Deutscher Verkehrsgerichtstag will, dass härter gegen Radfahrer vorgegangen wird

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag (VGT) ist eine jährlich stattfindende Konferenz für Straßenverkehrsrecht. Sie hat bundesweit Relevanz, da ihre Empfehlungen häufig in der Politik bei der Ausgestaltung von Gesetzen und Vorschriften berücksichtigt werden. Die Tagung, die seit 1963 stattfindet, befasst sich interdisziplinär mit allen Bereichen der Verkehrswissenschaft, wobei der Schwerpunkt bei der Rechtsprechung in Verkehrssachen liegt.

Präsident des Verkehrsgerichtstags ist Ex-Generalbundesanwalt Kay Nehm. Der sagte heute zur Eröffnung der 51. Konferenz in Goslar , die „offensichtliche behördliche Duldung lebensgefährlicher Verhaltensweisen“ vieler Radler sei ein Skandal. Nehm wörtlich: „Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln“. Laut der Zeitung Die Welt sagte Nehm, die Misere werde nicht dadurch gemildert, „dass uns die Lichtmuffel nach den Vorstellungen der Verkehrspolitik künftig unter dem Helm begegnen sollen“.

Die Welt zitierte dazu die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa. Danach sprachen sich 82 Prozent der Deutschen für mehr Polizeikontrollen und teurere Strafen für Rüpel-Radler aus. Der Umfrage zufolge fühlen sich 81 Prozent der Autofahrer bedroht, wenn Radfahrer ohne Licht fahren, rote Ampeln missachten und falsch in Einbahnstraßen einbiegen.

Die Welt: Verkehrsgerichtstag rüffelt Rüpel-Radler und neuen Punktekatalog

73 Gedanken zu „Deutscher Verkehrsgerichtstag will, dass härter gegen Radfahrer vorgegangen wird

Kommentare-Feed
  1. @Michael S, ja – der Blickkontakt ist eine feine Sache. Und auch Grund dafür, warum das z.B. im Supermarkt, wo man sich ständig in die Quere kommt, verglichen mit dem Straßenverkehr trotzdem gesittet abläuft.

  2. Michael S schreibt:
    Montag, 28.01.2013 um 12:43

    Statt zu klingeln einen kleinen Spruch,

    Der war gut.

  3. ich glaube, dein problem ist, dass du so furchtbar verbissen an das „problem fußgänger“ rangehst, @siggi, dass du nicht mitbekommst, dass die nicht alle deine feinde sind…

    überhaupt ist mir unbegreiflich, wie der ganz große verfechter des fahrbahnradfahrens bei dem problem „fußgänger auf radweg“ nicht auf den gedanken kommt, dass das problem bei „fußgänger auf radweg“ nicht „fußgänger“, sondern „radweg“ heißt. oder zählen fußgänger schlicht nicht, ist es nicht so problematisch, wenn diese bedrängt und umgenietet werden?

    es gibt oft situationen, in denen mich fußgänger nerven. aber wenn dies durch bauliche einrichtungen zu ihrem und unserem nachteil provoziert wird, sehe ich uns im selben boot.

  4. Der war gut.

    Na siehste. Ich sehe, du bist auf nem guten Weg.

  5. bei dem problem “fußgänger auf radweg” nicht auf den gedanken kommt, dass das problem bei “fußgänger auf radweg” nicht “fußgänger”, sondern “radweg” heißt.

    Schön formuliert. Ich brauchte weiter oben ja ganze Romane, um das auszudrücken. 😉

    Allerdings glaube ich schon, dass @siggi klar ist, dass das Problem Radweg und nicht Fußgänger heißt. Ich verstehe es so, dass er sich wünschen würde, dass auch Fußgängern bewusst wird, dass Radwege ein Problem sind. Und weil er nicht das Gefühl hat, dass sie von selbst drauf kommen, hilft er halt etwas nach.

    Ich fürchte eben nur, dass die Fußgänger gerade nach dem angeklingelt werden, eher den Radfahrer, als den Radweg als Problem wahrnehmen werden und die Mission so nicht nur scheitert, sondern im Effekt gar kontraproduktiv ist 😉

    ist es nicht so problematisch, wenn diese bedrängt und umgenietet werden?

