Berlin: Neue Fahrradspuren erst im September?

Das Abgeordnetenhaus von Berlin möchte erst kurz vor der Sommerpause, also etwa im Juni, den Doppelhaushalt für die Jahre 2012/2013 beschließen. Bis dahin sind die Tiefbauämter der Bezirke gehalten, nur unbedingt nötige Ausgaben zur Straßenerhaltung zu tätigen. Da die Markierung neuer Streifen erst ausgeschrieben werden muss, können diese wohl erst im September 2012 markiert werden.

Geplant sind Fahrradspuren in der Straße der Pariser Kommune, Am Friedrichshain, Schönholzer Weg, Müllerstraße, Germanenstraße, Kniprodestraße, Michelangelostraße, Hansastraße, Sömmeringstraße, Lise-Meitner-Straße, Stadtrand-Straße, Schnellerstraße, Suermondtstraße und Markstraße.

Der Tagesspiegel: Die Fahrradstadt kommt in die Spur (4.3.2012)

32 Gedanken zu „Berlin: Neue Fahrradspuren erst im September?

Kommentare-Feed
  1. ohne Worte…

    Ich frage mich, was mit der Warschauer Straße ist? Die soll auch schon seit zwei Jahren eine Spur bekommen. Weiß da jemand was…

  2. @Tim
    „Wenn ausreichende Förderungsmittel im Rahmen der Stadterneuerung (Sanierungsgebiet Warschauer Straße) bereitgestellt werden, kann die Neugestaltung bereits ab dem Jahr 2011 begonnen werden und voraussichtlich Ende 2012 abgeschlossen sein.“ Quelle: http://www.friedrichshain-kreuzberg-online.de/text/2010/20101202-warschauer-str.htm

  3. Bei all den Straßen da oben gibt es aber doch überall Konflikte mit dem „ruhenden“ Verkehr, also den Parkplätzen, die es entlang all dieser Straßen gibt – die bisher bestehenden Radspuren in dem Bereich führen IMHO alle zu eng an parkenden Autos vorbei, so dass man mit dem Rad am linken Rand der Spur fahren muss, um unangenehmen Türöffnungen entgehen zu können.

    Besonders schlimm ist das bei der Radspur an der Lebuser Straße von der Karl-Marx-Allee weg – http://g.co/maps/s8g2m – aber auch auf der Andreasstraße ist das nicht wirklich prickelnd. Wenn die Bauarbeiten mal beendet sind, ist die Straße der Pariser Kommune zwischen Rüdersdorfer Straße und Ostbahnhof breit genug, um das bisschen Verkehr auch ohne Radspur aufnehmen zu können, der Bereich zwischen Karl-Marx-Allee und Rüdersdorfer Straße scheint mir zu schmal zu sein. Hier ist ja auch das tollste Ende eines benutzungspflichtigen Radstreifens den ich kenne: Der hört einfach 100 m nach der Kreuzung ohne Überleitung in den fließenden Verkehr hinter einem Parkstreifen auf.

    Das ist doch auch nur wieder Erhöhung der gefühlten Sicherheit. Okay, einen Vorteil haben sie gegenüber Hochbords: Der Radfahrer ist auf der gleichen Ebene wie der Autoverkehr.

  4. @Ralph, volle Zustimmung. Der Tagesspiegel schreibt von „tollen Ideen“ der Verkehrsplaner, um dann konkret nur Fahrradspuren zu nennen. Bei der mangelhaften Ausführung vieler dieser Spuren – Du nennst ja auch Beispiele – graust es einem.

    Wir sollten hier mal einen Katalog sinnvoller Maßnahmen für den Fahrradverkehr aufstellen. Fahrradspuren sind in meinen Augen eine der weiter hintenstehenden Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation.

  5. Wichtiger Kandidat: Bundesallee

    am südlichen Ende zwischen Walter-Schreiber-Platz und Friedrich-Wilhelm-Platz. Da ist nicht ansatzweise so viel Autoverkehr wie auf dem Rest der Rennpiste, und dann kann endlich der beschissene Hochbordradweg verschwinden, der da immer und ständig für Ärger sorgt (obwohl er immerhin nicht benutzungspflichtig ist).

