CDU-Verkehrssprecher: Radverkehr irrelevant

Am Donnerstag brachten die Piraten im Abgeordnetenhaus das Thema „Fahrradverkehr in Berlin – null Punkte für den Senat“ auf den Tagesplan. Trotz großer Pläne, so die Piraten, käme von den Fahrradkonzepten des Senats wenig auf der Straße an.

Interessant und entlarvend sind dabei die Äußerungen des verkehrspolitischen Sprechers (!) der CDU, Oliver Friederici. Dieser erklärte das Thema ganz und gar für irrelevant. Die Wahl des Debattenthemas – so zitiert ihn der Tagesspiegel – zeige, dass den Piraten „die wahren Sorgen und Nöte der Menschen völlig gleichgültig sind“. Zudem könne man die Sicherheit der Radfahrer durch Kennzeichen und Helme erhöhen.

Auch ein Zitat des verkehrspolitischen Sprechers der SPD, Ole Kreins, ist ernüchternd – er wiederholt die Aussage Michael Müllers, man wolle nach dem Fehler der autogerechten Stadt nicht noch den der fahrradgerechten Stadt machen.

Dass von den vollmundigen Versprechungen so wenig in der Stadt ankommt, verwundert da wenig. Denn nicht nur Zuständigkeitsgerangel zwischen Bezirken und Senat, kaputtgesparte Verkehrsbehörden und (nur) autofahrende Entscheidungsträger in verstaubten Amtsstuben bremsen den Verkehrswandel aus, sondern auch ein mangelnder echter politischer Wille. Die Erhöhung der Fahrradfreundlichkeit ist ein Vernunftthema, zu dem sich die Parteien mehr oder weniger bekennen müssen, um nicht altmodisch zu erscheinen. Da eine wirkliche Verbesserung für den Radverkehr hier und da auch Kompromisse und Einschnitte für den Autoverkehr bedeuten würden, scheint das Eisen aber noch zu heiss zum ernsthaften anfassen. Die Wut der Autofahrer wird immer noch mehr gefürchtet als die zunehmende Wut der Radfahrer.

Die „verkehrspolitischen Sprecher“ der großen Volksparteien legen die Vermutung nahe, dass sie eher autopolitische Sprecher sind und die restlichen Verkehrsarten nicht für voll nehmen.

34 Gedanken zu „CDU-Verkehrssprecher: Radverkehr irrelevant

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  1. Friederici ist ja nach Angaben der CDU Fraktion im Abgeordnetenhaus Personalleiter bei einem Automobilzulieferer:
    http://www.cdu-fraktion.berlin.de/profil_1_profil_7_Oliver-Friederici.html

    Das der also auch nur den kleinen Finger bewegen wird, damit Leute vom Auto auf den ÖPNV oder das Fahrrad umsteigen, dürfte eher unwahrscheinlich sein…

  2. Danke für den Hinweis. Ist schon komisch – die Fahrradlobby nutzt das Wort „Radfahren“, die Autolobby das Wort „Verkehr“. Und auch in der STVO kann man Unterscheidungen zwischen Verkehr und Radfahren rauslesen, beispielsweise beim Stichwort Nebeneinanderfahren.

  3. … und den IQ im Parlament könnte man durch Entfernung von Herrn Friederici spielen um zehn bis zwanzig Prozentpunkte steif´gern.. Die Antwort von ihm zeigt nicht nur Ignoranz, sondern auch gnadenlose Dummheit auf. Aber das ist wahrscheinlich in dieser Partei Voraussetzung für eine solche Aufgabe.

  4. Sorry für den Schnellschreibfehler: muss natürlich steigern heißen, statt steif’gern

  5. Das Plenarprotokoll ist leider noch nicht als PDF verfügbar, es wird hier eingestellt werden:

    http://www.parlament-berlin.de/de/Dokumente/Plenarmaterialien

    Ich hab die Debatte nicht komplett verfolgen können, daher kann ich zu dem Beitrag der Grünen (Stefan Gelbhaar, einer der wenigen noch am Radverkehr interessierten Grünen) nichts sagen, aber 2 Dinge sind mir aufgefallen:

    Neben dem inhaltlichen Blödsinn von Friederici hat er wirklich demonstrativ herablassend und desinteressiert zu dem Thema Stellung genommen. Da steht offensichtlich der Gedanke dahinter, mit dem Thema beim Wähler sowieso nicht punkten zu können, so dass man dort meint, auch die traditionellen CDU-Werte bedienen kann.

