Weg mit dem toten Winkel!

Weg mit dem toten Winkel!An der Kreuzung Köpenicker Straße und Betaniendamm übersah der Fahrer eines Lastkraftwagens am Mittwoch beim Rechtsabbiegen eine 65 Jahre alte Radfahrerin. Die Feuerwehr brachte die Radfahrerin in ein Krankenhaus, wo sie kurze Zeit später starb.

Bei dem Unfallopfer handelt es sich um die Berliner Malerin Renate Anger. Seit Anfang der 90er Jahre arbeitete die in Danzig geborene Künstlerin mit Malerei als Raumerlebnis. Sie hatte Einzelausstellungen in Australien und Europa, in Berlin zuletzt die Ausstellung carpe diem im Haus am Waldsee.

Carpe diem – nutze den Tag! Renate Anger kann den Tag nicht mehr nutzen. Vielleicht kann das aber der Bundesrat, der sich heute mit dem Sterben im toten Winkel beschäftigt. Dazu schreibt die ADFC-Stadtteilgruppe City-West: „Spät, aber richtig – nur: Die geplante Verordnung beseitigt den toten Winkel nicht – sie halbiert ihn nur! Im europaweiten Gerangel von Hersteller-Lobbyisten, Politikern und Sachverständigen hat sich ein Minimalkonsens durchgesetzt, der noch immer fast ein Fünftel des rechten Sichtfeldes eines Lkw uneinsehbar lässt. In den Toten Winkel, der europaweit noch übrig bleibt, passen noch immer ganze Schulklassen!“

Heute morgen hat der ADFC eine Demonstration von 7.30 bis 9.00 Uhr zwischen Bismarckstraße und Potsdamer Platz durchgeführt, damit nicht weitergestorben wird unter den Rädern schwerer Lastwagen.
Grafik: ADFC
Website Renate Anger
ADFC City-West

23 Gedanken zu „Weg mit dem toten Winkel!

Kommentare-Feed
  1. Dank an den Berliner ADFC, der die Ursache für den Tot und Verletzung im Winkel verschweigt, weil unwirksame Symptombehandlung leichter durchzusetzen ist. Da weiß jeder gleich, daß Radwege gut sind.

  2. FULL ACK! Allerdings ist dieser Fall AFAIK ohne Radwegzusammenhang, da es dort doch gar keinen gibt, oder sind da jetzt auch seit neuem Radstreifen, Schutzstreifen oder Ähnliches? Müsste das nicht auch der Engeldamm statt Bethaniendamm sein, wo der Unfall stattfand?

  3. auf der köpi gibt es schutzstreifen. der unfallort ist, wenn du von der köpenicker rechts richtung ostbahnhof auf die brücke fährst.
    @udo: was verschweigt der berliner adfc? die regelung wird kritisoert oder weißt du mehr als ich? und sorry, wenn ich da jetzt etwas pissiger reagiere; diskutier mit den leuten im adfc, da gibt es jede menge leute, die radwege toll finden aber auch jede menge, die das eben grade nicht so sehen und auch angebots- und schutzstreifen für schwachsinn halten. die diskusion ist anstrengend und nervig, aber sinnvoll und erfolgreich. und da kotzt es mich tierisch an von dir über den kamm geschoren zu werden. auch dank des adfcs sind 80prozent der radwege in berlin nicht mehr benutzungspflichtig

  4. Johannes schreibt:
    „auf der köpi gibt es schutzstreifen. der unfallort ist, wenn du von der köpenicker rechts richtung ostbahnhof auf die brücke fährst.“

    Ah, alles klar danke, ich hab mich da in den Örtlichkeiten vertan. Da sind also Schutzstreifen… Also ein Unfall, bei dem die RadfahrerIn möglicherweise nicht wahrgenommen wurde oder rechts am LKW vorbeifahren wollte, was ohne Separation untypisch ist.

