ADFC über Fahrradunfälle in Berlin

Anlässlich der Aufstellung von 15 weißen Rädern an den Unfallstellen der 15 im vergangenen Jahr im Berliner Straßenverkehr getöteten Radfahrer hat der ADFC heute ein Hintergrundpapier zu den tödlichen Unfällen der Jahre 2008 bis 2012 veröffentlicht.

Die Auswertung zeigt, dass „Fehler beim Abbiegen“ durch Kraftfahrer mit weitem Abstand die meisten Unfälle verursacht. Drei Viertel dieser Unfälle werden durch Berufskraftfahrer im Lkw verursacht.

In dem 13-seitigen Papier werden auch Zahlen zur Verursacherquote genannt. Damit ist der Anteil der Unfälle gemeint, die eine spezifische Gruppe von Verkehrsteilnehmern verursacht, bezogen auf alle Unfälle, an denen diese Gruppe von Verkehrsteilnehmern beteiligt ist. Bei tödlichen Fahrradunfällen mit Beteiligung von Lkw liegt die Verursacherquote bei 95%. Anders ausgedrückt: „Lkw verursachen 95% der Radunfälle mit Todesfolge, an denen sie beteiligt sind (Berlin 2008-2012).“

Dagegen liegt die Verursacherquote von Radfahrern in Berlin zur Zeit bei 55%. In der letzten Zahl sind auch die Eigen- und Alleinunfälle eingeschlossen. Die Verursacherquote von Radfahrern liegt seit einem Jahrzehnt konstant auf diesem Niveau beziehungsweise ist leicht rückläufig. Die Zahlen belegen keine „Verrohung der Sitten“ im Straßenverkehr, die häufig insbesondere Radfahrern zugeschrieben wird.

Grafik: ADFC
ADFC: 15 Geisterräder für 15 getötete Radfahrer 2012
ADFC: Fahrradunfälle mit Todesfolge 2008 bis 2012 Analyse, Ursachen, Hintergründe

12 Gedanken zu „ADFC über Fahrradunfälle in Berlin

Kommentare-Feed
  1. … musste wohl mal (wieder) gesagt werden. Ob’s was hilft, wenn solcherlei Erkenntnisse noch nicht mal auf Ministerebene verstanden werden?

  2. Die Auswertung auf Seite 7 in der PDF-Datei („Radspuren schaffen Sicherheit“) ist nicht besonders aussagekräftig, weil da nur die absolute Zahl der Unfälle für die einzelnen Führungsformen und nicht berücksichtigt wird, auf welchem Anteil der Gesamtstrecken diese Führungsform vorhanden ist. In dem Diagramm werden 8 tödliche Unfälle auf Radspuren und 13 tödliche Unfälle auf Fahrbahnen genannt. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass die allermeisten Straßen in Berlin keine Radspuren/Radwege haben und Radfahrer somit auf der Fahrbahn fahren müssen, dann kommt man zu dem Schluss, dass Radpuren keineswegs so sicher sind wie von Politik und ADFC immer behauptet wird.

    Aus dem Diagramm kann man ebenfalls erkennen, dass Abbiegeunfälle auf Radspuren deutlich häufiger als auf Fahrbahnen vorkommen. Das Problem wird man wohl nur lösen können, indem man endlich den grundlegenden Fehler von Radwegen (geradeausfahrende Radfahrer rechts von abbiegenden LKW/Autos) beseitigt und die Fahrradspur links von der Rechtsabbiegerspur führt.

  3. Das Problem wird man wohl nur lösen können, indem man endlich den grundlegenden Fehler von Radwegen (geradeausfahrende Radfahrer rechts von abbiegenden LKW/Autos) beseitigt und die Fahrradspur links von der Rechtsabbiegerspur führt.

    Und wie kommen die Rechtsabbieger auf die Rechtsabbiegerspur? Indem sie die links davon angeordnete Fahrradspur kreuzen. Und was lässt Dich annehmen, daß das für Radfahrer auch nur einen Hauch sicherer wäre?

    Nein. Radfahrer gehören nicht auf getrennte Spuren, Radfahrer gehören genau dorthin, wo andere Fahrzeuge auch fahren. Dann aber auch nicht neben die Fahrzeuge, sondern davor und dahinter.

    O ja: da muss man dann als Radfahrer auch durch, daß man hinter einem Auto wartet, und nicht rechts dran vorbeifährt. Das nämlich, das rechts-dran-vorbei-fahren ist der gleiche Scheiss-Separatismus, den Radspuren und Hochbordradwege gemein haben.

