Pole Position fürs Fahrrad! Eine Aktion für Ampel-Halteflächen

Die österreichische Radlobby IG-Fahrrad machte Anfang des Monats in einer Aktion auf den Sicherheitsgewinn durch Vorgezogene Halteflächen für Radfahrer aufmerksam.

„Diese Markierungen, auch als „aufgeblasene Radstreifen“ oder englisch „Bike Boxes“ (watch this Movie!) bezeichnet, geben den Radfahrenden den nötigen Raum auf der Fahrbahn, während sie bei Rotphasen an der Ampel warten. Sie erhöhen ihre Sicherheit durch Sichtbarkeit und die Möglichkeit, vor dem stehenden KFZ zu starten und sich unbedrängt einordnen zu können. In vielen europäischen und US-amerikanischen Städten wird diese billige und unaufwändige Maßnahme flächendeckend eingesetzt, bedeutende Beispiele unter zahllosen sind London, Brüssel oder Portland, Oregon.“

ig-fahrrad-poleposition.jpg

Das Resume, das die Austriaaktivisten für Wien zogen, lässt sich ebenfalls auf Berlin übertragen: „Hier wäre schnelles Handeln im Interesse des Radverkehrs leicht möglich, der sprichwörtliche Kübel Farbe hilft dabei tatsächlich! Das Aufbringen von Fahrrad-Halteflächen in großer Zahl wäre ein deutlich sichtbares Signal der Stadt Wien für mehr Radverkehr.“

IG-Fahrrad: Pole Position fürs Fahrrad! Eine Aktion für Ampel-Halteflächen.

14 Gedanken zu „Pole Position fürs Fahrrad! Eine Aktion für Ampel-Halteflächen

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  1. Gute Idee! Warum machen wir nicht gleich die ganze Straße rot? Sieht doch gleich viel lustiger aus.

    Nene das bringt nüscht bei den sturen Autofahrerköppen. Die sehen da nur noch mehr rot. Gescheite Radstreifen auf der Fahrbahn würden mir schon reichen.

  2. ich denke schon das es etwas bringen kann. An der ampel vor dem LKW stehen und nicht ein paar zentimeter daneben (ich hab da einen Unfall im Kopf der durch die box evtl hätte vermieden werden können), und es ist superbillig. Am aufwändigsten daran ist wohl das bürokratische. bitte mal am Checkpoint Charlie einfach testen.

    schicke radstreifen sind natürlich auch wünschenswert, aber wie du siehst stehen die radler im Bild auf der straße, ist doch ein kleiner schritt hin zu deinem nick;)

  3. Mit einfach nur „rot anpinseln“ ist es nicht getan. Der Untergrund muss auf jeden Fall vorher deutlich aufgeraut werden, damit es nicht zu einer spiegelglatten Fläche kommt. Vom Stand der Technik her ist es durchaus möglich, solche rot markierten Aufstellflächen zu schaffen, auf denen bei Nässe kein „Glatteis-Effekt“ aufkommt. Leider gibt es viele Beispiele in Deutschland, wo einfach nur „billig“ gebaut bzw. gepinselt wurde. Da sind solche Konstrukte dann kontraproduktiv.

    Also: sollten sich Aktivisten für solche Aufstellflächen in Berlin einsetzen, bitte auf jeden Fall darauf achten, dass nicht nur Farbe auf die Straße gekippt wird, sondern eine Lösung nach Stand der Technik mit angerautem Untergrund realisiert wird.

  4. Diese Aufstellflächen sind einfach nur Unsinn.

    Wie soll man da in einer einzigen Radlänge sich mehrere Meter nach links versetzen? Und was passiert, wenn man sich da „Einsortiert“, während gleichzeitig die Ampel auf Grün geht?
    Und was passiert, wenn die Ampel dann regulär auf Grün geht? Wie kommt man dann wieder hypsch nacheinander auf den (wahrscheinlich erheblich schmaleren) Radfahrstreifen?

    Dinge die die Welt nicht braucht.

    Aber schön für Gutmenschen abzurechnen, weil man’s so schön sehen kann.