    Harald Wolf hat ganz explizit darauf aufmerksam gemacht, dass es kein Erkenntnisproblem in Sachen Radverkehr gibt. Er hat die Lippenbekenntnisse von SPD und CDU zum Radverkehr der Notwendigkeit gegenübergestellt, dass man in dem Konflikt um die richtige Aufteilung des Straßenraumes klar sagen müsste, dass man dem Autoverkehr Platz wegnehmen muss, GERADE im Kreuzungsbereich. Ein klares Bekenntnis, dass ich so von den Linken noch nicht wirklich mitbekommen hatte. Auch die haben einen großen Teil an autozufriedenen Wählern, deshalb eine mutige Aussage.

  6. „…bedienen kann“ = „bedienen zu können“.

  7. Na endlich sagt es mal jemand, anstatt dem geschwurbel von zero victim.

    Scheiss egal, gibt nur 10 tote, haltet die fresse, unterstützt die tiefbauunternehmen.

    It’s on!

    Die piraten haben zugelegt beim radthema. Chapeau, und hophophop, weiter den berg hoch.

  8. Schlussfolgerung: Wir müssen wütender werden, sehr viel wütender!

  9. @ Peter:

    Nein. Es müssen mehr werden, die wütend sind und es auch nach aussen zeigen.

    … ich fürchte, dafür ist den meisten ihre Zeit zu schade. Schließlich sind Radfahrer tendentiell die faulsten, sonst würden sie nicht das beste aller Stadtverkehrsmittel benutzen… 😉

  10. was kann ich eigentlich selbst unmittelbar rechtlich tun, um ein ganz konkretes problem anzugehen, das ergebnis der verweigerten radverkehrspolitik ist?

    z.B. der nichtbenutzungspflichtige radweg auf der urbanstr.: er wird weiterhin von mind. 80% der radfahrer benutzt. er ist aber eigentlich nicht mehr benutzbar, weil es sich nur noch um eine sammlung überpflasterter baumwurzeln handelt. deswegen fahren sehr viele radfahrer auf dem fußweg und, da es sich um durchgangsverkehr handelt, mit für die situation viel zu hoher geschwindigkeit. unfälle mit fußgängern (anwohnern, die aus hauseingängen treten, kindern) sind da eigentlich nur eine frage der zeit.

    die stadt müsste in dieser situation entweder eine park- oder fahrspur der urbanstr. zur radfahrspur umwidmen – was die VLB vehement ablehnt – oder den radweg sanieren und mit bordsteinen zum fußweg abgrenzen, sonst wird sich nichts ändern.

    wo schreibt man eigentlich in einem solchen fall hin bzw. kann herausfinden, ob die VLB oder der bezirk zuständig ist? kann man eigentlich eine behörde auf eine verletzung städtischer verkehrssicherungspflichten hinweise – und führt es zu staatlicher haftung, wenn bewusst ein gefahrenzustand hingenommen wird, der sich allerdings zur rechtswidriges verhalten von verkehrsteilnehmern konkretisiert?

    würde mich freuen, wenn einer der hier mitlesenden radverkehrsrechts-spezialisten einmal etwas dazu sagen könnte!

  11. @ fab: Also bei guter deutscher Praxis würde ich erwarten, dass die Initiative von den Fußgängern ausgehen muss. Die Radfahrer haben ja pro forma ein Angebot, nutzen aber rechtswidrig den Gehweg. Da müsste nach Klagen der Fußgänger dann das Ordnungsamt diese widerrechtliche Nutzung verhindern. Die stehen dann also jeden Tag dort und ziehen die Gehwegradler vom Gefährt (im übertragenen Sinne, anhalten und ziehen dürfen sie nicht). Nach einer Woche laufen die ersten Meldungen beim Tiefbauamt ein, dass der Radweg gemacht werden müsste. Nach 3 Monaten bekommen die Nervbaddel dann eine zustimmende Rückmeldung und die Info, dass entsprechende Arbeiten in 5-10 Jahren eingeplant werden könnten. In der Zwischenzeit haben auch ein paar Bezirkspolitiker von dem Problem gehört und verweisen auf die VLB. Von der VLB hört man 2 Jahre später zustimmendes Gemurmel und den Verweis, dass der Weg nicht benutzungspflichtig sei. Bis dahin (immer unter der Annahme, dass die ganze Zeit das OA dort kontrolliert) hat ein Teil der Radfahrer tatsächlich auf die Fahrbahn gewechselt und die ersten Autofahrer äußern ihren Unmut darüber, dass dort ein formidabler Radweg entlangführt und von den RF nicht genutzt wird. Die Politik wird aufmerksam und bringt innerhalb von 2 Monaten die Helmpflicht und die Kennzeichenpflicht als Gesetzesinitiative ein, 2 weitere Monate später ist das durch den Bundestag durchgewunken. Die Radfahrerzahlen sinken dennoch nicht stark genug und Oliver Friederice macht sich für ein generelles Radfahrverbot ausserhalb von Spielstraßen stark.