  4. Joe sagt:

    O ja: da muss man dann als Radfahrer auch durch, daß man hinter einem Auto wartet, und nicht rechts dran vorbeifährt.

    In einer 50er Jahre Welt wäre das noch ein Anfang – heute: no way. Ich werde mich nicht in eine Autoschlange abschieben lassen, weil jeder dieser Deppen 10qm Platz für sich beansprucht. Wer schon mal auf einer Radspur mit einer Gruppe anderer Radler zusammen auf Grün gewartet und sich umgeschaut hat, wie lang die Schlange mit einer entsprechenden Anzahl KFZ-Insassen hinter einem ist, hat da keine Fragen mehr. Radverkehr auf Extrafahrbahnen, egal ob Hochbord oder Radstreifen, läßt sich sicher machen. Die Frage ist nur, ob man das will, denn Sicherheit bekommt man nur zulasten des KFZ-Verkehrs. Sei es durch Veränderungen beim Platz, bei der Geschwindigkeit, oder den Regeln und ihrer Überwachung mit entsprechenden Sanktionen.

  5. Ich denke, man muss hier stark unterscheiden. Es gibt einige Kreuzungen, da bedeutet das „brave“ Hintenanstellen, dass man mehrere Ampelphasen abwarten muss. Das ist in der Tat unzumutbar und allein bedingt durch den hohen Flächenbedarf der Kfz. Und dann gibt es Kreuzungen, wo vielleicht 2-3 Autos pro Ampelphase stehen. Da ist es sicherer und sicher kein Nachteil, hinter oder vor den Kfz zu stehen.

    Bei den vollgestauten Kreuzungen bin ich in Bezug auf Radstreifen echt hin- und hergerissen. Ich freue mich, dass ich da nicht minutenlang dumm rumstehen muss, das Problem der gleichzeitig grün signalisierten Rechtsabbieger besteht aber genauso wie bei Radwegen. Vielleicht sollten Radstreifen einfach kurz vor Kreuzungen aufhören in eine Mischspur (Rechtsabieger und Geradeausfahrer) übergehen. Leider ist es oft andersherum, z.B. in der Oranienstraße, wo eine junge Frau schwer verletzt wurde: Die Fahrbahn hat keinen Radstreifen, aber wenige Meter vor der Kreuzung fängt der Radstreifen an. Gebraucht man hier die Infrastruktur ordnungsgemäß, so stellt man sich rechts neben einen nach rechts blinkenden Bus und fährt gemeinsam bei grün los.

  6. Ich hatte heute das besondere Vergnügen in Leipzig eine sichere Lösung für solche Querungen kennlernen zu dürfen – eine Bedarfsampel für den Radweg der Hauptstraße (http://goo.gl/maps/kp6n8). Und als besonderer Clou hat es drei! Kfz-Ampelphasen gedauert, bis die Ampel auch wirklich grün angezeigt hat. Sollte ich dort jemals wieder langfahren müssen, ist der Radweg für mich gestorben.

    Ansonsten sind getrennte Ampelphasen gar nicht so verkehrt, ich kenne Kreuzungen, wo dies sehr zufriedenstellend gestaltet ist, aber mit einer solchen Gängelung erzieht man sich nur Rotlichtradler.

  7. Schöne Statistik.
    Weshalb nur die Berliner Polizei derlei Auswertung nicht hinbekommt?

  8. Der ADFC schreibt:

    Die Verursacherquote von Radfahrern in Berlin liegt
    derzeit bei etwa 55 %

    Erstens: Wie kommen die überhaupt auf diese Zahl? In der 2012-„Sonderuntersuchung Zweiradunfälle“ der Berliner Polizei heißt es auf Seite 4 wie jedes Jahr:

    Unfallverursacher von Verkehrsunfällen unter Radfahrerbeteiligung
    Die Betrachtung der Unfallverursacher (Haupt-und Mitverursacher) ergab ein bemerkenswertes Ergebnis: 49,09% aller Verursacher waren Radfahrer (4.003 insgesamt, 3.310 als Hauptverursacher (HV), 693 als Mitverursacher (MV) ).

    (http://www.berlin.de/imperia/md/content/polizei/strassenverkehr/unfaelle/statistik/radfahrer2012.pdf?start&ts=1363169313&file=radfahrer2012.pdf)

    Zweitens: Wieso unterschlägt hier ausgerechnet der ADFC, dass in den 55% (oder 49,09% !?)“ Verusachern“ auch Mitverursacher eingeschlossen sind – hier also auch Unfälle enthalten sind, bei denen der Unfallgegener Hauptverursacher war?