  5. Auf meiner Webseite steht seit längerem:
    „Systematisch von den Ursachen ablenken, wie das geht, zeigt ausgerechnet der ADFC-Berlin. Wieder mal ein tödlicher Unfall auf einem Radweg. Gefordert wird aber nicht etwa dessen Abschaffung, also der Grund des Unfalls, sondern die Behandlung des Toten Winkels. Da weiß gleich jeder, das Radwege gut sind. Dieses Vorgehen wurde begründet mit dem leichteren Erfolg.“
    Ich hatte mir mal die Zeit genommen, 1/3 aller Webseiten aller ADFCs durchzusehen dahingehend, wie sie Radwege beurteilen. Ich entdeckte gerade mal 2 oder 3 Seiten, die sich explizit gegen Radwege aussprachen. Alle anderen fanden sie gut, oft selbst dann, wenn sie reichlich Kritik anbringen konnten oder sich eigentlich hätten verarscht fühlen müssen. Da auch der hiesige ADFC zum Radtouren-Verein wurde, nachdem der sich gegen Wegelchen aussprechende Vorsitzende verzog, blieb nur ein Schluß: Der ADFC will Radwege. Der Beschluß der Bundeshauptversammlung, Radverkehr finde auf der Fahrbahn statt, wird konsequent ignoriert. Nun kommt der Berliner ADFC, und das einzige, was ich von dem lese, gerade bei Gelegenheiten wieder dieser, ist: Das etwas anderes als der Radweg Schuld ist. Der ADFC-Berlin darf sich auch diesen Unfall auf die Fahne schreiben. Schuld ist nicht der tote Winkel, wie wieder mal behauptet, sondern, daß der Radfahrer zwangsweise hinein kommt durch Benutzung des Wegelchens. Anstatt also gegen den toten Winkel zu demonstrieren, sollte der ADFC gegens Wegelchen demonstrieren.
    Ich bin damals übrigens aus dem ADFC ausgetreten.

  6. Das ist doch recht weit hergeholt. Schuld an diesem Unfall hat sicher nicht der ADFC, sondern höchstwarscheinlich der LKW-Fahrer.

    Im Übrigen findet der Radverkehr bei Angebotsstreifen auf der Fahrbahn statt und nicht auf Radwegen, da Angebotsstreifen keine Radwege sind.

  7. Hi, nur damit hier nix durcheinandergerät: Nicht der ADFC, sondern ich habe die Demo organisiert und von mir ist auch der aufrufende Text dazu. Der ADFC Berlin hat nur (wie zB. auch die Grünen oder der Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin/Brandenburg oder etliche regionale Initiativen in Charlottenburg) den Aufruf unterstützt und weiter verbreitet.

    Zum Thema selbst: Ich arbeite als Privatperson seit 4 Jahren am Thema der Beseitigung des Toten Winkels an LKWs. 38 % (!) des rechten Sichtfeldes eines LKWs kann der Fahrer nicht sehen, und zwar vollkommen unabhängig davon, ob es nun Radler auf Radwegen oder auf der Fahrbahn sind – oder Fußgänger (die ja wohl eher nicht auf der Fahrbahn laufen sollten) – oder zB. bei Autobahnauffahrten zuführende Fahrspuren. Der Fahrer SIEHT da nichts! Rund 150 Menschen zahlen für diese Tatsache jährlich mit ihrem Leben. Wer da behauptet, das Thema wäre wurscht oder Verschleierungspolitik oder was auch immer, sollte mal mit Eltern sprechen, deren Kind gerade von so einem 40-Tonner getötet wurde: Ein ganz ausgezeichnetes Mittel gegen derartig zynische Überfliegereien.

  8. Angebotsstreifen sind keine Radwege, allerdings suggerieren Schutzstreifen eine Trennung vom übrigen Verkehr, ebenso wie deren Benutzung. Und das führt häufiger zu Konflikten mit dem motorisiertem Verkehr, der deren Benutzung erwartet, auch wenn sie viel zu schmal ausgefürt sind und dadurch nicht sinnvoll befahrbahr sind. Was machen Schutzstreifen für einen Sinn außer mal wieder eine indirekte Separation von Radfahrern? Dass damit Radfahrer erzogen werden, sich nicht regelgerecht oder gar selbstgefährdend zu verhalten wurde ja schon erwähnt.

