Arbeitsbedingungen in der Fahrradindustrie

Die Besetzung der „Bike-Systems“ Produktionsstätte in Nordhausen durch die gekündigte Belegschaft letztes Jahr hat uns beschissene Arbeitsbedingungen bei der Fahrradproduktion plastisch vor Augen geführt: Erst für weniger Geld länger arbeiten und dann trotzdem gekündigt werden ist, schätze ich, kein ungewöhnliches Erlebnis in der globalen Fahrradindustrie. Ein durchschnittliches Baumarkt-Billigfahrrad wurde bei „Bike-Systems“ in zwei bis drei Minuten komplett montiert! Arbeitsklima und die Qualität der Montage bleiben so auf der Strecke und den Gewinn der sich mit dieser Form der Fließband-Plackerei erzielen lässt, streicht nachher ohnehin die Chefetage ein.

Eine Produktion  bei der die ArbeiterInnen die Bedingungen zu denen sie arbeiten (zumindest innerhalb der Zwänge der allgemeinen Marktkonkurrenz) selbst bestimmen können hat auch in der Fahrradbranche leider seltenheitswert. Ausnahmen gibt es eher im Einzelhandel als in der Produktion, die Strike-Bike GmbH (hervorgegangen aus der Besetzung) ist in Deutschland die einzige mir bekannte Ausnahme.

Europaweit siehts nicht viel besser aus, aber Ansätze gibt es doch: Die Kunstausstellung „Le Grand Magasin“ im Saalbau Neukölln stellt Produkte von Genossenschaften in Europa vor, darunter auch solche aus dem Fahrradsektor. Für mich neu: die Genossenschaft Kovodružstvo aus Tschechien, sie baut unter anderem Fahrradanhänger (Bild unten) und Orbea– die Fahrradmarke ist Teil einer riesigen Genossenschaft aus dem Baskenland.

Fahrradanhänger Kovodružstvo

Die Ausstellung „Le Grand Magasin“ gibts noch bis 19. Februar 2009
Öffnungszeiten: Di–So 10–20 Uhr

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