40 Prozent Radverkehrsanteil in Prenzlauer Berg?

Vor zwei Wochen konnte man in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine der Elogen auf das Fahrrad lesen, wie man sie heutzutage häufiger liest: Die fabelhafte Siegesfahrt des Fahrrads von Jonas Jansen. Im Artikel wird gleich im zweiten Absatz gesagt, dass der „Anteil (der Radfahrer) am Verkehr im gutbürgerlichen Berliner Stadtviertel Prenzlauer Berg“ 40 Prozent beträgt.

Eine Woche später erscheint in der BZ der Artikel Die Vorfahrt habe: Ich, ich, ich. Dort geht es darum, dass Berlins Verkehr immer ruppiger und gefährlicher wird. Auch hier der Hinweis: „Seit 2008 hat sich die Zahl der Radfahrer in Berlin verdoppelt, in den Sommermonaten wird ein Fünftel der Wege auf dem Sattel zurückgelegt. Ihr Anteil an den Verkehrsteilnehmern liegt bei etwa 15 Prozent, in Prenzlauer Berg sogar bei rund 40 Prozent.“

Beide Artikel beziehen sich auf eine noch nicht veröffentlichte Studie des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ). Daraufhin habe ich mal beim InnoZ per Mail nachgefragt, aber keine Antwort bekommen. Deshalb möchte ich die Frage an euch weitergeben. Vierzig Prozent, das wären ja schon fast holländische oder dänische Verhältnisse.

29 Gedanken zu „40 Prozent Radverkehrsanteil in Prenzlauer Berg?

Kommentare-Feed
  1. Ieh, muss ich mir den BZ-Artikel durchlesen? Ich will das nicht 🙁

  2. … in der Kastanienallee Prenzlauer Berg dürfte dies bereits seit der Innenstadtzählung im Rahmen des Fahrradfreundlichen Regierungsviertels 2001 so sein. Deshalb hat sich der Grüne Verkehrsstadtrat im Bezirk Pankow ja auch dafür entschieden, statt der Widmung als Fahrradstraße die Massen von Radfahrern auf einen ein Meter breiten Radweg zwischen die wartenden Tram-Fahrgäste an den Rand zu drängen. Dann passt auch wieder die eklige Hetze der BZ.

  3. Ist ja alles freiwillig hier. So furchtbar ist der B. Z.-Artikel überraschenderweise gar nicht, und die Autofahrer schneiden mindestens genau so schlecht ab.

    Prenzlauer Berg: Meide ich & kann ich nix zu sagen. In Neukölln (ohne Tempelhofer Feld 🙂 liegt der Radverkehrsanteil bei gefühlten fünf Prozent 🙂

  4. „BZ“ ist keine Zeitung, sondern wie das Schwesterkloblatt „BILD“ ein Organ der Niedertracht.

  5. … der Erguss der BZ zieht sich in der Printversion über die Seite 2 bis 4 – und ist nicht zu tolerieren. Die Bildsprache ist: Fahrradfahren ist extrem gefährlich. Drei großformatige Fotos von Fahrradunfällen prägen den Eindruck, ein kleineres mit einem Abdruck eines Radfahrers in einer Windschutzscheibe und ein ähnliches von einem gut beleuchteten Auto oder was auch immer das symbolisieren soll. Da gibt es keine Gnade und keine Ausgewogenheit, auch wenn im Kleingedruckten gutwillige Menschen durchaus mehr Ausgewogenheit herauslesen.

  6. Lieber Benno, vielleicht hast Du es noch nicht gemerkt, aber die Kastanienallee ist eine Hauptverkehrsstraße mit zwei sehr start nachgefragten Straßenbahnlinien. Hier eine Fahrradstraße zu fordern ist – mit Verlaub – schlicht bescheuert.

  7. ich bin kurier in p-berg. ist schon ne menge was da rum fährt, aber bei 40% wären die straßen doch wesentlich voller.