  9. @Martin Keune:
    Danke für dein Engagement! Die Kritik zielt IMO auf die ursächlich skurrile Verkehrsführung, rechtsabbiegende links vom Geradeausverkehr zu führen (wer das für den Autoverkehr bauen würde, nein, das wäre undenkbar…). Die alleinige Konzentration auf zusätzliche Spiegel wäre da nur Symptombehandlung. Ich denke, dass eine Kritik am Toten Winkel auch immer eine Kritik an in der Verkehrsführung für Radfahrer sein muss, also Benzutzungspflichten, Radstreifen und so weiter und so fort.

  10. P.S. vergessen:
    Deine Webseite funktioniert bei mir nicht richtig, d.h. die Navigation. Ich kann „Kampagne“, „Unterstützer“ und „Aufruf“ nicht aufrufen, Browser mit der Gecko-engine 1.8.

  11. > da Angebotsstreifen keine Radwege sind

    Diese Unterscheidung ist überflüssig, geradezu schädlich. Alle 3 sind Einrichtungen „für“ den Radverkehr, die ihn praktisch dazu zwingen, dort zu fahren, wo es sonst aus gutem Grunde ausdrücklich verboten ist, nämlich rechts vom Rechtsabbieger oder links vom Linksabbieger. Da genau das Systemwidrig ist und Radfahrer somit dort nicht erwartet werden, ist die Einrichtung Ursache für solche Unfälle und gehören beseitigt. Wer stattdessen vorrangig Symptome angeht, erweist Radfahrern einen Bärendienst.

    Wie viele Unfälle, bei denen der tote Winkel eine wesentliche Rolle spielt, gäbe es, wenn Radfahrer immer auf der Fahrbahn fahren würden, Martin? Ich wette: Wenige. Wie viele Unfälle, bei denen (Schein-)Radwege eine wesentliche Rolle spielen, gäbe es, wenn der tote Winkel beseitigt würde? Schon die reichliche Anzahl solcher Unfälle mit Autos lassen kein wesentliches sinken erwarten. Im Gegenteil, durchs fleißige bauen und pinseln weiterer Wegelchen und durch andere Faktoren ist stetiges Ansteigen des Unfallrisikos garantiert.

    Den toten Winkel kann man zusätzlich behandeln, wenn man ihn denn für so wichtig hält. Ihn zur Hauptsache zu machen heißt, die Radwege für Sicher zu erklären, wäre nur der tote Winkel nicht. Das ist wie die ewige Suche nach dem guten Radweg. Wer sich darauf einläßt, verliert — Nein, macht alle Radfahrer zu Verlierern, insbesondere jene, deretwegen die Wegelchen angeblich gebaut werden.

    > sollte mal mit Eltern sprechen, deren Kind gerade von so einem 40-Tonner getötet wurde

    Und schon ist es verschwiegen: Auf nem Rad- oder Gehweg, oder beim Überqueren der Fahrbahn, um zu einem solchen zu gelangen. Die Unsicherheit des toten Winkels wird gegen die Unsicherheit der Wegelchen ausgespielt.
    Einzelfälle bedrücken zweifellos, maßgebend ist aber die Wahrscheinlichkeit. Und die ist bei Möglichkeit 2 eben wesentlich höher als bei Möglichkeit 1.

    > Schuld hat … höchstwarscheinlich der LKW-Fahrer

    Klar, Juristisch. Es ist einfach, dem, der es getan hat, die Schuld zu geben, obwohl der nun am wenigsten für die Verhältnisse verantwortlich ist, unter denen er arbeiten muß. Wo bleibt die Schuld der Planer? Oder des Gesetzgebers, der keinen Beifahrer vorschreibt? news:slrn7tt35p.df.DELETE.THIS.hjz@hersland.Zierke.com sei empfohlen, wie überhaupt news:de.rec.fahrrad zu lesen, wo solche Diskussionen auch besser aufgehoben sind.

