Fahrradsimulator in Hannover

Die Polizeidirektion Hannover verfügt über einen Fahrradsimulator. Mit diesem können Kinder lernen, sich sicher und korrekt im Straßenverkehr fortzubewegen. Damit soll der Unterricht, der bisher nur aus Informationsbroschüren und praktischen Übungen auf dem Schulhof besteht, ergänzt werden.

NDR: Bode testet Verkehrstauglichkeit auf Simulator (1.2.2012)

gefunden in de.rec.fahrrad

12 Gedanken zu „Fahrradsimulator in Hannover

Kommentare-Feed
  1. „aus Informationsbroschüren und praktischen Übungen auf dem Schulhof“ … wie wäre es mit praktischen Übungen auf der Strasse?

  2. Huahahahaha,
    bei der FDP hat man offenbar jetzt sogar so viel Angst vom Stuhl zu fallen dass einige Mitglieder (z.B. der Herr Verkehrsminister Bode) schon dauerhaft Helme tragen müssen…

    Ich lach mich schlapp 😉

    Oder was soll möchte er uns mit diesen Auftritt sagen?

  3. Bei Bode fehlt nur noch die Warnweste. Grundsätzlich sind solche Simulatoren aber sicher nicht schlecht. Vielleicht könnten ja Spielehersteller auch mal ein Fahrradballerspiel entwickeln. Bei dem der Radler mit allen denkbaren Unfallgefahren konfrontiert wird, z.B. mit plötzlich aus Ausfahrten herausschießenden Autos oder in den Fahrweg springenden Fußgängern, sich öffnenden Autotüren, Rechtsabbiegern, Materialdefekten usw. Den nächsten Level erreicht nur, wer in vorgegebener Zeit und unbeschädigt durchgekommen ist.

  4. Interessant. Die Meldung gab es scheinbar nur auf Google Groups. Deshalb hat auf de.rec.fahrrad auch keiner geantwortet, das Posting hat es dort nie gegeben.

  5. Aha. Äh-hmm.

    Die Kinnicks können dort lernen. Ah ja. So, so.

    Leuts! Wer kommt nur immer wieder auf solche total bescheuerten Ideen?

    Bilden die Fahrschulen die Dosen-Fahranwärter etwa virtuell aus? Nein. Weshalb nicht? Bei dem Versuch die Frage zu beantworten, nähert man sich rasch der Idiotie jener simulierenden Aktion.
    Man könnte in dem Zusammenhang auch den ADAC fragen, weshalb sie als Autofahrer-Lobbyvereinigung, die Autoristi-Ausbildung nicht mit Autosimulator und putzigem Bildschirm unterstützen.

    Radfahrpraxis läßt sich nicht am Bildschirm und im Klassenzimmer simulieren. Ohne Fahrpraxis gibt es aber keine wirkliche Substanz, auf der sich wirklich aufbauen läßt.
    Verkehrsschilder und generelle Verhaltensgrundsätze müssen schon verstanden und verinnerlicht werden, jedoch halte ich es für fatal, es auf solch eine Weise zu tun.

  6. Ich habe das Nachfolgende mal vom vorhergehenden Beitrag abgetrennt.

    Ich bin Jahrgang 72 und an meiner Grundschule war schon in den 70ern der Schulhof als Straßenparcours (immer schön rechtwinklig geführt) angemalt. Dort wurde dann einmal im Jahr der Schilderwald aufgestellt und den Kinners der Straßenverkehr beigebracht, um dann später auf ein paar Straßen in der Umgebung die „Radfahrprüfung“ zu absolvieren. Dabei stand und steht wohl noch heute, an jeder wichtigen Stelle, an und vor Kreuzungen, Abzweigungen etc. ein Lehrer, Polizist oder ein Bernhardiner mit Fässchen (ach ne, das war was anderes…) und es wurrde notiert, ob die Kinners auch alles so machen, wie vorher beigebracht.

    Toll.

    War für damals, also für vorr über 30 Jahren, schon nicht ganz schlecht. Aber schon damals wurde man nur mit den „Soll-Werten“ ausgestattet, also den Idealvorstellungen wie Verkehr und v.a. der Radfahrer im Verkehr, zu funktionieren hat.
    Was komplett fehlte, war der eigentliche Praxisbezug. Also die Konfrontation mit der echten Wirklichkeit.

    Rückblickend wundert es mich daher nur bedingt, dass ich dann relativ kurze Zeit nach jener „Radfahrausbildung“, einen Unfall hatte.

