Critical Mass Dresden

In Dresden gibt es nun eine Critical Mass, die sich jeden letzten Freitag im Monat um 18.30 Uhr am Denkmal an der Skaterbahn an der Lingnerallee trifft. Einen Veranstalter gibt es nicht, schließlich wird ja nur ganz normal, entsprechend der Verkehrsregeln Fahrrad gefahren, und das heißt:

  1. Die Gruppe fährt auf einer Fahrspur.
  2. Die Gruppe bleibt beisammen, um durch den motorisierten Verkehr nicht zerrissen zu werden.
  3. Alles bleibt friedlich und lässt sich durch aggressive Autofahrer nicht provozieren. Der Verkehr wird nicht absichtlich gestört. Es geht nicht um Verkehrsbehinderung anderer, sondern darum, sich als unmotorisierter Verkehrsteilnehmer ein Stück öffentlichen Lebensraumes, die Straße, zumindest zeitweilig zurückzuerobern.
  4. Das Motto lautet: “Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind Verkehr!“
  5. Es gibt keinen Organisator oder Anführer, auch wenn die Polizei vielleicht gerne einen hätte.
  6. Die Geschwindigkeit bleibt moderat, etwa 15 Km/h.
  7. Jeder der mitfährt ist natürlich für sich selbst verantwortlich.

ADFC Dresden: Critical Mass
Critical Mass Dresden bei MySpace

6 Gedanken zu „Critical Mass Dresden

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  1. Von einer Critical Mass von Ende des letzten Jahres in Dresden gibt es ein Video bei Youtube. Ob da so sehr auf die Verkehrsregeln geachtet wurde, lasse ich mal dahingestellt sein. Ich habe das deshalb auch nochmal extra in den Artikel auf http://www.adfc-dresden.de hingeschrieben. Aber: sehr feine Sache! Schade dass ich in Berlin bin und die hiesige Critical Mass irgendwie gerade im Dornröschenschlaf verschwunden ist…

    Konrad

  2. Critical Mass und Berlin, meiner Ansicht nach gerade ein schwieriges Unterfangen. Da scheint es doch sehr unterschiedliche Haltungen zu geben ob das Sinn macht und nach außen vermittelbar ist. Einerseits gibt es durchaus Bestrebungen der Stadt Berlin, das Bild einer radfahrerfreundlichen Stadt zeichnen zu wollen, was sich unter anderem in der Aufhebung vieler Benutzungspflichten nach der Fahrradnovelle, einer Zusammenarbeit mit dem ADFC bemerkbar macht oder auch darin den Radverkehrsanteil zu erhöhen.

    Andererseits scheint mir das Konfliktpotential mit vielen Autofahrern im Alltag, der Radwegirrsinn auf vielen Hauptverkehrsstraßen und gerade im Berufsverkehr immer noch unverändert. Gerade auch wenn mensch sich nicht an den Rand drängen lassen will und selbstbewußt versucht im Verkehr auf der Fahrbahn mitzuschwimmen.

    Wird eine Stadt als fahrradfreundlich wahrgenommen, ist es wohl schwierig eine Critical Mass zu etablieren. Wofür soll denn diese gut sein. Der Stadt, die ja angeblich willig sei einen Spiegel vorzuhalten? Oder gar es den Autofahrern mal so richtig zu zeigen? Das passt alles irgendwie nicht… Und die Erfahrungen im letzten Jahr waren ja auch nicht unbedingt nur positiv. Die meisten CM Grundsätze wurden völlig beiseite gewischt (StVO, keine Blockade, usw. ). Die Außenwirkung war dann auch teilweise dementsprechend. Wenn dann niemand mehr Lust hat das Verhalten von einigen wenigen/vielen nach außen mitzutragen, kommt halt auch keiner mehr oder nur noch wenige. Sicher war es auch teilweise spaßig, aber von einer selbstbewußten CM, die gleichberechtigt im Verkehr agiert weit entfernt.

    Dann kommt auch noch dazu, dass die Radlobby, der ADFC, die CM völlig ignoriert, weil der Club sich in seiner Arbeit gefährdet sehen würde. Aber gerade hier bestünde doch die Chance fernab von Vereinsmeierei, Bürokratie und Alleinvertretungsanspruch, dass sich eine eigene Kultur entwickelt. Eine die verantwortungsbewußt, kritisch und Selbstvertrauen zeigend zusammen Rad fährt und feiert.

