Charmeoffensive der Fahrradstaffel

„Wurde heute von einem der Polizeistaffel Unter den Linden rausgezogen. Mit den Worten „Ick wollt mich ma bedanken, dass se an der Ampel angehalten haben und n Vorbild waren!“ So kann ein Tag auch mal beginnen.“

Aus der (geschlossenen) Facebook-Gruppe Radfahren in Berlin

20 Gedanken zu „Charmeoffensive der Fahrradstaffel

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  1. @qx87 Was’n das für ’ne Spannerseite?

  2. Ganz ehrlich? Ich weiss nicht, wie ich mir bei so ner Ansprache vorkäme, irgendwie nicht ganz ernstgenommen. Schon, dass ich nur sicher und komfortabel von A nach B will, und zwar ohne jemanden zu bekehren oder Vorbild zu sein. In so einer Ansprache schwingt ja schon unterschwellig die Behauptung mit, dass Radfahrer sich schlechter an die Regeln halten als andere.

    Unter den Linden – da gibt es beispielsweise so eine Engstelle durch eine Baustelle (Stand von vor einigen Wochen), wo ich gerne jedem Danke gesagt hätte, der hinter mir gewartet hätte statt sich vorbeizudrängeln.

  3. Eine Ähnlich Bemerkung bekam ich mal von einer Radfahrerin, die neben mir an der Ampel wartete und sich als Polizistin außerhalb ihres Dienstes zu erkennen gab. Meine Antwort:“Aber bitte seien Sie nicht enttäuscht, wenn gleich nicht den Radweg nehme (der hinter der Ampel begann)“.

  4. Grade gefunden:
    „Selfie am Steuer: 19-Jährige übersieht Radfahrer“
    http://www.retter.tv/de/weitere-organisationen.html?ereig=-Selfie-am-Steuer-19-Jaehrige-uebersieht-Radfahrer-&ereignis=26047

    Wieder ein Beispiel für bagatellisierende Verharmlosung. Laut Überschrift wurde der Radfahrer „übersehen“. Im Text steht dann, dass der Mann noch am Unfallort verstorben ist.

    Den Angehörigen möchte ich mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

  5. Und was soll ich von einer Polizistin in Uniform denken, die auf dem (Dienst-)Rad vor meinen Augen am Ernst-Reuter-Platz zwei Ampeln bei „Rot“ passiert
    (ohne Blaulicht)?

  6. @Johannes:
    In meinen Augen wird da nichts „bagatellisiert“. Ich sehe da nur eine (erfreulich) neutral formulierte Kurzmeldung.
    Aber wenn sie eine Meldung über einen tragischen Unfall gern etwas „emotionalisierter“ hätten, so im Sinne von „unreife, mit dem Führen eines umweltverschmutzenden- und gefährdenden Kraftfahrzeuges überforderte Jugendliche nahmem friedlich und umweltfreundlich radelndem Vater von x Kinder das Leben für ein Selfie.“, dann gründen sie doch eine Art Bild-Zeitung für Radfahrer.
    Ich finde, man sollte sich als Radfahrer nicht für hysteriefördernde Formulierungen einsetzen.
    Nichts ist aufreizender als Gelassenheit.

  7. Polizistin in Uniform, die auf dem (Dienst-)Rad … zwei Ampeln bei “Rot” passiert …

    Martin, schreib es denen: https://www.internetwache-polizei-berlin.de/

    Erstens gibt es gute Chancen, dass man bei den wenigen Fahrradpolizisten noch feststellen kann, wer’s war. Zweitens dürfte die Fahrradstaffel damit nochmal einen generellen Verhaltenshinweis bekommen.

    Blaulicht? Haben die Räder sowas? Ich weiß, dass schon bei Großveranstaltungen Sanitäter auf Rädern mit Blaulicht (LED-Blitzer) unterwegs waren. Die ADFC-Radwelt hatte es mal berichtet.

  8. @Martin D., dann war es aber recht sicher eine „normale“ Polizistin und nicht eine aus der Fahrradstaffel, denn die sollen nur in der Ostcity eingesetzt werden. Auf der PK, auf der die Fahrradpolizei vorgestellt wurde, war auch die Rede davon, dass die Berliner Polizei neben den jetzt angeschafften Diensträdern noch etwa drei- bis vierhundert weitere Räder besitzt, „ein buntes Sammelsurium“, wie der Polizeisprecher sagte. Und Blaulicht hat keines von denen.

  9. Wer sogenannte Sonderrecte besitzt, wie u.a. die Polizei, darf – wenn nötig – von diesen Gebrauch machen. Blaulicht oder nicht tut da rechtlich nichts zur Sache.

  10. On topic: Um sich ganz schnell darüber klarzuwerden, um was für ein Kuckucksei oder trojanisches Pferd oder vergiftetes Geschenk es sich beim „Lob“ des Polizisten handelt, stelle man sich einfach nur kurz vor, de Polizei würde morgens auf dem Adlergestell jeden 37sten Autofahrer an die Seite winken, um ihm ein kurzes Lob auszusprechen, das er nicht zu schnell gefahren ist. Aus Radfahrersicht wâre das vielleicht eine lustige Aktion. Aus Autofahrersicht aber ganz sicher nicht.