    Das schießt dann m.E. dann doch etwas übers Ziel hinaus: Siggi schrieb, er würde höflich klingeln, und fragen, ob die Fußgänger nicht lieber bei den rücksichtsvollen Autofahrern auf der Fahrbahn gehen wollen.

    Ich hab da schon „scheuchen“, „nerven und „belästigen““ draus gemacht, was schon eine recht freie Interpretation war. Und Du steigerst das jetzt nochmal zu „bedrängen und „umnieten“. Ich nehme stark an, dass sich @siggi da zu Recht nicht wiedererkennen wird. 😉

  6. [quote]
    überhaupt ist mir unbegreiflich, wie der ganz große verfechter des fahrbahnradfahrens bei dem problem “fußgänger auf radweg” nicht auf den gedanken kommt, dass das problem bei “Fußgänger auf radweg” nicht “fußgänger”, sondern “radweg” heißt. oder zählen fußgänger schlicht nicht, ist es nicht so problematisch, wenn diese bedrängt und umgenietet werden?
    [/quote]

    Wo sind die tausenden umgenieteten Fußgänger? Der ganze Fußgänger/Radfahrer Konflikt ist ja sowas von überbewertet. Selbst
    hier diskutieren wir hauptsächlich darüber, obwohl statistisch vollkommen
    irrelevant

  7. @ Till: Ist für dich etwas nur dann relevant, wenn es sich in Form von Unfallzahlen in Statistiken niederschlägt (ausserdem SIND Radfahrer bei Konflikten mit Fußgängern überwiegend Verursacher)? Die Unfälle im Längsverkehr sind auch statistisch nicht wirklich relevant, trotzdem sind es die Nahüberholer, die die Leute davon abhalten, auf der Straße zu fahren. Wie du an Nehm und Konsorten siehst, geht es nicht immer um reale Unfallursachen sondern um Wahrnehmung. Wenn man so will, kann man ja auch diese „Studie“ als statistische Erhebung zum Thema betrachten und du siehst, was dabei herauskommt. Soweit zur Relevanz solcher Diskussionen. Die finde ich auf Seiten einger Radfahrer SEHR relevant. Fehlverhalten von Radfahrern gegenüber Fußgängern ist aus meiner Sicht die einzige gravierende negative Seite – was ja in der Gesamtbetrachtung sehr für das Radfahren spricht, aber es gibt eben nichts, was man nicht verbessern könnte. Das Negativ-Image, das als Gegenreaktion zum zunehmenden Radanteil gepusht wird, hat reale Ursachen, da beißt die Maus keinen Faden ab,

  8. ähem…

    Fehlverhalten von Radfahrern gegenüber Fußgängern ist aus meiner Sicht die einzige gravierende negative Seite – was ja in der Gesamtbetrachtung sehr für das Radfahren spricht

    das ist natürlich missverständlich formuliert…

  9. zum Thema Klingel: ich hab zwar Eine, mache mich aber meist mit einem verbalem „klingelingeling“ bei gemässigter Geschwindigkeit bemerkbar. Ist deutlich sanfter und zaubert relativ zuverlässig ein Lächeln aufs Gesicht.
    Ich denke dabei vor allem an die bezaubernden Momente wenn jemand meint mir per Hupe etwas mitteilen zu wollen, oder auch an die Ambulanz die völlig unnötig das Horn direkt neben mir aufdreht.

    Das ist doch das Feine beim Radfahren, dass man nicht so stark von seiner Umwelt abgeschottet ist.

  10. ich wollte @siggi nicht unterstellen, fußgänger umzunieten. überhaupt waren die umgenieteten fußgänger eine überspitzung.

    diese aussage mit dem bedrängen und umnieten war aus dem eindruck heraus geboren, dass der aspekt: „fußgänger als mit-leidtragende von radwegen“ wäre völlig ausgeblendet, und radwege nur so lange schlecht sein, solange radfahrer unter kfz zu leiden haben.

