Geschützte Radwege in Berlin: 2 Meter breit, grün und abgepollert

Verkehrssenatorin Regine Günther stellte gestern auf der Fahrradkommunalkonferenz das neue Design geschützter Radwege vor, die ab dem nächsten Frühling in Berlin entstehen sollen. Die neuen Radstreifen sollen mindestens zwei Meter breit werden, hinzu kommt eine ein Meter breite Sperrfläche, auf der neunzig Zentimeter hohe Poller stehen, damit die Streifen nicht von Kraftfahrzeugen befahren werden oder als Parkplatz missbraucht werden. Durch eine grüne, flächendeckende Färbung sollen die Radstreifen auch optisch von der Fahrbahn getrennt werden.

In einem ersten Kommentar schrieb der ADFC Berlin: „Grüne Radwege in Berlin? Gerne. Hauptsache, sie sind sicher, ausreichend breit und bilden ein zusammenhängendes Netz.“ Das mit dem zusammenhängenden Netz dürfte einstweilen Illusion bleiben, denn vorerst soll lediglich ein ein Kilometer langes Stück der Hasenheide in Kreuzberg zwischen dem Südstern und der Wissmannstraße auf der südlichen Seite angelegt werden. Das ausgewählte Straßenstück zeichnet sich dadurch aus, dass es vollkommen kreuzungsfrei ist.

Auf den von der Verkehrsverwaltung herausgegebenen Visualisierungen sieht man Radfahrer, die nebeneinander fahren. Bei einer Breite von zwei Metern ist Nebeneinanderfahren und Überholen machbar, kann aber zu gefährlichen Situationen führen, da die Abstandspoller recht nahe am Radstreifen stehen. Nicht möglich ist es dagegen, ein Lastenrad zu überholen.

Weitere geschützte Radstreifen befinden sich in Planung und werden derzeit mit den Bezirken abgestimmt.

SenUVK: Senatorin Günther stellt Geschützte Radstreifen vor

20 Gedanken zu „Geschützte Radwege in Berlin: 2 Meter breit, grün und abgepollert

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  1. Die Strecke eignet sich gut für so einen Radweg, zumal es ca. 1 km lang keine Kreuzung gibt. Problematisch ist die Nordseite der Hasenheide. Da gibt es einen benutzungsfreien und im Grunde auch unbenutzbaren Radweg. Auf der Fahrbahn muß man wirklich weit in der Mitte fahren um nicht abgedrängt zu werden. Warum nicht auf beiden Seiten so einen Streifen? Dann sieht man auch die Vor- und Nachteile bei „normalen“ Straßen, also solchen mit Kreuzungen.

  2. [quote]zwei Meter breit[/quote]
    Viel zu schmal zum überholen. Der Überholte muss ja auch einen gewissen Sicherheitsabstand vom Gehweg einhalten (laut Rechtssprechung ca. 75-80cm, siehe BGH vom 26. April 1957, Az. VI ZR 66/56) und wenn man dann eine Fahrradbreite von 60cm annimmt, dann bleiben nur 0-5cm Abstand, also viel zu wenig zum Überholen. Das Problem tritt also nicht nur bei Lastenfahrrädern sondern schon bei normalen Fahrrädern auf.

    [quote]ein Meter breite Sperrfläche[/quote]
    Hört sich sinnvoll an, wenn die Fläche auch wirklich frei bleibt.

    [quote]neunzig Zentimeter hohe Poller[/quote]
    So wie die Poller auf dem Bild aussehen sehe ich da eine ganz erhebliche zusätzliche Verletzungsgefahr im Falle eines Sturzes. Gibt es irgendeinen Grund, warum die Poller *deutlich* näher an der Radspur als an der Fahrbahn stehen?

    Bei den Parkplätzen links neben der Radspur (im Bild hinten zu sehen) muss man wohl auch davon ausgehen, dass bis zu den Pollern geparkt wird und damit nur ein Bruchteil der Sperrfläche wirklich frei bleibt. Die Türen werden dann doch wieder über den Radweg geöffnet. Man kann das schon heute ganz gut beobachten auf der Straße des 17. Juni, wo insbesondere LKW (aber auch viele PKW) die Sperrfläche völlig ignorieren und bis zur Linie (teilweise auch darüber hinaus, immerhin das wird durch die Poller verhindert) parken.

    Abgesehen davon wird ein Ausweichen auf die Fahrbahn zum Überholen (siehe oben) deutlich erschwert (oder ganz unmöglich, wenn links von der Radspur noch geparkt wird). Im Endeffekt müssen sich doch wieder alle nach dem langsamsten richten – in der Hinsicht ist es also keinerlei Verbesserung gegenüber schmalen Uraltradwegen.