  8. Aber man muss beiden Blättern lassen, Clicks und Kommentare generieren können sie einwandfrei…

  9. ach, „umbau jetzt!“, die kastanienallee war als sehr stark von radlern genutzte straße wunderbar. vielleicht ist sie es immer noch, ich komme nicht mehr so häufig da lang.

    und wenn ich das auf deiner seite lese:

    Was aber noch in der Pappelallee fehlt ist der vom Kfz- und Tramverkehr getrennte Radangebots-streifen auf der gesamten Strecke zwischen Rosenthaler Platz und Wisbyer Straße, um gefährliche Situationen wie diese zu vermeiden.

    wird mir schlecht. die pappelallee benutze ich inzwischen deshalb so gerne, weil ich dort gefährliche situationen durch die trennung des verkehrs auf der schönhauser vermeiden kann. deren radwege im übrigen einfach mal nicht genug platz bieten für die massen an radlern dort. man sollte bloß konsequent zwischen den schienen fahren und die kirchnerschen begegnungsstätten für bvg-fahrgäste und radfahrer meiden. (die kap-haltestellen sind ja eine gute idee, radverkehr darüber zu führen aber, mit verlaub, nicht nur schlicht, sondern hochgradig bescheuert.)

  10. … mir ist so schlecht. Weil die Kastanienallee so stark von Straßenbahnen genutzt wird, werden die pro Tag hier mehr als 10.000 Fahrradfahrer als stärkste Nutzergruppe auf einen ein Meter schmalen Radweg an den Rand zwischen die wartenden Tram-Fahrgäste über die Haltestellenkaps gedrängt. Darauf muss man erst mal kommen. Der starke Tram-Verkehr besteht hier übrigens aus einem 5/10-Minuten-Takt – weniger geht nicht.

  11. @mike, der „Verkehrsanteil“ bezieht sich auf die Anzahl der Fahrten. 40% der Fahrten werden mit dem Rad durchgeführt, tendenziell aber natürlich über kürzere Strecken. Dadurch erklärt sich der optische Eindruck, dass Radfahrer eben nicht fast die Hälfte des Verkehrs ausmachen.

    Es gibt aber viele Straßen, in denen Radfahrer in der Mehrzahl sind. So zum Beispiel die Alexanderstraße, wo in den wärmeren Monaten mindestens Gleichstand herrscht. Auch dort hat der Radfahrer – wenigstens ohne Benutzungspflicht – einen Weg mit einer Breite von knapp über einem Meter, wenn man schneller fahren will, muss man ganze Gruppen knapp überholen oder eben die Fahrbahn benutzen. Letzteres macht übrigens kaum einer, so dass man, wenn man das tut, unweigerlich als „Rebell“ rüberkommt.

    Bei der Kastanienallee weiss ich nicht, ob mir dort eine Fahrradstraße gefallen würde. Das Konzept der Fahrradstraße wird ohnehin schon dadurch, dass die Ausnahme (Kfz-Freigabe) zum Regelfall gemacht wird, der Absurdität preisgegeben. Selbiges gilt natürlich bei Straßenbahnfreigabe (nicht, dass ich die aus der Kastanienallee verbannen wollen würde). Die Radweglösung scheint mir jedoch nach dem, was man so liest und selbst erlebt, die denkbar schlechteste Idee zu sein.

  12. Hm, also in den Gegenden in denen ich immer unterwegs war (habe selbst in der Nähe vom S-Bhf Schönhauser Allee gewohnt) bei gutem Wetter im Sommer – kann ich mir das durchaus vorstellen. Ich habe mich eher immer über die Zahlen von 15% oder so gewundert, die mir viel zu niedrig vorkamen. Selbst im Berufsverkehr habe ich in den von mir gefahrenen Abschnitten (Schönhauser etc) ähnliche viele, teils sogar mehr Personen auf dem Fahrrad gesehen als im Auto. Die Autos fallen halt viel mehr auf, weil schon läppische 10 Personen einen kleinen Stau verursachen können.

    Wahrscheinlich wird bei der Zahl aber der ÖPNV ignoriert. 60:40 Auto:Fahrrad denke ich ist im Prenzberg tatsächlich mindestens drin.