    (dass ich auch damit noch – zum zweiten mal in diesem thread- über’s ziel hinausschieße, sehe ich nach ruhigem nochmal-lesen ein. ich glaube, ich beschränke mich mal zwei, drei tage aufs mitlesen ;))

  11. Warum quasseln hier alle von Fußgängern? In dem Blog-Beitrag war nur die Rede von bedrohten Autofahrern.

    Und warum die Radwege kategorisch schlechtgeredet werden in Deutschland ist mir auch fremd. Schau doch mal über die Grenze nach Holland, da kann jeder sehen, dass das mit den Radwegen sogar sehr gut funktioniert. Sie müssen nur gewissen Standards erfüllen.

  12. @gert: Warum quasselst Du von Radwegen?
    Im Blogbeitrag gings doch um bedrohte Autofahrer. :-/

  13. Sie müssen nur gewissen Standards erfüllen.

    Eben.

    Hast du irgendwo in Deutschland schon mal irgendeinen Radweg gesehen, der niederländischen Standards entsprechen würde? Hast du auch nur ein klitzekleines Fünkchen Hoffnung, dass irgendein Politiker die Vision von solchen Radwegen in seinem Herzen trägt, wenn von Radwegen geredet wird? Ich nicht. Radwege wären schon prima, aber die werden wir nicht bekommen, dazu fehlen uns 20-30 Jahre regelmäßige hohe Investitionen, die, wenn überhaupt noch getätigt dann weiterhin in Autoinfrastruktur-Erhaltung und -Neubau fließen.

  14. Da muss ich Michael zustimmen.

    Aber da Radwege nicht einfach so, sondern mit Argumenten „kategorisch schlechtgeredet“ werden, stelt sich mir eigentlich die Frage nach dem „warum“ auch gar nicht. Vielmehr könnte man doch, wenn man da anderer Ansicht ist, die Argumente durchdiskutieren.

  15. Hat sich mal jemand die Spiegelkameras an Pkw angesehen, wie sie in Russland offenbar Pflicht sind? Die Bilder heute vom Meteoriten im Ural sind ja beeindruckend – und offenbar mehrheitlich von automatischen Pkw-Kameras aufgenommen.

    Damit könnte man Diskussionen wie die des Deutschen Verkehrsgerichtstages hier endlich vom Kopf auf die Füsse stellen – siehe http://www.youtube.com/watch?v=hbw6q8aZnPo . So etwas wie „der Radfahrer ist plötzlich ausgeschert“ würde es dann als Ausrede für das Abdrängen von der Straße nicht mehr geben. Und auch keine Radfahrer die aus Angst auf dem Gehweg fahren. Damit wäre die Teilnahme von Radfahrern als normaler Teil des Straßenverkehrs auf der normalen Fahrbahn geklärt. Über Radfahren auf Gehwegen, Separierung und Rechtsabbiegeunfälle bräuchten wir dann nicht mehr zu reden. Über aktionistische Verkehrsüberwachung auch nicht mehr.

  16. Tach auch.
    Ich war in Goslar dabei und habe mir auch die Eröffnungsrede von Herrn Nehm angehört.
    Ich kann nur sagen, dass ein ziemlich erstauntes Raunen durch den Saal ging und etliche mit dem Kopf schüttelten, als Herr Nehm ziemlich pauschalisierend über die Radfahrer vulgo Kampfradler herzog.
    Es war sehr offensichtlich, dass wohl die meisten Anwesenden mit dieser Bemerkung nicht einverstanden waren.
    Es sind demnach nicht nur Vollpfosten und Idioten dort gewesen.

  17. @ benno: So wie ich das verstanden habe, machen die Fahrer das aus Selbstschutz, um bei Unfällen die Beweislage zu verbessern (irgendwie deutet das auf eine gewisse Skepsis gegenüber der Exekutive hin). Ist eigentlich analog zu den Fahrern in London. Sprich: nur potentiell benachteiligte fahren mit so etwas herum und die KFZ in D gehören definitiv nicht dazu.

  18. @ Unfallanlaytiker: Das hilft leider nur wenig, wenn den Vollpfosten aufgrund ihrer Vollpfostigkeit die komplette Aufmerksamkeit der vollverpfosteten Medien sicher ist.

  19. Ich bin auch für härtere Strafen und mehr Kontrollen:
    1. gegen Mitmenschen, die sich als Verkehrerzieher berufen fühlen
    2. gegen Minister und Prominente, die systematisch gegen schwächere Verkehrteilnehmer hetzen.

