Fahrradzukunft Nummer 14: Kultur der Angst

Themenschwerpunkt der gerade erschienenen Nummer 14 der Online-Zeitschrift Fahrradzukunft ist der Fahrradhelm. Im ersten Beitrag fragt sich Wolfgang Strobl, ob das Radeln so gefährlich ist, dass man alles tun muss, um sich zu schützen. Die richtige Antwort lautet: „Nein, Radfahren ist viel sicherer als andere alltägliche Weisen der Fortbewegung“. In weiteren Beiträgen zum Thema Helm geht es um die Wirksamkeit von Fahrradhelmen sowie um die Helmpflicht.

Im Technikteil des 44-Seiten-Magazins Fahrradzukunft findet man bereits zum zweiten Mal einen Nabendynamotest von Andreas Oehler. Im Testlabor werden neue Dynamomodelle von Schmidt und Shimano sowie einige exotische Modelle auf Herz und Nieren geprüft. Schließlich berichtet Juliane Neuß von der European Handmade Bicycle Show in Schwäbisch Gmünd.

Fahrradzukunft 14

23 Gedanken zu „Fahrradzukunft Nummer 14: Kultur der Angst

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  2. Die Techniktests von Herr Oehler nehm ich immer mit einer Portion Salz, der ist nunmal nicht Neutral, dennoch sehr interessant.

    Wovon ich aber wirklich begeistert bin, sind die Artikel über Helme, das ist etwas, das man uninformierten oder Statistikphoben Menschen zum lesen geben kann und sich vielleicht selbst als Argumentationshilfe für die doch öfter aufkommenden Helmdebatten nehmen kann.

  3. Ich will ja nicht ins Horn der Helmpflicht Befürworter stossen. Das persönliche Risikomanagement solle jedem selbst überlassen bleiben.
    Dumm am Tenor der ganzen Ausgabe ist, dass die Autoren stellenweise in den Kopenhagen Ayatolla Sound verfallen und jeden für doof erklären der Helm trägt. Mal ganz ohne Statistik aus dem Leben gegriffen: ca 50% aller meiner (defensiv fahrenden) Bekannten hatte über 30 Jahre betrachtet mindestens einen Unfall bei dem sie ihren Helm zerdeppert haben. Das mag ja selten sein, aber angesichts der möglichen Schwere der Folgen genügt mir das um einen aufzusetzen. (Risiko= Schwere der Folgen x Eintrittswahrscheinlichkeit) Dass es ohne Helm gar nicht erst zum Kontakt gekommen wäre glaub ich einfach nicht. Die hochkomplizierte Rumrechnerei zur Sekundäranalyse von Statistikschrott zeigt nur, dass es bisher keine belastbaren sauberen Studien zur Effektivität von Helmen gibt. Daher glaub ich lieber der kumulierten Lebenserfahrung meines velophilen Umfeldes. Da kommt einiges zusammen 🙂

  4. Den allein technischen Ansätzen (ich lese sie kaum noch) kann ich auch relativ wenig abgewinnen. Interessanter finde (bzw. fände) ich statistisches Material über Fahrradunfälle mit Verletzten (und Toten). Derzeit erhält man allenfalls deren Anzahl, nicht aber Art und wirkliche Schwere der Verletzungen. Solche Statistiken müssten nach Helm- und Nichthelmträgern aufgeteilt sein.

    Immerhin kann man in der Todesursachenstatistik des statistischen Bundesamtes einigermaßen die Verletzungsarten bei tödlichen Fahrradunfällen ablesen, auch hier fehlt aber völlig ein Nachweis zur Wirksamkeit des Helmes. Natürlich auch deshalb, weil das nicht Anliegen dieser Statistik ist.

    Wiederholen möchte ich meine These, dass der Verzicht auf einige Fahrfehler (die teilweise auch Radfahrer mit mehrjähriger Erfahrung machen) das Verunglückungs- und Verletzungsrisiko stärker senken. Helme schützen nicht vor Unfällen und nur vor einigen Kopfverletzungen. Es gibt aber auch andere schützenswerte Körperteile.

