Der Radlobby fehlt der Schwung

Die taz kommentiert heute die Erfolgsmeldungen der Stadtentwicklungssenatorin: "Darauf ein Ständchen mit der Klingel: Der Radverkehr in Berlin ist zur WM um 25 Prozent gestiegen, sagt die Verkehrssenatorin. Denn Berlin hat nicht nur ein tolles ÖPNV-Netz, so Ingeborg Junge-Reyer, es ist eine "fahrradfreundliche Stadt".

Süffisant ergänzt sie: "Wenn jemand unbedingt mit dem Auto durch die Stadt muss, geht auch das." Schön, wenn’s denn so wäre. Aber was ist eigentlich eine "fahrradfreundliche Stadt"? Eine Stadt, in der Radfahren von der motorisierten Mehrheit geduldet wird? Oder eine, in der Radfahrer als vollwertige Verkehrsteilnehmer ernst genommen werden? Diesen Zustand hat Berlin noch lange nicht erreicht. Das hiesige Radwegenetz sei "nicht bahn-, sondern knochenbrechend", befand im Jahr 2000 der damalige Neuberliner Jürgen Trittin. Seither wurde mancher Meter Radspur auf den Asphalt gepinselt. Aber so schnell, wie die vorhandene Infrastruktur verfällt, können die Bautrupps gar nicht arbeiten. Und während die Fahrt auf dem Radweg zum Slalom um Baumwurzeln und lose Zementplatten wird, ergeht es Straßenbenutzern wenig besser: Zwischen stehendem und fahrendem Blech werden sie – wo keine Markierung sie schützt – bedrängt und angehupt. Mit hohlen Slogans wie der "fahrradfreundlichen Stadt" hebt man keine Massen auf den Sattel – obwohl das für alle von Vorteil wäre. Kritische Stimmen werden derweil nicht mehr, sondern weniger: Vor ein paar Jahren noch forderte der ADFC, der Berliner Radverkehr benötige nicht fünf, sondern fünfzig Millionen Euro im Jahr. So etwas hat man schon länger nicht mehr gehört. Beflügelt von dem kleinen WM-Boom müssten sich Berlins Fahrradpolitiker mal wieder kräftig in die Pedale stellen. Vielleicht kommt da die Wahl im September ja ganz gelegen."
taz-Berlin-Kommentar zum WM-Radverkehr in Berlin

Ein Gedanke zu „Der Radlobby fehlt der Schwung

Kommentare-Feed
  1. ja hey

    ich finde das zweirädrige volk sollte ein wenig mehr präsenz zeigen. nicht nur auf der straße wird man als radfahrer derzeit anscheinend nicht wahrgenommen… in großen us-amerikanischen städten ist es gerade ziemlich cool als cyclist für seine rechte zu „kämpfen“… wieso gibt es das in berlin nicht (mehr)? wie kann es sein, dass man als notlösung über die motorhaube eines rechtsabbiegenden autos absteigen muss und der herr am steuer nicht einmal aussteigt, um einem wieder in den sattel zu helfen?

    ich will aktiv werden – nicht länger verkehrsteilnehmer zweiter klasse sein – nur so ganz allein wird das wohl nichts. dies hier ist also ein aufruf an alle, die sich auch gelegentlich über schlechte radwege und mangelnde rücksicht des motorisierten verkehrs ärgern…

    also schreibt mal ganz fleißig an klaerinp@rz.hu-berlin.de
    wie denkt ihr denn dazu?

    viele grüße,
    paul

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