  3. Als 1997 in Berlin die Idee der Critical Mass aus San Francisco importiert wurde – wir waren die ersten in Deutschland und wohl auch Europa – hatten wir viel Spaß, denn es war eine echte Massenbewegung und zu der Zeit auch eine der wenigen Möglichkeiten den berechtigten Anspruch des Fahrradverkehrs zu thematisieren. Was war damals anders? Es gab kaum Akzeptanz des Fahrradverkehrs in Berlin. Es gab nur benutzungspflichtige Radwege, die meist nicht dem Stand der Technik entsprachen. Es gab praktisch keine Radspuren auf den Fahrbahnen, mit Ausnahme des Südwestkorsos. Natürlich gab es auch keinen Etat für den Fahrradverkehr, keine Bauplanunterlagen das Fahrradroutennetz umzusetzen, keine Radverkehrsstrategie Berlin, eine Sternfahrt die wesentlich kleiner und weniger breit akzeptiert war, natürlich Sperrzeiten bei der BVG, kaum Fahrradmitnahmemöglichkeiten in der S- und Regionalbahn, keine Kreisfahrt, keine Ostseefahrt, kein Call a Bike, kaum Stadtführungen auf dem Fahrrad, kaum Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen und Kreuzberger Bügel im öffentlichen Straßenland, keine Radfernwege, keine Fahrradrouten, keinen Nationalen Radverkehrsplan … Auch wenn noch viel Arbeit vor uns liegt, ist eine echte Fahrradkultur entstanden, in der es selbstverständlich ist, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, der Fahrradtourismus nie geglaubte Unterstützung und Zuwächse erlebt, die Verbindung von Fahrrad und U-Bahn, S-Bahn, Regionalbahn für täglich zehntausende Radfahrer möglich … – und sich der Radverkehrsanteil seit Anfang der 1990er Jahre auf jetzt 12 Prozent verdoppelt hat. So wie in Berlin fördern inzwischen auch große andere europäische Metropolen den Fahrradverkehr – und entwickeln sich genauso weiter. So hat London mit seiner Freewheel im vergangenen Jahr erstmals – und dies ganz offiziell mit unserer Beratung – die Berliner Sternfahrt auf der Insel kopiert. Während auch dort die Critical Mass zuvor nur wenige erreicht hat, kamen im vergangenen September unglaubliche 40.000 ganz normale Fahrradfahrer auf Londons Straßen zusammen. Wer London im Alltag kennt, kann ungefähr einschätzen welche Sensation dies ist. Critical Mass ist also Alltag geworden, wenn nicht mehr 500 Leute wie 1997 einmal im Monat durch die Stadt gurken, sondern 6.400 täglich über die Kastanienallee, fast 10.000 täglich durchs autofreie Brandenburger Tor oder 18 Millionen jährlich mit dem Rad die S-Bahn nutzen. Die nach wie vorhandenen vielen Probleme müssen leider in mühevoller Kleinarbeit von uns und anderen engagierten Radfahrern nun abgearbeitet werden – so schwer ist das Leben in einer Demokratie. Und Demokratie bedeutet auch, dass uns oft Leute, die behaupten selbst Rad zu fahren, unsere Arbeit täglich schwerer machen: Stichwort Verhinderung der Asphaltierung von Nebenstraßen und Radrouten in Grünverbindungen oder vermeintlicher Denkmalschutz bei Aufpflasterungen bisheriger Asphaltstraßen. Begriffe wie Bürokratie müssen demnach eher Demokratie heißen – und da haben wir leider nicht immer die Mehrheit. Auch weil sich zu wenige Fahrradfahrer engagieren. Da der ADFC Berlin – im Gegensatz zu anderen Vereinen aus einem ähnlichen Spektrum – seit Mitte der 1990er Jahre seine Mitgliederzahl auf mehr als 10.000 verdoppelt hat, teile ich Deine Einschätzung von Vereinsmeierei nicht, auch wenn sie sich leider nicht immer vermeiden lässt. Alleine die Tatsache, dass zu uns jeder unabhängig von einer Mitgliedschaft täglich bis 20 Uhr zu uns kommen, sich informieren, beraten, Hilfe zu Selbsthilfe holen und fast alle Angebote nutzen kann, unterscheidet uns von fast allen anderen Vereinen – beim ADAC muss man dazu schon Mitglied sein. Und wenn Du ein konkretes Problem benennst, können wir es zusammen auch lösen – aber „alle andere drängen mich Rand“ und der ADFC ruft nicht zu einer doch angeblich völlig unorganisierten Critical Mass auf, bringt uns keine Freunde und löst kein Problem.

  4. Natürlich kann eine Critical Mass organisierte politische Arbeit, wie sie der ADFC leistet nicht ersetzen. Das ergibt sich schon rein aus der Natur dieses Events. Critical Mass ist mehr eine Idee, ein Ereignis und eben keine Organisation. Das brauche ich dir natürlich nicht zu sagen, dass weißt du selbst. Critical Mass hat also einen völlig anderen Ansatz, wie eine Organisation, wie es zum Beispiel der ADFC in Berlin ist. Trotz aller Kritik hat Critical Mass doch immer den Anspruch für alternative Verkehrsmittel zu werben, ob nun mehr oder weniger als reines Spaßereignis oder auch mit einem gewissem Anspruch Druck auf die Politik auszuüben. Es hängt natürlich von vielen Faktoren ab, was hier im Vordergrund steht, so zum Beispiel von der Motivation der Menschen, die eine kritische Masse bilden, von den realen Verhältnissen im Straßenverkehr in den Städten und wie die Politik versucht lebensfreundliche Verhältnisse zu schaffen. Das es nicht reicht einmal im Monat massenhaft die Straßen zu beleben um die Verhältnisse zu ändern steht denke ich auch außer Frage. Politisches Engagement von Einzelnen ist da unabdingbar. Was die Critical Mass mindestens leisten kann, ist Menschen zusammenzubringen, die dann vielleicht auch anfangen sich kritisch mit der Thematik Verkehr auseinanderzusetzen.