  5. Richtig. Nur beweist dass anderes wirksamer ist nicht, dass Helm unwirksam ist. War gerade letzte Woche Zeuge eines Unfalls bei dem eine der besten Radfahrerinnen die ich kenne 1 sek unaufmerksam war und nem Auto hinten rein ist. Hätte ohne Helm ganz schlecht ausgesehen. Reicht so schon. „Fahrfehler vermeiden“ beim Radfahren ist so eine Binsenwahrheit wie: „wenn du richtig kletterst brauchst du kein Seil“. Und dass der Helm nicht alle Körperteile schützt ist ein ebenso gutes Argument wie „Aspirin hilft nicht gegen eine krumme Nase“.

  6. War gerade letzte Woche Zeuge eines Unfalls bei dem eine der besten Radfahrerinnen die ich kenne 1 sek unaufmerksam war und nem Auto hinten rein ist.

    Dann ist die Dame keine gute Radfahrerin. Ist einfach so, wer so fährt, daß bereits eine Sekunde Unachtsamkeit zu so einem Unfall führen kann, der macht was falsch.

    Mal angenommen, die Sekunde trifft zu. Bei (ebenfalls angenommenen) 30 km/h legt die Radfahrerin in dieser Zeit eine Strecke von knapp 8.4 m zurück.
    Da das weniger ist, als sie als Bremsweg für eine Vollbremsung benötigt, muss sie eindeutig zu dicht aufgefahren sein.

  7. @prokrastes: dass es ziemlich schell gehen kann wurde mir vorige woche mal wieder klar. ich fahre wie täglich auf der grunerstrasse auf der rechten spur der linksabbieger. an der roten ampel stehen ca. 4-5 fahrzeuge. die ampel wird grün. da ich die ampelschaltung kenne stehen meine chancen noch bei grün rüberzukommen gut, wenn ich etwas beschleunige. kurz bevor das vor mir fahrende fahrzeug die haltelinie immer noch bei grüner ampel erreicht schaue ich mich kurz um, um sicherzugehen, dass von hinten (wie so oft) nicht noch einer mit überhöhter geschwindigkeit herangerast kommt.
    just in diesem moment hat der fahrer die auf orange umschaltende ampel bemerkt und bremst stark ab. das plötzlich unerwartet dicht vor mir stehende auto zu bemerken und gerade noch so seitlich auszuweichen kam dann aus dem unterbewusstsein.
    habe das ganze als fahrfehler meinerseits gebucht und in dem dicken ordner „rechne mit ALLEM, auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist“ abgelegt..
    was allerdings das thema unberechenbarkeit angeht, sind die jetzt wieder vermehrt fahrenden radkollegen um einiges schlimmer..

  8. Dann ist die Dame keine gute Radfahrerin.

    Das ist eine ziemliche Unterstellung. Ich kenne niemanden, wirklich absolut niemanden, der von sich behaupten könnte, keine Fahrfehler zu begehen. Wenn Du das von Dir selbst glauben solltest, wird es Zeit für eine MPU.

    Im Endeffekt geht es doch darum, für sich selbst das beste Schutzpaket zu schnüren, ob das nun aus Verhaltensmaßnahmen, Helm, Warnwesten oder was auch immer bestehen mag. Weder die Helmbefürworter noch die Helmgegner können für sich beanspruchen, klare Studien auf ihrer Seite zu haben, daran ändert auch diese neue Variante der Zusammenstellung nichts.