    Willst du das? Lass die anderen lieber auf dem Gehweg radeln, man kann sich die Welt ja immer noch schönsaufen.

  12. @Michael S: Ich halte hier Schönsaufen auch für die bessere Stategie. 🙂

    Und dass die meisten dort auch nach meiner Beobachtung den RW nutzen versteh ich auch nicht, aber sollen sie doch. Mich stört das nicht, bin ja nicht deren Erziehungsbrechtigter.

  13. Naja. Momentan werden ja Teile dieses Urbanstraßenradwegs neu gemacht (genauso schäbig gepflastert wie vorher, versteht sich). Und darin sehe ich für mich, als „NIcht-Erziehungsberechtigten“, dann doch wieder ein Problem: Die Zahl der Autofahrer, die mich auf meinen Reisen durch die Urbanstraße anhupen, abdrängen oder anschreien, wird wieder zunehmen. Ist das jetzt die VLB schuld oder der Bezirk?

  14. @michaelS: hmhm, stimmt. aber wenn ich da gar nix mache, kommen mir da irgendwann recht hässliche fantasien, wenn es mich und meine kinder physisch betrifft.

    @romina
    es ist ja deprimierend, dass neu gebaut wird, ohne einen einzigen gedanken zu verschwenden, wie man BESSER bauen müsste:

    – asphalt mit notwendigem fundament
    – ausreichende breite von 1,50m plus X
    – abgeschrägte bordsteine zum fußweg und zur parkspur
    – erhöhte, farblich abgesetzt führung über einfahrten und einmündungen
    – verschwenkungen an den kreuzungen mit freien 90 grad sichtbeziehungen

    wären doch eigentlich minimum. in NL seit jahrzehnten. aber nein.

    deswegen wäre es natürlich ganz klar besser, alle radfahrer würden auf der fahrbahn fahren. machen sie aber eben nicht.

    und wenn ich manchen je nach laune mal was sage – weil ich auf dem fußweg nämlich nebenbei meinen kleinkindern verkehrsgerecht radfahren beibringen möchte – kommt es zu wirklich unschönen prolligen szenen. viele meinen einfach, sie haben ein recht auf jedes tempo, das sie selbst auf einem radweg oder eben daneben gerade so hinbekommen. den ernsten vorschlag auf der fahrbahn zu fahren, fassen sie dann als provokative unverschämtheit auf.

    das hupen und drängeln auf der fahrbahn ist natürlich extrem nervig aber vom radwegzustand ziemlich unabhängig. so genau können die huper und drängler das durch die windschutzscheibe doch gar nicht sehen, für die ist jeder radweg gut genug.

    und da ich an umerziehung nicht besonders fest glaube meine ich, das müsste planerisch gelöst werden. massive ordnungsamtkontrollen wären mir auch recht, an die glaube ich aber noch weniger.

  15. Ich wäre dafür, den 7.Sinn in der ARD wieder einzuführen, dann würde ein Großteil der Bevölkerung mal wiede ein Update der Verkehrregeln bekommen.
    Wie das jetzt läuft, wird das noch ewig dauern, bis sich die aufgehobene Benutzungspflicht mal herumgesprochen hat.

  16. Ordnungsamtkontrollen würden das Problem der auf dem Gehweg fahrenden Radfahrer nicht lösen, da sie immer nur wenige Tage lang stattfinden. Etwas anderes ist auch gar nicht möglich.

