Berlin: Fahrradetat wird halbiert

Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2012/2013 des Landes Berlin ist die Summe für die Fahrradinfrastruktur halb so groß wie in den Vorjahren. Finanzsenator Ulrich Nußbaum will in diesem und im kommenden Jahr jeweils eine Million Euro ausgeben, im Jahr 2011 lag der Betrag noch bei zwei Millionen Euro. Laut Tagesspiegel protestiert der Fahrradclub ADFC gegen diesen Plan. Bernd Zanke, Mitglied des Vorstands und zuständig für Verkehrssicherheit beim ADFC: Mit den bisher zwei Millionen Euro im Jahr konnte „wenigstens ein Teil der gravierendsten Mängel an Radwegen behoben werden“.

Tagesspiegel: Nußbaum spart an den Radwegen

23 Gedanken zu „Berlin: Fahrradetat wird halbiert

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  1. Fürs Schilder *ab*schrauben wird es noch reichen.

    Wenn die Prozesskosten bei unrechtmäßig angeordneten Benutzungspflichten auch aus diesem Topf beglichen werden müssten, dat wär wat

  2. Ich weiss bei solchen Meldungen immer gar nicht, ob ich sie gut oder schlecht finden soll. Ein Großteil der Maßnahmen für den Radverkehr bedeutet doch, dort Fahrbahnbereiche abzumarkieren, wo ohnehin genügend Platz ist – und damit oft eine Verschlechterung der Situation herzustellen. Die Problemstellen, die mir so auffallen, werden so gelassen wie sie sind – obs nun eine oder zwei Millionen Euros sind-

  3. Vielleicht sollte man dem Senat mal vorrechnen, wie hoch die Kostenersparnis durch mehr Fahrradverkehr wäre. Alleine die sinkenden Sanierungskosten von Straßen, wenn dort weniger Auto fahren. Sinkende Gesundheitskosten usw.
    Wobei man natürlich bedenken muss, dass die Leute aus dem Auto wohl erstmal eher in den ÖPNV umsteigen und dann erst aufs Fahrrad.
    Aber langfristig gesehen spart eine Förderung des Radverkehrs auf Kosten des Autoverkehrs sicher eine Menge Geld, denke ich.
    Ich bin jedenfalls auf den Frühling gespannt, ob der Radverkehr weiter zunehmen wird.

  4. @ Philip: Das ist doch alles kalter Kaffee. Das nichts wesentliches passiert liegt nicht an mangelnder Kenntnis sondern an eingefahrenem Denken und Bequemlichkeit – auch bei den Betroffenen, den PKW-Nutzern, auf deren Kosten eine Veränderung eindeutig gehen müsste. Und Veränderung ist etwas, was man erst will, wenn der Leidensdruck hoch genug ist.

  5. den finanziellen einsparungen stehen aber ebensolche politischen kosten gegenüber. der mob tobt wenn man die straßen schmaler macht.

  6. Eine Million EUR für 3 komma nochwas Mio Einwohner? Die haben doch wohl eine Null vergessen..? Bei uns in München wird schon 4,5 Mio/Jahr (manchmal sinnlos) ausgegeben für viel weniger Menschen.

    @rbt: man muss den Platz so verknappen, dass der Mob es nicht merkt. Langsam aber sehr stetig. Dann muss man dem Mob noch einbleuen, dass parken auf öffentlichem Grund kein Menschenrecht ist. Irgentwann checkt er das.

  7. „Der Fahrradklub ADFC protestiert“.

    Lustige Wortwahl, noch nie hab ich irgendwo „Der Autoklub ADAC ….“ gelesen. Obwohl’s passend wär.

  8. der ADAC hat ja auch 80 x soviele Mitglieder wie der ADFC. Allerdings nur wegen dem Pannendienst, wenns den nicht gäbe, würde kaum jemand den ADAC wahr nehmen.

  9. @Christoph, i.allg. nimmt man an, durch Kfz- und Benzinsteuern ein Recht auf einen Parkplatz zu erkaufen. Zunächst müsste man also glaubhaft die Einnahmen und Ausgaben durch den Autoverkehr gegenüberstellen. Solche Vergleiche gibt es – mit sehr unterschiedlichen Aussagen.

  10. Ach, so kommt man auf den schmalen Grat mit dem Parkplatzrecht? Wie teuer ist denn so ein mobiles Stück land in beliebiger Lage? Wenn wir mal einen Innenstadtbereich mit 20€/m² im Monat, ein Auto mit grob 12m² veranschlagen müsste so ein Auto also alleine fürs Parken 2880€ im Jahr kosten, haut das hin mit der KFZ und Benzinsteuer? Da ist dann aber noch keine Infrastruktur für bezahlt…

  11. Ob 1 oder 2 Millionen halte ich auch für irrelevant. Beide Summen sind Peanuts. Hier gehts mehr um die Symbolik, dass die Regierung nicht gewillt ist die Situation der Radinfrastruktur zu verbessern, obwohl der Anteil der Radfahrer steigt. Die Leute werden also von der Politik bewusst in die Autos und in die Öffentlichen Verkehrsmittel gedrängt.

  12. @Ze evil Kohl, noch nie eine entsprechende Debatte mit dem Autofahrer geführt? Genau so wird gedacht 🙂

  13. @Berlinradler: Nee übers Parken wirklich noch nie, meist hat man als Radfahrer genug andere Themen über die man mit Autofahrern diskuttieren kann/muss.