  9. @Alexander, Fahrfehler vermeiden ist keine Binsenweisheit. Nun startet die Saison und man kann ganz klar sehen, dass viele Radfahrer keine Ahnung von den Gefahren haben. Ein Helm ist ja schön und gut, aber dann auf einem Radweg fahren in entgegengesetzter Richtung, das ist ein glatter Widerspruch. Einem stark erhöhten Unfallrisiko durch Fehlverhalten setzt man einen Helm entgegen, das empfinde ich als Witz. Ebenso ist vielen derzeit offenbar nicht bewusst, dass Türen parkender Autos sich öffnen können. Auch da mag ein Helm ja nett sein. Ich verzichte dennoch lieber gleich auf die gesamte Gefahrenquelle.

    Eine Beschäftigung mit sinnvollen Fahrweisen ist sinnvoller als ein Helm und sollte daher auch an erster Stelle genannt werden. Dabei meine ich nicht die primitiven „auch Radfahrer müssen sich an die Regeln halten“-Rufe, sondern die konkreten Tipps: Radwege meiden, Abstände halten und Tempo anpassen. Regeln einhalten ist zwar selbstverständlich, aber keine Sicherheitsgarantie – wichtig ist, die häufigsten Fahrfehler anderer zu neutralisieren. Das sind insbesondere unachtsame Abbiegevorgänge von Autofahrern.

    Gegen das Tragen eines Helmes ansich sage ich übrigens überhaupt nichts, insofern besteht ohnehin kein Grund zur Aufregung. Im Gegensatz zu manchen Helm(pflicht)-Gegnern behaupte ich auch nicht, dass Helme in keinem Fall helfen.

    @Prokrastes, leider muss ich ebenso an dieser Stelle widersprechen. Ich denke auch, dass selbst der beste Fahrer manchmal richtig dumme Fahrfehler macht. Das liegt einfach an den Entscheidungszeiten, die man im Straßenverkehr hat.

    Mir ist Sicherheit beispielsweise sehr wichtig und ich versuche, die schlimmsten Fehler auszumerzen. Wenn ich aber an manche Fahrfehler von mir denke, dann wird mir gelinde gesagt übel. Manchmal baut man richtig Scheiss.

  10. spreenixe: Selbe ist mir auch mal passiert, Auto hat entgegen meinen sonstigen Erfahrung bei gelb gehalten als ich mich grad nach hinten absicherte. Leider hab ich nicht mehr ausweichen können. Dem Auto und mir ist nichts passiert, aber lehrgeld muste ich trotzdem zahlen, da der Rahmen gebrochen ist. Ach ja, das alles ohne Helm.

  11. Meine Beobachtungen stimmen mit denen von Berlinradler überein: Gerade die Fahrer, die unsicher und unberechenbar fahren (z. B. auf dem Gehweg, entgegen der Fahrtrichtung, aus ner kleinen Seitenstraße rausfahren ohne nach rechts oder links zu blicken, so fahren, dass man nicht recht weiß, in welche Richtung es gehen soll und dgl. mehr), die tragen mittlerweile sehr oft einen Helm. Und ich kann mir vorstellen (beweisen kann ich naturgemäß nichts), dass die denken: Ich tu doch alles für meine Sicherheit, trage Helm, fahre langsam, fahre vorsichtshalber auf dem Radweg.
    Ich finde ja, Helm tragen soll, wer will und meint, dass das gut für ihn sei.
    Aber diese ständige Indoktrination (eigentlich sollte jeder einen Helm tragen) geht mir auf den Wecker, weil Helm tragen = erhöhte Sicherheit stimmt so pauschal einfach nicht. Mittlerweile werde ich als Vielradler ja schon von Kollegen, die sich „in der Saison“ mal aufs Rad schwingen, angesprochen, warum ich denn keinen Helm trage.
    Ansonsten bin ich noch nie auf den Kopf gefallen 😉 aber eine Portion Glück braucht man natürlich auch.

  12. Die Polizei Viersen hat auch was zum Thema Radhelme geschrieben: (…)

    Genau diese Beiträge sind zum Kotzen. Das ist pure Agitation durch freies Aussuchen der Zahlen, die einem in den Kram passen. So etwas versteht man eben unter Kultur der Angst. Muss ich mir wirklich nicht sagen lassen.