    Also liebe Polizei: Bitte für jeden gelobten Radfahrer zwei Autoahrer zwangsloben (zwei wegen destatis und so). Und liebe Polizei: Wie wârs mit Zwangslob für Euch selbst durch Dritte, wenn Ihr mal eine Demo ohne Augenausschießen oder sonstige unergründbare Gewaltausfälle oder ein Gerichtsverfahren ohne m.E. rechtsbeugenden Korpgeist hinter Euch gebracht habt?

    Nee, nee. Loben bitte schnell wieder sein lassen.

    Danke!

  11. Vor etwa 10 Jahren gabs doch mal eine Privatperson, die öfters mit Blaulicht und Sirene am Fahrrad in der Stadt war und teils auf großen Kreuzungen Sonderrechte in Anspruch nahm. 🙂

  12. Orlando (ja, das Orlando in Florida), hat auch eine Polizei-Radstaffel. Die fährt da bei über 30 °C, geschätzt 85% Luftfeuchte und brüllender Sonne durch die Innenstadt.

    Ich hab die darauf angesprochen, dass das doch echt heftig ist. Antwort: Das ist halt gutes Training. Wow.

    Das Bild über die USA ist in Europa eben doch manchmal arg verzerrt.

  13. Gestern bin ich an einem auf dem Benutzungspflichtigen Radweg geparkten Streifenwagen vorbeigefahren, die Beamten haben daneben ein Schwätzchen gehalten. Auf meine Frage, was die Parkposition soll, haben sie sich über mich belustigt und erwidert, man könne doch einfach auf den Gehweg ausweichen.
    Danke, Berliner Polizei, für diese Rechtfertigung zum Regelbruch.

  14. Naja, wenn das ne offizielle Aussage der Polizei war, kann man das ja durchaus auch mal zur Diskussion stellen.

    Wenn man die Polizei anschreibt, antwortet sie einem ausführlich.

    Würd ich tun – denn sowas geht überhaupt nicht. Man kann nicht eine Fahrradstaffel mit Schwerpunkt Radfahrerfehlverhalten ins Leben rufen und andererseits Polizisten auf die Straße schicken, die sich wie Assis verhalten und offen zum Regelbruch aufrufen.

  15. @Steve, magst das vielleicht etwas genauer beschreiben? Könnte man einen Blogeintrag draus machen. 🙂

  16. Einen 6-Pack Bereitschaftspolizisten hab ich auch schon auf dem Radweg vor der Sparkasse parken sehen. Dachte erst, es sei ein Überfall. Aber nein, die haben nur schnell selbst Geld abgehoben. Auch mir wurde dann auf den Hinweis, dass privates Geldabheben doch kein Einsatz mit Sonderrechten sei mitgeteilt, dass doch die 20 cm neben dem Auto doch noch locker gereicht hätten, um vorbei zu kommen. Ich hab dann angemerktt, dass solches Verhalten ja ein ziemlich schlechtes Vorbild sei. Man war amüisert.

  17. erst fand ich das ja albern, zugegeben, spätestens seit heute morgen denke ich, es ist vielleicht doch eine gute idee:

    ich komme auf einem radstreifen zügig an einer reinen fußgänger-bettelampel an. sie wird gelb und rot. an der ampel stehen an verschiedenen stellen: eine mutter mit kind, ein alter mann, eine frau. ich halte. die fußgänger bekommen grün. ich stehe rechts auf dem radstreifen.

    ich habe mitgezählt: sieben radfahrer fahren mit meist völlig unverminderter geschwindigkeit durch. die hatte ich bis auf zwei vorher locker überholt. hier hatten sie es aber alle ganz eilig. egal ob mit rennrad, mit und ohne helm, hollandrad, frauen, männer, jünger, älter, alles dabei.

    die frequenz war auch noch so, dass alle fußgänger locker eine halbe minute warten mussten.

    ich habe verständnis, wenn man an so einer ampel mal langsam durchrollert, wenn weit und breit kein fußgänger zu sehen ist. mag auch sein, dass man die dinger ohne autoverkehr nicht so sehr bräuchte, woran mich die szene allerdings schon wieder zweifeln lässt.

    wie auch immer: genau vor den leuten rücksichtslos durchzuknallen, für die so eine ampel gerade da ist – da wünsche ich mir schon, dass die fahrradstaffel aufgestockt wird und in solchen momenten aktiv wird.

    kann ich eigentlich selbst etwas dafür tun? ich bin mir nicht sicher – nächstes mal stelle ich mich wohl mitten auf dem streifen auf. wo ist da die grenze zwischen zivilgesellschaft und blockwartmentalität?

  18. @fab: Diese Grenze ist immer genau da, wo derjenige betroffen ist, der dir Blockwartsmentalität vorwirft, da kann man nichts richtig machen.

  19. Meine Begegnung mit der „Charmeoffensive“ war irgendwie anders: Nach korrektem Anhalten an einer roten Ampel wurde ich beim Anfahren bei „grün“ von den Jungs angehalten. Keine Hinterradbremse, keine Reflektoren, keine Klingel. Rahmennummer kontrolliert. Ansprache war von Vornherein ziemlich unfreundlich und steif, um nicht zu sagen unbeholfen.
    Charme sieht bei mir anders aus.

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