Radfahrerfreundliche Ampelschaltung

Wenn das Ziel der Verkehrspolitik die Gleichberechtigung unterschiedlicher Verkehre ist, dann bleibt in Hinblick auf Ampelschaltungen für Radfahrer noch eine Menge zu tun. Linksabbiegende Radfahrer müsen an großen Kreuzungen häufig eine halbe Ampelphase länger warten als motorisierte Verkehrsteilnehmer und eine halbe Umrundung des Großen Sterns dauert gefühlt eine ganze Ewigkeit. Besonders Ampelschaltungen, bei denen Radfahrer Grünlicht anfordern müssen, sind ein wahrer Zeitfresser.

Einen kleinen Schritt nach vorn hat man in der Stadt Lemgo in Nordrhein-Westfalen gemacht. Um die Altstadt Lemgos bildet die Wallanlage einen autofreien grünen Ring, der von Radfahrern, Fußgängern, Joggern und Walkern genutzt wird. Für Radfahrer hat der Wall eine wichtige Verteilerfunktion. Die den Wall querenden Straßen haben teilweise Bettelampeln. Eine davon wurde mit einem zusätzlichen Anforderungstaster versehen, der sich 30 Meter vor der Ampel befindet. So funktioniert nun die Kreuzung:

  • Die Ampel steht in Grundstellung und zeigt dem Kfz-Verkehr Grün an.
  • Ein Radfahrer betätigt den ca. 30m vor der Anlage befindlichen Taster.
  • In ca. 12 Sekunden springt das Radfahrer-/Fußgängersignal auf Grün, so dass die Fahrbahn bei angepasster Geschwindigkeit (3m/s) ohne Halt gequert werden kann.

Später eintreffende Radfahrer können die Grünphase durch erneutes Betätigen des Tasters um 9 Sekunden verlängern. Das kann bis zu dreimal wiederholt werden, erst dann ist der Kfz-Verkehr wieder an der Reihe.

Fahrradportal: Vorgezogener Ampel-Druckknopf zur Realisierung einer grünen Welle am Regenstor

8 Gedanken zu „Radfahrerfreundliche Ampelschaltung

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  1. „In ca. 12 Sekunden springt das Radfahrer-/Fußgängersignal auf Grün, so dass die Fahrbahn bei angepasster Geschwindigkeit (3m/s) ohne Halt gequert werden kann.“

    Kann man den Taster etwa bedienen, ohne anzuhalten?!

    ich hatte beim Lesen ja noch kurz gehofft, der Wall habe konstant grün, und für die querenden Straßen seien Bettelampeln, die irgendwie aus Autos heraus 30m vor der Kreuzung bedienbar sind, gebaut.

    So ist das doch Mumpitz. Wenn dann hätten es für das Konzept wohl Lichtschranken statt Taster sein müssen, um die Sache irgendwie interessant zu machen.

    Gruß,
    Chris

  2. @chris: So wie das auf dem Bild aussieht, kann man das schon im Vorbeifahren machen. Das Problem einer Lichtschranke ist, dass der Weg auch von FußgängerInnen genutzt wird. Induktionsschleife wäre wohl das Beste (wobei das bei einem Zwei-Richtungsweg vermutlich auch problematisch ist).

    Anderes Problem: Verlängerung der Grünphase. Wenn der Taster 30 m von der Kreuzung entfernt ist und von einer Geschwindigkeit von 3 m/s ausgegangen wird, brauche ich von Taster zu Kreuzung 10 s. Der Schalter verlängert die Phase aber nur um 9s. Kann also unter Umständen etwas knapp werden. Ist aber zugegebenermaßen ein eher theoretisches Problem.

  3. Soll das vielleicht für Fußgänger sein? 30 Meter in 12 Sekunden = 9 km/h. Real aber eher 8 km/h, denn man „fährt“ sonst ja strikt bei Rot bis zur Kante, was zur Unsicherheit führt, ob sie denn tatsächlich umschaltet. Eine „Radfahrerfreundliche Ampelschaltung“ sieht anders aus. Auch mir kam gleich in den Sinn, daß man sowas, für Autofahrer umgestaltet, niemals mit Attributen wie „freundlich“ kennzeichnen würde, sondern eher mit Diskriminierend, selbst bei geeigneten Zeiten.

  4. Welcher Radfahrer kommt denn auf die Idee, schon 30m vor einer Ampel, nach einem Druckknopf zu suchen? Die meisten Ortsunkundigen werden wohl dran vorbei fahren.
    Ansonsten bleibt Alles beim Alten. Der Autoverkehr hat Dauergrün und dem Radfahrer wird ein Bettelknopf als Radfahrerfreundlich verkauft. Ist schon eigenartig welch verkorkste Sichtweisen es gibt.

  5. Das ist ja wohl eher ein schlechter PR-Scherz. Andere Städte in NRW, insbesondere zum Beispiel Paderborn, haben es bereits vor langen Jahren geschafft, auch Radwege mit Induktionsschleifen auszurüsten – und zwar genauso wie auf der Fahrbahn auch mit einer „Vormeldeschleife“ in sinnfälligem Abstand zur LSA. D. h. als Radfahrer fährt man an die Ampel ran und kann meist bei einem Tempo von knapp 20 km/h direkt durchziehen. Solche Konstrukte gibt es übrigens auch an nicht straßenbegleitenden (selbständig geführten) Radwegen, z. B. in Marienloh auf der ehemaligen Bahntrasse nach Bad Lippspringe.

  6. störend dürfte auch sein, dass sich der Drücker am rechten Rand des offensichtlich gemeinsamen Geh- und Radwegs befindet. Sollte da mal mehr Fußgängerverkehr sein, kommt man nicht ohne Probleme oder Warten an den Drücker.
    Auch muss man solche Dinger richtig drücken und sie nicht nur mal eben so berühren. Im Vorbeifahren drücken zeckt dann schön an der Hand.

  7. „Der Autoverkehr hat Dauergrün und dem Radfahrer wird ein Bettelknopf als Radfahrerfreundlich verkauft. Ist schon eigenartig welch verkorkste Sichtweisen es gibt.“

    Natürlich Dauergrün, ist doch richtig so. Macht es etwa Sinn eine Rotphase einzuführen, wenn auch kein Fußgänger oder Radverkehr ist?

    Diese Schaltung ist freundlich, besser kanns kaum werden. Eine Bettelampel für Autos ist Wahnwitz.

  8. Speedy: „Eine Bettelampel für Autos ist Wahnwitz.“
    Warum?

    Was sollte dagegen sprechen, bei entsprechend hohem Radverkehr, deren Ampel auf Dauergrün zu stellen. Für den Kfz.-Verkehr auf den querenden Fahrbahnen könnte man ja Induktionsschleifen verlegen.
    Dies natürlich mit einer angemessenen Wartezeit für den Kfz.-Verkehr.

    Eigentlich müßte man die Schleife 30 m vor der Kreuzung verlegen und einen Hinweis in Arial 12 Pkt. anbringen, daß die Ampel in 10 s auf Grün schaltet.
    Auf das Echo wäre ich gespannt.

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