  13. Ja, Michael, da hast Du Recht. Solche Beiträge stellen den möglichen tödlichen Unfall in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung des Radfahrens. Das ist dummdreist, denn diese Sichtweise steht in keiner Relation zur Anzahl der durchgeführten Fahrten. Ob ein Risiko hoch ist, kann man nur im Vergleich mit anderen Risiken ermitteln. Sterben kann man auf vielfältige Weise, auch beim Schwimmen, Klettern, Treppensteigen, Wandern, beim Fußball und ähnlichem. Und auch hier dürften die jährlichen Zahlen gar nicht so stark von denen des Radfahrens abweichen.

    Größte eigenverursachte Todes- oder Erkrankungsrisiken sind Rauchen, falsche Ernährung und mangelhafte Bewegung. An missionarischem Eifer fehlt es hier (glücklicherweise) vollständig, ganz im Gegensatz zum Helmthema.

    Radfahren ist – gemessen an den Todeszahlen bezogen auf die Fahrleistung – nahezu risikofrei.

    Was besonders dreist von der Polizei Viersen ist, ist die Herstellung des Zusammenhangs der sehr häufigen Kopfverletzungen bei tödlich verunglückten Radfahrern mit der Helmtragerei. Jeder halbwegs informierte Mensch weiss, dass mindestens die Hälfte der getöteten Radfahrer von Lkw überrollt werden. Mag sein, dass die auch eine Kopfverletzung davontragen – wenn der halbe Körper zerquetscht ist, spielt das aber keine Rolle.

    Der Text ist so unseriös wie die Betrugsmaschen im Mailpostfach.

  14. Der Mythos Fahrradhelm ist doch längst dekonstruiert. Selbst der Verkehrsgerichtstag fordert doch schon „geeignete“ Helme für Pedelecfahrer, weil übliche Fahrradhelme nur für v<20 km/h konstruiert sind:

    Roland Huhn wies darauf hin, dass es im Moment noch keine geeigneten Helme gebe: „Fahrradhelme sind als Sturzhelme konstruiert. Sie sind für einen Aufprall mit Geschwindigkeiten unter 20 km/h ausgelegt. Bei Fahrten mit hoher Geschwindigkeit oder bei einem Zusammenprall mit einem fahrenden Auto bieten sie keinen wirksamen Schutz. Motorradhelme hingegen sind wegen ihres hohen Gewichts und schlechter Belüftung ungeeignet, da die Fahrer trotz des Motors auch aus eigener Kraft treten müssen.“

    http://www.adfc.de/7409_1

    Mit anderen Worten: Ein „Helm“, der nur in den Fällen taugt, wo auch eine Wollmütze gereicht hätte, ist keiner. Und die ganzen „a helmet saved my life“-Berichte sollte man unter Märchen abheften. Und die ganzen Helmpflicht-Schreihälse mögen endgültig verstummen.

  15. „Und die ganzen Helmpflicht-Schreihälse mögen endgültig verstummen.“

    Das hätte in der Tat etwas.

  16. Und die ganzen “a helmet saved my life”-Berichte sollte man unter Märchen abheften.

    Das finde ich nun wiederum nicht. Im Grunde zweifle ich nicht daran, dass ein Fahrradhelm überwiegend im Unfallfalle einen positiven Schutzeffekt hat. Die Frage ist, wieviel Bedeutung man dem in seiner eigenen Risikoeinschätzung beimisst und mit den anderen Faktoren, die gegen einen Helm sprechen können abgleicht. Das ist eine individuelle Abwägung, bei der ein Ereignis wie ein beobachteter oder selbst erlebter Sturz sehr wohl eine Rolle spielen können. Ich bin mir auch völlig darüber im klaren, dass ich schon morgen mit einer Verletzung auf der Straße liegen kann, bei der mir ein Helm geholfen hätte (gut, nachweisen ließe sich das natürlich nicht). Vielleicht würde ich morgen aber auch gar nicht fahren, wenn ich einen Helm tragen müsste. Schutzwirkung gegen Fahrradunfall mit Kopfverletzung dann bei 100%. Q.E.D.

