Radfahrerin nach Verkehrsunfall verstorben

Der 7. tödliche Verkehrsunfall unter den Radfahrern ereignete sich am vergangenen Sonnabend. Gegen 16.40 Uhr überquerte eine 71-jährige Radfahrerin eine gemeinsame Fußgänger- und Radfahrerfurt über die Seestraße. Im Kartenausschnitt kam sie von Norden und fuhr bei Grün über die Radfahrerquerung, um zum südlich der Seestraße liegenden Eckernförder Platz zu kommen. Was dann passiert, beschreibt die Pressemeldung der Polizei so:

„Ein 27-jähriger „Mazda“-Fahrer befuhr die Seestraße in Richtung Stadtring. In Höhe der Einmündung Seestraße Ecke Nordufer erfasste der Autofahrer die Radlerin. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen verstarb die 71-Jährige noch am Unfallort. Zeugen gaben an, dass die Radfahrerin die Ampel bei grün benutzt hätte.“

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 3163 vom 10.10.2010 – 10:20 Uhr


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45 Gedanken zu „Radfahrerin nach Verkehrsunfall verstorben

Kommentare-Feed
  1. Sehr tragisch und extrem sinnlos – wie jeder tödliche Verkehrsunfall!

    Das ist auch so ein klassischer Fall, der für Tempo 30 innerorts spricht. Eine rote Ampel kann jeder übersehen – richtig kritisch werden die menschlichen Fehler immer erst in Zusammenhang mit hoher Geschwindigkeit.

    Als Radfahrer und Fußgänger kann man sich auf Ampeln leider nicht verlassen.

  2. Wäre die betreffende Ampel eine „Blitzampel“ gewesen, dann würde die Radfahrerin noch leben.

    In ganz Berlin gibt es gerade mal 15 „Blitzampeln“.

    Warum es überhaupt Ampeln gibt, die keine sind, vermag ich auch als Autofahrer nicht nachzuvollziehen.

  3. Gabs an selber Stelle dieses Jahr nicht schon einen tödlichen Unfall? Der auch hier beschrieben wurde?

  4. Tempo 30 in der ganzen Stadt! Scheiß Autos!

  5. Der Unterschied ist der, daß der letztjährige Autofahrer noch „Schwung“ von der Autobahn draufhatte, und daß der diesjährige wohl etwas zu früh sich auf die Autobahn vorbereitet hat — die Seestraße geht ein paar hundert Meter weiter westlich in die A100 über.

    Nicht, daß das irgendwas rechtfertigen würde.

    Es gibt doch für Tankstellen und ähnliches Einrichtungen, die in den Boden eingebaut werden und das Ausfahren von Autos verhindern können, so eine Art heraufklappbarer Nagelleiste.

    Das wäre doch etwas, was in Verbindung mit roten Ampeln sehr, sehr wirksam sein dürfte …

  6. @Nullbock-Horst, auch wenn Dein Vorschlag zunächst „absurd“ klingen mag, ist es genau das, was bei anderen Verkehrssystemen so hohe Sicherheit schafft. Züge werden beim Überfahren eines roten Signals ausgebremst, im Bereich über 160 km/h hat der Fahrer technisch gar nicht mehr die Wahl, bei einem roten Signal zu bremsen oder nicht – das übernimmt die Linienzugbeeinflussung für ihn.

    Im Straßenverkehr haben wir genau deshalb so horrende Toten- und Verletztenzahlen, weil letztendlich jeder machen kann was er will.

  7. Solche physikalischen Sperren würden wegen der Unfallgefahr sofort wieder Autofahrerlobby und ADAC auf den Plan rufen. Ein weiteres Problem ist, dass dadurch auch Fahrzeuge in einem geschlossenen Verband, die auch bei umschaltender Ampel weiterfahren dürfen, auf das Hindernis treffen würden. Außerdem müsste man für Rettungsdienste/Polizei eine Möglichkeit zum schnellen Deaktivieren der Sperre schaffen (passende Fernbedienung in allen Einsatzfahrzeugen).

    Die Blitzerampeln sind da deutlich praktikabler und führen durch Bußgelder/Punkte/Fahrverbote ebenfalls recht wirkungsvoll zu einer Disziplinierung der Autofahrer. Angesichts der zwei tödlichen Unfälle innerhalb weniger Monate sollte das an dieser Ampel wirklich gemacht werden.

  8. Barrieren müssen ja nicht physisch sein, auch elektronisch kann man was machen – oder eben Überwachungsdruck (Blitzerampeln) … wie gesagt halte ich die positiven Erfahrungen aus anderen Verkehrssektoren für übertragbar.

  9. Schöne Träume habt ihr da…

    Wir alle wissen doch: Passieren wird – wie die letzten 50 Jahre – rein gar nichts….

    Die Interessen von Automobil- und Öl-Lobby wiegen ungleich schwerer als die paar Verkehrstoten oder anders ausgedrücht:
    Nicht nur in der Sowjetunion sind Menschenleben entbehrlich wenn es um höhere Interessen geht…

  10. „Nicht nur in der Sowjetunion sind Menschenleben entbehrlich wenn es um höhere Interessen geht…“
    das dumme ist nur, dass die „opfer“ dieser höheren interessen partout der meinung sind es sei ihr höchstpersönliches höheres interesse in 10min. statt in 20min an ihr ziel zu gelangen.
    und zumindest in berlin sind die ps-autisten in der minderheit. könnte da nicht mal die mehrheit sich gegen den allgegenwärtigen terror der motorfreaks zur wehr setzen? vom staat wird es keine unterstützung geben. da müsste mal ein zeichen gesetzt werden!

  11. ich finde, ampeln auf hauptstrassen sollten standardmäßig mit blitzern ausgerüstet sein.
    leider verhindert das die autolobby erfolgreich. und sind ja auch bald wieder wahlen… hab ja die hoffnung, dass nach der nächsten senatswahl die grünen seniorpartner werden und sich vielleicht was ändert.
    andererseits ist das auch nur die 3-liter-auto-partei.

  12. „andererseits ist das auch nur die 3-liter-auto-partei.“

    Das stimmt. Mit Grauen erinnere ich mich da auch dunkel an eine Äußerung von Trittin, er könne sich vorstellen, die Anschaffung von Elektroautos mit jeweils ca. EUR 6000.- zu subventionieren.
    (siehe z.B: http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Trittin-Ramsauer-Totengraeber-der-deutschen-Automobilindustrie_aid_810499.html)

    Abkackprämie II sozusagen. Weiteres Steuergeld in den Rachen der Automobilindustrie, Wasser auf die Mühlen der Verkehrstotenzahlen und Zementierung bzw. weiterer Ausbau des durch den Autoverkehr lebensfeindlichen Wohnumfelds in den Städten.