  13. Also 40% sind es garantiert nicht. Nicht mal mit den gefühlten geführten 50-Mann-Touristengruppen im Sommer, die da ihre Fahrübungen abhalten.

    Und Kastanienallee…Himmel, wer fährt denn darüber. Nimm die Choriner, @Benno, da haste Deine Radstraße, ist auch gemütlicher dort – schöner allemal.

    Ich stimme @Sascha voll zu in Sachen Pappelallee. Lieber die, als die lebensgefährliche Schönhauser. Wird mehr als Zeit, dass sich dort mal was tut. Der Radweg auf dem Gehweg ist unzumutbar.
    Die total bescheuerten Umleitungen über die Haltestellen auf der Pappelallee sollten mit irgendeinem Absurdumpreis geehrt werden. Wer sich sowas ausdenkt, fährt offensichtlich nicht Rad

  14. … ich meide die Kastanienallee so gut ich kann – da wohnen aber Leute und da sind Kneipen und Geschäfte.

    Gemessen am Radverkehrsanteil und den Unfallzahlen war die Kastanienallee vor dem Umbau für Fahrradfahrer sehr sicher und in der Zeit, in der die Fahrradsymbole zwischen den Schienen erkennbar waren, auch sehr entspannt zu fahren. Letzteren Eindruck hatte ich auf der Choriner Straße noch nie.

  15. prenzlberg kenne ich nicht, aber von meinen fahrten zur arbeit von neukölln nach moabit her gesehen, würde es mich wundern, wenn radfahrer mehr als 5% des verkehrs ausmachten, selbst bei schönem wetter

  16. wenn radfahrer mehr als 5% des verkehrs ausmachten

    Was den Flächenbedarf betrifft, hast du sicher recht.

  17. Im BZ-Artikel wird doch sogar zwischen den Wegen und dem Verkehranteil unterschieden.

    „…in den Sommermonaten wird ein Fünftel der Wege auf dem Sattel zurückgelegt. Ihr Anteil an den Verkehrsteilnehmern liegt bei etwa 15 Prozent, in Prenzlauer Berg sogar bei rund 40 Prozent.“

    Würde ja bedeuten, dass, 20% der Wege bei 15% Verkehrsanteil mit dem Rad zurückgelegt werden. Dann müssten die Autoren der Studie auch Zählungen gemacht haben.

  18. @Kai, ich hatte den BZ-Artikel gar nicht gelesen. Aber die Unterscheidung zwischen Wegen und Verkehrsanteil finde ich interessant. Erfahrungsgemäß die Schreiber solcher (und auch besserer) Zeitungen insbesondere statistische Daten relativ ungenau und ohne Sachverstand … aber warten wir mal ab, vielleicht kommt die Grundlage dieser Daten ja bald raus.

  19. Wer hat eigentlich diese Legoland-Spielzeug-Spuren über die Tram-Haltestellen erfunden?

    Bsp. Pappelallee:

    Für Wen sind diese komischen Dinger gedacht?
    Für Radfahrer, die rechts der Tram-Gleise fahren.

    Aber wer auf der Pappelallee rechts der Gleise fährt, fährt zu nah an den parkenden Autos. Gefahrenquellen sind:
    – Unachtsam geöffnete Autotüren (Dooring)
    – Übersehen werden durch ausparkenden bzw. einbiegenden Autos.
    – Fussgänger, die ohne zu schauen auf die Straße laufen.

    Ich fahre die Pappelalle 2 mal die Woche meist mit c.a. 30 km/h und immer _zwischen_ den Tram-Gleisen.
    Ausnahme sind die Ampelbereich bei Rot. Da wechsele ich manchmal nach rechts damit Autofahrer sich nicht provoziert fühlen und mich auf den folgenden Metern durch Abdrängen, dichtes Auffahren und der Gleichen, erziehen glauben zu müssen.