    Eine Erneuerung des Radwegs auf 90er-Jahre-Niveau, wie sie wohl laut Romina stattfindet, ärgert zwar echte Radfahrer, dürfte doch aber die Gehwegradler wieder auf den rot gepflasterten Gehwegteil zurückbringen.

    Mal ehrlich, wer hat je ein nettes Gespräch geführt, nachdem er einen anderen Verkehrsteilnehmer angesprochen hat? Und wer hat, nachdem er selbst mal auf einen Fehler hingewiesen wurde, immer nett reagiert?

  17. ‚Radverkehr unbedeutend‘ – vielleicht sollten wir Radfahrer auch mal eine Woche streiken, sprich das Rad stehen lassen und stattdessen alle Auto fahren? Vielleicht geht dann, im ständigen Stau stehend, dem einen oder andern ein Licht auf?

  18. @ fab: Nein, entschuldige, war natürlich nicht ernst gemeint, nichts zu tun. War eher Frustabbau. So ein Problem läßt sich in der Tat nur mit verantwortlichem Verwaltungshandeln und politischem Willen lösen – an beidem mangelt es in eklatanter Weise und wie man das verändert… ich weiß es nicht. Schieb das doch mal an den zuständigen bezirklichen „Fahrrat“ weiter, so ein Gremium wo die Verantwortlichen alle zusammenhocken und sich die Fahrradprobleme im Bezirk konkret anschauen. Ob der bei dir jetzt gut funktioniert, weiß ich nicht, ich bin noch skeptisch für Lichtenberg, andere schwören drauf. Einen Versuch ists wert. Erreichbar über den ADFC:

    http://adfc-berlin.de/ueber-uns/verein/fachreferenten.html
    Detlef Wendtland, detlef.wendtland@adfc-berlin.de

  19. danke, das probiere ich mal.

  20. berlinradler schrieb:

    Mal ehrlich, wer hat je ein nettes Gespräch geführt, nachdem er einen anderen Verkehrsteilnehmer angesprochen hat? Und wer hat, nachdem er selbst mal auf einen Fehler hingewiesen wurde, immer nett reagiert?

    Da hast du sicher recht. Aber ich erwarte auch keine ernsthafte Einsicht im ersten Moment. Situationen, in denen ich mich überwinde, jemand anderes anzusprechen, geht oft ein massives Bedrohungsgefühl voraus. Dann bin ich schon nicht mehr der ruhige, abwägende Diplomat sondern will jemandem, der mich gerade gefährdet hat durchaus auch nahebringen, wie ich mich fühle und was ich von ihm halte. Ich sage mir dabei 2 Dinge:

    1. Warum soll nur ich einen schlechten Tag haben?
    2. Nach dem Austausch von Unfreundlichkeiten wirkt das Gespräch sicher nach. Bei manchen mag das zur Verhärtung gegen die Radspinner führen, aber bei solchen Zeitgenossen ist ohnehin nichts zu gewinnen, die müssen über kurz oder lang buchstäblich aus dem Verkehr gezogen werden. Bei den meisten erwarte ich mir, dass sie ihr Fehlverhalten mit etwas Abstand einsehen – das ginge mir so, selbst wenn ich im ersten Moment wie du ganz richtig annimmst, auch nicht begeistert bin, wenn mir mal jemand die Meinung sagt und der damit ausnahmsweise 😉 mal nicht ganz falsch liegt.

  21. Also kurzes Statement und die Antwort nicht abwarten 🙂

    Ich rekapituliere gerade, wann ich mal angesprochen oder angehupt wurde. Interessanterweise fallen mir da gleich mehrere Situationen ein, in denen mir Fußgänger unterstellten, bei Rot gefahren zu sein – dabei bin ich nur abgebogen.

    Einmal schrie mich jemand mit dem Satz „Bist Du verrückt? Wenn ich Dich anfahre, bin ich Schuld“ an. Tatsächlich gab es da ein Missverständnis, als er ausparkte und schon mitten auf der Fahrbahn stand, so dass ich aus seiner Sicht wohl etwas überraschend da war.

    Einer hupte mich an, weil ich einen Radweg nicht benutzte. Und fuhr bei rot über die nächste Kreuzung. Einer musste beim Ausparken warten und meckerte ebenfalls, dass ich auf den Radweg gehöre – fuhr dann rasant los und schnell nach rechts um die Ecke – über den Radweg.