    [quote]grüne, flächendeckende Färbung[/quote]
    Hört sich für mich nach einer Modeerscheinung ohne echten Nutzen an. Bleibt nur zu hoffen, dass die Oberfläche nicht durch die Farbe bei Nässe besonders rutschig wird (wie es bei rot gefärbten Radspuren machmal der Fall ist).

    Die nächste Frage ist, wie der „Schutz“ bei Grundstückseinfahrten realisiert werden soll. Da wird es dann (genauso wie bei Radwegen) regelmäßig Autofahrer geben, die erst mal auf die Radspur fahren und dann erst warten, bis die Fahrbahn frei ist (ganz besonders wenn hinter den Pollern noch parkende Fahrzeuge die Sicht versperren). Und durch die Poller kann man nicht so leicht ausweichen. Dazu kommt die Rücksichtslosigkeit von manchen Autofahrern. Wenn die Lücke zwischen den Pollern bei einer Einfahrt breit genug für zwei Autos ist, dann wird sich auch jemand finden, der ein Auto/einen Lieferwagen am Rand der Einfahrt quer über die Radspur (und eventuell Teile des Gehwegs) stellt.

    Bleibt nur zu hoffen, dass der Mist am Ende nicht benutzungspflichtig wird und man nach wie vor sicher auf der Fahrbahn fahren kann.

    1. Jakob, ich sehe das alles nicht ganz so negativ wie Du, aber man könnte ein paar Sachen besser machen:

      1. Die neuen Fahrradwege nicht rechts, sondern links von eventuell parkenden Autos anlegen. Sonst hat man dauernd ein- und austeigende, be- und entladende Autofahrer auf dem Radweg rumhüpfen. Und es ist viel leichter zum Linksabbiegen auf die Linksabbiegespur zu kommen.

      2. Auf die Poller verzichten, damit sich nicht Radfahrer daran verletzen. Außerdem ist es dann nicht so problematisch, wenn der Radweg nur 2m breit ist, da man jederzeit via Fahrbahn überholen kann. Man muß nur aufpassen, daß gerade kein Auto kommt.

      3. Auf die rot-rot-grüne Farbe kann man wirklich verzichten. Bei asphaltierten Straßen hat man eigentlich einen guten Untergrund zum Radeln – Farbe macht das nicht besser, sondern schlechter.

      So oder so sollten Radwege nie benutzungspflichtig sein. Sind sie gut genug, benutzt man sie gerne. Sind sie nicht gut, ist die Qualität zu verbessern.

  3. Hm – breiter ist immer schöner klar. Ohne Poller wäre es nur wieder ein Rad-=Parkstreifen. und rechts der Parker finde ich richtig.

    Ich fahr die Strecke regelmäßig recht flott auf dem Bakfiets (60cm breit). Ich kann auf 2m locker ein anderes Rad überholen, etwas knapper aber durchaus möglich: ein Christiania.

    Voll beladen fahre ich in Gegenrichtung auf dem alten kaputten Radweg lieber als mich auf der Fahrbahn bedrängen zu lassen. Also: Freu mich drauf und bin gespannt.

    1. @fab: Der ADFC vertreibt Warnwesten auf denen Automobilisten auf einen Mindestüberholabstand von 1.5 m hingewiesen werden. Ich denke nicht, daß dieser Abstand deutlich unterschritten werden sollte, wenn ein Fahrrad das andere überholt, da man ggf. zwei potentiell „wackelige“ Verkehrsteilnehmer hat. Es kommt immer wieder zu Unfällen, weil sich z.B. eine Tasche oder Jacke (oder ADFC-Warnweste) eines Radfahrers mit dem Lenker eines anderen unvorhergesehen vereint. I.d.R. sind die Unfälle nicht schlimm, weil die kinetische Energie der Radfahrer gering ist, aber es kam auch schon zu schweren Unfällen.

      Die 2m wären kein Problem, wenn sich der Radweg links der parkenden Autos befände und keine Radlerpfähle hätte – dann könnte man einfach die Fahrbahn zum sicheren Überholen mitnutzen.

  4. Bleibt zu hoffen, dass diese Poller aus elastischem Material sind und keine starren Metallpoller. Letztere wären wirklich eine zusätzliche Gefahr.

    Das wirklich große Problem an diesen „geschützten Radstreifen“ ist meiner Meinung nach, dass die Radfahrenden wieder rechts neben den parkenden Fahrzeugen verschwinden und zu Fuß Gehende, die unachtsam den Radstreifen kreuzen, zur Gefahr werden.