    Zweite wichtige Maßnahme: Schließung der Durchfahrung des Volksparks auf der Prinzregentenstraße für Autoverkehr. Das ist eine beliebte „Schleichstrecke“ für nicht-Anlieger, die die Fahrradstraße so ad absurdum führen.

    Gelegentliche Kontrollen des Autoverkehrs auf „Anlieger“ könnten auch Wunder wirken.

  6. Ich behalte meine Meinung bei. Das wilde Herumpinseln auf der Straße bringt gar nichts, wenn dies niemand kümmert.
    Man packt das über durch das gepinsel einfach nicht an der Wurzel.
    Würden sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten (und ich meine wirklich alle, also auch uns Radler) dann gäbe es keinerlei Probleme.
    Autos würden ordentlich Abstand halten und Radler als gleichberechtigt ansehen.
    Es ist nicht so. Das wissen wir alle. Aber anstatt was dafür zu tun, dass man das Miteinander fördert werden:
    – Sinnlose Maßnahmen ergriffen (Ich hab ja was getan)
    – Der „Kampf“ weiter angestachelt (Presse/Polizei und sonstige …)

    Man sollte IMHO die erwartungsgemäß von der CDU gekürzten Mittel lieber mal in eine Aufklärungskampagne stecken bzw. mal über eine Nachprüfung beim Führerschein nachdenken (der einigen Radlern und Fußgänger auch mal gut tun würde). Dann würde ich vielleicht auch nicht
    in einer Fahrradstraße von Autofahrern beworfen werden.
    Naja. Das ist meine Meinung.
    Es darf gerne jeder seine Eigene haben 🙂

  7. Die Gefahren, die von Radspuren in ihrer derzeit meist vorhandenen Bauweise ausgehen könnnen, sind klar und wurden ja von Ralph auch schon angerissen.

    Dennoch denke ich dass bei entsprechender baulicher Ausführung die Nachteile durch die Vorteile überwogen werden können.

    Der wichtigste Vorteil von Radstreifen ist m. E., dass mehr Leute zum Radfahren animiert werden. Je größer die Anzahl Radler innerhalb der Wahrnehmung der Autler, umso höher die Sicherheit jedes Einzelnen.

    Radstreifen können zudem schnelleres Vorrankommen ermöglichen, da sie das Überholen von Dosenstaus ermöglichen.

    * 3 m Mindestbreite, die sich folgendermaßen zusammensetzen:
    – 1 m Sicherheitsabstand vom rechten Parkstreifen, um „Dooring“ zu verhindern, mit entsprechender Linie markiert.
    – 1 m Breite für den Radler
    – 1 m Sicherheitsabstand zur linken „Normalfahrspur“, da sich Autler oftmals nur an der Linie orientieren
    – im Idealfall noch zusätzlich 1 Meter Überholspur für schnelle Radler; falls nicht möglich, nur Angebotsstreifen mit gestrichelter Linie, damit Überholen legal durch Ausweichen auf die „Normalfahrspur“ möglich ist.

    Wenn diese Breite anders nicht möglich ist, muss eben eine Normalfahrspur oder ein Parkstreifen zum Radstreifen umgewidmet werden.

    * direkte Abbiegeführungen für Radler im Kreuzungsbereich oder großzügige Aufstellflächen vor den Autos.

    Andere Maßnahmen können ergänzend wirken, bspw. Ampel-Vorrangschaltungen für Radler.