    Moniert wird von Fußgängern, die einen Weg in ganzer Breite in Beschlag nehmen, auch gerne, dass man nicht geklingelt hat. Vollkommen unabhängig davon, ob das stimmt. Wobei hier meist besser ist, freundlich zu fragen, ob man mal vorbeidürfe.

    Hach ja, gibt schon lustige Verkehrsteilnehmer 😉

    Angesprochen hab ich auch ab und zu welche – so richtig dummdreist beleidigend war eigentlich nur eine Mutti mit Kind, die quer auf dem Gehweg parkte. Wie das Kind sich wohl verhält, wenn es mit 18 das erste Auto hat? Ich weiss es! 😉

    Ein Autofahrer, der mich beim Rechtsabbiegen „übersehen“ wollte, obwohl ich schon auf Höhe der Motorhabe war und er fast stand, schrie laut wütend rum, nachdem ich ihn fragte, ob er mich wirklich nicht sehen würde. Irgendwie musste ich darüber den Tag über schmunzeln.

    Einer überholte mich mal dermaßen nahe, dass ich ihm hinterherfuhr und an der nächsten Ampel ansprach. Der wirkte erschrocken, hatte aber gleich Grün und fuhr los.

    Eine Frau, deren Nummernschild ich extra offensichtlich fotografierte, nachdem sie mich absichtlich fast von der Fahrbahn geschubst hat, störte sich nicht daran – war sie wohl schon gewohnt 😉

  22. Gut war auch noch ein Radfahrer, der mich und meine Freundin unbedingt auf seltsame Weise überholen wollte, obwohl wir in einem verkehrsberuhigten Bereich waren, die Straße leer war und sehr viel Platz hatten. Irgendwie wollte er sich rechts oder zwischen uns durchschlängeln, was ich so gar nicht gecheckt habe, weil es nicht der Erwartungshaltung im Radverkehr entsprach – dieses ganze seltsame Manöver dauerte bestimmt 5-10 Sekunden und am Ende musste er links überholen und ich bekam ein demonstratives Kopfschütteln.

    Generell fällt mir auf, dass gerade die kurios fahrenden Radfahrer oft sichtlich unentspannt wirken und wenig Verständnis dafür haben, wenn eigentlich unnötige Situationen zu ihrem Nachteil verlaufen.

  23. Oh fröhliches Verkehrsteilnehmer ‚Bashing‘ 😉

    Das zunehmend freundliche Wetter in Bln, motiviert auch die Gelegenheitsradler mal wieder das Zweirad auf den Weg zur Arbeit zu nutzen.

    Tlw. erschreckend ist die Art und Weise wie sie am Verkehr teilnehmen, wenn sie sich im Auto genauso verhalten wundert mich nix mehr !
    Bsp, Radlerin vor mir, ich will überholen – spontaner Spurwechsel ihrerseits und anschließend angedeuteter Schulterblick … würde in einer anderen Reihenfolge mehr Sinn ergeben, aber gut, Feinheiten 😉

    Was mich richtig nervt, Geisterfahrer auf zwei Rädern, mit absoluter Ignoranz, auf dem Radweg, falsche Seite und halten drauf (gut ich auch), dann wüstes beschimpfen … Hallo ? Jemand zu hause im Oberstübchen ?

    Ich bin kein Verkehrserzieher, aber Geisterfahrer gehen gar nicht.
    Schwerpunkt ‚Neue Spätstrasse‘ Abfahrt, kommend vom Mauerweg (dann rechts runter Richtung Blaschko-Allee).
    Man kann problemlos unter der Brücke zum Radweg auf der ‚richtigen‘ Seite gelangen (rechtsseitig), nur ist da oben auf der Brücke eine Ampel – ohje – da müsste man ja kurz warten, geht wohl gar nicht, lieber gegen den Strom fahren … *grummel*

    Was mich daran am meisten nervt, genau solche Kandidaten sorgen für das Image vom ‚Radfahrer der sich an keine Regeln hält‘, schade das man da tlw. nicht mal mehr widersprechen kann.