    1. Poller, die nicht aus Stahl sind, werden umgehend von Autofahrern umgefahren und müssen andauernd ersetzt werden.

      1. Metallpoller auch. Da gibt’s bei mir um die ecke einige die regelmäßig umgefahren werden, stehen manchmal keine Woche.

        Die wenigsten Autofahrer werden allerdings absichtlich solche Poller umfahren, auch keine aus Plastik Denn ein 90 cm hohes Plastikrohr kann das heilige Blechle auch beschädigen, wenn man dagegen fährt. Es wird wohl kaum ein Autofahrer mehrere Plastikpoller umzufahren, nur um einen Parkplatz freizuräumen.

        1. Die Gefahr für Radfahrer beim Überholen an einen Pfahl zu kommen und dadurch zu stürzen ist unabhängig vom Material.

          Allerdings dürfte ein Sturz auf einen Pfahl schlimmer sein, wenn es sich um Metall handelt. Idealerweise sollten die Pfähle aus Weichgummi oder Styropor hergestellt werden.

  5. Wer Pömpel sät, wird Poller ernten.

    1. Und wer Pfähle baut, wird gepfählt werden! :~|

  6. Auf jeden Fall zu schmal zum überholen (erstrecht mit Anhänger). Außerdem sind Radwege (oder _Sch(m)utz_streifen, die so schützen wie der Verfassungs_sch(m)utz_) das perfekte Instrument für weitere Unterdrückungsmaßnahmen (z.B. schikanöse Ampelschaltungen).

  7. Ich finde ja: Die strikte Trennung mit Pollern führt letztlich zur Verkleinerung des tatsächlich fürs Radfahren und jede andere Fortbewegung verfügbaren Raums. Da ist mir die Teilung des Raums lieber. Gerade auf der Hasenheide fahre ich eigentlich ganz gern, auch wenn mir einzelne Autos immer mal wieder zu nah kommen. Die Poller werden ganz oft stören, sind selbst, wenn sie aus flexiblem Zeug sind, nicht ungefährlich und verhindern das Überholen anderer Radler mit ordentlich Sicherheitsabstand. Gegen grün hab ich nix. Die Fahrradspur als solche zu markieren macht auch dann Sinn, wenn immer mal wieder ein Autofahrer drauf fährt oder – schlimmer noch: drauf steht. Er ist dann immerhin im Unrecht & haben die meisten zumindest ein schlechtes Gewissen & damit eine mehr oder weniger hohe Hemmschwelle…

  8. „Poller Dir einen“
    Jetzt!
    Nörgeln war Gestern.

    Na also, da hat sich der neue Trend ‚hin zum benutzungspflichtigen Pollerradweg‘ letztlich doch voll ausgezahlt.
    Klar gibt es noch einzelne meckernde Intensivradler (VCs),

    http://www.taptoplay.de/post/167481439699/gesch%C3%BCtzer-radstreifen-der-hasenheide-wie-berlin

    aber seit klar ist, dass das eine irrelevante Minderheit ist, die eh nur die Kinder auf die Fahrbahn zwingen will – äh sorry das heisst ja jetzt! in neuer Bundes-ADFC Diktion ‚KfzFahrbahn‘ – gehts endlich voran.
    Also generell jedenfalls.
    Konkret gesehen ist das zügige Vorankommen auf dem Rad ja sowieso überbewertet, daher ist ja auch das Überholen auf den Pollerwegen nicht mehr wirklich sinnvoll, was aber nur die irrelevante Minderheit der ’strong and fearless‘ stört, die jetzt! schon Rad fährt. Denen steht bekanntlich eine überwältigend große Zahl an ‚interested but concerned‘ gegenüber die – Poller sei Dank – jetzt! voll protected die Verkehrswende herbeiführen werden.
    Auch die Evaluation ist deutlich einfacher geworden. Ging es früher noch mühselig darum den Autoverkehr zu reduzieren, Unfallstatistiken zu wälzen und Reisezeitverluste zu ermitteln reicht es jetzt! die ‚protected Kilometer‘ und die Anzahl der Poller im Zeitverlauf zu erfassen um eine zuverlässige Erfolgsmessung zu haben.