    Aber kostenloser Nahverkehr ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. „Viel zu teuer“ sagt Claudia Hämmerling von den GRÜNEN. Siehe http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/abfahren-auf-die-utopie/

    Danke Jürgen, danke Claudia, dankeGRÜNE :-\

    Trotzdem wähle ich Euch dann doch wieder als das hoffentlich kleinste Übel.

  13. Ich weiss auch nicht so recht was ich von den Grünen erwarten soll. Erfahrungsgemäß interessieren sich Parteien auf der Lokalebene ja eher für das Verkehrssystem als auf der Bundesebene. Die größte Gefahr ist wohl, vermeintlich viel für die Radfahrer tun zu wollen und daher weitere Bürgersteigradwege zu bauen.

    Der bisherige Senat hat in meinen Augen einen relativ intelligenten Mittelweg gefunden. Zu oft werden Autofahrer zwar noch bevorzugt, in Teilen hat man aber sinnvolle Lösungen gefunden, bei denen man ansetzen kann.

    Ich bin beispielsweise ein Fan der Fahrradrouten durch die Stadt, sehe hier aber auch enorme Verbesserungsmöglichkeiten. Zum einen dürfen Fußgänger nicht übermäßig belastet werden (wie z.B. am Rummelsburger Ufer), zum anderen Radfaher nicht übermäßig gefährdet (z.B. Müggelheimer Damm) werden, und bei Baustellen sollte man nicht vergessen, den Radfahrern eine Alternative anzubieten – so eine fehlt mir z.B. in der seit Wochen gesperrten Bouchestraße an der TR4. Prinzipiell ist das Ausschildern geeigneter Wege aber eine gute Möglichkeit, an der der nächste Senat Feinschliff üben könnte.

  14. Das ist das Schöne an unserer Demokratie: jeder kann herummotzen und über alles herziehen. Einen Zwang, etwas durch das eigene Handeln zu verändern, gibt es nicht.
    Leute: immer nur mit dem Finger auf den bösen ADAC bzw. „das kleinere Übel“ die Grünen etc. zu zeigen ändert nichts! Politik ändert sich durch Einmischung. Leider mischen sich zu wenig Radfahrer ein. Das sollte sich ändern. Dann haben auch wir Radfahrer eine Lobby.
    Ein Beispiel? Geht mal zu einer Bezirksgruppe des ADFC (alternativ VCD, die Grünen, diverse Umweltverbände etc. pp.) und zählt die aktiven ehrenamtlichen Mitarbeiter. Und setzt diese Zahlen in Verbindung mit der Anzahl der Radfahrer in dieser Stadt. Oder mit der Zahl der „fleißigen“ Kommentatoren auf dieser Seite.

    @berlinradler: schau dir mal das an http://www.gruene-fraktion-berlin.de/cms/default/dok/342/342505.sicher_im_sattel_auf_dem_weg_zur_fahrrad.html
    Vielleicht auch für Diejenigen interessant, die sich ihre Meinung über die Grünen nur aus Publicity-wirksamen Schlagzeilen („3-Liter-Partei“) bilden.
    Ach ja: ich bin KEIN Mitglied der Grünen, das ist also keine (Wahl-)Werbung.

  15. @BikeBloggerBerlin, das PDF ist mir natürlich bekannt, es wurde ja vor einigen Monaten hier diskutiert.

    Im übrigen finde ich, dass Fahrrad-Communities im Netz, und mit ihr die teilnehmenden „Meckerer“, eine wichtige Funktion haben. Als erste Stufe eines politischen Prozesses müssen sich ja erstmal Gruppen „einer Meinung“ finden. Persönlich habe ich aus der Möglichkeit der Vernetzung viele Informationen gezogen. Nicht zuletzt finde ich das Gefühl hilfreich, dass auch andere Menschen sich durch die autokonzentrierte Stadtplanung benachteiligt, gefährdet und belästigt fühlen.

    Die Grünen positionieren sich offen und wiederholt als „3-Liter-Partei“, dies zu kritisieren halte ich für richtig. Selbst wenn es irgendwann nachhaltige Kfz geben sollte, bleibt ja immer noch die dadurch eingeschränkte Lebensqualität und das Unfallrisiko. Sinnvoller wäre wohl eine Positionierung in Richtung Komfortsteigerung für Nicht-Auto-Nutzer. Das muss nicht in Richtung Auto-Verbot gehen (mit so einer Positionierung würden die Grünen keine Stimmen erhalten), sondern in Richtung Kompromissfindung. Derzeit ist es vielfach so, dass das Auto als komfortabler und sicherer angesehen wird – kein Wunder, wenn die Kompromisse zu Lasten aller anderen gehen!

  16. Was haben den die Grünen in acht Jahren Regierungszeit für die Radfahrer getan, oder genauer genauer gefragt, was wurde Verkehrspolitisch getan? Bis auf die Ökosteuer, die sicherlich einen richtigen Schritt in darstellt, so ziemlich gar nichts.

    Von der früheren eigenen 5 Mark/l Forderung sind sie auch Meilenweit entfernt. Als jemand der zur Zeit in Schönberg wohne, muss ich leider immer wieder feststellen, dass das Klischee der Grünen wählenden Ökomutti mit 13l SUV leider nicht so weit von der Realität entfernt ist.

    Was ich mir politisch wünsche:
    * Modernisierung der Beleuchtungsvorschriften, weg mit der sinnlosen Watt-Regelung, Weg vom generellen Akkulicht Verbot (schlechte Dynamobeleuchtung geht öfter und plötzlicher kaputt als Akkulicht)

    * Weg mit der Radwegbenutzungspflicht. Und dies auch Öffentlich machen, so dass es selbst der letzte Autofahrer weiß.

    * Rückgängig machen des erhöhten Bußgeldes für Radfahrer. Der Unterschied im Gefährdungspotential zwischen Auto und Rad ist so riesig, dass ich den jetzige Verhältnis zwischen den Strafen für Rad und Autofahrer für ungerecht halte.

    * Mehr Tempo 30.

    * Mehr Blitzer

    * Keine grünen Wellen die ein Tempo von 65 km/h benötigen.

    * Richtige Radpolizisten. Einfach damit auch die mal einen Einblick ins Radlerleben kriegen. Ausserdem find ich es komisch, wenn durch die Parks immer Polizeiautos fahren.

    * Ich weiß zwar nicht wie, aber bitte zumindest versuchen irgendwas gegen Rad-Diebstahl zu unternehmen.

