Stirbt die Kettenschaltung aus?

Nabenschaltungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Das liegt zum einen an den Neuerungen: 8 und 9 Gänge, ein Übersetzungsbereich von über 300 Prozent und weiches Schaltverhalten lassen Nachteile wie Gewicht und aufwändige Reparatur in den Hintergrund treten. Zum anderen ist der Leidensdruck angesichts miserabler Stabilität der Kettenschaltungs-Komponenten wie Ritzelpaket und Kette enorm hoch. Noch in den 80er Jahren wurden durchschnittliche Ketten und Ritzel mit Laufleistungen von 5000 und mehr Kilometern produziert. Wir beobachten bei 2000 Kilometern heute bereits mittleren bis starken Verschleiß von Kette und Ritzeln bei Kettenschaltungen! Ein modernes Getriebe einer Nabenschaltung hält unserer Erfahrung nach mindestens doppelt solange. Darüber hinaus wird der Anwendungsbereich auch über zusätzliche Features immer mehr erweitert: Nabenschaltung in Verbindung mit Rennlenker setzte noch vor kurzem umständliche Konstruktionen zur Befestigung des Schalters voraus.
Aber sowohl für Rohloff

mittelmeyer drehgriff rohloff

als auch für Shimano 8-Gang

jtek_bar-end.jpg

gibt es mittlerweile Lösungen die auf einen normalen Rennbügel zugeschnitten sind. Die Firma Jtek, von der dieser hübsche kleine Hebel kommt, hat noch allerlei andere sehr gelungene problemsolver fürs Fahrrad im Programm!

Um die Kettenschaltung für das Alltagsrad zu retten muss einiges geschehen. Weniger- und vor alle stabilere Zahnräder sind gefordert, von mir aus auch mit einem Verlust an Schaltkomfort bezahlt. Fahrräder sind Gebrauchsgegenstände die täglich in der Stadt bewegt werden und nicht permanent in der Werkstatt stehen können. Der Antrieb sollte sich an diesen Anforderungen orientieren.

54 thoughts on “Stirbt die Kettenschaltung aus?

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  1. @fab

    Eine Dreigang ist notwendigerweise immer ein schlechter Kompromiß. Praktisch immer sind die Übersetzungssprünge zu groß, während gleichzeitig die Übersetzungsbreite zu gering ist, weshalb man sich entscheiden muß, wo man am ehesten zu Abstrichen bereit ist. Die generell zu lange Übersetzung ist noch am ehesten korrigierbar, indem man kleineres Kettenblatt verwendet. Macht man aber die Übersetzung für z.B. die Katzbachstraße aufwärts tauglich, ist der 3. Gang für die Ebene oft schon wieder zu kurz.

    Was die Leichtgängigkeit angeht kann ich die positive Erfahrung hingegen bestätigen. Nachdem mein letztes Rad mit einer Siebengang geklaut wurde, bin ich aus finaziellen Gründen zunächst zu einem alten Holländer mit einer Dreigangnabenschaltung zurückgekehrt. Der Unterschied ist wirklich auffallend.

  2. Christoph Irrgang schreibt:
    Montag, 21.12.2015 um 22:39

    möchte noch einmal nachlegen: meine T3 ist sehr viel leichter als SAM S7

    Wenn Du noch den Rücktritt ausbaust wird sie noch leichter und praxistauglicher.
    Ich baue diese Nabe gern in 16 Zoll 18Loch Laufräder ein und entferne in der Nabe noch den Rücktritt. So haben die Kinder die Möglichkeit auch im Stand die Kurbel in eine günstige Position zu drehen.
    An meinen Einkaufsrädern habe ich die Shimano 4 Gang Nabe. Ist auch unverwüstlich und noch etwas praxistauglicher als eine 3 Gang Nabe.

  3. SRAM P5 Erfahrung nach ein paar Jahren Nutzung im Stadtrad und Reiserad, wie angekündigt:
    Habe Eingangsübersetzung 42/22 Z am Reiserad und 42/21 Z am Stadtrad, wohne in HH und der Waseberg liegt selten auf meiner Route. Bis 10 % Steigung sind gut machbar damit. Schaltungen laufen beide gut, eine habe ich nach ca. 5000 km geöffnet, um evtl. neu zu schmieren und den Zustand zu checken. Der Zustand ist 1A, ohne jeden erkennbaren Verschleiß und die Erfahrung ist, daß ich damals beim Einbau eher zu viel Fett verwendet habe. Bin bisher mit meiner Entscheidung für dieses old-school-System sehr zufrieden, habe auch die Wartung selber im Griff. Die breite 1/2 x 1/8 KMC-Kette und hinteres Ritzel habe nach ca. 7000 km getauscht, die Kette war gelängt und das Ritzel „angenutzt“. Der fünfte Gang geht bis 35 gut zu treten, konnte in der Ebene auch schon auf 47 beschleunigen. Meist fahre ich Reisetempo 23 – 26 im vierten Gang und erst wenn es schneller sein soll, benutze ich den fünften Gang. SRAM schreibt Eingangsübersetzung 2:1 max. vor, aber das 22er Ritzel hinten hält das System problemlos aus. Mal sehen, wie weit ich damit noch komme…
    Fahre nun vier Räder, meist die obigen und mein Rennrad und ab und zu ein Brompton mit zwei-Gang-Kettenschaltung; reicht.
    Das „Wunder“ der Sachs-SRAM-Dreigang-Nabe besteht für mich darin, daß noch so viele funktionierende davon herumfahren, ohne seit den 70/80/90er Jahren jemals gewartet worden zu sein, denn wer schraubt seine Nabe auf? Nur Nerds.

  4. Noch eine Info zur Kette. Nach meiner Erfahrung auf Langstrecken ist die Kette das schwächste Glied am Rad. Fahre nun breite 1/2 x 1/8 Kette von KMC in Verbindung mit einem echten Kettenschutz, nicht Hosenschutz. Mein Eigenbau aus Deckeln von Wandfarben-Eimern, etc. verhindert, daß Dreck vom Vorher- und Hinterrad an die Kette geschleudert wird, ist nach innen zum Hinterrad flächig geschlossen und nach aussen liegt die Kette offen, so daß ich jederzeit ölen, reinigen und Zustandskontrolle machen kann. Und so hält diese sehr gute Kette nun wenigstens 5000 km. Hatte vorher schmalere (=geringere Druckfläche) und einfachere Ketten, die mit Hosenschutz statt Kettenschutz auch nur bis 2000 km gehalten haben.

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