    Dieser grandiose erste Poller-Erfolg ist definitiv ausbaufähig: Patenschaften für bunte ‚Bürgerpoller‘ öffentlich ausschreiben, Pollerbeauftragte auf Landes- und Kommunalebene, ‚Poller des Jahres‘ in Gold,Silber, Bronze verleihen als Gewinn für ehemalige ’strong and fearless‘, die jetzt! endlich auch den ‚rechten Weg zum Poller“ gefunden haben und an ‚Netzlücken‘ nunmehr erschreckt umzudrehen gelernt haben, symbolische Pollerübergaben an PolitikerInnen, ein wahres Füllhorn der kommenden ‚Poller passion‘ von Pömpelmütze bis Pollerprozession …

    Und die vom Senat angegebenen 25cm Pedalabstand beim Überholen, ja nun, … da sollen die Alten, Schwachen, Kinder und Kranken halt mal ein bischen Fahrtraining machen, der neue Bundes ADFC hilft bestimmt gern dabei.

    1. Alfons, woher hast Du die Information, der neue Radstreifen werde benutzungspflichtig? Das wäre ja wirklich ein schlechter Witz!

      Zum verlinkten Blog noch eine Bemerkung: Mein Transportfahrrad ist nicht 90cm, sondern fast 100cm breit. Zwei davon könnten sich nicht auf einem 200cm breiten Radweg überholen, ohne das berühmte Wagenrennen aus „Ben Hur“ nachzustellen.

      (für Kinobanausen: https://www.youtube.com/watch?v=irQdcfOZpCU)

      Allerdings wurde kürzlich von Foristen beim Tagesspiegel behauptet der Fahrradstreifen werde 220cm breit. Etwas besser wäre das schon.

      1. https://twitter.com/Kinderradfinder/status/928628905656881153

        Frage:
        7) Ist für die geplante #pbl an der Hasenheide die Anordnung von Benutzungspflicht vorgesehen?

        Antwort des Senats:
        7. -> Ja.

        1. Benutzungspflicht? Das ist ja schrecklich!

          Viel Positives habe ich vom Volksentscheid Fahrrad ja ohnehin nicht erwartet, aber dass es so negativ werden würde, überrascht mich jetzt doch.

          Ich vermute (und hoffe), das Ding fällt nicht unter die Radfahrstreifen-Ausnahmeregelung in § 45 Abs 9 Nr 3 StVO. Dann lässt sich die Benutzungspflicht hoffentlich wie üblich wegklagen. (Bin aber kein_e Jurist_in und deshalb auch nicht sicher.) Trotzdem ist das ja völlig unnötige Arbeit.

          Irgendwelche Ideen, wie sich dieses Radgesetz jetzt noch verhindern oder wenigstens verzögern lässt?

  9. Hat jemand zufällig eine Unfallstatistik von der Hasenheide zur Hand? Genau welche real existierenden Unfallgefahren soll dieser Radweg reduzieren?

    Ich sehe da im Prinzip nur einen grüngefärbten Hochbordradweg der zu den hinlänglich bekannten Gefahren noch eine *zusätzliche* Unfallgefahr durch die Poller aufweist. Das Schlimme daran ist, dass durch die Art der Präsentation dieses Radwegs in den Massenmedien ein trügerisches Sicherheitsgefühl erzeugt wird, wodurch wiedermal von den tatsächlichen Gefahren abgelenkt wird. Worin diese bestehen, muss ich nicht weiter ausführen, das wurde u. a. in diesem Blog oft genug diskutiert.

    1. Sascha, ich habe keine Unfallstatistik zur Hand, finde aber, daß das Thema Sicherheit allgemein eine zu große Rolle in der öffentlichen Diskussion spielt.

      Sicherheit ist nicht unwichtig und natürlich muß man Ängste ernstnehmen, aber die übertriebene Diskussion um Sicherheit schafft mehr Angst als gerechtfertigt ist.

      Zum Schluß tragen alle einen Helm und Knieschützer, trauen sich aber trotzdem nicht auf’s Rad – „geschützte Fahrradstreifen“ hin oder her.

      Wichtiger als Sicherheit ist den meisten sowieso Bequemlichkeit und Gemütlichkeit. Radfahren sollte also vor allem bequem und gemütlich sein. Und da behindern die Pfähle eher. Auch indirektes Abbiegen ist eher unbequem.

  10. Wieder eine Möglichkeit mehr um eventuell steigenden Radverkehrsanteil in die Schranken zu weisen und der GUTE Radfahrer klatscht dazu noch Beifall.
    Weiter so!!!!!

    Irgendwann sollen ja die PKW auch mal automatisch fahren. Da muss zuerst mal die „Strasse“ freigeräumt werden.
    Mal sehen was in den nächsten Jahren noch so kommt.

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