    Ein paar Punkte auf dieser Liste sind wirklich problemlos umzusetzen, falls eine Partei wirklich daran Interesse hätte. Die Grünen schienen in achte Jahren jedenfalls keine lust drauf zu haben. Dafür wollen sie jetzt Elektroräder fördern…

  17. @ berlinradler „Im übrigen finde ich, dass Fahrrad-Communities im Netz, und mit ihr die teilnehmenden “Meckerer”, eine wichtige Funktion haben. Als erste Stufe eines politischen Prozesses müssen sich ja erstmal Gruppen “einer Meinung” finden. Persönlich habe ich aus der Möglichkeit der Vernetzung viele Informationen gezogen. Nicht zuletzt finde ich das Gefühl hilfreich, dass auch andere Menschen sich durch die autokonzentrierte Stadtplanung benachteiligt, gefährdet und belästigt fühlen.“

    Leider bleibt es da allzu oft beim Meinung-bilden. Mit der Meinung rennt man dann rum und beklagt sich bei anderen meinungs-ähnlichen und alle sind sich dann einig, „dass sich das ändern müsste“. Eine Möglichkeit etwas konkreterer Arbeit ist z.B. die Teilnahme an den Sitzungen im Verkehrsausschuss des jeweiligen Bezirks. Da kann jeder interessierte Bürger Anregungen loswerden und auch mal sehen, welche – vorgeschobenen und wirklichen – Zwänge so im Bezirk herrschen. Ich mach das seit über einem Jahr und ausser mir ist seltenst jemand da. Kostet eben Zeit – einmal im Monat. Die hängt man aber auch oft in Foren und Blogs herum 😉

  18. @ Till: „Dafür wollen sie jetzt Elektroräder fördern“ Die wollen das nicht fördern, sondern die Bedingungen mal abklopfen, die diese vorhandene Entwicklung erfordert. Da sind sie derzeit die einzigen, die anderen verstehen unter Elektromobilität nämlich ganz offiziell Elektro-AUTOS.

  19. Ich bin ja Persönlich für den Begriff Elektromofa, das wäre wenigstens ehrlich.

  20. @ Till: Warum nicht? Dann wird der Boom eben Elektromofa-Boom heißen. Dass sie Elektrofahrräder heißen hat damit zu tun, dass sie fast wie ein Fahrrad aussehen und sich auch fast so fahren lassen. Trifft auf klassische Mofas nicht so recht zu. Das hat sich die Elektromofahrrad-Branche zunutze gemacht, denn Fahrräder haben inzwischen einen guten Ruf, klassische Stinke-Mofas nicht. Nenns wie du willst, die Dinger sind gekommen, um zu bleiben. Gut, wenn man überlegt, was das für Folgen haben wird und wie man damit umgeht.

  21. Michael: Wie du schon schreibst, die Brache nimmt halt den Ruf der Fahrräder mit. Klar ist die Verwandschaft zum Rad da, aber zumindest für mich ist der Selbstantrieb doch die definierende Eigenschaft eines Fahrrads. Und sich trotz giftiger und energieaufwändig herzustellenden akkus den Ökoruf der Räder find ich halt bisschen verlogen.

    Ich glaube allerdings nicht, dass es in Deutschland zu einen solchen Boom kommen wird. Autofahrer wird man damit nicht locken können, gegenüber einen normalen Mofa gibt es keine Vorteile (Warum ist eigentlich der Ruf von Mofas so schlecht? Sind mir 10 mal lieber als nen Auto).
    Eventuell könnte man mit E-Bikes welche von ÖPNV locken, zumindest im Sommer. Aber grade in Berlin ist wohl schlechtes Wetter der grösste Bremser der Radverkehrs, egal ob motorisiert oder nicht :).
    Solange die Akku Problematik bei den Dingern nicht besser wird (ich bezweifle das sich da noch viel tun wird), werden die sich auch nicht durchsetzen. Wobei jeder ein E-Bike fährt, wird zumindest die alltäglichen Probleme eines Radfahrers erfahren, daher sind E-Bikes wohl wohl wirklich das falsche Schlachtfeld. Und wenn es dadurch weniger Autos gibt, warum nicht?

  22. Ist nicht der Primärressourcenverbrauch eines elektrisch unterstützten Fahrrads wesentlich besser als der eines herkömmlichen Mofas? Die ziehen immerhin um die 3 Liter auf 100 km. Das sind umgerechnet ca. 27 kWh.

    Auch wenn der Wirkungsgrad selbst mit Akku höher ist – ein Elektrorad wird nicht mal in diese Größenordnung kommen.

    Das ist in meinen Augen ein Vorteil gegenüber dem Mofa.

  23. Der wesentliche Grund für den hohen Spritverbrauch von Mofas und Motorrollern ist die völlig veralterte Motorentechnik, die da verwendet wird. Mit heutiger Technik könnte man durchaus wesentlich sparsamere Mofas und Motorroller bauen. Aufgrund der geringen Stückzahl bei Mofas, dem Verbot einer Gangschaltung, der Begrenzung von Hubraum statt Motorleistung und der Geiz-ist-Geil-Mentalität der Kunden (insbesondere bei Chinarollern) lohnt sich das aber im Moment nicht. Der entscheidende Vorteil von Verbrennermotoren ist eben das unproblematische und schnelle Nachtanken sowie die hohe Energiedichte des Benzins (im Vergleich zu Akkus).

    Die Akkutechnik wird sich auf jeden Fall noch deutlich weiterentwickeln. In der Forschung gibt es noch eine ganze Menge an Verbesserungen, die noch getestet und auf die Massenproduktion übertragen werden müssen. Da wird sich die Energiedichte und insbesondere die Lebensdauer der Akkus noch deutlich verbessern. Außerdem besteht natürlich die Hoffnung, dass die Preise für Akkus durch die steigende Nachfrage mit der Einführung von Elektroautos drastisch sinken. Insgesamt kann man wohl davon ausgehen, dass die Akkutechnik zumindest für die im Stadtverkehr üblichen Strecken in den nächsten Jahren kein großes Problem mehr darstellt und die Akkus deutlich günstiger werden.

    Problematisch ist meiner Meinung nach eher die starre Begrenzung auf 25 km/h, so dass der Elektroantrieb für halbwegs trainierte Fahrer nur unnötigen Ballast darstellt. Vielleicht sollte man eine neue Fahrzeugklasse schaffen, bei der nur die Leistung und nicht die Geschwindigkeit begrenzt ist (vielleicht maximal 250-500 Watt) und auch ein selbst umgerüstetes Fahrrad ohne viel bürokratischen Aufwand zugelassen werden kann.