  12. >Diese Unterscheidung ist überflüssig, geradezu schädlich. Alle 3 sind >Einrichtungen “für” den Radverkehr, die ihn praktisch dazu zwingen, dort >zu fahren, wo es sonst aus gutem Grunde ausdrücklich verboten ist, >nämlich rechts vom Rechtsabbieger.

    Radverkehrsanlagen sind sie alle drei zweifelsfrei. Die Unterscheidung zwischen einzelnen Typen ist aber deshalb nicht überflüssig. Angebotsstreifen sind im Gegensatz zu Radfahrstreifen nicht benutzungspflichtig.

    >Wie viele Unfälle, bei denen der tote Winkel eine wesentliche Rolle spielt, >gäbe es, wenn Radfahrer immer auf der Fahrbahn fahren würden, Martin? >Ich wette: Wenige. Wie viele Unfälle, bei denen (Schein-)Radwege eine >wesentliche Rolle spielen, gäbe es, wenn der tote Winkel beseitigt würde?

    Da kann man leider nur spekulieren.
    Im besagten Fall fuhr die Radfahrerin ja anscheinend auf der Fahrbahn, da Angebotsstreifen Teil der Fahrbahn sind.
    Unfälle im Toten Winkel sind auch möglich, wenn keine Angebotstreifen markiert sind. Wie ich leider immer wieder beobachte, werde ich auch auf nicht so markierten Fahrbahnen von Rechtsabbiegern noch kurz vor einer Einmündung überholt und anschließend ausgebremst oder geschnitten.
    Und auch auf nicht mit Angebotstreifen markierten Fahrbahnen überholen Radfahrer, Kraftfahrzeuge rechts, die vor ihnen rechts Abbiegen wollen.

    Ich wäre froh, wenn z.B. auf der Skalitzer Straße vom Kotti bis zum Schlesischen solche Angeboststreifen markiert werden würden. Die jetzige Situation ist echt furchtbar:
    -hohes Verkehrsaufkommen
    -grottige (teils sogar noch benutzungspfl.) getrennte Fuß- und Radwege
    -2 Fahrstreifen je Rtg. mit ungünstigen Breiten, die das „vorbeiquetschen“ an Radfahrern auf der rechten Fahrspur gerade noch ermöglichen
    -und ein furchtbares „Reviergehabe“ mancher Autofahrer in den Stoßzeiten, wenn der Radfahrer die Radwege nicht benutzt.
    Da finde ich Rad fahren einfach nur anstrengend und ich fühle mich auf der Fahrbahn echt sehr bedrängt (und ich kenne die Regeln bezüglich viel Abstand nach rechts und fahre auch nach ihnen)

    Würde man die Fahrbahn neu aufteilen, von 2 Fahrstreifen auf 1 breiten Fahrstreifen + Angebotsstreifen, würde ich dort echt entspannter fahren können und die baulichen Radwege könnten endlich dicht gemacht und wieder den Gehwegen zugeschlagen werden, was für alle ein Vorteil wäre.
    Zudem wird die Strecke für den Kfz-Verkehr weniger attraktiv, da der Durchlass sinkt, usw.

  13. Damit nicht noch jemand denkt, Radverkehrsanlagen irgendeiner Form wären für Radfahrer: Mit dem Angebotsstreifen und dem Reviergehabe widerspricht Peter sich selbst. Außerdem lenkt er ab, indem er Pest mit Cholera vergleicht, statt mit Gesundheit. Und Absicht kann nun erst Recht kein Grund für Mist sein.

  14. Wenn ich mal die Optionen auf der Skalitzer vergleiche, dann sind die baulichen Radwege Pest und die Fahrbahn ist bei der jetzigen Situation Cholera.
    Die von mir vorgeschlagene Neuaufteilung in 1 Spur + Angebotsstreifen wäre für mich dann wenigstens Beschwerdefrei.

    Auf stark belasteten Straßen mit ungünstigen Querschnitten sind Angebots- oder Radfahrstreifen in der Regel der beste Kompromiss für alle Fahrzeugführer.

