Frankreich veröffentlicht ersten „Plan National Velo“

Das Verkehrsministerium in Frankreich hat Anfang 2012 einen ersten nationalen Radverkehrsplan veröffentlicht. Die wichtigsten Punkte des „Plan National Velo“ sind:

  • Anstieg des Radverkehrsanteils auf 10 Prozent bis 2020
  • Reiseziel Nr. 1 für Fahrradtouristen
  • Fahrradgaragenpflicht bei allen Neubauvorhaben
  • 50 Prozent mehr staatliche Gelder für den Bau von Radfernwegen abseits von Straßen (sog. Grüne Wege)
  • Einführung von Grünpfeilen (Rechtsabbiegen oder Geradeausfahrt exklusiv für Radfahrer) als Schild oder als Ampelsignal.
  • Förderung des Alltagsradverkehrs z. B. durch steuerliche Anreize
  • Imageförderung des Radverkehrs durch eine nationale Kommunikationsstrategie
  • Förderung des Umweltverbundes (Rad/ÖV) durch kombinierte Tickets (ÖV/Verleihsysteme)
  • Reduktion des Fahrraddiebstahls durch „bicycode“ (Kodierung durch Gravur)

Plan National Velo
[via]

12 Gedanken zu „Frankreich veröffentlicht ersten „Plan National Velo“

Kommentare-Feed
  1. Reiseziel Nr. 1 für Fahrradtouristen… unter Nr. 1 tun die Franzosen es nicht. Wie stehen sie denn im Moment da? Ich könnte mir vorstellen, dass ohnehin schon viele mit dem Rad ins schöne Frankreich fahren.

  2. Ich finde so ein Nr.-1-Ziel sehr sympathisch, weil das große Anstrengungen suggeriert. Klingt auf jeden Fall besser, als unser „wir wollen den Radverkehr fördern (tuns aber nicht)“.

    Besonders schön finde ich steuerliche Anreize, wobei konkrete Vorteile für Radfahrer wohl schwerer zu erreichen sind als konkret Nachteile für Autofahrer – allein wegen der Nachweisbarkeit der Radnutzung.

    Was ich zur Zeit sehr gern nutze, ist Call-a-Bike – solche Systeme müssten stark ausgebaut werden. Das ist in Kombination mit dem ÖPNV unschlagbar und man muss die Leute nicht mit dem Fahrrad in der Bahn belästigen.

  3. @berlinradler
    „Wir wollen den Radverkehr fördern.“ Tun’s aber nicht… leider so wahr.

    Wie funktioniert denn das Call-a-Bike? Unkompliziert?
    Hier in N gibt es ja seit einiger Zeit das Fahrradverleihsystem „Norisbike“. Ich hab’s noch nicht ausprobiert, weil mir der Ausleihvorgang zeitintensiv und relativ umständlich erscheint. Und eine halbe Stunde kostet 50 Cent.

  4. Ja, den Anspruch finde ich ja auch gut. Und sei es auch nur, dass das am Anfang vielleicht nur ein Lippenbekenntnis ist, wenn die Leute erstmal mehr fahren, wird das auch ein echtes Bekenntnis werden. Vélib in Paris soll ja ein toller Erfolg sein. Aber selbst eine kurzzeitige kostenlose Nutzung würde mich nicht vom eigenen Rad bekommen – gut, dass nicht alle so denken 🙂

    Wer weiß, Frankreich hat ja auch eine lange Radtradition, vielleicht klappt es ja mit der Wiederbelebung – oder war da nie was tot? Das Ende des Zeitalters des Autos als von jedem jederzeit für alles benutztes Verkehrsmittel ist wohl absehbar.

  5. Mir fällt gerade noch auf: 10% bis 2020 ist ja sehr ambitiös. Das ist ja keine Zahl für eine Großstadt sondern für das Land. Da bin ich doch mal sehr gespannt.

  6. Super die Franzosen! Wenn die so weitermachen, werden die Deutschland in einigen Jahren in der Entwicklung überholen. Wie die seit geraumer Zeit versuchen, ihre Mobilitätskultur zu verändern ist beeindruckend. Es ist ja nicht nur Vélib´in Paris, sondern auch viele, viele andere Fahrradverleihsysteme in anderen Städten, das in Lyon gibt’s z. B. seit 2005 und ist SEHR erfolgreich!
    Und es ist ja nicht nur das Fahrrad, seit Jahren findet in Frankreich flächendeckend die Wiederentdeckung der Tram statt.