  17. Schwierig ist in der Tat, zu 100% sicher zu sagen, was bei passiert wäre, wenn man einen / keinen Helm aufgehabt hätte. Berichte dieser Art sind für mich Meinungen, keine Beweise. Ich weiss auch bei einer Krankheit nicht, ob die langsamer verlaufen wäre, wenn ich keine Medikamente genommen hätte. Das kann man im Einzelfall nicht herausfinden.

    Ein Gedankenexperiment, das ich mir gern vorstelle: Auf dem Boden / Kfz oder wo auch immer liegt eine 4-cm-Styroporplatte. Dort knalle man einmal ohne, einmal mit dem Styropor drauf. Beides kein schöner Gedanke – ich will daraus jetzt auch keine Schlüsse ziehen, sondern einfach dieses Gedankenspiel anbieten.

  18. Ein Gedankenexperiment, das ich mir gern vorstelle:

    Das ist nicht besser als die fallengelassenen Melonen. Sinnlos, weil es den Fokus auf die Auswirkung einer Gefahr, nicht aber das Potential einer Gefahr lenkt.

    Die Wahrscheinlichkeit, beim Radfahren einen Unfall zu haben, bei dem man Kopfverletzungen erleiden kann, bei denen ein Helm hilfreich wäre, ist nicht sehr anders gelagert als die Wahrscheinlichkeit, als Fußgänger einen Blumentopf, Dachziegel oder sonstigen herabfallenden Gegenstand auf den Kopf zu bekommen.

    Und trotzdem kommt niemand auf die Idee, Fußgänger auch nur über die Möglichkeit des Tragens eines Helmes aufklären zu wollen, obwohl doch jedem vollkommen klar ist, daß so ein Helm ganz hervorragend schützen kann.

    Eben. Das ist eine Wahrscheinlichkeitsfrage.

    Warum aber soll man, um ein hypothetisches Risiko abzuwehren, in einem Fall Aufwand treiben, der suggeriert, daß die Tätigkeit, der man nachgeht, so gefährlich ist, daß dieser Aufwand erforderlich ist, aber im anderen Fall bei gleichem Gefährdungspotential bereits das Nachdenken über Schutzmaßnahmen als bizarr abtun?

    Radfahrer fallen extrem selten auf den Kopf. Und schon gar nicht senkrecht, wie eine fallengelassene Melone.

  19. @Prokrastes, Gedankenverbote kann sich natürlich jeder selbst auferlegen, wie er lustig ist. Mein Gedankenexperiment ging in die technische Richtung, Deine Antwort darauf ist eine Risikobewertung. Der stimme ich zwar vollumfänglich zu, sehe sie aber nicht im Kontext mit der Styroporplatte.

    Gestern hatte ich übrigens etwas Zeit, in der Fahrradzukunft zu schmökern. Interessant ist der Ansatz über die Risikoeinschätzung. An einer solchen habe ich mich ja auch bereits in einigen Blogeinträgen versucht. Den Ansatz, das Risiko pro Fahrzeug zu bewerten (Wolfgang Strobl in „Notwendigkeit von Fahrradhelmen“), finde ich unglücklich. Es gibt ca. 60 Mio. Kfz und ca. 70 Mio. Fahrräder, grob gesagt Gleichstand. Das Radfahr-Risiko wird damit auf genausoviele Menschen verteilt wie das Kfz-Risiko, das ist unrealistisch. Es fahren weniger Leute Rad als Auto. Besser finde ich Risikoangaben „pro Fahrt“ oder noch besser „pro Personenkilometer“.