  24. Richtung Westen fahrend, gegen die tiefstehende Herbst-Sonne. Okay, die Ampel wird der Autofahrer einfach nicht gesehen haben; aber wie wäre es denn mal mit angepasster Fahrweise. Und egal wie sehr die Sonne blendet, eine Frau auf dem Fahrrad sieht man allemal, wenn man nur guckt.

  25. @Jakob, die von Dir angesprochene Fahrzeugklasse der ungedrosselten elektrischen „Fahrräder“ gibt es doch. Die sieht man oft, haben ein Versicherungskennzeichen. Den bürokratischen Aufwand kann ich nicht einschätzen.

    @Linda, mein Reden 😉 Fehler macht jeder – aber bei geringen Geschwindigkeiten stellen diese zumindest kein Risiko für Leib und Leben dar.

  26. Hallo zusammen!

    Viele gute Beiträge, ausufernde und aber gute Diskussion, vieles von Berlin_Radler, Till und Michael S. möchte ich sofort unterschreiben. Gute und wichtige Überlegungen. Mich treibt folgendes Problem um:

    Auf einen etwaig tödlichen Unfall kommen ja -zig Gefährdungen durch Autofahrer, unnötige, teils sogar offensichtlich absichtliche. Kleine Auswahl der letzten 10 Tage (bin Vielradler):

    Kantstraße schnitt mich ein fast schleudernd rasender Mercedes CLK und mein Handy fiel bei dem Ausweichmanöver aus der Jackentasche.

    Grunewaldstraße Schöneberg rasselte ich fast auf einen Minitransporter der scheinbar gezielt dreimal grundlose Vollbremsungen hinlegte um sich an einer A-Klasse Fahrerin hinter sich zu „rächen“ und einen Aufahrunfall zu provozieren – ich war halt dummerweise auch noch da.

    Gestern Schloßstraße Steglitz hupt ein getunter und vorher schon durch aggressiven Fahrstil aufgefallener Mercedes SL mich von hinten an und fährt mit heulendem Motor dicht auf, will mich beiseite drängeln (wohin? Habe ich kein Recht zu fahren?). Es folgt ein viel zu knappes Überholmanöver mit quietschenden Reifen.

    Gut, wenn man Nerven wie Stahlseile hat.

    In der Regel kann man jeden dieser blöden Vorfälle einzeln der Internetwache der Polizei als Gefährdung im Straßenverkehr melden, mit Kennzeichen, Ort und Zeit. Die bedanken sich für den Hinweis.

    Und das war’s.

    Andere, konstruktivere Ideen?

    (Ansprechen der Autofahrer meist wegen a) Weggerast sein oder b) Gewalt-Androhung von deren Seite nicht sehr fruchtbar … )

    Liebe Grüsse! Joshua

  27. … vielleicht noch ein erklärendes posting, auch wenn es alles recht lang wird. Warum Polizei? Warum melden? Warum überhaupt Hauptstrassen fahren?

    Ich habe 2000 das Autofahren beendet. Nicht aus finanziellen Erwägungen. Sondern: Umweltbewusstsein, genervt über Parkplatzsuche und Stau, Spass an Bewegung beim Radfahren. Letzteres seit nun 10 Jahren zunehmend wichtiges Argument, das Rad passt in mein Leben, der Alltag ist prima zu machen, sogar über den Winter.

    Ich hatte 9 gute Radjahre bis März 2009, mit nur wenig Schaden, wenn, dann eher technische Probleme. In 2009 nahm mir ein Diplomaten-Mercedes die Vorfahrt – Resultat 9 Knochenbrüche an den Armen, lange Krankenhaus. Fahrerflucht. Hatte Verdienstausfall, lange Behandlungen, habe noch leichte bleibende Schäden. Polizei wenig energisch bei Aufklärung, versandete dann (trotz Rechtsanwalthilfe).

    Seitdem zum Glück wieder gut in den Sattel gekommen, sehe aber alltägliche Gefährdungen weniger als witzig an. Außerdem vor wenigen Wochen Kollegin als Fußgängerin von schleuderndem Auto am Innsbrucker Platz getötet.

    Machte dann letzten Winter „Erfahrungen“ mit rücksichtslosen Engüberholern, ein schleudernder Depp Unter den Linden hätte mich fast wegradiert, war sehr knapp. Danach zu Hause: Zittern, Wut, Ohnmacht, Internet. Polizei, Internetwache? Ich fand die Möglichkeit gut (auch wenn es einen selbst stört und an Blockwart-Mentalität erinnert), dass man das erlebte als „Meldung“ (nicht Anzeige) erst mal loswerden kann.

    Natürlich bin ich mir bewusst: Wir Radler, ohne Kennzeichen, haben den Vorteil der Anonymität. Andererseits gefährden die Blechkisten ungleich viel mehr (abgesehen von Spinner-Radlern, die auf Gehwegen Senioren umfahren).

    Nun, zurück zu „Unter den Linden“ – Resultat: Aufgrund meines Hinweises und aber auch vieler anderer wurde eine Raserfahrt mit Mietwagen inkl. etlicher Verstösse nachvollzogen, ermittelt. Ich wurde dazu noch angeschrieben, weitere Zeugenschaft entfiel aber. Die POL fand grundsätzlich gut, dass solche Sachen auch gemeldet werden – was wiederum wir Radler viel zu selten machen wie ich finde.

    Warum große Straßen trotz schlechter Erfahrungen? Frage ich mich jeden Tag. Fahre allerdings mal 40, mal 50km, lange Achsen, da helfen auch die Empfehlungen von bbbike.de nicht immer. Bzw. es verquast das Denken sich durch ständig neue Nebenstraßen zu fummeln, bräuchte man fast ein Navi.

    In der letzten Zeit war ch teilweise so genervt vom Radlerdasein, aber nur wegen der Autos, dass ich selbst nach einem Auto schaute, das erste mal seit 10 Jahren. Dinger sind ja in der Krise spotbillig (in Anschafung, nicht Unterhalt), vernünftige Golf III oder Astras für 300 bis 500€ mit TÜV, einer in Mitte wollte seinen Golf mit 1J TÜV plus Restbenzin, fahrbereit, verschenken!! Habe dann aber doch das Rad mal wieder liebevoll gepflegt.

    Was meint ihr zu dem Thema? Es würde mich sehr interessieren!

    Danke für Antworten!

