Schwerpunktkontrollen in Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf

Von heute bis zum 27. Oktober kündigt die Berliner Polizei umfangreiche Schwerpunktkontrollen zur Überwachung und zum Schutz des Radfahrverkehrs an. Bis Ende Oktober müssen Rad- und Autofahrer insbesondere auf den nachfolgenden Verkehrsachsen mit Kontrollen rechnen:

  • Tempelhof-Schöneberg: Hauptstraße, Kleiststraße, am Tempelhofer Damm sowie Hildburghauser Straße und Nahmitzer Damm
  • Steglitz-Zehlendorf: Teltower Damm, in der Schloßstraße und Kaiser-Wilhelm-Straße

Die Presseerklärung wird verknüft mit folgenden Hinweisen:

„In diesem Zusammenhang möchte die Polizei auf folgende Verhaltensweisen hinweisen:

  • Ist ein Radweg mit blauem Schild gekennzeichnet, muss er von Radfahrern benutzt werden. Ist kein Radweg vorhanden, gehören Radfahrer ab dem 10. Lebensjahr auf die Fahrbahn und nicht auf den Gehweg.
  • Die Schutzstreifen auf der Fahrbahn, die von Radfahrern benutzt werden müssen, sollen ein Plus an Sicherheit für die Radler bieten – auf ihnen darf nicht geparkt werden.
  • Beim Abbiegen ist dem geradeaus- oder entgegenlaufenden Verkehr Vorrang einzuräumen. Das gilt insbesondere auch für Fußgänger und Radfahrer.
  • Vergewissern Sie sich beim Rechtsabbiegen mit einem Schulterblick, ob sich nicht ein Radfahrer von hinten nähert. Beobachten Sie die Situation schon beim Heranfahren an eine Kreuzung oder Einmündung und achten Sie dabei auf die Radwegführung.

Sie sollten jederzeit daran denken, nicht auf Ihr Recht zu beharren und eine mögliche Unachtsamkeit anderer Verkehrsteilnehmer einkalkulieren.
Mit gegenseitiger Rücksichtnahme und vorausschauendem Handeln im Straßenverkehr trägt jeder dazu bei, das Unfallrisiko zu senken.“

Presseerklärung der Berliner Polizei Nummer 1639 vom 28.06.2013 – 11:10 Uhr

106 Gedanken zu „Schwerpunktkontrollen in Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf

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  1. @Michael S – das kann ich so nicht beantworten, habe aber auch Zweifel. fab merkte das ja auch an.

    Andererseits fahren in entschärften Mischverkehren durchaus auch die typischen Radwegbenutzer oft auf der Fahrbahn. Deren Probleme und Ängste dürften sich auf die fiesen Straßen beschränken, um die man aber realistischerweise in der Stadt nicht umhinkommt.

    In Straßen, in denen mehr Radfahrer als Autofahrer unterwegs sind, fahren die Radfahrer sehr selbstbewusst – natürlich mit Ausnahme solcher Straßen, wo die Radfahrer ebenfalls in der Mehrheit sind, es aber einen „rettenden“ „Radweg“ gibt, wie z.B. die mich immer wieder faszinierende Alexanderstraße vor dem Alexa.

    Dennoch stimme ich Dir zu, dass ein Schulkind sich alleine im Straßenverkehr fortbewegen können muss, und hier wird es wirklich schwierig, wenn andererseits das Dogma herrscht, dass der Autoverkehr möglichst vorrangig behandelt werden muss und möglichst mit hohen Geschwindigkeiten fahren darf und die Gefährdeten sich dem anzupassen haben. Denn diese Anpassung kann nicht jedem abverlangt werden, Kinder und gesundheitlich Beeinträchtigte werden – so ist der derzeitige Zustand – zur Risikogruppe.

  2. @ berlinfahrer: Ich denke, über kurz oder lang könnte sich der Radverkehr durchaus auch in diese Richtung entwickeln. Aus dem einfachen Grund, weil die derzeitige hierfür gebaute/gemalte Infrastruktur den Radverkehr irgendwann nicht mehr wird fassen können. Es wäre aber eigentlich schön, wenn das positiv und konstruktiv von der Politik gewollt und begleitet würde, solange Radfahren noch etwas positives hat und nicht solange alles verhindert wird, bis man nicht mehr anders kann und neue Radfahrer nicht wegen der positiven Aspekte sondern aus finanziellen Zwängen heraus aufs Rad umsteigen.