    Es entspricht leider derzeit häufig nicht der Realität, dass langsamer Fahrzeugverkehr mit schnellerem Fahrzeugverkehr harmonisiert, wenn keinerlei verkehrsorganisatorische Maßnahmen getroffen worden sind.
    Dazu sind die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen Radfahrern und ähnlich langsamen Fahrzeugen und schnelleren Kraftfahrzeugen, die den Hauptanteil an Fahrzeugen auf unseren Straßen darstellen, zu groß.
    Auch ist die Verkehrsbelastung vieler Straßen, durch schnellere Kraftfahrzeuge, zu groß.

    Daraus kann man jetzt viele Lösungsmöglichkeiten entwickeln. Tempo 30 innerorts als Regelgeschwindgkeit z.B. würde sämtliche Radverkehrsanlagen überflüssig machen.

  15. Wie nun? Angebots oder Radfahrstreifen? Das sind zwei verschiedene Dinge.

    Vielleicht sollte man wirklich konsequent sein und jedwede Lobhudelei fuer Rad/Angebots/Schmutz-Streifen unterlassen und statt dessen wieder den Verkehrsraum fuer alle zurueckfordern.

    Schliesslich wird Autofahren immer mehr zum Luxusgut und sollte dem preiswerteren Individualverkehr wieder mehr Raum lassen.

  16. @Udo Wer war denn eigentlich der „Da auch der hiesige ADFC zum Radtouren-Verein wurde, nachdem der sich gegen Wegelchen aussprechende Vorsitzende verzog …“? Da der letzte Vorsitzende vor mir nicht ganz freiwillig an Krebs gestorben ist und davor eine Frau war, bleibe wohl nur ich übrig – war das etwa ein Lob … 😉

    Ich durfte heute gerade miterleben, wie ein Radfahrer auf dem Großen Stern zerlegt wurde – nö, nicht etwa auf dem wirklich furchtbaren Radweg mit der unsäglichen roten Welle für Radfahrer, sondern ganz einfach auf der Fahrbahn – nach Aussage des Unfallgegners ist der Radfahrer in den Kreis bei Rot gefahren.

    Wenn wir hier also ernst genommen werden wollen, hilft keine Schwarz-Weiß-Diskussion. Schon gar nicht, wenn man sich die „Fahrradparadiese“ ohne Radverkehrsanlagen mal anguckt – ich kenne europa- und weltweit inzwischen einige, zuletzt in den letzen Wochen intensiv Stettin. Da fährt niemand Rad, zumindest nicht so wie ich mir das vorstelle – als ernsthafte Alternative zum Auto, junge und alte Leute, Starke und Schwache und vor allem viele aus allen Bevölkerungsschichten.

    Und noch mal zum toten Winkel: Falls hier jemand wirklich am Sinn eines Spiegels gegen den toten Winkel zweifeln sollte, den lade ich zusammen mit meinem Freund Martin Keune mal zu einer kleinen Lkw-Fahrt durch Berlin ein – ich bin ja bekanntlich im Besitz eine Lkw-Führerscheins und kann auf einige Erfahrung mit Transporten beim Bau des Potsdamer Platzes verweisen. Wem es egal ist ob Lkw-Fahrer abbiegen ohne was zu sehen, dem ist nicht mehr zu helfen. Und dabei hilft auch kein Beifahrer – nicht wenige der Unfälle im toten Winkel passieren mit Beifahrer, die oft genug den Fahrer eher ablenken und selbst einen toten Winkel verursachen. In Berlin gibt es in jedem Jahr Unfälle im toten Winkel – ohne jede Radverkehrsanlage und sogar beim Geradeausfahren und beim Linksabbiegen. Den Unfall auf dem Tempelhofer Damm beim Geradeausfahren ohne Radweg hinter der Kreuzung würde ich dazu zählen. Und obwohl der Tempelhofer Damm ohne Radweg ja nach Meinung einiger besonders attraktiv sein soll, vermisse ich dort die Radfahrer. Und im letzten Jahr wurde eine Radfahrerin auf dem Gehweg der Greifswalder Straße von einem rechtsabbiegen Lkw tödlich verletzt – keine Radverkehrsanlage und trotzdem tot.