    Joshua

  28. @ Joshua: Ich kann das meiste voll unterschreiben. Im Prinzip sind es nur wenige Idioten, die als Autofahrer bewußt gefährden und die den Puls bei den Gefährdeten hochjagen. Entweder ist es denen wirklich scheißegal, oder sie sind zu doof zu kapieren, was sie da machen (läuft beides unter Idiot, ein eigentlich ein prima Wort, dass es so unterschiedliche Haltungen abdecken kann). Immerhin sind die bei einer bewußten Gefährdung voll auf das Gefährden konzentriert. Mordabsichten bestehen seltenst, Terror ist das eigentliche Ziel. Die kann man vielleicht vereinzelt auch durch Meldungen/Anzeigen usw. erreichen. Auf Dauer gefährlicher ist das ganz normale Verhalten, so wie bei den vielen ganz normalen Rechtsabbiegeunfällen oder dem ganz normalen Tür öffnen. Da reicht es auch schon, wenn man mal die Kindersicherung rausgenommen hat, und der/die Kleine die Tür hinten aufreißt. Ist keine böse Absicht aber normale Folge der Autobenutzung. Einen Tacken schärfer sind dann die ganz normalen Bequemlichkeiten, die bewußt erfolgen, aber trotzdem keine Tötungsabsicht darstellen. Z.B. eine Ecke zuparken…. äh nein, ist ja nur halten … während man schnell mal in den Eckladen huscht. Da können ruhig zwei Kinder hinten drin sitzen, während draussen ein Kind die Straße überqueren will und den Verkehr nicht mehr einsehen kann. Elternsein schützt vor Kindergefährdung nicht. Ist ja nur für eine Minute (bis zum nächsten, der hier kurz anhält). Oder auch auf dem Radstreifen stehen, um mal ein Handygespräch anzunehmen (ist sonst zu gefährlich, beim Weiterfahren wäre man ja so unkonzentriert). Ich will damit sagen, auch mit normalerweise rücksichtsvollen Menschen als Fahrern ist ein Auto eine Gefahr. Das sehen ja auch die Gerichte so. Ist dann eben ein Unfall. Konnte man nix machen. War unvermeidbar. Fußgänger/Radfahrer leider tot. Mein Beileid. Kommt vor. Der Verkehr ist ja leider so schrecklich gefährlich. Ohne Reduzierung der Geschwindigkeiten auf allen Straßen ausser Autobahnen wird sich da nichts gravierend ändern. Auf den Autobahnen ist mir die Geschwindigkeit egal, soweit es den Gefährdungsaspekt angeht; ist ein Konflikt gleichgestellter Verkehrsteilnehmer.

  29. Das hier oft geforderte Tempolimit wäre unnötig, wenn die Polizei die bestehenden Tempolimits streng kontrollieren und Verstösse konsequent ahnden würde. Genauso streng sollte gene die Wildparker vorgegangen werden, die das Parken des Autos als Akt der kreativen Selbstverwirklichung jenseits aller Verkehrsregeln sehen.

    Wir brauchen keine neuen Regeln, wir brauchen leider mehr Kontrollen.

  30. Joshua, mein Mitgefühl ist Dir sicher. Ich kann es gut nachvollziehen, denn mir geht es oft ähnlich (zum Glück bisher ohne Unfall). Oft fahre ich Autofahrern hinterher und versuche sie ins Gespräch zu verwickeln. Hinterher wird mir meist klar, dass es einfach unrealistisch ist, die Autofahrerschaft des Rhein-Main-Gebiets umzuerziehen. Also, der Spaß am Radfahren leidet schon unter solchen Erlebnissen. Tröstlich ist zum einen, das aus meiner Sicht über 95% der Autofahrer ok fahren und einen „nur“ fahrlässig gefährden. Dagegen kann man sich aber schützen, wenn man die Gefahren kennt (Abstand von parkenden Autos, Radwege meiden etc.). Ansonsten nehme ich teilweise schon mal einen Umweg in Kauf, um ruhigere Wege zu finden. Navi ist doch gar keine so schlechte Idee, nur ein bisschen teuer. Wenn ich einen befahrenen und alternativlosen Arbeitsweg hätte, würde ich eventuell eine Kamera (z.B. Ciclo Cam) einsetzen, um den Anzeigen mehr Nachdruck zu verleihen. Was für mich jedenfalls nicht in Frage kommt: Nicht mehr oder weniger Radfahren!

  31. ENDLICH: Radspuren auf der Dudenstraße!!!

    Das gehört hier kaum, oder bedingt, zum Thema, ich muss die die gute Nachricht aber unter die Leute bringen: Auf der Dudenstraße gibt es nun endlich Radspuren. Bin da gestern (mit dem Auto!!! 🙂 entlanggefahren und habe ich wirklich gefreut. Ich bin die Strecke eine ganze Weile täglich gefahren und fand das immer sehr anstrengend. Meine regelmäßigen Wege vom Mehringdamm zum Südkreuz werden jetzt auch weniger angespannt. Die Radspuren retten zwar selten Leben, weil die tödlichen Unfälle meist an Kreuzungen geschehen, aber sie machen das Fahren doch sehr viel komfortabler.

  32. Joshua, auf deinen letzten Absatz will ich auch noch eingehen. Mich hat das viele Radfahren (seit 18 Jahren täglich) mit der Zeit auch zermürbt, habe viel Ärger über die desolate Sicherheitslage der Radfahrer empfunden. Ich fahre aber immer noch liebend gern, schon deshalb, weil es mir körperlich sehr gut tut. Ob es mir seelisch inzwischen eventuell mehr schadet als als gut tut, weiß ich nicht. Möglich wäre es. Hat lange gedauert, mir das einzugestehen. Ich bin seit 3 Monaten glücklicher Vater einer kleinen Tochter. Seit sechs Wochen sind wir zu dritt viel unterwegs, halt immer mit den Öffentlichen, weil die Kleine ja noch nicht mit auf’s Rad kann. Und meine Erfahrungen mit den Öffentlichen sind da nicht so rosig. Wir standen dutzende Male an lauten Straßen und haben Ewigkeiten auf Busse gewartet, weil die ausgefallen sind. In den S-Bahnen ist es laut, an den Hauptstraßen setzt man seine Kinder einem Höllenlärm aus. Wir waren jetzt so genervt und besorgt um die Gesundheit unserer Tochter, dass wir entschieden haben, sie die nächsten 12-24 Monate nicht mehr diesem Lärm auszusetzen. Nun haben wir ein kleines verbrauchsarmes Auto für 1000€ erworben. Dieses ganze System ist total irre. Um unsere Tochetr vor dem Lärm der Stadt zu schützen, kaufen wir ein Auto und produzieren so noch mehr Lärm. Wir sind aber nicht bereit, die Gesundheit der Kleinen einer Ideologie zu opfern und wir haben, sofern wir mobil bleiben wollen, keine andere Möglichkeit gesehen.

  33. Hallo zusammen!

    Michael S., ozelot, Oli – Danke für Antworten und Mitgefühl, ich fand sehr gut was ihr schreibt, ihr habt mich verstanden.