  3. @Michael S, wer sich auf die Politik verlässt, ist verlassen. Das soll nicht wie eine dumme Stammtischparole rüberkommen, aber aus der Bundespolitik kommen überhaupt keine Impulse, und diejenigen aus der Berliner Landespolitik sind nach meinem Empfinden auch vollständig erloschen. Natürlich ist eine fahrradfreundliche Politik ein Traum, derzeit sehe ich dafür aber keinerlei Anzeichen.

    Traurig finde ich in der Hinsicht die Arbeit des ADFC, der in so einer Situation eher auf Fundamentalopposition schalten müsste, statt lasche STVO-Änderungen zu begrüßen (man könnte so viele SINNVOLLE und HILFREICHE Änderungen einpflegen!!!) und lächerliche Kampagnen wie „Berlin nimmt Rücksicht“ auch noch unterstützt. Das Verkehrsministerium gibt sich offen fahrradfeindlich, da gibt es keinen Grund für Anbiederung oder Zusammenarbeit.

  4. zum thema rücksicht, schwerpunktkontrollen und lobbyarbeit:

    hier ein artikel mit dem üblichen tenor, der den mythos „radfahrer verursachen die hälfte aller unfälle selber“ weiterträgt und behauptet, fahren mit kopfhörer sei eine OWi, die mit EUR 5 zu gering geahndet wird.

    http://www.bz-berlin.de/bezirk/prenzlauerberg/der-kampf-gegen-die-radikalen-radler-article1718279.html

    das haben wir aber eben auch der tatsache zu verdanken, dass die widerling-quote unter radfahrern nicht besser ist bei anderen verkehrsmitteln.

    kleine anekdote am rand:

    ich steh gestern an einer neuen bedarfsampel für radfahrer auf dem nagelneuen radweg beuthstr., der die leipziger quert. (sicherlich ungewohnt, so viele neue radwegestummel in verschiedene richtungen, auch bisher eine insellösung.) rechts von mir ein behelmter trekkingradfahrer um die 30, typ informatiker mit brille und zottelhaar, mit freundin, auf dem von ihm aus linksseitigen bürgersteig. sie wollen offensichtlich geisterradelnd die fußgängerfurt queren – können sie machen, ist mir erstmal egal. ich steh ihm allerdings jetzt im weg mit dem bakfiets (short version), da ich den „bettelknopf“ an der ampel gedrückt habe.

    er: schulligung, kannst du mal n stück zurückfahren?
    ich: wieso?
    er: weil ich da rüber will!
    ich: hm ja, dann geh halt um mich rum, du fährst übrigens auf dem bürgersteig auf der linken seite.
    er (fährt los, dreht sich halb um, schreit): ey du arschloch! du kannst echt nur froh sein, dass ich mit meiner freundin unterwegs bin…(wir radler vor der ampel schaun uns kopfschüttelnd an)

  5. Als ich mich gestern so über diese „Dose Rücksicht“ aufregte, fand ich auch einige Schmuckstücke:

    http://www.rücksicht-im-strassenverkehr.de/fileadmin/global/Berliner_Kurier_Serie_30.04.13.pdf

    http://www.rücksicht-im-strassenverkehr.de/fileadmin/global/Berliner_Kurier_Serie_07.05.13.pdf

    http://www.rücksicht-im-strassenverkehr.de/fileadmin/global/Berliner_Kurier_Serie_14.05.13.pdf

    http://www.rücksicht-im-strassenverkehr.de/fileadmin/global/Berliner_Kurier_Serie_21.05.13.pdf

    http://www.rücksicht-im-strassenverkehr.de/fileadmin/global/Berliner_Kurier_Serie_28.05.13.pdf

    Endlich weiss ich, warum Radfahrer sich oft so egoistisch verhalten und dass Radfahrer, die nicht vom vordersten Rad eines Lkw überfahren werden, immer selbst der Unfallverursacher sind.

    Immerhin muss man dem Berliner Kurier zugutehalten, dass er bei der Aufstellung der Verkehrsregeln keine neuen dazugedichtet oder bestehende falsch interpretiert hat, das ist für Boulevard durchaus bemerkenswert.

  6. hier mal ein guter artikel, wenn auch mit irreführender überschrift und dachzeile.

    http://www.spiegel.de/international/zeitgeist/bike-boom-popularity-of-cycling-leads-to-overcrowding-in-europe-a-915598.html

    beschreibt gut eine art tugend-kreis: gute infrastruktur führt zu mehr radnutzung, wodurch der bedarf an mehr und besserer infrastruktur steigt. was wiederum zu gunsten der radfahrer ausgeht.

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