    Eher akute Sachen wie, warum man sich nicht in Luft auflöst wenn doch der Autist die Spur wechseln will und solch lustigen Nahtoderfahrungen :/

  14. Ach naja, mit den Straßenheinis setze ich mich selten in einer Diskussion auseinander, das bringt eh nix. Der lustigste Spruch, den mal ein gefährlich ausparkender Autofahrer machte: „Ey bist Du bescheuert? Wenn ich Dich umfahre, bin ich Schuld.“ Abgesehen davon, dass ich da tatsächlich etwas wagemutig gefahren bin – hatte keine Lust zu warten – eine witzige Analyse der Situation.

  15. Ich überlege die ganze Zeit, wie ich meine Räder sicher und bequem zu Hause unterbringe. Könnte ich eine Fahrradgarage vor meiner Haustüre auf einen „Parkplatz“ stellen, wäre ich sehr glücklich. Wenn ich die Garage in Form eines Autos bastle, dürfte das doch okay sein, oder? Ah, oder wie wäre es mit einem „Werbeanhänger“? Muss man die versichern oder anmelden?

  16. Die Stadtverwaltung von Berlin hat weiterhin Geld für Sperrungen für Radfahrer, aber niemand scheint sich für Fahrradbelange einzusetzen.

    Anfang Januar: Totalabsperrung der Fahrrad-Rochstraße auf Höhe der Schule. Bisher konnte man zwischen zwei Planken durchfahren, nun ist die Lücke zu. Was soll das? Hab ich den Fahrradbeauftragten per E-Mail befragt. Aber der ist schon im letzten Jahr nicht mehr da gewesen. Gibt es den noch? Warum antwortet der nicht? Warum duldet der so was stillschweigend?

    Nun geht die Absperrung dieser Route weiter. Seit heute ist auch die Anna-Louisa-Karsch-Straße vor der Brücke zur Bodestraße dichtgemacht. Bisher war nur die Brückenzufahrt gesperrt. Seit Wochen sind die Bauarbeiten beendet, aber die Sperrung wird noch ausgeweitet.

    Meine Frage zu dieser Brückensperrung hat der Fahrradbeauftragte auch im letzten Jahr nicht beantwortet. Der ist wohl nicht mehr da. Oder zum ADAC gewechselt.

    Bei der Route Max-Beer-, Roch-, A-L-KArsch- und Bodestraße handelt sich um eine Fahrradstraße bzw. eine Fahrradhauptroute, ich glaube von St. Petersburg nach Paris. So weit will ich nicht täglich, aber warum soll man da nicht mehr radfahren?

  17. @Gernfahrer: Hast Du den hier angeschrieben? http://www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/politik_planung/rad/de/kontakt.shtml
    Interessant, wenn von dort keine Antwort kommt.

  18. @Gernfahrer, Du sprichst die Anna-Louisa-Karsch-Straße an. Gestern stand dort das Ordnungsamt und hat Radfahrer rausgefischt, die zur (für Radfahrer freigegebenen) Brücke fuhren bzw. von dort kamen. Wegen des Baugerüstes waren die halt auf den Gehweg ausgewichen. Ich find das unmöglich, die schlechte Baustellensituation und die dort generell vergessenen Radfahrer auszunutzen, um Radfahrer abzukassieren. An dieser Stelle wäre es nicht unmöglich, Radfahrern eine Durchfahrt zur Brücke ermöglichen.

  19. Ja, an der Brücke zwischen Bodestraße und A.L.-Karsch-Straße hat mich mal einer von den Kapitänen der dort abfahrenden Touristendampfer angehalten und darauf hingeweisen dass die Brücke für Radfahrer verboten ist. Habe mich natürlich für die Empfehlung bedankt und bin weiter gefahren. Fahre jetzt aber eine andere Route, da mir die ganzen Bauzäune die Strecke unbequem machen.

  20. @udo, also ich habs im Sommer zuletzt versucht, da war die Brücke für Fahrräder freigegeben. Wie es heute ist, weiss ich nicht – hab jetzt auch bessere Routen gefunden.

  21. Diese Brücke ist Teil des Radwegenetzes, wie man leicht auf http://bit.ly/wVtoee (16.9.2011) sehen kann. In der Gegend schert sich offenbar niemand darum, dass sich da der zentrale Knoten des Radwegenetzes befindet. Schlossplatzbaustelle, Traverse des Schlossplatzes nur für Fussgänger, Weihnachtsmärkte auf Radwegen (da hatte ich mich mal beschwert, ist dann 2011 besser gewesen), verschiedene andere Baustellen (z.B. http://bit.ly/A7qGnN, ist jetzt wieder passierbar, engste Stelle ca. 1,50m breit).

    Insofern erscheint die Einsparung der Radwegemittel nur konsequent, weil Beschilderung eh umsonst ist, weil sie offenbar keinen verbindlichen Charakter bezüglich der Befahrbarkeit durch Radfahrer hat.

  22. @radler rost, volle Zustimmung. Die vom Senat gefeierten Routen erfüllen in keiner Hinsicht irgendwelche Mindeststandards, nicht mal in Hinsicht auf die durchgehende Befahrbarkeit.

  23. Frage mich gerade, ob der Umstand, dass Fr. Schadt, zukünftige Fr. Gauck (oder Schadt-Gauck/Gauck-Schadt), als leidenschaftliche Radfahrerin betitelt wird und zudem als streitbar, in Zukunft des öfteren im Schloß Schönblick weilen wird, sich für die Radfahrer-Situation in Berlin positiv auswirken könnte.

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