Berliner Senat stellt Leitfaden für Leihräder auf

Wohl kaum eine andere Wirtschaftssparte hat sich in kurzer Zeit so dramatisch verändert wie der Leihfahrradmarkt. Im Juni 2016 beschloss der Senat, auf einen neuen Fahrradverleiher zu setzen. Statt Call a Bike sollte Nextbike der neue Betreiber des Berliner Fahrradverleihsystems werden. Gefordert waren mindestens 175 Stationen und mindestens 1.750 Räder. Das war dem Senat eine jährliche Förderung von einer Million Euro wert. Tatsächlich stelle Nextbike dann mehr Leihfahrräder (2.000) an viel mehr Stationen (700) auf die Straße. Bis Ende 2018 wird Nextbike 5.500 Räder an festen Stationen anbieten.

Zum Erstaunen aller verkündete der unterlegene Leihradanbieter Call a Bike der Deutschen Bahn, im Berliner Markt zu bleiben, auch ganz ohne staatliche Förderung. Weitere Anbieter kamen hinzu: Donkeybikes, MoBike, Obike. Und das ist noch nicht das Ende, denn weitere Verleiher haben bereits Interesse an einem Verleihgeschäft in Berlin angekündigt. Heute kann die Anzahl der Leihräder in Berlin nur geschätzt werden. Auf Basis der Angaben der großen Verleihunternehmen werden aktuell mindestens 16.000 Räder angeboten.

Verkehrssenatorin Regine Günther begrüßt prinzipiell Leihfahrräder, da sie vor allem in Kombination mit dem öffentlichen Nahverkehr ein sinnvoller Teil des Umweltverbundes sind. „Schwierig wird es, wenn die angebotene Zahl an Leihrädern ausufert. Dann müssen wir gegensteuern. Wir haben für die Bezirke einen Leitfaden mit Empfehlungen entwickelt, welche Anforderungen in der aktuellen Situation an das Abstellen dieser Leihräder zu stellen sind. Damit soll einem Wildwuchs entgegen gewirkt werden.“

Eine Maximalgrenze, wieviele Leihräder die Stadt verträgt, nennt Günther nicht, „wegen unterschiedlicher Straßenverhältnisse“. Aber besonders die stationsungebundenen Leihfahrräder könnten bald zur Schwemme werden. Deshalb stellt die Senatsverwaltung Regeln für Leihräder auf. Bis zu drei Leihfahrräder an einer Stelle gelten als Gemeingebrauch und müssen nicht genehmigt werden. Wer mehr Leihräder abstellt, braucht eine Sondernutzungserlaubnis.

Wichtig beim Abstellen von Leihrädern ist außerdem, dass keine Zugänge oder Ein- und Ausgänge zu Gebäuden oder U- und S-Bahneingängen einschließlich der Aufzüge versperrt werden. Das gilt auch für abgesenkte Bordsteine, die zum Passieren von Rollstuhlfahrenden wichtig sind. Die Benutzung von öffentlichen Fahrradabstellanlagen durch Anbieter oder Kunden stationsloser Fahrradverleihsysteme ist nicht gestattet. Eine komplette Liste von Einschränkungen für das Abstellen von Leihrädern ist auf der Webseite der Senatsverwaltung einsehbar. Anwohner werden aufgefordert, bei Verstößen die mobile App „Ordnungsamt-Online“ zu nutzen.

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Pressemeldung Leihfahrräder in Berlin
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Leihfahrräder
Inforadio: Leihräder in Berlin: Problem oder Chance? (Interview mit Staatssekretär Kirchner)

6 Gedanken zu „Berliner Senat stellt Leitfaden für Leihräder auf

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  1. Nextbike alias Deezer ist anscheinend der einzige Anbieter, den ich nutzen kann. Denn alle anderen funktionieren offenbar nur mit Handy oder Smartphone-App. Ich will mir aber kein Handy zulegen, nur um ein Fahrrad ausleihen zu können. Und manch einer hat seines vielleicht nicht immer dabei oder die Batterie ist alle oder das Guthaben oder das teure Stück befindet sich nicht im Besitz des rechtmäßigen Eigentümers. Der „Zwang“ zum Handy oder Smartphone ist alles andere als kundenfreundlich. Nextbike a.k.a. Deezer sind also die löbliche Ausnahme!

  2. Kann man in Berlin Elektrofahrräder ausleihen? Das fände ich mal eine klasse Idee, ich denke auch keine schlechte Geschäftsidee. Hab das jetzt schon so oft mitbekommen, das ganze Gemeinden Elektrolastenfahrräder aufkaufen um sie den Bürgern auszuleihen. Das bietet sich für Gartenarbeiten oder Altglaswebringen an.. Hier mal Beispielhaft ein Lastenfahrrad https://www.sortimo.de/das-lastenfahrrad-procargo-ct1/ – Find ich echt ganz praktisch! Auch für Handwerker könnte man eine eigene Community gründen, bei denen sich die einzelnen Handwerker zusammen ein solches Bike leisten, wie Car Sharing quasi, und bei Bedarf kann das einer mitnehmen auf Einsätze. Bietet sich gerade in der Rush Hour an.. Gibts da schon was in Berlin?

    1. Der ADFC hat jetzt seine fLotte gestartet, aber das sind Lastenräder ohne Elektromotor. Die werden kostenlos verliehen. Das Angebot ist sicherlich eher für private Nutzung sinnvoll als für Handwerker. Es gibt aber ein bundesweites Projekt speziell für Gewerbe, auch hier in Berlin: https://www.lastenradtest.de/

  3. Passend dazu evtl. auch die Fotoserie aus China, die die Übersättigung des Leihradsystems dokumentiert.

  4. Darf ich dezent darauf hinweisen, daß kein einziges dieser Fahrräder ausgeliehen werden kann? Ebensowenig wie Autos bei einen Autoverleih ausgeliehen werden können. – Merke: Leihe ist die unentgeltliche Überlassung. Eine gewerbliche Leihe ist also undenkbar, weil damit kein Cent verdient werden könnte.
    Egal also, ob Fahrrad oder Auto, es handelt sich um Miete, um Mietfahrräder und Mietautos.

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