  8. @Nullbock-Horst:

    An der Bundesallee sehe ich eigentlich nur an zwei Stellen Handlungsbedarf:

    1. „ganz unten“ am Bundesplatz, Richtung Steglitz fahrend Kreuzung Südwestkorso. Hier kommt man als Radfahrer grundsätzlich erst dann an, wenn die Ampel so gerade auf „rot“ springt. Wenn man sich dann auf der Fahrbahn auf der mittleren der beiden Spuren aufstellt, um die rechte Spur für Rechtsabbieger noch freizuhalten (die haben ja separate Grünphase), gibt das erstens immer wieder Irritationen. Zum anderen fährt man dann halt im Fahrbahnbereich nach Wiederergrünen häufig vor einer Autokolonne durch den de-facto-einspurigen Bereich durch. Das bringt niemandem was. Die Abhilfe wäre simpel: Grünphase für die Bundesallee stadtauswärts um 3-5 Sekunden verlängern. Dann würden Radfahrer nämlich als letzte noch über die Ampel kommen, hätten keinen nachfolgenden Pkw-Verkehr und könnten in Ruhe auf der Fahrbahn dahinzockeln, ohne irgendwem dabei auf den Geist gehen zu müssen.

    2. „ganz oben“ nördlich HZD in Fahrtrichtung Joachimstaler Str. Der kurze benutzungspflichtige Hochbord-Abschnitt mit Zusatzampel baulich wie auch von den Ampelphasen her eine Farce, entsprechend wird den ein zügiger Radfahrer kaum benutzen. Wenn man von der Bundesallee Ri. Joachimstaler weiter will, biegt man ja quasi schräg links ab und muss sich entsprechend mittig einordnen. Da wäre tatsächlich eine radfahrerfreundliche Abmarkierung im Fahrbahnbereich oder ggf. sogar eine Aufstellfläche hilfreich. Und dann weg mit den Blauschildern an dem kurzen Hochbord-Stummel. (Man spart dort übrigens durch Nichtbenutzung des Hochbordes durch die Ampelphasen bis jenseits Lietzenburger Str. mehr als 2 Minuten ein.)

    Die restliche Bundesallee finde ich eigentlich völlig unproblematisch. Allerdings nutze ich diese Hochborde auch nicht.

  9. Das Fahren in Fahrspuren ist in der StVO ausreichend festgelegt.
    Radstreifen sind schon aus dem Grund vollig überflüssig.
    Dort wo sie regelkonform angelgt werden können sind sie noch überflüssiger.
    Eine Fahrspur die breit genug für einen regelkonformen Radstreifen ist, ist so breit, dass sie auch ohne auskommen würde.

  10. An der Bundesallee sehe ich eigentlich nur an zwei Stellen Handlungsbedarf:

    1. “ganz unten” am Bundesplatz,

    Das ist nicht „ganz unten“, die Bundesallee geht da noch gut 1.5 km weiter in Richtung Süden. Nämlich bis zum Walter-Schreiber-Platz; sie endet an der Bezirksgrenze von Schöneberg und Steglitz und geht dort zusammen mit der Rheinstraße in die Schloßstraße über.

    http://g.co/maps/ts2ur

    Die von Dir angesprochene Ampel südlich des Bundesplatzes kenne ich (http://g.co/maps/4ukpm), das ist eine lausige Drecksstelle, aber das ist die ganze Gegend da durch die gigantomanische südliche Ausfahrt des Bundesplatztunnels. Hier ist ein Hochbordradweg von vielleicht 60cm Breite verbaut (zwischen Südwestkorso und Mainauer Straße), und die Bundesallee selbst ist, wie Du ja auch schilderst, eklig.
    Hier wäre eine Beseitigung des Parkstreifens sinnvoll, mindestens bis zur Bachstraße auf der westlichen und Kundrystraße auf der östlichen Seite.

    Ich allerdings bezog mich bei meinem Kommentar auf das Teilstück zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und Walter-Schreiber-Platz, also gut einen Kilometer südlich vom Bundesplatz.

    Das größte Problem dürfte hier die Tatsache sein, daß dieses Teilstück der Bundesallee in Schöneberg liegt, und mit der Zusammenlegung mit Tempelhof hat sich dessen Friedhofsmentalität auch in der Straßenbaubehörde eingeschlichen. Ich habe schon Friedhöfe mit mehr Leben gesehen als zu Spitzenzeiten im Rathaus Tempelhof herrscht …

  11. @siggi: Ich habe selbst auch lange so gedacht, weil ich nur von mir selbst ausgegangen bin. Unerfahrene Radler und auch durchaus viele Alltagsradler, die ich kenne, haben jedoch große Angst vor dem Fahren auf der Fahrbahn. Die würden bestimmte Strecken gar nicht (mehr) fahren, wenn es da keine Radstreifen gäbe. Es gehört eben auch ein bestimmte Nervenstärke hinzu, um sich gegenüber Hupern und Nahüberholern durchzusetzen.

