Nationaler Radverkehrsplan 2020

Anfang der Woche veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium einen Entwurf für einen Nationalen Radverkehrsplan 2020. Er soll den alten Nationalen Radverkehrsplan von 2002 ersetzen, der in diesem Jahr ausläuft. Kernziel des Radverkehrsplans ist die Steigerung des Radverkehrsanteils in Deutschland. Für möglich gehalten wird ein Anteil des Radverkehrs in Höhe von 15% an den zurückgelegten Wegen. Dieser Gesamtwert bedeutet für den ländlichen Raum eine Steigerung des durchschnttlichen Wertes von jetzt 8% auf 13% im Jahr 2020 und für städtische Kommunen einen Zuwachs von 11% auf 16% (Seite 73).

Der Radverkehrsplan erlaubt sich auch einen Ausblick auf das Jahr 2050: „Das Fahrrad wird in jedem Fall einen wichtigen Platz einnehmen, weil es hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit, der Klimavertrräglichkeit, des parsamen Flächenverbrauchs sowie der Kosten für die Nutzer und die öffentliche Hand unschlagbare Vorteile aufweist. Wenn es gelingt, die Radverkehrssicherheit darüber hinaus nachhaltig zu verbessern sowie die Radverkehrsinfrastruktur an die steigende und geänderte Nachfrage anzupassen, wird sich Deutschland im Jahr 2050 zu Recht als fahrradfreundliches Land bezeichnen dürfen“ (Seite 75).

Im Vergleich zum alten Radverkehrsplan ist der nun vorgelegte Entwurf sehr viel unkonkreter. Eine der Hauptüberschriften im alten Plan hieß: „Finanzierung von Radverkehrsanlagen: Verdoppelung der Bundesmittel“ (Seite 58 im alten Plan). Stolz wurde darauf verwiesen, dass im Bundeshaushalt 2002 der Bau und die Erhaltung von Radwegen in der Baulast des Bundes einen eigenen Titel erhalten. Dagegen ist im neuen Radverkehrsplan von konkreten Ausgaben überhaupt nicht mehr die Rede. Stattdessen wird allgemein ein abgestimmtes Handeln von Bund, Ländern und Kommunen für eine Stärkung des Radverkehrs gefordert. Darauf nimmt auch der Titel des Plans Bezug: „Den Radverkehr gemeinsam weiterentwickeln“.

Das Bundesverkehrsministerium erwartet, dass der Entwurf für den Plan in den nächsten Wochen diskutiert wird. Noch vor der Sommerpause könnte der Plan dann das Bundeskabinett passieren.

Bundesministerium für Verkehr,  Bau- und Wohnungswesen: Nationaler Radverkehrsplan 2020 (Entwurf)
Bundesministerium für Verkehr,  Bau- und Wohnungswesen: Nationaler Radverkehrsplan 2002 – 2012

5 Gedanken zu „Nationaler Radverkehrsplan 2020

Kommentare-Feed
  1. Ist der ARD sogar einen guten Beitrag wert gewesen:

    tagesschau.de/inland/radwegeplan100.html

  2. Ob es wohl auch wieder ein Diskussionsforum im http://www.bmvbs.de dazu geben wird?
    2002 konnta man dort mit dem Ministerium über den Radverkehrsplan diskutieren. Allerdings wurde es damals ohne Vorankündigung geschlosssen.
    Von den mitdiskutierenden „Fahrradaktivisten“, wie z.B. Bernd Sluka, wurde u.a. immer wieder eine Studie verlangt die die Sicherheit von Radwegen belegt.
    Da man die natürlich nicht vorweisen konnte hat das Ministerium dann wohl die Notbremse gezogen und das Forum geschlossen.
    Leider habe ich das Forum damals nicht gespiegelt.

  3. Besten Dank für den Artikel, den Link von Michael wollte ich auch gerade posten! Wenn man letztes Wochenende seinen Google Alert zum Thema anschaute, dann hätte man ja meinen können, das eine Revolution auf uns zurollt, aber die Medien schreiben halt einfach ab und jubeln mit, was Ihnen das BMVBS vorgibt…

    Umso besser, dass es nun erste kritische Stimmen gibt. Mir ist z.B. die Passage zum Parken an Bahnhöfen aufgefallen. Zwar ist davon die Rede, dass es Gespräche mit der Bahn geben soll und das es zu Verbesserungen kommen muss. Aber ein Aktionsplan? Fehlanzeige! Zusätzliche Mittel? Fehlanzeige! Stattdessen: Modellprojekte, damit erforscht werden kann, was funktioniert…, wie lächerlich ist das bitte schön?? Das Wissen ist komplett da, die Niederlande machen es vor, da hat das Verkehrsministerium erst vor einem Jahr 107 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, nur um das Parken an Bahnhöfen zu verbessern: http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/neuigkeiten/news.php?id=3316

    Immerhin gibt es mal klare Zielvorstellungen…, 16% in Städten bis 2020 halte ich allerdings für wenig ambitioniert, München ist heute schon drüber, Berlin mittlerweile wahrscheinlich auch. Gut, gibt noch das Ruhrgebiet und das Saarland, die bei diesem Thema noch Diaspora sind…

  4. Wo kommt der Optimismus im BMVBS her?

    In der Kurzfassung der aktuell zu Verkehrswegeplanung herangezogenenen
    Prognose wird noch mit einem Rückgang des Radverkehrs um ca 6% bis
    2025 kalkuliert!

    http://www.bmvbs.de/SharedDocs/DE/Artikel/UI/verkehrsprognose-2025.html

  5. Nun ist’s beschlossen:

    tagesschau.de/ausland/radverkehrsplan100.html

    „Eine ernsthafte Förderung des Radverkehrs erfordert Investitionen zwischen acht und 19 Euro pro Einwohner und Jahr.“

    „Insgesamt beläuft sich der Fahrradetat des Bundesverkehrsministers auf 76 Millionen Euro, das sind pro Bundesbürger gerade mal 92 Cent.“

    „Zwar hat das Fahrrad einen Anteil am Verkehr von rund zehn Prozent, aus Ramsauers Etat fließen aber nur 0,65 Prozent in den Radverkehr.“

    „Längst liegen dem Bundesverkehrsminister […] konkrete Vorschläge vor, wie man den Stadtverkehr moderner und weniger am Auto orientiert gestalten könnte. Beispiele wären die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht oder Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Städten. Radfahrer als „Rüpelradler“ zu schimpfen und eine Helmpflicht-Debatte anzuzetteln wird diese Herausforderungen kaum lösen.“

    Ich bin ja eher der Kopenhagen Fan, aber hey, solange es voran geht…für die Radler bin ich für jeden Mist zu haben 🙂

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