    Dass der ADFC in Berlin nicht zu einer Critical Mass aufruft ist wohl auch verständlich, das der ADFC das Fahrradevent völlig ignoriert meiner Ansicht nach schon weniger. Als die Fahrradlobby schlechthin in Berlin hätte ich zumindest eine Reaktion und sei es nur im negativen Sinne erwartet. Aber vielleicht auch ist auch das verständlich, wenn mensch den Ablauf der CMs im letzten Jahr betrachtet. Scheinbar gibt es da ja derzeit einfach eine zu große Diskrepanz. Auch ich, der ich eigentlich die Idee der CM sehr unterstütze, distanziere mich ganz klar vom Verhalten vieler. Aber letztlich bestimmen halt diejenigen, die zusammen fahren den Ablauf.

    Über die Frage der Akzeptanz des Fahrrads in Berlin, nunja du magst recht haben, dass da von politischer Seite sicherlich sehr viel getan wurde, und da ist das Engagement und der Verdienst des ADFC natürlich hervorzuheben. Aber Akzeptanz definiert sich halt nicht nur politisch sondern direkt im Straßenverkehr. Und dort ist halt meiner Ansicht nach von Akzeptanz oft nicht sehr viel zu spüren. Hier kann ich allerdings nur meine persönlichen Erfahrungen einfließen lassen. Und von RadfahrerIn zu RadfahrerIn sind die Erfahrungen sicherlich sehr unterschiedlich, je nach Fahrverhalten und Zweck des Fahrrads.

    BTW: Berlin war nicht die allerste Stadt in Europa, in der Critical Mass Fahrten stattfanden, mindestens in London (GB) und in Bergen (Norwegen) gab es diese schon seit 1995.

  5. … eigentlich hast Du es ja schon richtig beschrieben – da gab und gibt es nichts Neues zu berichten. Obwohl – und zu meiner Überraschung – sogar mehrere Links von unserer Website vor fast einem Jahr von Besuchern in unsere Linkdatenbank gestellt wurden. Auch in unser Forum hat jemand – vermutlich Du? – den Termin gestellt. Critical Mass macht eben richtig Arbeit und braucht entgegen anderslautender Wiederholungen eine Organisation. Wenn Du bedenkst, wie viele Leute in den 90er Jahren mitgemacht haben – ich brauche wohl kaum zu verschweigen, dass ich am Anfang, aber eben auch nur am Anfang, dabei war – kannst Du Dir angesichts des damaligen Mangels an wirklicher Verbreitung von E-Mail und Internet vorstellen, was da an Arbeit hinter stecken musste. Wenn nun angeblich in Budapest die weltweit größte Critical Mass der jüngeren Vergangenheit stattgefunden hat, dann solltest Du nicht vergessen, dass der ungarische Präsident László Sólyom sicherlich nicht in einer vollkommen unorganisierten Veranstaltung mitgeradelt ist. Budapest ist genauso wie San Francisco auch nach wie vor ein Beispiel dafür, dass dort im Alltag – anders als in Berlin – extrem wenig Rad gefahren wird. Es ist ja leider immer ein Problem, dass angeblich früher alles besser war und heute angeblich andernorts alles besser ist. Tatsächlich haben wir heute und hier in Berlin nicht nur noch vor zehn Jahren undenkbar viel und positives erreicht, sondern vor allem jetzt – wie nie zuvor – leicht erreichbare Chancen auf mehr. Wie hier ja vor einiger Zeit geschrieben, streite ich mich gerade intern mit einer großen Boulevardzeitung um unser Image. Leider beteiligen sich Fahrradfahrer nicht an der Diskussion auf den Leserbriefseiten. Fahrradfahrer beschweren sich auch nicht beim Polizeipräsidenten. Und Fahrradfahrer lassen sich nicht in den Niederungen der Kommunalpolitik blicken. Und nicht zu vergessen: Fahrradfahrer kämpfen nicht für eine bessere Produktqualität. Natürlich will ich denjenigen die sich fachlich kompetent und kontinuierlich engagieren nicht Unrecht tun – unsere Wortmeldungen an vielen wichtigen Stellen und in vielen Entscheidungsprozessen sind eben im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern nicht zahlreich genug. Und wenn wir in dieser Stadt mit einem wirklich Eindruck erreicht haben, dann ist es nicht die Critical Mass, sondern die Sternfahrt und massenhaftes Radfahren im Winter – am heutigen Tag übrigens erstmals seit 100 Jahren im 20-Minuten-Takt im Verkehrsfunk – vielleicht ist ja unsere Akzeptanz doch nicht so schlecht, wenn wir einfach das machen, was uns schon in den letzten Jahren den Erfolg gebracht hat: die tägliche Abstimmung mit den Rädern und dabei einfach noch den Arbeitskollegen mitnehmen … 😉

  6. Hier gibts weitere Infos: critical-mass-dresden.jimdo.com

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