    Ich befuhr die örtliche Hauptstraße, wollte an einer Kreuzung (für die querende Straße Stopschilder, für mich Vorfahrt) links abbiegen. Hab auch alles so gemacht, wie in der Schule gelernt, mit ganz toll viel Arm raus, gucken usw. tralala … und bin ganz kurz vor dem Abbiegepunkt, da gibt der Ford Capri vom großen Bruder vom .. (lass ich ma weg, mir fiel auch erst viel später – Amnesie – wieder ein, welcher Wagen mir da dir Vorfahrt genommen hatte) am Stopschld Gas und ballerte über die Kreuzung. Aus der Gegenrichtung (zu mir) kam ein Auto, dessen Fahrer, als der Capri auch ihm die Vorfahrt nahm und ihn zu einem abrupten Ausweichmanöver auf die Gegenfahrbahn zwang, mich noch nicht sehen konnte, aufgrund einer Kurve an der Kreuzung und einer hohen Hecke.

    Der Capri schoß also über die Kreuzung und sehr kurz darauf seh ich wie vor mir, auf meiner Fahrbahn, die Kühlerhaube des Wagen, der ausweichen musste, auftaucht.
    *Patsch*
    Jochen machte den Komplettabflug ÜBER das Auto, touchierte dabei mit dem Hinterkopf das Autodach, was im Dach eine veritable Beule hinterließ und mir ein kleines Hörnchen bescherte. Aufs Auto selber schlug ich zum Glück nicht auf. Bin dann irgendwie hinten wieder auf die Straße, muss dann umgehend wieder aufgestanden sein und … das weiß ich noch, ich hob das Fahrrad mit dem zermatschhten Vorderrad auf und versuchte es weg zu schieben, was natürlich nicht ging, ich aber nicht begriff, weil Schock.

    Wieso erzähle ich das alles? Weil es damals schon deutlich zeigte, was in der „Ausbildung“ von Kindern auf Fahrrädern deutlich fehlte. Das eigentliche Fahrsicherheitstraining, was eben nicht nur im auswendig lernen von Straßenschildern bestehen sollte, sondern v.a. auch im Begreifen des ganz alltäglichen Wahnsinns auf den Straßen und wie (potentielle) Gefahrenlagen erkannt werden können und wie sich dann am besten verhalten wird. Dazu halt noch, so gut es geht, das eigentliche sicherer Beherrschen des Fahrzeugs Fahrrad, also praktische Fahrsicherheit.
    Mir ist der Unfall damals so passiert, weil wir damals nichts über das Fehlverhalten der Autofahrer beigebracht bekommen haben und ich schlicht nicht wusste, was da für ein Film abläuft und wie ich mich dabei am besten reagieren sollte.

    Und heute ist das auch nach 30 Jahren, nicht wirklich besser geworden. Den Kindern wird nen Helm verpasst, sie werden in ne bunte Jacke gezwängt (Zwangsja…) und es werden die Reflektoren am Rad gezählt, dann wird noch irgendwas erzählt, was mit der Realität nur sehr peripher was zu tun hat und in viel zuviel Fällen war es das dann.
    Runde-um-de-Block, „Prüfung“ bestanden, viel Spaß und tschüss.

    Und das ist zuwenig und allzuoft ist das wenige auch noch falsch.

    Aber es steht halt „sponsored by ADAC“ drauf. Das neue Qualitätssiegel. *örgs*

  7. Naja, wenn der Simulator alles ist, was man an Fahrpraxis vermittelt bekommt, ist das schon mau.

    Meines Erachtens ist es ohnehin ein problematischer Ansatz, nur die Verkehrsregeln zu vermitteln. Das ist allenfalls die erste Stufe einer Fahrradausbildung – und das sollten auch nicht nur die Regeln sein, die dem autofahrenden Polizisten gerade wichtig erscheinen. Gut wäre, wenn solcher Unterricht von erfahrenen Radfahrern gemacht würde, die auch ein wenig Praxisbezug einbringen und auf die „versteckten Regeln“ hinweisen, nämlich nicht zu weit rechts fahren, nicht jede Lücke zum Einscheren benutzen, die Hände am Lenkrad zu lassen, wenn die Situation brenzlig erscheint und auf Autofahrer zu achten, die wenden wollen, ausparken oder gerade den Stadtplan studieren. Zudem sollte man wohl keinem Kind sagen, dass es am Radweg Vorfahrt hat – das ist praxisfern, weil die Vorfahrt i.d.R. nicht beachtet wird.

  8. In der Verkehrserziehung werden Simulatoren,wegen hoher Kosten höchstens vereinzelt eingesetzt werden können. Sind dann sozusagen ein motivierendes Highlight. Dass Simulatoren grundsätzlich Sinn machen, weiß man ja aus der Pilotenausbildung.