  12. @Sascha
    In der Realität schüren aber auch Radstreifen diese Situationen wovor der unerfahrene Radfahrer Angst hat.
    Menschen auf das Fahrrad zu locken indem man ihnen mit solchen Streifen mehr Sicherheit vorgaukelt ist in meinen Augen behördliche Fallenstellerei.
    Was dann bleibt ist nicht die Erkenntnis, dass Radstreifen gefählich sind. Nein, der unerfahrene Radfahrer kommt zu der Erkenntnis, dass Radfahren gefährlich ist.

  13. Ich finde eigentlich aus Sicherheitsgründen keinen Vor- oder Nachteil bei unseren derzeitigen Radstreifen oder Radwegen. Wohler fühle ich mich immer abseits des Autoverkehrs. Als routinierter Fahrer fahre ich dagegen lieber auf der Fahrbahn, am liebsten mit Radstreifen. Ich kann die Gefahren beider Wegeformen (Fahrbahn (mit/ohne Radstreifen) – Radweg) nach menschlichem Ermessen einschätzen, muss mich dazu bei beiden Formen etwa gleich konzentrieren, werde aber auf Radwegen viel stärker ausgebremst. Für viele Radfahrer sieht das aber anders aus, sie gehorchen dem Bauchgefühl. Soll man für diese Radfahrer kein Angebot (mehr) bereithalten? Soll man sie also trotz des Wissens um die Gefahren auf diesen Wegen lassen? Was soll ich konkret meiner 13-jährigen Tochter sagen? Fahr auf der Straße, Du hast zwar keinen Führerschein und kennst die Autofahrerperspektive nicht, aber das klappt schon? Oder: Fahr auf dem Radweg, auch wenn deine Freundin da schon umgenietet wurde, Du weißt ja jetzt, worauf Du achten musst? Oder: Fahr auf dem Gehweg, achte halt auf die Omas und die kleinen Kinder und wenns OA kommt, schick sie zu mir?

    Ich denke, es kann nur zweigleisig gehen:

    – Radstreifen ausbauen, auch unter Reduktion von Parkflächen.
    – Vorhandene Radwege sicherer machen

  14. @Nullbock-Horst:

    Mir ist wohl bekannt, dass die Bundesallee nach Süden noch deutlich über den Bundesplatz rausgeht. Aber da unten ist ja nichts mehr los. Und irgendwelche Hochbord-Leichen stören auch nicht wirklich, solange keine blauen Lollis rumstehen. Und das tun sie da unten nicht.

    Der Behördentiefschlaf im Tempelhofer Rathaus ist mir übrigens gar nicht mal unsympathisch. Besser ein Rathaus, in dem nur geschlafen wird, als eines, welches die Menschheit ständig mit sinnlosem Aktionismus der Kategorie „gut gemeint“ beglückt. Im ganzen Bezirk Tempelhof gibt es nur eine verschwindend geringe Zahl an benutzungspflichtigen Radwegen. Bzw. überhaupt gibt es in diesem Bezirk im Berlin-Durchschnitt unterdurchschnittlich viele Radwege. Das ist mir sehr sympathisch.

    Nochmal zur Parkplatzsituation an der Bundesallee: Diese „Parkspuren“ im Umfeld der beiden Tunnel nerven tierisch. Allerdings bin ich mir nicht so ganz sicher, ob man sich einen Gefallen damit tun würde, dort Parkverbote einzufordern. Dann würden diese Ecken nämlich vermutlich den Kfz-Verkehr zur Raserei geradezu einladen. Aktuell sieht dort alles enger aus, als es tatsächlich ist. Und das ist psychologisch eigentlich ganz gut insbesondere für Radfahrer, weil eben die Autofahrer das Gaspedal nicht voll durchtreten.