    Dudenstraße Radspur: Super – genau so was muss passieren. Kind und Auto: eben, mir klar, gut verständlich, irre Welt.

    Zu dem Komplex Polizei, Raser, Radwegparker will ich kurz ausholen. Verzeiht, aber es scheint mir wichtig. Kurz biographisch und in hauruck-Manier: Bin Ex-Hausbesetzer und jetzt beruflich Rettungsstellen-Mediziner / Notarzt, habe daher Polizei einmal sehr negativ empfunden, arbeite aber zur Zeit viel mit der Polizei zusammen, beruflich, mit eher positivem Eindruck.

    Natürlich gibt es bei der POL wie in allen Behörden mal faule und desinteressierte Leute. Aber das scheint viel weniger das Problem zu sein als Überarbeitung und Desillusionierung. Für das wenige Geld (und nur die berufliche Sicherheit) haben immer weniger Menschen Lust ihren Kopf herzuhalten. Man ist als Uniformträger auch immer Zielscheibe, und sei es „nur“ körperlicher, unbewaffneter Gewalt oder verbaler Anwürfe. Als Arzt hatte ich in Krisensituationen oft den Vorteil der (derweil noch) hohen gesellschaftlichen Anerkennung (ich will nicht auf die meiner Meinung nach erbärmliche Debatte in meinem Berufsstand über angeblich veramende Ärzte hinaus – das ist Quatsch, vergesst es!).

    Zurück zur POL. Ich hatte immer diesen blöden Zweispalt: Gefährdungen anzeigen und/oder melden und sich hinterher schlecht fühlen („typisch Deutsch, Blockwart-mässig“) oder aber kneifen und Ärger in sich reinfressen („so ändert sich ja ooch nüscht“). Mein derzeitiger Kompromiss sieht so aus (und ich würde das gerne mal zur Diskussion stellen):

    Ich habe die Nummern der Ordnungsämter der Bezirke die ich oft durchfahre im Handy, da rufe ich dann mit meiner flatrate auch mal schnell an und melde Radweg- und Gehwegparker, aber nur, wenn schlimm verkehrsgefährdend (Auf- und Abfahrten in den fliessenden Verkehr, neulich am S Südkreuz sah ich eine komplette Familie mit Kleinkindern auf der Straße laufend, weil der Gehweg komplett zugeparkt war!). Meine Meldung ist dann kurz, meist ist ein freundlicher Mensch dran, selten mailbox. Die sagen dann immer dass viel zu tun, aber freuen sich über Hinweise und bei abgeschätzter Gefährdung fahren sie auch mal sofort hin. Ich mache das unter anderem, weil ich die Nase so dermaßen voll habe: Ich stelle doch mein Rad auch nicht einfach auf die Fahrbahn! Und, das wißt ihr ja auch, die Leute parken teils schmerzfrei direkt neben einer legalen Parklücke falsch, zu faul zum Lenkradkurbeln oder einfach dumm oder schlecht erzogen. Leider, so denke ich, müssen wir Radfahrer dann doch mal erzieherisch reagieren. Diskussionen sind leider eher sinnlos meiner Meinung nach, selten gibt’s mal nette Leute, meist folgt der undifferenzierte Generalvorwurf der Gesetzesuntreue ggü. uns Radfahrern.

    Bezüglich der Gefährdungen schreibe ich in der Tat so alle paar Monate oder wenn es sich eben mal häuft der POL per Internet, „Internetwache – Bundesland – dann aber „Hinweis / Meldung“ und nicht gleich Anzeige. Den Effekt hatte ich schon mal beschrieben: Wiederholungstäter werden über das Kennzeichen ersichtlich und die POL verstärkt dann die Ermittlungen. Gestern hatte ich eine sehr nette Replik im mail account von einem Polizeihauptkommissar zu den obig im letzten posting von mir geschilderten erlebten Gefährdungen. Der sprach mir Mitgefühl und Verständnis aus, sein Puls gehe hoch wenn er so was lese, wohl wissend, dass dennoch Alltag in Berlin. Auf meine Frage nach: „Wie denn nun Verhalten, um mal die Dinge zu ändern“, ludt er mich kurzerhand für die nächste Woche zu einem Gespräch ein. Ich kann dann gerne berichten, wenn’s interessiert.

    Summa: Ich denke, passiv bleiben oder immer nur auf der unkonkreten politischen Ebene (ADFC, die Grüne, mal eine Raddemo, oder auch critical mass – was ich ja sehr gut finde), das allein reicht nicht mehr, und man darf / sollte vielleicht mit seinem persönlichen Ärger, der Wut und auch mit der empfundenen Angst mal persönlicher umgehen.

    Was meint ihr? Bin ich nun zum Blockwart mutiert? Sollte ich das lieber sein lassen?

    Noch anekdotisch zur POL: Ihr könnt ja mal den Polizeiticker Berlin im Netz lesen, was hier so jeden Tag los ist in der Stadt an: Raub, roher Gewalt, Bedrohung, Zähneausschlagen für Brieftasche, Knochen brechen – die Stadt ist nicht mehr so peacig wie zu Zeiten der Alliierten, Achtziger Jahre, als die military police in Vielem die Hand drauf hatte, Schusswaffen und Reizgas kaum nennenswert im Umlauf. Da waren noch einige Küchenmesserklingen nach Gesetz illegal.

    Neulich war ich mit einem Polizisten bei einem Einsatz im Gespräch (wir waren bei einem Familienstreit, rohe Gewalt, psychisch ausgetickter Mensch mit aber auch Vorerkrankungen, unklar wie schuldfähig – ich bin kein Psychiater …), da sagte der Polizist zu mir: der Vorgesetzte habe darum gebeten auch bei roher Gewalt u.s.f. die Zahl der Verhaftungen im Abschnitt deutlich zurückzuschrauben (!), die Kosten für Unterbringung (Knast) und schlicht die Kapazität würden problematisch werden.

    Da habe ich ganz schön geschluckt.

    Habt’s gut, Danke für Verständnis, dass ich den thread so dermaßen in eigener Sache zweckentfremde, aber s’ist mir wichtig und ich denke / hoffe auch von allgemeinem Interesse.