    @Berlinradler: die Verkehrserziehung ist nicht einseitig auf Verkehrsregeln ausgerichtet. Im Netz habe ich mal einen Lehrplan für Sonderschulen gefunden.

    http://www.sonderpaedagogik.bildung.hessen.de/schule/lp/Verkehr-SfL.pdf/show/

    Die dort aufgeführten Lernziele sind zwar geschwollen formuliert, insgesamt jedoch recht umfassend. Würden diese tatsächlich realisiert, wären die Kinder am Ende ihrer Schulzeit perfekte Radler, sofern sie nicht vorher bei einem Unfall sterben, weil der Radfahrunterricht nach diesem Plan viel zu spät beginnt.

    Überhaupt zeigt sich hier mal wieder der Unsinn von an Jahrgangsklassen orientierten Lehrplänen. Wer von Haus aus schon radfahren kann, wird unterfordert und findet den Unterricht langweilig. Wer noch nicht radeln kann, fühlt sich zurückgesetzt. Disziplinprobleme und Ineffektivität des Unterrichts sind die direkte Folge.

    Besser wären Grund-, Aufbau- und Fortgeschrittenenkurse mit Jahrgangsempfehlung, die bei Bedarf langsamer oder schneller durchlaufen werden können. Im einem verkrusteten und reformresistenten Schulsystem geht das naturgemäß nicht. Verantwortungsbewusste Eltern sollten die Verkehrserziehung deswegen sicherheitshalber selbst in die Hand nehmen und mit ihren Kindern möglichst viel radeln und dabei auf typische Gefahren hinweisen.

  9. @kl, gerade der letzte Satz scheint mir genau der richtige Ansatz zu sein. Wobei das leider nicht alle Eltern leisten können.

  10. Simulatoren machen z.B. in der Flieger- und und auch Frachtschiffausbildung hochgradig viel Sinn.

    Überall wo v.a. Routinen eintrainiert, zig Wiederholungen absolviert werden müssen, oder das Verhalten für 53 mögliche Gefährdungsszenarien erlebbar gemacht werden wollen, ohne das gleich ein Millionen Euro teures Etwas der Schrottpresse zugeführt wird, wo eine Simulatorstunde nur einen Bruchteil einer Beriebsstunde der Wirklichkeit kostet, da machen Simulatoren unmittelbar SINN.

    Beim Radfahren macht es m.E. aber nur in sehr begrenztem Ausmaß einen möglichen Sinn, SOFERN das didaktische Konzept, den Simulator betreffend und die Einbindung in eine v.a. weitergehende Ausbildung abseits eines Simulators, STIMMIG und v.a. auch vorhanden sind.

    So, wo soll dieser „Simulator“ eingesetzt werden? Und für was genau?
    DAS sind die Knackpunkte.

    Genauso wie schon bei den manchernorts stattgefundenen Diskussionen um die millionenfach vom ADAC verschenkten Warnwestchen, muss die die Frage nach der sinnvollen Einbindung einer kleinen Einzelmaßnahme, in ein, bitteschön stimmiges, Gesamtkonzept gestellt werden.
    So ist es zunächst nur einmal mehr eine eher absurd anmutende Pressemeldung, mit behelmten FDP´ler und strammen Uniformträger. Und das ist nicht nur zuwenig und vielleicht sogar kontraproduktiv im Sinne des vorgeblichen Zweckes.

  11. Weiß jemand etwas genauer, wie der Hannoveraner Simulator überhaupt funktionieren soll?

    Ich erinnere mich noch an die Gerätschaft, die die Verkehrswacht in Paderborn mal vor ein paar Jahren mit viel Tamtam auf öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt hat. Und wohl auch zur Verkehrserziehung von Grundschulkindern einsetzt. Das war im wesentlichen ein auf einer Art festen Rolle eingespanntes Kinderfahrrad, bei dem die Hinterrad-Drehgeschwindigkeit von einem Computer abgenommen wurde. Bzw. insbesondere der Stillstand des Hinterrades vom Computer festgestellt werden konnte.

    Der „Simulator“ funktionierte dann folgendermaßen: Auf dem Computerbildschirm wurde ein Video mit einer Fahrtsituation angezeigt. Das Video wurde geschwindigkeitsmäßig auch so leidlich mit der Tretgeschwindigkeit synchronisiert. Und irgendwnan passierte dann in der Videosequenz eben die Konfliktsituation. Die Übungsaufgabe für das Kind auf dem Rad bestand dann letztlich darin, das Rad schnellstmöglich zum Stillstand zu bekommen.

    Es war also letztlich nichts anderes als ein reiner Reaktionstest. Als Konfliktlösungsmöglichkeit wurde NUR „bremsen“ ermöglicht. Lenken war sowieso nicht möglich.

    Wenn der Hannoveraner Fahrradsimulator genauso dämlich konstruiert ist, dann ist das Ding eine reine PR-Luftnummer.

  12. Zumal ein Großteil der kritischen Situationen nicht vor, sondern schräg hinter dem Radfahrer stattfindet 😉

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