    Off Topic:

    Einige wenige aber um so auffälligere Personen verhalten sich im Straßenverkehr alsob er ein rechtsfreier Raum wäre.
    Die Berliner Polizei ist ja immer eifrig wenn es um Rotlichtverstöße oder Gehwegbefahren durch Radfahrer geht…
    Warum wird von dieser Seite nicht auch gegen aggressive Fahrzeuglenker vorgegangen?

    Nein, ich fahre seit Jahren nicht mehr bei Rot. Und auf dem Gehweg fahre ich wenn, dann nur hinter meiner kleinen Tochter her … Schrittempo.

  20. Reflexe funktionieren noch, danke setzen!

  21. Reflexe funktionieren noch, danke setzen!

    Wie meinen? Worauf bezieht sich Dein Einwurf? Und vor Allem: Was willst Du dem geneigten Leser sagen?

    Sorry. Das ist wirklich nicht zu entschlüsseln.

  22. Man stelle sich werktags morgens zwischen 7 und 10 an die Kreuzung Torstr. / Schönhauser und zähle.

    Im Sommer um 8 Uhr stehen an der Ampel auf der Schönhauser statteinwärts bestimmt locker 30 Radfahrer. Bei 30 PKWs kann man dort eigentlich schon von „Stau“ reden.

    Man neigt dazu, die Anzahl der PKWs gegenüber der der Fahrräder zu überschätzen.
    Eine Handvoll Autos machen mächtig Radau. 5 Radfahrer können hingegen froh sein wenn sie nicht übersehen werden 😉

  23. Ich finde die Haltestellenkaps mit den Radwegen nach wie vor sehr gut. Mich nervt jedoch das unproduktive Angepflaume bei dem Thema. Hat jemand eine Idee wie man die Diskussion darüber produktiver gestalten kann?

  24. ich finde die Haltestellenkaps mit den Radwegen nach wie vor sehr gut.

    Mijn duits ist niet goet, aber is das dijn eernst? R U fucking crazy?

  25. Vielleicht sind sie ja wirklich gut? Ich weiss es nicht. Hab noch nie so ein ein Kap benutzt, da ich noch keinen Anlass dazu gesehen habe, obwohl ich täglich an welche vorbeifahre. 😀

  26. so, unproduktives angepflaume…

    auch wenn unser ton zu den kirchnerschen begegnungsstätten dich abschrecken mag: wir haben argumente für unsere position angebracht. die diskussion könnte produktiver gestaltet werden, in dem du uns mal die deinen zeigst. ich bin gespannt.

  27. Was für die Haltestellenkaps spricht, ist die Möglichkeit, wieder in direkten Kontakt mit Fußgängern kommen zu können, auch wenn man sonst kein Gehwegradler ist. So als „Kampfradler“ oder „Fahrradrambo“ muss man ja jede Gelegenheit nutzen, dem fußlahmenden Pöbel zu zeigen, wer den Planeten auf die richtige Art und Weise rettet.

  28. Für den Straßenbahngast ist es in letzter Zeit auch langweiliger geworden. Immer mehr Haltestellen, wo man nicht direkt auf die Fahrbahn tritt und jedes Mal die Luft anhalten muss, wenn ein Auto mit unverminderter Geschwindigkeit zwischen den Ein- und Aussteigenden weiterfährt. Schön dass man diesen fast überwundenen Umstand mithilfe von Radwegen wieder herstellen kann 😉

  29. Ja, unter dem Blickbunkt machen die Kaps Sinn.
    Haltestellenkaps sind Streetstyle Parcour.
    Man kann immer wieder coole Moves observen:

    1) die Schiene im spitzen Winkel sliden (geht besonders gut bei Nässe)
    2) Schlenker mit touché am in der Einflugschneise abgestellten Auto
    3) rabiate Airtime über die steile kurze Head-Ramp
    4) touch down in den wartenden Tram-Fahrgästen
    5) softer Airtime die Tail-Ramp runter
    6) rechts die zwei im Parkverbot stehenden Autos scratchen
    7) radikal nach links in die 7,3km/h schnellere Autokolonne einsortieren

    Die Anfahrtgeschwindigkeit: mindestens 20, optimal 30 km/h.

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