    Gruesse Chris

    PS: Radfahrstreifen sind keine Lösung:
    http://www.huebsch-gemacht.de/radwege/txt/radfahrstreifen.html

  5. @Chris: Man sollte fein säuberlich unterscheiden zwischen solchen aufgeblasenen Aufstellflächen und Radfahrstreifen. Es gibt die aufgeblasenen Aufstellflächen auch ganz ohne Radfahrstreifen – z.B. auf Straßen ohne jede Radverkehrsanlage, aber ansehnlichem Radverkehr, an Ampeln mit relativ langer Rotphase (und dann in ausreichender Dimensionierung). Da haben sie den Sinn, dass man mit dem Rad nicht in den Abgasen stehen muss und prima geradeaus oder nach links kommt, ohne von geradeausfahrenden/rechtsabbiegenen Autofahrern bedrängt zu werden.
    Dein Hinweis, mit _Radfahrstreifen_ werde nur die Pest durch Cholera ersetzt, trifft da nicht.
    Das Nachvornefahren, Einsortieren und Weiterfahren funktioniert auf jenen aufgeblasenen Aufstellflächen ganz gut. Nur Eines sollte man da als Radfahrer nicht tun: Beim Aufgrünspringen der Ampel sich an rechtsabbiegenden/rechtsblinkenden Autos nach vorne quetschen. Aber das betrifft dann eben nur 2 Sekunden von vielleicht 90 Umlaufzeit.

  6. Da kann ich Dietma Kettler voll zustimmen. Diese Aufstellflächen funktionieren in meiner westfälischen Heimat super gut. Der ganze Pulk Radfahrer fährt los und sortiert sich im Laufe der Kreuzung wieder.

  7. @Dietmar: Der Hinweis bezüglich der Radfahrstreifen ging an den ersten Schreiber, der nach gescheiten Radwegen rief.

    Ich geh aber gern mal auf dein Gedankenexperiment ein. Die Strasse hat also keinen Radfahrstreifen, aber ganz vorn vor der Kreuzung so eine Aufstellfläche. Ok.

    Szene 1: Ein Gemisch aus Radfahrern und Autos kommt auf der Fahrbahn in Richtung Ampel, diese geht auf Rot. Der erste ist ein Radfahrer. Also hält dieser (mit etwas Abstand zum Rand!) an.

    Soweit in Ordnung.

    Szene 2: Die Autos sortieren sich dahinter ein. Im Pulk waren noch ein paar mehr Radfahrer. Diese nutzen nun das Recht, rechts an der wartenden Schlange vorbei zu fahren.

    Nun meine Frage: Wo stellt sich der zweite und jeder weitere Radfahrer hin? Meine Vermutung: Links neben den ersten.
    Wie schafft er das auf einer Fläche, die nur wenig länger als ein Fahrrad selbst ist? Absteigen und Schieben?

    Szene 3: Die Aufstellfläche ist voll. Es kommt aber noch ein weiterer Radfahrer an. Er steigt ab und (mutmasslich) schiebt sein Rad vor dem ersten Auto entlang. Dann stellt er fest, dass da links ja gar kein Platz ist. Muss er jetzt wieder zurück oder wartet er quergestellt auf Grün?

    Szene 4: Ein paar Radfahrer stehen schon auf der Aufstellfläche, die Ampel ist schon eine Weile rot. Ein weiterer Radfahrer kommt an und sieht die Aufstellfläche. Er fährt nach vorn und überlegt, ob er noch absteigen und sich zur Seite durchdrängeln soll. Er setzt gerade an, da geht die Ampel auf grün. Alle Radfahrer in der „Pole“ fahren los. Die Autos geben Gas. Nur er steht quer zur Fahrtrichtung. Wie kommt er so schnell wie möglich wieder in Fahrtrichtung? Erstmal in die falsche Richtung losfahren und einen engen Kreis fahren? Oder Fahrrad anheben und in der Luft drehen?