    Schade, dass es diesen politischen Willen in Deutschland im Bereich der Verkehrspolitik auf breiter (bzw. oberster) Ebene nicht gibt. Hier verschwendet man die Energien dann wohl lieber in „Papa, setz den Helm auf“-Plakate…

  7. @Ulrike: Call a Bike ist recht unkompliziert. Wenn mans einmal durch hat, kann man das ohne Probleme täglich nutzen, die Hürden sind nicht hoch. Da ich meist nur kurze Innenstadtfahrten mache, auch recht preiswert, man kann so ne art Flatrate kaufen, bei der die ersten 30 Minuten – offensichtlich jeder Fahrt – kostenlos sind. Kostet ca. 40€ im Jahr. Für mein eigenes Fahrrad hab ich im Schnitt mehr Wartungskosten 😉 Allerdings dürfte die Wartung ruhig noch intensiver sein. Unfahrbar ist zwar kaum eines der Räder, aber kaputtes Licht oder springende Kette hat man doch ab und zu.

  8. Das sind schöne Nachrichten aus Frankreich. Und das Ziel, „die Nr. 1“ beim Fahrrad-Tourismus zu werden, halte ich für ein sehr gutes Ziel insbesondere auch bezogen auf die Innenwirkung.

    Frankreich hat im Prinzip eine hervorragende Infrastruktur für Radreisende. Es gibt Campingplätze überall, die sogar meist sehr preisgünstig sind. Auch „radfahrerkompatible“ Gastronomie ist vorhanden. Schöne Landschaft, nette Leute und viel gepflegte Kultur und Geschichte sowieso. Was den Franzosen derzeit etwas fehlt, ist die „Vernetzung“ der vielen Angebote untereinander. Frankreich könnte viel mehr Radtouristen anlocken, wenn z. B. in den Departements verschiedene Angebote einfach mal gesammelt und kleine Infozettelchen gemacht würden. Fängt mit so Trivalitäten wie Campingplatz-Übersichten an und könnte vielleicht aufhören mit Tipps für sehr dünn besiedelte Regionen (da freut sich der Radwanderer, wenn er überhaupt weiß, wo er eine Epicerie findet, z. B. in Teilen des Massif Central). „Sammeln und vernetzen“ zusammen mit „Öffentlichkeitsarbeit“ sind Dinge, die verhältnismäßig wenig Geld kosten, aber viel bewirken können. Sowohl bezogen auf die Zielgruppe, also Fahrradfreunde, wie auch auf die Menschen vor Ort. Die sind größtenteils Radfahrern ggü. sehr positiv eingestellt, aber teilweise mit den Bedürfnissen des „Radwanderers“ nicht recht vertraut. Weil sie sowas bisher mancherorts nur sehr, sehr selten sehen.

  9. Toll auch Radgaragenpflicht für Neubauten. Das gibts in Deutschland nur für Autos. Fahrräder kann man ja auf dem 2m breiten Bürgersteig abstellen.

    In der französischen Provinz kann man sehr schön entspannt auf vielen ruhigen Landstraßen fahren. Oft stehen dort Schilder für Kfz, man möge 1,5m Abstand beim Überholen von Radlern einhalten. Und die wirken, habe ich zumindest das Gefühl.

    Michael S: Ich glaube öffentliche Radverleih-Systeme sind dort am erfolgreichsten wo den Menschen bisher kaum Rad fahren. Wenn man keins hat kann man sich eins mieten und kommt vielleicht auf den Geschmack und kauft sich ein eigenes Rad. In München gibts die Bahn Bikes auch aber sie stehen immer völlig chaotisch in der Gegend rum. Ich hab nicht das Gefühl dass sie wahnsinnig oft gemietet werden. Besser wären feste Stationen mit Verleihterminals.

  10. Ich vermisse in dieser Aufzählung „Abschaffung der erst kürzlich eingeführte Müllmannwestenpflicht“. An Taten müssen sie gemessen werden und nicht an Lippenbekenntnissen. Und da siehts bei unseren Nachbarn nicht so rosig aus.

  11. @Christoph, das mit den Mieträdern war ich 😉 Bei mir hat das Angebot Nachfrage geschaffen. Vor dem Büro, in dem ich zur Zeit arbeite, ist so eine Station – ebenso vor vielen Bahnhöfen. Wenn ich keine Lust habe, die ganze Strecke zu fahren, nehm ich zur Zeit nicht das Rad in der S-Bahn mit, sondern nutze Call-a-Bike. Ob ich damit ein typischer Nutzer bin, weiss ich nicht. Attraktiv finde ich auch die Möglichkeit, in anderen deutschen Städten sofort auf so ein Rad zu steigen.

  12. @berlinradler
    Danke! 🙂
    Ich denke, ich probier das einfach mal aus. Das Jahresabo kostet hier nur schlappe 8 Euro. Dann noch die Gebühr von 50 Cent/halbe Stunde.
    Lieber noch fahr ich natürlich mit meinem eigenen Rad. Nur manchmal ist mir die Strecke (17 km) einfach zu lang.

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