    Die Polizei schämt sich für den „Verusacher“-Trick wenigstens selbst noch genug , um ihn dann wenigstens in Klammern zu erklären – wohlwissend, dass keine Zeitung diesen „feinen“ Unterschied in ihren Artikeln erwähnen wird. Und der ADFC tuts diesen Zeitungen gleich und packt dann irgendwoher sogar noch 6% auf die Luftnummer darauf. Unglaublich.

    Drittens: Wieso führt der ADFC überhaupt diese statistische Nullnummer „Verusacherquote“ (ich wusste noch garnicht dass dieser ultimative Quatsch überhaupt einen Namen hat) an? Alleinunfälle und Unfälle zwischen Radfahrer sind enthalten? Also diese Art Unfälle, wo man es drehen und wenden kann wie man will, und man trotzdem zu 100% unabänderlich immer bis zu zwei Radfahrer als „Verursacher“ bekommt, nämlich einen Haupt- und einen Mitverursacher=2 radfahrende „Verursacher“?

    Hat sich der ADFC schonmal überlegt, warum noch nie irgendein „Statistiker“ auf die Idee gekommen ist, diese völlig sinnfreie „Verursacherquote“ für PKW zu errechnen? Ich verrate es Euch: Einfach weil sie vollkommen sinnfrei ist und da 90% oder so rauskommen würden und weil spätestens dann jedem der Unfug auffallen würde. Die 90% kämen nämlich nicht raus, weil PKW-Fahrer irgendwie viel döfer wären, sondern schlicht weil es so viele PKW gibt. Schmeißt man 80 weiße und 10 grüne Kugeln in eine Lottoziehungsmaschine und dreht dass Ding, gibts in Sachen Kollisionen an denen weiße Kugeln beteiligt sind,im Ergebnis eine ganz ganz finstere „Verursacherquote“ für weiße Kugeln. Vor allem, wenn man Alleinunfälle von weißen Kugeln mit der Wand der Ziehungsmaschine und Kollisionen nur zwischen weißen Kugeln mitzählt. Die grünen Kugeln werden da im Vergleich ganz „blendend“ dastehen. Ab er in wirklichkeit sind natürlich beie Verursacherquoten völliger Mumpitz. Man veröffentlicht die der Grünen – die der Weißen berechnet man nicht mal, weil dann die Absurdität der Rechnung zu deutlich zu Tage treten würde.

    Ah – ok. Der ADFC versuchts ja hier doch irgendwie die Kurve zu bekommen:

    „Bei Verkehrsteilnehmern die nur einen geringen Anteil ihrer Unfälle alleine (Alleinunfälle) oder mit einem Verkehrsteilnehmer derselben Gruppe haben(Eigenunfälle) sind die Quoten vergleichbar. „

    „Geringer Anteil“ von Eigenunfällen und Unfällen zwischen Radfahrern? Zumindest 2011 waren es bundesweit bei Radunfällen mit Personenschaden ~20% der Radunfälle, die Allein oder zwischen Radfahrern stattfanden. Unter gering verstehe ich was anderes. vor allem wenn die 20% dann zwangsweise zu 100% Unfälle mit bis zu zwei Radfahren als „Verursacher“ werden. Das Deutsche Statistische Bundesamt weiß das, führt zwar aus unerfindlichen Gründen seit ein paar Jahren auch was Ähnliches Bescheuertes wie die unsägliche „Verursacherquote“ auf , nämlich die „Hauptverursacherquote“(2011 41,5%) schlüsselt dann aber im Folgenden sehr ordentlich auf, sodass mann mit den Zahlen wirklich was anfangen kann:

    Von den insgesamt gezählten 76 865 Fahrradunfällen mit Personenschaden waren 16,7 % Alleinunfälle. Bei 80,1 % gab es nur einen weiteren Unfallbeteiligten (61 578) und bei 3,2 % dieser Unfälle waren mindestens zwei weitere Verkehrsteilnehmer involviert. Auch bei den Fahrradfahrern war ein Pkw der häufigste Unfallgegner (74,1 %). Bei 8,2 % war ein weiterer Radfahrer und bei 6,3 % war ein Fußgänger der Unfallgegner.
    Insgesamt galten 41,5 % aller unfallbeteiligten Radfahrer als Hauptverursacher ihresUnfalls. Bei Unfällen mit einem Pkw war der Radfahrer nur zu 25,0 % und bei Unfällenmit Güterkraftfahrzeugen nur zu 20,1 % der Hauptverursacher des Unfalls. Bei Unfällenmit Fußgängern wurde dagegen dem Radfahrer häufig (59,3 %) die Hauptschuldangelastet. Auch bei Kollisionen mit Motorrädern war der Radfahrer überdurchschnittlich häufig der Hauptverursacher (63,7 %).