  24. „Schöne Situationen“ gibt es immer wieder. Ich hätte auch ne Menge zu erzählen. Vor ein paar Tagen am Kurt-Schumacher Platz stand ein Polizeiauto mitten auf dem benutzungsfähigen Radweg. Dort, wo es recht unübersichtlich durch diese Hecken wird. Leider habe ich es versäumt ein Foto zu machen, das wäre toll geworden. Zumal direkt vor dem Querparkenden Polizeiwagen das blaue Radwegzeichen war. Ich habe dann beim Umkurven der Blechdose nen Polizisten gesehen und ihm darauf hingewiesen, dass er auf dem Radweg parkt. Er meinte nur, dass das ein akuter Einsatz oder sowas wäre, immerhin blieb er freundlich.

    Und dann heute morgen, wieder so eine Situation, wo ich nicht wusste ob ich etwa sagen soll, man will ja auch nicht der Blockwart vom Dienst sein. Nach außen hin bin eher so der Typ „Kampfradler“. Also ohne Helm mit altem Retrorennrad. Ich fuhr die Chausseestr. entlang in einem Block mit anderen mir unbekannten Radlern. An der BND-Baustelle ist doch diese eine Ampel an der verkappten T-Kreuzen, also wenn Querverkehr kommt, dann die Leute aus der U-Bahn oder mal ein Auto aus der deinen Seitenstraße, die man aber aufgrund der T-Krezung umfahren kann. Meistens ist da aber nix los und man wartet immer umsonst. Auf dem Bürgersteig rechts war ein Mutter mit Rad und ihrem Kind mit Rad. Wir blieben alle bei Rot stehen (Kleine Kinder Vorbild sein etc.) Und was macht die Mutti? Sie radelt mit ihrem ca. 6-Jährigen Kind über die rote Ampel, vor den Augen der wartenden Autoschlange und uns Radfahrer, abre ich habe nix gesagt. Es war ja ne völlig risikofreie Sache, aber gut kann ich diese Erziehung dennoch nicht heißen.

  25. Ich entschuldige mich für die Rechtschreibfehler, ich bin gerade arbeiten.

  26. Hallo fab, Du fragtest, was man rechtlich tun könne. Naja, Freiheit ist das einzige was sich abnutzt wenn man es nicht gebraucht, heißt es ja, aber das Recht muß man dem wohl zurechnen. Mir scheint, das beste ist sich schlauzulesen und dann sein Recht konsequent gegen das de-facto-Faustrecht der Blechhöhlenmenschen zu nutzen. Es ist umfangreich aber lohnenswert.
    Es gibt vom vielleicht bedeutendsten Radverkehrsrechts-Spezialisten Dietmar Kettler ein Buch „Recht für Radfahrer“. Es liest sich wie am Schnürchen und schon die ersten fünfunddreißig Seiten sind ein gewaltiger Augenöffner, wie radfahrerfreundlich das Gesetz theoretisch ist und wie himmelweit sich die erlebte höllische Realität davon entfernt hat. Dr.Kettler betreibt auch eine informative Website recht-für-radfahrer.de .Das Buch gibts notfalls in jeder Bibliothek und darf jedenfalls auf keinem geistigen Gepäckträger fehlen – wer sein Recht kennt wird sich im Verkehr längst nicht mehr so ohne weiteres einschüchtern lassen.
    In Berlin ansässig ist Rechtsanwalt Andreas Volkmann. Er ist das was der Link vermuten läßt: https://www.test.de/Mutmacher-Andreas-Volkmann-Kaempfer-fuer-Radler-Rechte-4740825-0/
    Ebenfalls aus Berlin ist der Anwalt Christoph Krusch, siehe rad-recht.de .
    Bernd Sluka ist soweit ich weiß kein Jurist, hat aber auch eine prima Website. Ach, es gibt etliche. http://verein-gegen-radwege.de/ ist zwar verwaist aber nichtsdestoweniger interessant.
    Erste Adresse ist aber glaubich Kettler, ein Muß, quasi der Papst.

  27. Dokument ist jetzt online (der plen17-065-pp.pdf)

    „Verkehrssicherheit hat für uns sehr hohe Priorität.

    Dazu gehört natürlich auch, dass endlich jeder Fahrradfahrer einen Fahrradhelm trägt

    auch von Berlin ausgehend, eine Initiative starten, dass Fahrräder mit Kennzeichen ausgestattet werden.

    Fahrradfahrer. Sie nutzen heutzutage schon Fahrräder – die besagten Pedelecs –, die weit über 30 Stundenkilometer fahren und Schäden verursachen.“

    Falsch Informiert ist er auch noch, kein Pedelec, ohne mofa-kennzeichen, geht schneller als 25. (Oder bin ich hier Falsch Informiert?)