    Liebe Grüsse, ein schönes Wochenende! Joshua

  34. P.S.: Gestern Skalitzer- Ecke Oranienstraße: schleuderndes Auto erwischt auf dem Bürgersteig vier Passanten, zwei davon mit Knochenbrüchen schwerverletzt, die „Helden“ aus dem wohl zu schnell gefahrenen 5er BMW touring sind abgehauen ohne sich um die Opfer oder Unfallfolgen zu kümmern. Braucht man alles nicht mehr kommentieren …

    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/314810/index.html

  35. @Joshua, Du stellst ja ganz offen die Frage, ob Dein Verhalten dem eines Blockwarts gleicht. Nun habe ich dieses Feindbild nicht wirklich, insofern stört mich jemand, der bei der Polizei oder dem Ordnungsamt anruft, nicht. Ist ja auch deren Arbeit, sich um sowas zu kümmern. Die Polizei provoziert m.E. durch einseitige Pressemeldungen das Verlangen, die andere Seite aus dem Alltag darzustellen.

    Ich denke, das hängt auch von der Mentalität und Lebensphilosophie ab. Oftmals etwas esoterisch vermittelt, aber meines Erachtens dennoch zutreffend ist die Erkenntnis, dass ein negatives Weltbild dazu führt, dass einem selbst „mehr“ negatives widerfährt als anderen. Diese Theorie wird von manchen so weit geführt, dass jemandem, der keine negativen Gedanken hat, nichts schlechtes widerfährt. Ich kann das nicht einschätzen, da ich nicht glaube, dass es solche Menschen gibt. An mir persönlich versuche ich aber zumindest zu feilen – und mich zumindest nicht über unwichtiges aufzuregen.

    Das ist im Straßenverkehr oft schwierig, weil jedes Verhalten mit Gefährdungspotenzial – und das ist ja eher die Regel als die Ausnahme – zu Recht als wichtig wahrgenommen wird. Worüber man seiner eigenen Zufriedenheit zuliebe versuchen sollte hinwegzusehen, sind „Kleinigkeiten“ wie bei Rot laufende Fußgänger oder auf Radstreifen parkende Fahrzeuge. Wenn man sich darüber täglich aufregt, kann man meines Erachtens kein glückliches Leben führen.

    Versteh das nicht als Rat von mir, so etwas steht mir gar nicht zu. Ich habe ein wenig versucht, meine Lebensphilosophie zu beschreiben. Vom Optimum bin ich selbst weit entfernt, rege mich natürlich auch oft mal auf.

    Ich war in den letzten Monaten vergleichsweise wenig geradelt, jetzt habe ich einen neuen Arbeitsort und fahre wieder mehr. Es macht Spaß, aber es gibt eben auch diese besagten Situationen. Die Standardsituationen kann man meistens gut vorhersehen und ihnen ausweichen. Manchmal erschrecke ich selbst, wie viel Dummheit ich den Leuten zutraue und in welchen Situationen meine Hand an die Bremse geht. Die Situationen, in denen jemand völlig überraschend und unüblich handelt, hatte ich auch wieder öfter, und davor habe ich richtig Angst! Manches KANN man nicht vorhersehen.

    So bleibt immer ein mulmiges Gefühl, ob es eine gute Idee ist, weitgehend jeden Tag zur Arbeit zu Radeln. Mir wärs nach wie vor am liebsten, weitgehend autofreie Routen durch die Stadt zu haben, denn keine andere Verkehrsteilnehmergruppe geht so regelmäßig dreist Gefahren für mich ein. Die Unfallstatistiken zeigens ja auch, die meisten Unfälle mit Radfahrern passieren zwischen Rad und Pkw, Pkw-Fahrer sind dabei mit Abstand die Hauptverursacher.

    Neulich hatte ich wieder so ne ganz tolle Situation:

    Ich fahr in nördlicher Richtung in der Elsenstraße auf dem Radstreifen. Am S-Bahnhof Treptower Park gibt es eine Bushaltestelle auf dem Radstreifen. Radfahrer haben bei einem hier stehenden Bus optional die Möglichkeit, auf einen markierten Radweg über den Fußweg auszuweichen. Mach ich ungern, aber wenn man mit der grün gewordenen Ampel fährt, kann man den Bus nicht links überholen. Also flott über den kurzen markierten Bürgersteigradweg und vor dem Bus wieder auf den Radstreifen. Ging sehr flott, da die Bustüren noch nicht offen waren. Eine „Dame“ im Pkw kam im gleichen Augenblick auf die Idee, ihre Kollegin am S-Bahnhof abzusetzen. Also hinter dem Bus nach rechts auf den Radstreifen. Sie fuhr recht schnell und in steilem Winkel und bremste dann stark. Ich musste das auch. Sie hat gar nicht mitbekommen, dass sie gerade einen Radfahrer gefährdet hat, sondern ging davon aus, mich nur behindert zu haben. Also freundliches Winken und alles ist vergessen … aus ihrer Sicht. Ich kann ja verstehen, dass man jemanden bei der S-Bahn absetzen will und es einen extremen Mehraufwand verursacht, das regelkonform zu tun. Eigentlich ne Lappalie, mal 10 Sekunden anzuhalten und jemanden rauszulassen. Wenn aber jede gebotene Vorsicht mit dem Auto auf dem Radweg auch zu viel Mühe macht, habe ich gar kein Verständnis. Das System Auto passt nicht zum Menschen, der immer fehlbar ist. Es ist eine Zumutung, solche Erlebnisse bestärken mich darin.

  36. Hallo Berlin_Radler!

    Auf die Gefahr hin zu viel zu posten nun doch gleich eine Replik an Dich: Full ACK!

    Und: Du hast eine prma Art zu schreiben, zu formulieren, ich kann mich sehr gut eindenken und einfühlen, ziehe zudem den Hut vor Differenziertheit und – mal deutschlehrerisch angefügt – Satzbau. Liest man in der Art selten heutzutage, und dafür umso lieber. Klasse! Inhaltlich komplett d’accord.

    Übrigens rufe ich nur bei etwa einem von geschätzt 500 Radweg-Radikalzuparkern an, und ich ignoriere auch geflissentlich 199 von 200 Dämlichkeiten der Automobilisten. Die Distanzen mit teils 40 bis 60km am Tage (wenn es mal mehr sind) bringen halt so Häufungen mit sich, freilich auch abhängig von der Route. Zudem ist der seelische Haushalt teils unausgeglichen. Das war beispielsweise eine Zeit lang so, nachdem am 25.8. meine Kollegin Tina am Innsbrucker Platz von einem 3er BMW Raser auf dem Gehweg getroffen und zermatscht wurde (tot). Derlei üble Sachen haben sich bei mir privat und beruflich in eigentümlicher Weise gehäuft seit 2008, und ich beanspruche für mich, dass nicht primär eine negative Einstellung oder ein anderes Persönlichkeitsmerkmal von mir diese Dinge angezogen haben.