    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/TransportVerkehr/Verkehrsunfaelle/UnfaelleZweirad5462408117004.pdf?__blob=publicationFile (Seite 8)

    ADFC: „Radfahrer sind zu 55% Verursacher“

    Deutsche Statistisches Bundesamt: „Bei Unfällen zwischen Rad- und PKW (also der Löwenanteil aller Radunfälle) trug der Radfahrer in nur 25% der Fälle die Hauptschuld“

    Verkehrte Welt, oder was? Der ADFC will dem Boulevard zuspielen, damit der wieder von Rüpelradlern fabulieren, obwohl destatis vormacht wie es richtig geht und sogar die Berliner Polizei es nicht schafft, soviele „Rüpelradler“ wie der ADFC auszumachen? *kopfschüttel*

  9. „8“+Klammer wird also zu dem diesem Smiley da oben. Das wollte ich nicht. Ich meinte: Seite 8

  10. @reclaim
    Bei der Verursacherquote im Sonderbericht der Polizei (49,09%) ist ein dicker Dreher drin, der auch auf der letzten PK der Polizei zum Unfallgeschehen in Berlin nicht da war (dort wurden 54,52% genannt). Im Sonderbericht wird die Zahl der vom Radfahrer verursachten Unfälle bezogen auf die Summe aller Haupt- und Mitverursacher. In der PK hat die Polizei die Zahl der vom Radfahrern verursachten Unfälle auf die Zahl der Radunfälle bezogen. Letzteres scheint mir schlüssiger zu sein.

    Der Punkt mit den Mitverursachern ist kaum zu vermitteln. Das ist Haarspalterei, die leider sehr zu Lasten der Radfahrer geht. Dem ist kaum etwas entgegen zu setzen, weil die statistischen Hintergründe nicht mehr leicht zu verstehen sind.

    Ist es nicht ein viel stärkeres Argument, dass die Verursacherqupte der Radfahrer sinkt anstatt, wie durch das Kampfradler-Getöse suggeriert, ansteigt?

    Die Verursacherquote der Pkw ist nur schwer vergleichbar mit der Verursacherquote von Radfahrern oder Lkw. Die Zahl der Eigenunfälle ist bei Pkw ungleich höher, was die Verursachquote nach oben treibt.
    Man kann aber gut die Verursacherquoten von Radfahrern und Lkw vergleichen. Bei Lkw sind es 75% (Berufskraftfahrer!)

    Schön, bei destatis findet man die Zahlen, die für Radunfälle Bundesweit gelten. Da hat man dann aber einen Mix aus „Stadt“ und „Land“, was nur bedingt auf Berlin übertragbar ist. Mich hat aber die Größe mancher Abweichungen allerdings auch schon gewundert. Aber wie soll man an die Gründe dafür herankommen, ohne die zugrunde liegenden Daten zur Verfügung zu haben? Mal abgesehen von der Zeit die man bräuchte, um das dann zu analysieren.

    So, jetzt mal die andere Ebene:
    „Der ADFC will dem Boulevard zuspielen“,
    „Hat sich der ADFC schon mal überlegt…“
    ist nicht fair.
    Die Zahlen zu analysieren ist aus meiner Sicht wichtig, weil man „dem Boulevard“ dann nämlich Fakten entgegensetzen kann. Die Behauptungen, die man weithin in der Presse findet entbehren bei genauerem Hinsehen öfters der sachlichen Grundlage. Radfahrer verursachen beispielsweise deutlich weniger als 50% der Unfälle, wenn man nur die Radunfälle mit Personenschaden (also überwiegend verletzten Radfahrern) betrachtet. Bloß muss sich mal einer hinsetzten und das herausfinden. Möglicherweise machen das ja auch mal mehrere gemeinsam anstatt sich vorzuwerfen, der andere überlegt nicht richtig. Das wäre doch mal sinnvoll, oder?

  11. Recht haben schützt nicht vor Tod, Schulterblick vor Überfahren jeder Kreuzung und du wirst auch nicht vom Laster überfahren.

  12. @Jan: Quatsch.

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