Fahrrad statt Knast

„Notorisches Schwarzfahren endet jedes Jahr für Hunderte Berliner in einer Gefängniszelle. So sitzt derzeit fast jeder dritte Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee nur deshalb ein, weil er immer wieder öffentliche Verkehrsmittel ohne Fahrschein benutzte und auch die daraufhin von Gerichten verhängten Geldstrafen nicht bezahlen konnte oder wollte.“ Das schreibt der Tagespiegel heute und zitiert JVA- Leiter Udo Plessow: „Mindestens 155 unserer 480 Gefangenen wurden wegen Schwarzfahrens zu Ersatzfreiheitsstrafen verurteilt“. So werden Schwarzfahrer beispielsweise zu 150,- Euro Geldstrafe verurteilt, ersatzweise 15 Tage Haft zu einem Tagessatz von 10,- Euro, weil viele der Verurteilten Sozialhilfeempfänger sind. Ein Haftplatz in Berlin kostet mehr als 80 Euro am Tag. Wenn der Staat jedem der Verurteilten ein solides Fahrrad mit geringem Weiterverkaufswert schenken würde statt ihn zwei Wochen einzusperren, käme er deutlich günstiger weg.
Tagesspiegel: Jeder Dritte in Plötzensee sitzt wegen Schwarzfahrens

3 Gedanken zu „Fahrrad statt Knast

Kommentare-Feed
  1. Das ist natürlich ein sehr weitreichendes Thema, ich nehme auch an, dass der Ansatz eines verschenkten Fahrrads nicht ganz ernst gemeint ist. Andernfalls würden viele extra schwarzfahren, um ein Fahrrad zu erhalten. Auch denke ich, dass die Neigung notorischer Schwarzfahrer zum Radfahren nicht sehr hoch ist. Funktionsfähige Fahrräder gibt es schon für sehr wenig Geld, oder man klaut gleich eins.

    Sinnvoller einsetzen könnte man das Knastgeld aber natürlich. Gerade Jugendliche haben ja als Vorbild eher Auto- als Radfahrer. Das Auto ist besonders cool, Radfahrer sind hingegen Ökospinner und Loser, die sich kein Auto leisten können. Man kann durchaus mit Kampagnen a la „be berlin“ an diesem Bild arbeiten. Man könnte mal frecherweise den schwabbelnden Autositzpotato dem winterfesten coolen Radfahrer entgegenstellen.

  2. Ich glaube man kann da gar nichts machen. Es zeigt eigentlich eher die Machtlosigkeit „des Systems“ auf. Wenn jemand statt 150 Euro zu zahlen für zwei Wochen in den Knast geht, sich dort möglicherweise noch über Gratisverpflegung freut und sonst auch nichts im Leben verpaßt weil er eh keinen Job hat und kein Geld um irgendwas anderes zu machen… Mit zunehmenender Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche und weiteres Absacken der eh schon finanzfernen Schichten wird es immer mehr Fälle geben wie in dem Tagesspiegel-Artikel beschrieben. In Berlin scheinen es vornehmlich die Schwarzfahrer zu sein. Andernorts vermutlich kleinere Diebstähle. Der Verkehrs(mittel)aspekt spielt meines Erachtens hier keine Rolle, also kann man mit Fahrrädern dieses Problem auch nicht lösen.

  3. liebe freunde, jeder Hafttag kostet den steuerzahler ca. 90,- €, pro inhaftierten. nicht nur das diese Menschen in letzter Zeit immer häufiger zu längeren strafen verurteilt werden, dem steuerzahler sehr viel geld kosten, belegen sie auch die haftplätze in den berliner strafvollzugsanstalten, welche eigentlich für echte und teilweise sehr gefährliche verbrecher genutzt werden könnten. bei ca. 6500 haftplätzen in berliner haftanstalten können wir davon ausgehen das mindesten 800 bis 1000 haftplätze jedes jahr von schwarzfahrern blockiert werden. selbst wenn es nur laufend 500 wären, was viel zu niedrig gerechnet wäre, kostet es den steuerzahler und das land berlin ca. 16,5 millionen euro, die wir für die unterstützung von kinder und jugendarbeit einsetzen könnten, damit wir diesen helfen und vor krimineller entwicklung schützen. eines zum schluss. die öffentlichen verkehrsmittel fahren auch schon mal völlig leer, was macht es da wenn einige kostenlos mitfahren ? wer 2.30 euro nicht für einen fahrschein zahlt, weil meistens kein geld, wie soll der eine strafe von vielen hundert oder tausend euro zahlen ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.