Radfahrerin von rechtsabbiegendem Lastwagen getötet

Die Liste der Pressemeldungen der Berliner Polizei hat im Jahr 2014 bisher lediglich 73 Positionen und doch muss bereits das erste tödliche Opfer unter den Berliner Radfahrern vermeldet werden:

„Bei einem Verkehrsunfall in Plänterwald ist heute Vormittag eine Radfahrerin tödlich verletzt worden.
Ersten Ermittlungen zufolge hatte die Frau mit ihrem Fahrrad gegen 9.30 Uhr die Köpenicker Landstraße von der Mittelinsel kommend überqueren wollen. Dabei wurde sie von dem Auflieger eines aus dem Dammweg abbiegenden Lkw erfasst und zu Boden geschleudert. Bei dem Sturz zog sich die Dame eine schwere Kopfplatzwunde zu. Trotz umgehender ärztlicher Betreuung erlag die Radlerin noch am Unfallort ihren Verletzungen.
Der Fahrer des Lkw erlitt einen Schock und kam zur Behandlung in eine Klinik.
Der Verkehrsunfalldienst der Polizeidirektion 6 hat die Ermittlungen zum genauen Hergang des Verkehrsunfalls übernommen. Während der Ermittlungs- und Bergungsarbeiten war die Köpenicker Landstraße in Fahrtrichtung stadtauswärts bis 13 Uhr gesperrt.“

Pressemeldung der Berliner Polizei # 0073 vom 08.01.2014 – 15:55 Uhr

Ergänzend schreibt die Berliner Zeitung, dass es sich bei der Radfahrerin um eine 80-jährige Frau handelt und dass der Sattelzug auf dem Dammweg Richtung Osten fuhr und dann nach rechts auf die Köpenicker Landstraße in Richtung Baumschulenweg abbog, bevor der Unfall passierte. Die Kreuzung Köpenicker Landstraße und Dammmweg ist ampelgesteuert, also muss für den Fußgängerüberweg „Grün“ gezeigt worden sein, als der Lastwagen abbog.

Berliner Zeitung: 80-jährige Radfahrerin in Treptow getötet
Tagesspiegel: Erste tote Radfahrerin in diesem Jahr

8 Gedanken zu „Radfahrerin von rechtsabbiegendem Lastwagen getötet

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  1. Wieviele Menschen müssen noch bei Rechtsabbiegeunfällen sterben bis der Gesetzgeber endlich für LKW Toter-Winkel-Assistenzsysteme vorschreibt, wie sie in Oberklasse-Wägen üblich sind?

  2. Ich gebe hier völlig Recht. Für jeden Mist gibt es Assistenten, nur für die wirklich wichtigen Dinge leider noch nicht. Die gibt es erst dann, wenn es einmal einen „wichtigen“ Menschen trifft. Traurig!!! Das hilft der Dame und dem LKW Fahrer leider nicht mehr. Aber, so schlimm wie es für diese beiden ist, wer hilft jetzt dem 17-jährigen Jungen, der als Ersthelfer am Unfallort war und nun unter Schock steht? Er hat um das Leben der älteren Dame gekämpft, als noch kein Notdienst vor Ort war! Diese Bilder wird er leider so schnell nicht vergessen können!

  3. Ein Lkw-Abbiegeassisten hätte bei diesem tragischen Unfall leider nicht helfen können.
    Die Radfahrerin kam von LINKS!
    Der Sattelzug-Lkw bog rechts vom Dammweg in die Köpenicker Landstraße in Richtung Schneller Str. ab.
    Die 79-jährige Radfahrerin befuhr im Kreuzungsbereich die Fußgängerfurt aus Richtung Plänterwald kommend.

  4. @Elfie, Du sprichst ein gar nicht ganz unwichtiges Thema an. Ich hatte manchmal schon Situationen, wo ich dachte: Gleich beobachtest Du einen ganz schlimmen Unfall. Bisher gings immer gut, aber auch das ist – neben den Risiken für einen selbst und seine Angehörigen – durchaus ein relevantes Thema.

    So einen Unfall zu beurteilen, finde ich sehr schwer. Wenn Fahr(räder/zeuge) neben den vorgesehenen Wegen auf unkonventionellen Wegen fahren, macht das die Sache sehr viel unübersehbarer. Andererseits muss man immer fragen: Was wäre, wenns ein Fußgänger gewesen wäre?