  20. Mein Gedankenexperiment ging in die technische Richtung, Deine Antwort darauf ist eine Risikobewertung

    Schön, wenn Du das differenzieren kannst. Leider schaffen das viele nicht, und das ist eine der Ursachen für die Helm-Hysterie.
    „Mein Gott, das ist ja alles so gefährlich! Und was da alles passieren kann!!“

    Würde ähnlich öffentlichkeitswirksam wie das Fallenlassen von Wassermelonen der Effekt geteerter Straßenoberflächen auf Handflächen, Ellenbogen und Knie gezeigt, wäre die Forderung nach festen Handschuhen und Protektoren (wie bei Skatern zu sehen) für Radfahrer nicht zu überhören.

    Merkwürdigerweise geht die bauchsicherheitsgefühlige Allgemeinheit davon aus, daß Radfahrer nur senkrecht auf den Kopf fallen, aber niemals sich mit den Händen abfangen oder gar auf den Knien oder Ellenbogen landen.

    Bei Unfällen im Haushalt wird praktisch gar kein „Sicherheits“bewusstsein trainiert oder auch nur öffentlich kommuniziert, dabei ist das Risiko, beim Fensterputzen von der Leiter und auf den Kopf zu fallen, durchaus vorhanden. Wer aber auch nur den Gebrauch von Helmen beim Hausputz vorschlägt, wird als bizarrer Sonderling behandelt …

    Sicher, aus einer rein technischen Sicht heraus ist Dein Styroporplattenvergleich erfolgversprechend; noch besser wird ’ne dicke Matratze funktionieren.

    Klar, so kann man Probleme lösen. Nur: Existieren diese Probleme tatsächlich in einem nennenswerten Umfang?

    Gegen die Haupttodesursache bei Radunfällen (rechtsabbiegende Fahrzeuge) hilft weder ein Helm noch eine Matratze, auch keine Matratzenganzkörperdämmung, keine Lederkombi und keine Protektoren.

  21. @ Michael S:

    Im Grunde zweifle ich nicht daran, dass ein Fahrradhelm überwiegend im Unfallfalle einen positiven Schutzeffekt hat.

    Wohl eher nur im *UM*fall-Fall. Das sagt ja der ADFC-Quote. Bei *An*prallen an ein Hindernis ist es ziemlich wurscht, ob „oben ohne“ oder „oben mit“. Weil der „Helm“ nur so geringe Kräfte wegstecken kann, dass er bei über 20 km/h vernachlässigbar ist.

    @berlinradler:

    Auf dem Boden / Kfz oder wo auch immer liegt eine 4-cm-Styroporplatte. Dort knalle man einmal ohne, einmal mit dem Styropor drauf.

    Erstens müsste das Styropor aber eher 1-2 cm dick sein, mehr Material haben die Dinger nicht. Zweitens machst du mit deinem Gedankenexperiment ja nur eine qualitative Aussage, keine quantitative. Ab einer gewissen Geschwindigkeit saust dein Kopf durch das Styropor durch und hat immer noch genug Energie übrig, dass schwere Schädel-Hirn-Traumen verursacht werden. Und wenn diese Geschwindigkeit sehr niedrig ist, taugt das Schutzutensil nix. Punkt.

    Siehe auch:
    http://www.freewebs.com/hardshellmagazin/physik.html

  22. @Kai, mit meinem Gedankenexperiment habe ich weder eine qualitative noch quantitative Aussage verknüpft. Ich habe einfach mal eine Analogie in den Raum geworfen und jede Bewertung bewusst offengelassen. Das mit den 1-2 cm ist aber ein guter Hinweis. Und man sollte auch nicht die Belüftungslöcher vergessen, die den Schutzeffekt weiter minimieren.

    Das ist insgesamt eine Betrachtungstiefe, die beim Publikum nicht mehr ankommen wird. Die Diskussion wird also nie abflauen. Gefährlich ist, wenn selbst „Experten“ sich keine hohe Betrachtungstiefe aneignen wollen. Leider ist das im Verkehrssektor nach wie vor Gang und Gäbe.

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