  20. benno schreibt:
    Freitag, 15.02.2013 um 15:26

    Hat sich mal jemand die Spiegelkameras an Pkw angesehen, wie sie in Russland offenbar Pflicht sind? Die Bilder heute vom Meteoriten im Ural sind ja beeindruckend – und offenbar mehrheitlich von automatischen Pkw-Kameras aufgenommen.

    Damit könnte man Diskussionen wie die des Deutschen Verkehrsgerichtstages hier endlich vom Kopf auf die Füsse stellen – siehe http://www.youtube.com/watch?v=hbw6q8aZnPo . So etwas wie “der Radfahrer ist plötzlich ausgeschert” würde es dann als Ausrede für das Abdrängen von der Straße nicht mehr geben.

    Selbst Videobeweise jucken die Staatsanwaltschaft nicht wenn es NUR um das Leben von Radfahrwern geht.
    http://max.kellermann.name/blog/n_tigung_ist_erlaubt.html

    http://max.kellermann.name/blog/n_tigung_ist_erlaubt__2_.html

    http://max.kellermann.name/blog/n_tigung_ist_erlaubt__3_.html

    http://max.kellermann.name/blog/n_tigung_ist_vielleicht_doch_nicht_erlaubt_.html

    http://max.kellermann.name/blog/n_tigung_oder_keine_n_tigung_.html

    Auch in meinem Fall wurde das Verfahren, trotz Zeugen, mangels öffentlichen Interesse von der Staatasanwltschaft eingestellt.
    http://siggis-seiten.de/Unfallhergang.gif

  21. @Siggi: Es geht auch anders bzw. auch die Polizei ist lernfähig. Ich hatte im letzten Jahr einen Vorfall, wo ich eng überholt wurde und dann an de nächsten Ampel bei dem Autofahrer „angeklopft“ habe mit der flachen Hand am Fenster. Der Autofahrer war anschliessend überzeugt, dass ich eine Straftat begangen hätte, weil ich sein heiliges Fahrzeug angefasst habe, und hat die Polizei dazugerufen.

    Nachdem beide Seiten das Vorgefallene geschildert hatten, bekam der Autofahrer eine deutliche Ermahnung, dass er an engen Stellen nicht zu überholen habe. Das Schlagen auf das Fahrzeug fand man zwar nicht in Ordnung, aber es sei strafrechtlich nicht zu ahnden.

    Von einer Belehrung meinerseits wegen „mitten auf der Strasse“ fahren keine Spur, obwohl der Autofahrer (mit Beifahrer als Zeuge!) natürlich sowas erzählt hatte. An der Stelle gibt es auch einen entschilderten baufälligen ehemaligen Radweg, aber ich weiss nicht mehr, ob das zur Sprache kam.

  22. BLACK BOX muß in jedes Auto! Bitte verbreitet das in allen Medienberichten, die jetzt dann im Frühling wieder auf die Menschheit losgelassen werden (= Radfahrer-Bashing). Aufgezeichnet werden in einer 30 Minuten-Loop:

    – Geschwindigkeit und Position
    – Licht
    – Blinker
    – Handystatus

    Auszulesen durch Polizei bei einem Unfall, gerichtsfest! Technisch null Problem! Das kann jedes billige Navi heute.
    Folge: Jeder hält sich immer an die Geschwindigkeitsregeln, nicht nur bei Kontrolle. Die Polizei kann sich endlich wichtigeren Themen zuwenden als sich hinterm Baum mit der Laserpistole zu verstecken.
    Und: Unschuldsbeweis ist viel leichter durchzuführen, Unfallhergang ist viel leichter zu rekonstruieren. Liegt eigentlich im Interesse eines jeden Autofahrers! Ich kenne zumindest keinen einzigen Autofahrer, der bei einem Unfall schuld war…
    Ich bin mir sicher, daß bei der Mehrzahl von Unfällen zwischen Auto und z. B. Fahrrad (oder auch Fußgänger) nicht nur Fahrlässigkeit („konnte nicht mehr bremsen“) sondern auch zumindest bedingter Vorsatz ! des Autofahrers vorliegt („Na, wenn schon…“, ich bin ja schließlich der Lehrmeister, ich bin das Gesetz…)

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