    Ich war die letzten Wochen in England und habe zumindest da, wo ich war, beobachtet, dass Fußgängerampeln und Abbiegeampeln offenbar meist separat geschaltet werden. Als Fußgänger wartet man dann zwar teilweise erheblich, hat aber – im Gegensatz zu Deutschland – echtes grün. Ob das dort generell so ist, kann ich nicht beurteilen. Wenn ja, wäre mal ein Blick in die Unfallstatistiken sehr interessant.

  5. z.B. die neue fahrradampel am kottbuser tor auf der skalitzer stadtauswärts ist jetzt separat geschaltet. mit laanger rotphase für fahrräder und kurzer grünphase für fahrräder . eine kfz-vorrangschaltung also. in umgekehrter richtung gibt es jetzt auch eine bettelampel für kreuzende radfahrer.

    sicherheitstheoretisch ist das sicher ein gewinn. in der praxis potenziert das erstmal die rotlichtfahrten von radfahrern, die sehen, dass kfz parallel grün haben. bei unfällen ist dann natürlich „immerhin“ die schuldfrage klar. fahrradfreundlich ist das so aber noch nicht. und das ist sehr bedauerlich, denn ich gehe gern wetten ein, dass bei mindestens gleichrangigkeit der verkehrsführungen und ungefähre beachtung der höchstgeschwindigkeit auf distanzen unter 10 km das rad tagsüber in berlin das schnellere verkehrsmittel ist. warum also gerade radfahrer ausbremsen?

    auch sicherheitstheoretisch skeptisch bin ich hinsichtlich des sichereren abbiegens bei der neu abgepollerten getrenntführung auf hochbordstummelradwegen am kottbuser tor. hier fehlt letztlich der mut, zuzugeben, dass so eine große kreuzung ein urbaner sammelpunkt für verkehrsteilnehmer aus allen richtungen ist. man versucht krampfhaft, die gitschiner/skalitzer als verkehrsarterie weiterzuführen und weiterhin ein schnelles abbiegen für kfz zu ermöglichen. das führt dann auch zu situationen, in denen überraschungen und fehler sofort schwere folgen haben.

    die frage wäre also: kann man sich dazu durchringen, das abbiegen der kfz in der stadt bewusst zu entschleunigen? und wenn ja, wie am besten?

  6. fab schreibt:
    Dienstag, 14.01.2014 um 11:56

    die frage wäre also: kann man sich dazu durchringen, das abbiegen der kfz in der stadt bewusst zu entschleunigen? und wenn ja, wie am besten?

    Indem man z.B. rechts neben die Rechtsabbiegespur nicht mehr den geradeausfahrenden Radverkehr sondern den Schienenverkehr legt.
    Was meinst Du wie die Rechtsabbieger plötzlich alle aufpassen können.
    Wäre schon mal eine Massnahme.

  7. Ja, die korrekte Anordnung der jeweiligen Verkehrsströme ist prinzipiell wohl der beste Ansatz.

    Meines Erachtens besteht das Problem aber gar nicht nur aus Radfahrersicht, sondern – wie ich schon schrieb – auch aus der Sicht des Fußgängers. Die Polizeimeldungen erwähnen die Ampelfarbe bei solchen Unfällen oft gar nicht, aber Fußgänger scheinen mir an den meisten Ampelkreuzungen bei grüner Farbe stärker gefährdet zu sein, als das subjektiv wahrgenommen wird. Die Radfahrersicht ist hier eine andere, weil man gleich überrollt wird – scheinbar wird es als normalerer Unfall wahrgenommen, wenn z.B. ein Fußgänger beim rasanten Linksabbiegen „übersehen“ wird.

    Die Statistiken scheinen mir diesbezüglich nicht aussagekräftig genug zu sein, da die Frage, wie sicher Fußgänger eigentlich bei grüner Ampel sind, ebenso verpönt ist wie die Frage nach der Sicherheit von Radfahrern bei grüner Ampel. Zumindest ist meine Erfahrung, dass diese Denkweise auf Widerstand stößt, weil man eben bei grün gehen / fahren soll. Vielleicht sehe ich das etwas zu verbissen – aber irgendwie finde ich es sehr unbefriedigend, wenn ich bei roter und grüner Ampel mit querenden Fahrzeugen zu rechnen habe.

  8. Warum wird in diesem Zusammenhang eigentlich nicht stärker über „Phasen-Trennung“ diskutiert?
    Eventuell. weil die „automobile Welt“ dann einzustürzen droht?

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