    Da ich gerade die Zahlen zu den tödlichen Unfällen im toten Winkel in den Niederlanden bekommen habe: während wir in Deutschland mit 150 Getöteten im toten Winkel rechnen (dazu zählen hier komischerweise nur die Rechtsabbiegeunfälle), gibt es in den gesamten Niederlanden ganz offiziell 13 getötete Verkehrsteilnehmer im toten Winkel, davon 8 Fahrradfahrer – also mindestens 40 Prozent der Toten ohne Fahrrad und da ja die Niederlande auch das „Paradies“ von Shared Space sein sollen, vielleicht noch mehr ohne Radverkehrsanlagen. Gestartet sind die Niederlande im Jahr 2000 mit 26 Getöteten und haben jetzt mit einigen Wellenbewegungen diese Zahl wieder halbiert. Im genannten Zeitraum ist die Zahl der in den Niederlanden zugelassen Lkw um rund 20 Prozent gestiegen. Seit Ende 2003 ist der DOBLI-Spiegel oder ein anderes sichtverbessernden System dort an 100 Prozent aller Lkw angebracht worden, in den Jahren zuvor bereits an einem Großteil freiwillig oder im Vorgriff. Wilbert van Waes, der Erfinder des DOBLI-Spiegel, hatte vor zehn Jahren seinem Sohn im toten Winkel eines Lkw verloren – er wollte dieses Schicksal anderen ersparen und nicht auf den Kommunismus auf unseren Straßen warten … 😉

  17. @Benno:
    Gibt es denn neue Erkenntnisse zum Unfall am Tempelhofer Damm? Ich dachte der Unfall sei beim Einfahren vom Radweg auf die Fahrbahn passiert?
    Und ja, der Tempelhofer Damm auf der Fahrbahn ist unangenehm zu befahren, das gebe ich zu, aber vor allem dort wo Radverkehrsanlagen auf Gehwegen existieren. Das gleiche gilt zum Beispiel auch für die Yorkbrücken, wo ich regelmäßig auf verschiedenste Weise angemacht werde, weil dort Radfahrer angeblich nichts zu suchen hätten. Dort existiert ja ein Radweg, der früher mal benutzungspflichtig war.

    Meine persönliche Erfahrung ist, dass dort wo Radwege existieren, Konflikte auf der Fahrbahn übermäßig vorkommen. Darum suche ich mir seit einiger Zeit auch Strecken, wo keine existieren. Das wird aber wieder schwieriger, seit Berlin radfahrerfreundlich werden will ;).

  18. … die Sache mit dem Tempelhofer Damm ist etwas schwieriger: der Unfall fand nicht unmittelbar am Ende des Radweges, sondern einige Meter weiter statt. Ich hatte kurz nach dem Unfall eine Abfrage bei der Polizei gemacht – es gab zumindest damals keine Zeugen und auch keine richtige Erklärung. Wer das Paparazzi-Foto damals in der B.Z. gesehen hatte, da waren die drei Spuren frei und der Lkw stand auf der mittleren Spur. Ich kann ja mal nachfragen, ob es neue Erkenntnisse gibt.

    Das mit den nichtbenutzungspflichtigen Radwegen ist so eine Sache – das Mitschwimmen im starken Verkehr zum Beispiel auf der Yorckstraße bedeutet eine gewisse Fitness, obwohl ich da bisher weder angehupt (und zwar schon vor dem Ende der Benutzungspflicht auf der Fahrbahn) oder abgedrängt wurde – man muss eben nur zügig durchfahren und dazu sind irgendwie nicht allzuviele Radweggegner in der Lage … 😉

    Dem mit dem angeblich „wieder schwieriger, seit Berlin radfahrerfreundlich“ muss ich widersprechen – kannst Du da mal ein konkretes Beispiel nennen? Vielleicht kann ich mich ja drum kümmern … 🙂