    Szene 5: Der Pulk Radfahrer setzt sich in Bewegung. Die Autos kommen mittlerweile von hinten angefahren und wollen endlich vorbei. Alle Radfahrer müssen also in eine Reihe. (Zumindest in .de, keine Ahnung, ob das auch in .at so ist.)

    Fragen: Wo kommt welcher Radfahrer hin? Wer muss bremsen, wer muss wen reinlassen? Hat der ganz rechts fahrende das „Recht“ am Ende erster zu sein oder muss er den weiter links stehenden das Recht einräumen, vor ihm sich einzufädeln. Wie sieht es bei 6-7 Radfahrern aus, die alle unterschiedlich schnell anfahren und eine unterschiedliche schnelle Endgeschwindigkeit haben?

    Ende des Experimentes.

    Die Fragen könnt Ihr als rhetorisch betrachten.

    Mein Fazit aus diesem Experiment ist aber, dass eine Abstellfläche eine ganze Menge neuer Komplexität in das auch so schon regelstrzende Radfahrerdasein bringt. Diese Regeln alle fehlerfrei einzuhalten, erzeugt neuen Stress.

    Zudem wird hier eine Art Separierung vorgenommen, die wie so oft Nachteile produziert.

    Wenn man sowas also bauen will, dann braucht man nicht nur diese Flächen, sondern dann müssen diese zum einen erheblich länger als die auf dem Bild sein (ca. 8-10 Meter). Und es braucht an jeder Kreuzung eine Fahrradampel, die erheblichen Grünvorlauf hat. (Und natürlich eine zweite Ampel für die Autofahrer weiter hinten an „ihrer“ Haltelinie.)

    Ob man diese „Zugeständnisse“ den Radfahrern machen will oder nicht doch einfach nur 3 m rot anstreicht?

    Grüße Chris

    Als Nachtrag noch ein kleines Bildchen, wie so was in Chemnitz dann aussieht:
    http://www.huebsch-gemacht.de/radwege/filter.php?cmd=one&img=20090427_172036_8686

  8. @Chris: Ja, man KANN auch bei aufgeblasenen Aufstellflächen alles falsch machen. Wenn man dabei aber nicht alles falsch macht, dann sind deine Fragen und Szenen übertriebene Sorge und zeitlich und räumlich unrealistische Phantasie.
    Wenn man gegen jedwede Art Separierung ist, muss man natürlich auch gegen diese Aufstellflächen sein.
    Aber ich kenne in verschiedenen Städten zahlreiche solche Aufstellflächen, gegen die ich wenig Ernsthaftes anführen kann, obwohl ich Radfahrstreifen ähnlich kritisch sehe, wie du. Ich werbe daher für etwas differenziertere Kritik.

  9. @Dietmar:
    Das ist aber jetzt schade. Ich hatte meine Fragen ausdrücklich als rhetorisch bezeichnet. Aber wenn du dir schon die Mühe machst, drauf zu antworten, hätte ich irgendwie mehr als ein „ist aber so“ erwartet. Fußaufstampfen ist in meinen Augen irgendwie kein so richtiges Argument.
    Du kannst mir aber gern „schöne Aufstellflächen“ benennen. Foto oder noch besser ’ne Geokoordinate in Google-maps wären toll.

  10. Hm also ich weiss nicht. Ich fahre viel durch die Stadt und sehe vieles, was mich stört. An vielen Stellen hätte ich konkrete Verbesserungsvorschläge. Das Aufstellen an der Kreuzung finde ich nur ganz selten problematisch, und wenn nicht zu viele Autos stehen, warte ich eh hinter ihnen (in meinen Augen das sinnvollste).

    An welcher Berliner Kreuzung würdet Ihr denn Bedarf für sowas sehen?