    Aber man wird halt auch älter und nachdenklicher. Und dennoch ist da zugegebenermaßen auch immer wieder echte Aggression im Spiel. Oder um es deutlicher zu sagen: So wie ich mir auf der Havel als Segler gelegentlich ein Torpedorohr gegen die Motorbootraser wünsche, so hätte ich manches Mal gerne eine Bazooka am Lenker gegen …

    Aber, keine Sorge, ich bin und bleibe ein verträglicher Mensch mit auch Humor.

    Das „innere Erschrecken“ kam halt neulich noch mal ganz anders, als ich mich selbst beim Studium von Autoverkaufs-Anzeigen bei kijiji.de erwischte und dachte: „So weit biste schon, hast kapituliert“. Dann folgten ein paar Tage mit an -zig Staus vorbeiradeln plus forcierter gedanklicher Parkplatzsuche entlang meiner üblichen Routen (diese fiel sehr negativ aus), und ich musste danach noch nicht mal Benzinkosten erwägen um von dem Autokaufgedanken sofort wieder Abstand zu nehmen. Mit Kindern fällt die Bilanz natürlich schnell auch mal anders aus, wie oben gut geschildert.

    Hab’s gut, LG! Joshua

  37. Und @ozelot, ich bin der Überzeugung, dass 50 km/h zu viel in einer Stadt mit so vielen „weichen Zielen“ zu viel sind. Der Mensch ist fehlerhaft, das stimmt. Das kann man durch Überwachung nur begrenzt ausmerzen. Vielmehr muss man die Fehlerhaftigkeit einrechnen und dafür sorgen, dass ihre Folgen nicht so schlimm sind. Radfahrer sind u.a. wegen ihrer geringen Geschwindigkeit stark unterrepräsentiert am Unfallgeschehen.

  38. @berlinradler: Ich finde, das maximal erlaubte Tempo sollte sich nach den Bedingungen richten. Ist ja auch schon so: An sehr vielen Stellen in Berlin ist tatsächlich max. 30 km/h erlaubt. Nur interessiert das keinen Autofahrer, da erstens sowieso keiner kontrolliert und zweitens erst ab 21 km/h Überschreitung ein nennenswertes Bußgeld fällig wird. Ein empfindliches Bußgeld ab dem ersten km/h und schärfere Kontrollen würden schon sehr viel helfen. So lange diese beiden Dinge nicht stattfinden ist es absolut sinnlos und auch fast schon populistisch, ein generelles Limit auf Tempo 30 zu fordern. 😉

    @Joshua: Ich bin sehr gespannt was Du von dem Gespräch berichtest. Ich fürchte aber, dass die Polizei im Rahmen ihrer Mittel nicht viel mehr tun kann.

    Ohne ein Umdenken in der Politik wird sich an der Lage nichts ändern, nicht am Budget der Polizei und schon gar nicht an der Verkehrsplanung. Ich wünsche mir, dass Verkehrsplanung ein Wahlkampfthema wird. Und, dass keiner vergisst welche Regierung uns die jetzige Situation beschert hat.

  39. @ozelot, ja mag sein dass „jeder“ zu schnell fährt. Insofern würden die echten Tempobeschränkungen vielleicht was bringen. Dennoch muss man ja eine positive Bilanz ziehen – seit Anfang der Neunziger sind die Totenzahlen in Berlin auf etwa 1/4 gesunken. Ich behaupte, dass das an den vielen Tempo-30-Zonen liegt, die nach und nach eingerichtet wurden. Zudem kann ich subjektiv sagen, dass in Tempo-30-Zonen langsamer gefahren wird und das Miteinander zwischen Kfz und Fahrrad entspannter ist.

    Politisch muss man wohl unterscheiden zwischen Bundes- und Landespolitik. Welche sprichst Du gerade an? In der Bundespolitik unterscheiden sich die Parteien verkehrspolitisch kaum, in der Landespolitik wüsste ich grad auch keinen konkret schuldigen für die jetzige Situation. Meines Erachtens hat sie sich historisch einfach so ergeben und wird heute (noch?) recht selten hinterfragt. Von den Verkehrsteilnehmern sowieso nicht, von der Politik auch nicht und leider nicht mal von denen, die beruflich damit zu tun haben.

  40. Hallo an alle,

    da ich jeden Tag mitbekomme wie Radfahrer sich im Strassenverkehr benehmen, dann muss man nicht immer den Autofahrer als Schuldigen sehen, sondern sich selber mal von aussen betrachten. Das ist die pure anarchie was da abgeht. Ich bin fur so eine Art blackbox für Fahrradfahrer und Autos. Was den Terror eindämmen würde sind auch Nummernschilder für Fahrradfahrer und noch mehr Kontrollen bei den Farradfahrern!
    Wie seht ihr das so?
    Gruss Andy

  41. Troll?

  42. Wie gut Nummernschilder funktionieren um den Straßenverkehr zu beruhigen sehen wir eben an diesem anarchischen Zustand. Unfallflucht schein überhand zu nehmen, die Sitten werden rauher, alles trotz Nummernschildern an Unfallverursacher #1.

    Ich persönlich wäre generell für mehr Verkehrskontrollen, aber da wo Ufallrelevantes Verhalten angesprochen/bestraft wird und nicht fehlende Reflektoren oder illegale Gehwegbenutzung mangels Alternative.

    Und wenn ich mich selbst von aussen betrachte im Straßenverkehr, dann wird es dennoch nicht besser wenn mir regelmäßig die Vorfahrt genommen wird, ich zu dicht überholt werde oder Leute abbiegen ohne zu gucken. Aber danke für den Versuch 7/10 ist meine wertung dafür.

  43. Blackbox ist nicht schlecht, beim Fahrrad aber nicht trivial. Eine gute Stromversorgung, wie sie z.B. für die Beleuchtung sinnvoll wäre, ist nicht vorgeschrieben. Dennoch hätte die Blackbox den positiven Effekt, dass die Geschwindigkeit der Unfallbeteiligten – oft überhöht – bekannt ist.

    Von jährlich ca. 120.000 Verkehrsunfällen auf Berliner Straßen werden ca. 4.000 von Radfahrern verursacht. Das spricht eher dafür, dass viele eine verzerrte Wahrnehmung haben und Verstöße durch Radfahrer strenger bewerten.

  44. Naja, ein Unfall, der von einem (potentiellen) ADAC-Mitglied und Kraftfahrzeugssteuerzahler verursacht wird, ist natürlich viel weniger schlimm als ein Unfall, der von einem idealistischen Weltverbesserer, der sich vor dem Steuernzahlen drückt, verursacht wird.

    Auch ist ja das mit der WirtschaFt! Arbeitsplätze, Deutschland, Export! (röchelspotz) Und überhaupt! Technologie.

    (wirres)

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