  19. Benno, Ich denke in wesentlichem an eine Mail von dir von vor mindestens 4 Jahren, die ich leider nicht mehr habe, worin du selbst die Kampagne Toter-Winkel mit der leichteren Durchsetzbarkeit begründetest. Ich hatte nachgefragt, weil bei der Kampagne gar nichts verlautbart wurde, wo denn der Tote Winkel seine tödliche Hauptrolle spielt, was denn also der Grund dafür ist und somit für die Unfälle. So kam jedenfalls der Kram außerhalb Berlins an (ich meinte mit „hiesig“ somit auch nicht den Berliner ADFC). Die Prioritäten sind eindeutig falsch gesetzt. Dank dieser Prioritäten weiß jetzt jeder, das Radwege sicher sind.

    Der Grund für mein Gemecker war, daß der ADFC Berlin den Radweg-Sind-Gut-Gehirnwäschern ähnlich agierte. Eben mit dem Verschweigen der Ursache oder zum Beispiel mit sowas wie „Nach Einschätzung des ADFC könnten nach dem niederländischen Vorbild bis zu 300 tödliche Unfälle jährlich im ,toten Winkel‘ sofort vermieden werden.“ Die 300000 der Hannelore-Kohl-Stiftung sind auch nicht direkt gelogen…
    Auch deine jüngsten Absätze lesen sich wie von einem Radweg-Sind-Gut-Finder, sowas sieht man immer wieder in diversen Foren: Ablenken und Sand streuen. Was sonst sollte das mit den Fahrradparadiesen, den Zweifeln an den Spiegeln, Unfälle ohne Radweg, oder Tot auf Gehweg?

    > Wilbert van Waes hatte seinem Sohn im toten Winkel eines Lkw verloren
    Ach, doch nicht auf dem Radweg?

  20. … also doch kein Lob, ich dachte schon … 😉

  21. … da ich aus alter Gewohnheit gerade einen falschen Link gesetzt hatte – ich spreche hier natürlich nur für mich – hier nochmal der Auszug aus dem Geschichtsbuch, wie alles begann:

    – als im März 2004 die Kampagne gegen den Toten Winkel an Lkw begann, gab es als Berechnungsgrundlage bundesweit 616 tödliche Fahrradunfälle (Jahr 2003)

    – da es bis heute keine Unfallursache „toter Winkel“ bei der ersten polizeilichen Unfallaufnahme gab und gibt, haben wir mit den Daten aus den Niederlanden und Berlin eine Schätzung von bis zu 50 Prozent der tödlichen Fahrradunfälle oder eben damals 300 tödlichen Unfällen genannt, die durch den toten Winkel verursacht werden

    – zu den Unfällen im toten Winkel zählen nicht nur Rechtsabbiege-, sondern auch Geradeaus- und Linksabbiegeunfälle mit Fahrradfahrern, sondern auch Fußgänger- und Kfz-Unfälle (in den Niederlanden 40 Prozent aller tödlichen Unfälle im toten Winkel)

    – die Rechnung stimmt für Berlin 2007 sogar eigentlich allein mit den fünf tödlichen Rechtsabbiegeunfällen bei insgesamt nur zehn tödlichen Fahrradunfällen – die restlichen vier waren tödliche Alleinunfälle „aufgrund vermutlich von Schwächeanfällen“ von Senioren im Alter von Mitte 70 bis Mitte 80, deren Verbleib in der Statistik wohl manchmal nicht ganz klar geregelt scheint (in diesem Jahr wurde ein tödlicher Alleinunfall dieser Kategorie wieder aus der Verkehrsunfallstatistik gelöscht)

    – die Zahlen der tödlichen Fahrradunfälle 2007 in Deutschland werden erst immer Mitte des Jahres veröffentlicht, 2006 waren es 486 und damit immerhin gut 20 Prozent weniger als 2003, in Berlin ist der Rückgang von 24 (2003) auf 14 (2007) um gut 40 Prozent sogar noch deutlicher

    Udo, da ich ja gleichzeitig der gute Onkel war, der immer wieder so ziemlich allein in der Öffentlichkeit die gefährlichen Radwege auf Gehwegen angeprangert hat und sich dafür noch immer gerne prügeln lässt, bin ich doch der letzte, der in Dein Schwarz-Weiß-Schema passt.