  28. ‚Fahrradfahrer. Sie nutzen heutzutage schon Fahrräder – die besagten Pedelecs –, die weit über 30 Stundenkilometer fahren und Schäden verursachen.”‘

    Ohweia …. behaupte die gab es schon immer, ohne Motor, nur war das früher von dem abhängig, der drauf sitzt 😉

    Selbst mit meinem Reise-Rad (16kg + X) kommen, bei günstiger Gelegenheit mal fix 40 km/h zustande.
    Auf dem ‚Waden-Porsche‘ (MTB mit Slicks) sind Peaks von >50km/h drin … und nu ? 😉

  29. an Marco:
    „Dazu gehört natürlich auch, dass endlich jeder Fahrradfahrer einen Fahrradhelm trägt“

    Ein Ehepaar sitzt abends im Wohnzimmer. Ein Einbrecher zerschlägt die Scheibe, erschießt den Mann und vergewaltigt die Frau. Bei Gericht muß sie sich anhören wie leichtfertig ihr Verhalten doch gewesen sei.

    Dazu gehört natürlich auch, daß endlich jeder Sofasitzer Panzerglas einbaut, eine beschußsichere Weste und einen Keuschheitsgürtel trägt.

  30. Das mit der radwegzuparkenden Polizei ist manchmal legal, je nach dem wie dringend es ist und welche anderen Möglichkeiten sie hätten ihre Wanne abzustellen. Der Paragraph 35 StVO ist leider sehr schwammig, es ist Einzelfallsache, aber abwägen müssen sie’s je nach Wichtigkeit. Keine Sonderrechte haben sie jedenfalls wenn sie mal eben dienstlich ne Currywurst essen gehen.

  31. @Dienstliche Currywurst:

    Diese Text war eine Quote aus den Dokument von den Verkehrssprecher, nicht von mir.

    Ich persönlich habe nicht mal ein Helm (und werde auch nie eine nutzen), kommt aber vielleicht dadurch dass ich in Holland fahrradfahren gelernt habe.

  32. @Alt-Treptower, etwas Bashing tut doch manchmal gut 😉

    Man wird ja die Frage stellen dürfen, was diejenigen, die im Frühjahr wieder verstärkt aufs Rad steigen, im Winter machen. Wenn die wirklichen Chaoten eher Rad- als Autofahren, ist mir das letztendlich lieber.

    Du sprichst die Neue Späthstraße an – wenn ich auf den Mauerweg fahre, komme ich meist eine Straße weiter, also südlich fahrend in der Johannisthaler Chaussee an. Dort gibt es außer riesigen Umwegen gar keine Möglichkeit, beim Wechseln auf den Mauerweg das Rechtsfahrgebot einzuhalten – man hat eine dafür elementare Querungsmöglichkeit „vergessen“. (https://goo.gl/maps/a2oPA – links sieht man die Einfahrt, vom rechten Radweg aus kommt man aber nicht rüber)

    Exzellent hat man sich auch die Querung am Ernst-Ruska-Ufer ausgedacht, wenn man gerade in Richtung Schönefeld fährt. Geht man von der Bodenmarkierung aus, so soll man hier wiederum dogmatisch das Rechtsfahrgebot einhalten – östlich der Hermann-Dorner-Allee das Ernst-Ruska-Ufer queren und dann die Hermann-Dorner-Allee. Das macht natürlich keiner, ist auch besser so – jede gesparte Radweg-Rechtsabbieger-Situation macht das Fahren sicherer. (https://goo.gl/maps/mXwDI – man quert nicht an der Haltelinie vorne im Bild, sondern hinter der links zu sehenden Straße – und überquert diese dann wieder)

    Die Drängelgitter ohne Abstand zur Fahrbahn in der Sonnenallee sind auch ein Schmankerl – wenn es da mal zum Drängelgitterstau kommt oder man einen Anhänger dran hat, wartet man mitten auf der Fahrbahn. https://goo.gl/maps/T0oIA

    So, heute mal Behördenbashing 😉

  33. Klar, Marco, weiß ich doch. Hab mir den rausgegriffen weil ich das ‚Endlich‘ seines Satzes als so grotesk empfand.

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