  11. @Chris: Dräng mich bitte nicht in die Rolle eines Verfechters dieser Dinger. Ich kann bisher wenig Ernsthaftes dagegen einwenden, wenn sie nicht grundfalsch angelegt sind. Ob sie an den Stellen, wo sie nach meiner Beobachtung funktionieren und nach meiner Beobachtung nichts Schlimmes anrichten, vielleicht auch entbehrlich sind, weiß ich nicht so genau. Nicht in einen ablehnenden Aufschrei zu verfallen angesichts der „Pole-Position“-Kampagnen in Österreich und USA (dem Anlass dieses Blog-Strangs), bedeutet noch lange nicht unbedingtes Befürworten der Dinger.
    Dein „Diese Aufstellflächen sind einfach nur Unsinn“ ist mir zu vehement – und im Übrigen ohne das, was du nun von mir _für_ diese Dinger forderst: ein „richtiges Argument“.

    Das meistgefilmte und meistfotografierteste Beispiels Deutschlands dürfte die Ecke Aegidiistraße / Weseler Straße in Münster sein. Das funktioniert seit Jahrzehnten gut (nach meiner Beobachtung; Negatives Geforschtes dazu ist mir nicht bekannt).

    Auf deinen Hinweis, die Dinger seien bei euch nur 4m lang, habe ich mal hier drauf geachtet und festgestellt, dass die meisten der hier von mir benutzten auch (nur) ca. diese Länge haben. Aber die von dir beschriebenen Probleme hat hier niemand (etwa: Mittelstraße / Knooper Weg; Lessingplatz / Knooper Weg; Schülper Baum / Exerzierplatz; Harmsstraße / Schützenwall). Sie funktionieren einfach unaufgeregt (meine Beobachtung und die meiner Bekannten). Allein die 4m-Länge/Kürze macht also wohl nicht supergroße Probleme.

    Eine Länge/Kürze von „4-5m“ entspricht übrigens auch der ERA 95 (Seite 53f).

    Ich finde das Sichtbarmachen-des-Radverkehrs durch diese Dinger tendenziell gut. Ich stehe auch gerne vorne an der Ampel, statt hinten im Mief. Ich hole dort auch gerne Autler wieder ein, die mich auf dem letzten Stück überholt hatten, und zeige ihnen damit gern, dass es nichts genützt hat, mich zu überholen. Aber das spricht nicht dafür, diese aufgeweiteten Aufstellflächen immer und überall zu fordern oder sie gar über den Klee zu loben.

    Aber _dein_ „Fußaufstampfen“ (so erlebe ich deine Posts) spricht auch nicht gegen diese aufgeweiteten Aufstellflächen.

  12. Ich hab mir mal im google-maps die Stelle „Ecke Aegidiistraße / Weseler Straße in Münster“ angeschaut. Wenn google da den richtigen Massstab eingezeichnet hat, ist da die Aufstellfläche locker 10-15 Meter lang (ein Verleich mit den abgebildeten Autos scheint diesen Wert zu bestätigen)! Nicht nur 4-5m. Das ist also ca. das Doppelte bis Dreifache der ERA! Logisch, dass sowas dann als gutes Beispiel für die restlichen ERA-Konformen Aufstellflächen gilt. Nur haben die dann nix mehr mit diesem Idealbild zu tun.

    Von diesem „ätschbätsch-ich-kann-an-der-Ampel-an-euch-vorbei“-Gehabe halte ich nicht sehr viel. Das schafft nur Agressionen und sorgt nicht gerade dafür, dass Radfahrer als gleichberechtige Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden. Die Bedigungen wurden da ja absichtlich zu Gunsten der Radfahrer verschoben. Das muss ich nicht ausnutzen, um irgendwem irgendwas „zu zeigen“. Das Ergebnis ist im Zweifelsfalle dann einfach zu dichtes Überholen oder gar Abdrängen.

    Wenn du meine Posts als Fussaufstampfen interpretierst, dann scheinst du offenbar kein einziges länger als bis über die erste Zeile hinaus gelesen zu haben. Ich bin Informatiker, kein Anwalt. Ich kann zwischen Top-Down und Bottom-Up variabel umstellen. Im ersteren Falle kommt das Fazit zuerst und wird dann durch Beispiele und Verfeinerungen unterlegt. Mag sein, dass diese Reihenfolge für Menschen anderer Sozialisierung verwirrend ist.

  13. […] Hier mal ein Bild aus dem Internet zur Veranschaulichung: https://rad-spannerei.de/…/ […]

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