    Diese Arbeit ist kein Rumdocktern an Symptomen und keine Wahl von Pest und Cholera, sondern die Verdoppelung des Fahrradverkehr bei gleichzeitigem Rückgang der schweren und tödlichen Fahrradunfälle. Genau diese Erfolge gibt es überall da, wo man gar nichts macht leider nicht – es fahren weder mehr Menschen Fahrrad, noch wird es für die wenigen sicherer.

    Unterstützung in der öffentlichen Diskussion kriege ich von Dir und von anderen offenbar nicht – die Leserbriefe an die Bild, BZ und Kurier muss ich immer noch alleine schreiben. Die Redaktionen sagen mir immer, es käme dort nix anderes als kübelweise Dreck gegen Radfahrer an – und die Blätter haben nun mal die Mehrheit in dieser Stadt. Naja, man kann ja nicht alles wissen … 😉

  22. Das ist ja alles ganz nett, aber noch immer an der Frage vorbei, warum die Rolle des Radweges beim Toten Winkel bei dieser Kampagne komplett verschwiegen wurde. Wann immer ich etwas dazu gelesen oder gehört habe, der Radweg war nicht dabei, somit auch nicht als Abhilfe das Benutzen der Fahrbahn. Ein Hinweis auf die geringe Radweg-Dichte Berlins wäre eine Ausrede, denn die Kampagne vernahm man auch an Orten, die ausschließlich aus Wegelchen zu bestehen scheinen. Selbstverständlich wird das dann eben so registriert, daß Radwege sicher sind, jedenfalls aber nicht Schuld am Unfall im Toten Winkel. Insofern ist eine solche Kampagne kontraproduktiv, denn nun wurde ja richtig was für Radfahrer getan, da muß das Nächste halt 12 Jahre warten. Das dann endlich die Ursache dran kommt oder eine Aufklärung über die öffentliche Angst-Propaganda, ist nicht sicher. Vielleicht findet sich dann ja wieder etwas leichter durchsetzbares. Das Problem wurde ja beseitigt, wird es heißen, wie kann es jetzt plötzlich was anderes sein.

    > Unterstützung in der öffentlichen Diskussion

    Wieder ein bißchen Sand… Unterstützung für DIESE Aktion gibt es nicht von jedem, weil sie am Ziel vorbei geht, zumindest aber einen erheblichen Umweg macht. Du bist durchaus nicht der einzige Lesermail-Schreiber, andere tun es in anderen Zeitungen.

    > gefährlichen Radwege auf Gehwegen angeprangert hat
    „Der ADFC fordert deshalb Radspuren auf der Fahrbahn statt auf den Bürgersteigen.“ (Die Welt)

    Was ja wohl heißt, das Radstreifen und andere Malereien sicher sind — Und schon steht sie im Raume, die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich aber finde, daß man nicht die Unfälle auf Malereien mit denen auf baulichen Wegelchen aufwiegen kann. Ich finde, daß sich Sondereinrichtungen allein an der allgemeinen Möglichkeit, der Fahrbahn, messen lassen müssen. Da sie alle wesentlich schlechter abschneiden, hinfort damit.
    Wer Malereien fordert, muß sich Unfälle darauf mit anrechnen lassen.

  23. @Udo … jetzt ist mir klar, warum Du so schlecht informiert bist – Du kommst ja von da … 😉 Öffentliche Diskussion heißt dabei nicht, dass Du alles nachplappern musst was andere Deiner Meinung nach falsch sagen. Du musst aber auch nicht das schlecht machen was richtig ist, nur weil es Deiner Meinung nicht entspricht. Deine Pest-und-Cholera-Sand-Angst-Malerei-Kampagne kann einem schon richtig Angst machen. Traust Du Dich nicht mit mir im Lkw mal blind rechts abzubiegen? Das Angebot steht noch … 😉

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