvor schon genannten Zwangsreservates ausgerufen wird. Es handelt sich dabei also um genau den Bereich der von sich öffnenden Autotüren überstrichen wird, und der aus gutem Grund laut zahlreicher Gerichtsurteile als der Mindest-, nicht Höchst-, nein, wohlgemerkt als der Mindestabstand zu parkenden Autos von Radfahrern freizuhalten ist, ansonsten wird auf Teilschuld des verletzten oder getöteten Radfahrers erkannt. Man sieht also, das moderne Reservat ist nicht besser als das traditionelle hochbordige, sondern teils sogar schlimmer, denn perfiderweise schaufelt derjenige Radfahrer der es leichtfertig benutzt sich hier nicht nur physisch sondern obendrein auch noch juristisch sein eigenes Grab in der behördlich angeordneten Todesfalle.
    -Nein, ich beabsichtige durchaus nicht, mein Vokabular abzuspecken.-

    Da kann man sich natürlich nun schon fragen, welche Rolle ADFC und BUND dabei denn nun spielen. Meinen sie es gut und lassen es bloß in der Umsetzung ein wenig hapern? Oder sind sie false-flag-organizations, angetreten die Interessen der Radfahrer nicht zu vertreten sondern zu kapern? Kann jemand so unbeschreiblich dämlich sein wie diese beiden Vereine? Es ist ein Trauerspiel! Sie kapieren es einfach nicht.

    Man sollte dankbar über jeden zugeparkten Radweg sein, dann muß man diese Ausgeburten nämlich nicht mehr befahren!

  2. Das ist aber ein langer Kommentar

  3. Mag sein daß der Kommentar lang ist, aber er ist längst nicht lang genug. Ich vergas nämlich zu erwähnen daß Radwege das Verursacherprinzip auf den Kopf stellen und schon deshalb ersatzlos abgeschafft werden sollten.
    Daß ein Radfahrer einem Autoinsassen nicht gefährlich werden kann dürfte unstrittig sein. Alle Strassenverkehrsgewalt geht vom Kraftfahrzeug aus – und es kann nicht sein daß sich die davon Bedrohten daraufhin zurückzuziehen haben, sondern die Aggressoren müssen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen und am Begehen weiterer Verbrechen gehindert werden. Was aber passiert? Es werden Radwege gefordert!
    Die häufigste Gewalttat ist irrig belehrendes bzw vergeltendes Überholen mit bewußt viel zu geringem Seitenabstand. (Wer es ausprobieren möchte der befahre die Frankfurter Allee ab Ringbahn ostwärts) In strafrechtlichen Kategorien ist das der Versuch der gefährlichen Körperverletzung mit Eventualvorsatz. Eine Gefährdung des Straßenverkehrs ist es ohnehin. Alltäglich, massenhaft und gewohnheitsmäßig begangen. Kommentar eines Fachanwaltes für Verkehrsrecht: „Ihre Gedanken sind vollkommen richtig, trotzdem wird so etwas nie zur Verurteilung kommen; Sie müssen ja bedenken daß auch die allermeisten Richter und Staatsanwälte Autofahrer sind.“ Rechtsstaat? Daß ich nicht lache!
    Was also passiert? Es werden mehr Radwege gefordert! Der Schwanz wedelt mit dem Hund! Gegenüber bisher freiwillig Hochbord ist nun zwangsweise Radstreifen eine klare Verschlimmerung. Die Autoterroristen dürfen weiter unbehelligt Angst und Lebensgefahr verbreiten. Man tut ja sooo viel für den Raaadverkeehr! Und auch in der Puppenkiste des ADFC wird uns wieder einmal das beliebte Stück „Mehr Radwege!“ schmackhaft gemacht.
    Aber da krieg ich das kalte Kotzen.

  4. Ich schliess mich dem oben genannten mal an, auch wenn ich den Kriegsvergleich etwas gar krass finde.

    In dem ADFC Dingsblatt ist übrigens grad ein Artikel zu Überholen und sowas drin. Wie so vieles im deutschen Recht verwirrend, unsinnig und toll aus der Perspektive des Kraftfahrzeugs.

    Von wegen Existenzzweck der Radwege ist das wohl der Automobilisten und Hundwedelnde Schwänze:

    Was, um Himmels Willen, ist da am Kottbusser Tor passiert?
    Da gibt es ja eigentlich nur 2 Möglichkeiten:
    -Stützräder montieren und 10 Minuten mehr einplanen.
    -So tun als wäre man wirklich ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer, die Fahrbahn und nicht das abgezäunte Übungsgelände benutzen, und hoffen dass ein eifriger Polizist einem Hilft einen Präzedenzfall zu schaffen.

    Ja, ich weiss, der Ort ist per se Scheisse und wird nie toll sein. Aber was da hingestellt wird ist ja wohl letztes Jahrhundert?

  5. @kottbuser tor – etwas OT aber doch interssant, was da raus kam.

    mischverkehr ist da nur was für die schnellen jungen. das liegt vor allem auch daran, dass das
    – kein richtiger kreisverkehr ist
    – tempo 50 gilt.

    solange das nicht geändert wird, schon richtig, da eine eigene infrastruktur für radfahrer zu schaffen, zT auch nicht so schlecht gemacht, wie zb die eigene linksabbiegerampel für die weiterfahrt zur admiralstraße.

    ABER: die ampelschaltungen sind wirklich eine unverschämtheit. zB die ampel richtung oberbaum brücke über den kottbuser damm: rechtsabbiegergrün für autos, radfahrer warten und danach…grün für alle gleichzeitig (!) und dann: warten auf der mittelinsel. na vielen dank.

    zum Thema:
    ärgern tun mich radstreifenparker und – halter auch oft nur: die variante mit der gasse ist in der tat noch blöder. das ganze thema zeigt aber, dass radstreifen NICHT reichen, damit sich alle – auch ältere, familien mit kindern, langsamere lastenräder – auf schmalen radstreifen auf ausfallstraßen mit tempo 50 wohlfühlen werden. nie. entweder also muss verkehrsberuhigung her oder radwege kopenhagen-style. sonst bleibt das tägliche radfahren in der metropole über längere strecken eine durchaus gruppenspezifische veranstaltung, nämlich vor allem was für kinderlose männer 19-49.

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