  15. @Michael, interessenhalber – hast Du ein besseres Gefühl, wenn Deine Tochter auf dem Radstreifen fährt? Ich mag an sowas fast noch gar nicht denken. Ein Großteil meines Handelns basiert auf Erfahrungen, bei denen es nochmal gut gegangen ist. Leider wird jeder neue Verkehrsteilnehmer es ebenso erlernen …

  16. Radstreifen, haben wir jetzt auch, ganz frisch!
    Auf der Lindenstrasse.
    Abgesehen davon, dass, wenn nicht ein ausdrückliches Absolutes Halteverbot angebracht ist, diese immer(!) zugeparkt sind, und die anliegenden Betriebe sich über einen Dauerparkplatz in der zweiten Reihe freuen, ist mir aufgefallen das es ziemlich eng geworden ist.
    Viele Autofahrer benutzen die Fahrbahnmarkierung jetzt als rechten Fahrbahnrand, auf einen Mindestabstand zum Fahrradfahrer wird jetzt garnicht mehr geachtet.

  17. @ smart

    ja, das ist tatsächlich der nachteil von fahrradspuren. ist natürlich auch verlockend dort zu parken, was kann schon passieren. ich bin ehrlich: zum ein- und ausladen würde ich die radspur vielleicht auch nutzen wenn es nicht anders geht. würde mich aber bemühen die zeit so kurz wie möglich zu halten. ich glaube, das größte problem ist, wenn der autofahrer sieht das auf der radspur schon andere stehen, dann ist die hemmschwelle doch regelkonform zu parken sicher geringer. wenn radspuren und parkplätze (entlang der fahrbahn) vertauscht wären, könnte keiner auf der radspur parken. ich fahre regelmäßig die köpenicker, da stehen sehr oft autos auf der radspur. dann fahre ich einfach auf der autospur weiter und die autos hinter mir müssen eben warten.

  18. @berlinradler: Nein, ich hätte auf den meisten Radstreifen auch kein besseres Gefühl für meine Tochter. Die müsste mit dem Rad z.Z. über Radwege, grüne Abschnitte, ein Wohngebiet mit geschlossenen Parkerreihen und eine Straße mit gefühltem 70er Verkehr ohne RVA. Dabei 2 Hauptstraßen überquerend. Wenn die Straße ohne RVA jetzt einen Radstreifen bekäme, wäre das schon mal sehr gut, aber ein gutes Gefühl hätte ich dennoch nicht. Die Situation wird nicht besser dadurch, dass in der Gruppe der 10-15-jährigen Radunfälle die Unfallursache Nr. 1 sind. Vergiss den Scheiß-Radführerschein, eine wirkliche Ausbildung gibt es in Berlin nicht und auch keine Infrastruktur, die es ohne fundiertes Autowissen und -erfahrung erlauben würde, sicher mit dem Rad zu fahren.

  19. So lange die Behörden nicht regelmässig kontrollieren und Falschparker konsequent abschleppen, wird sich daran wohl nichts ändern. Bei der Parkraumbewirtschaftung klappt es ja auch mit Kontrollen mehrmals am Tag. Bei entsprechendem politischen Willen könnte man das auch bei Fahrradspuren machen (zumindest dort, wo die Spuren regelmässig zugeparkt sind). Aber den Behörden ist die Bequemlichkeit von Autofahrern und Lieferanten offensichtlich wichtiger als durchgängig nutzbare Fahrradspuren. Und wenn man ständig zwischen Fahrradspur und normaler Fahrbahn wechseln muss, dann kann man sich die Fahrradspuren gleich ganz sparen.

    @Udo:
    Radspuren hinter Parkplätzen führen dazu, dass man genauso wie bei Radwegen von Abbiegern regelmässig übersehen wird. Außerdem wird einem dort häufig von einbiegenden Autofahrern aus Grundstücken oder Nebenstraßen die Vorfahrt genommen. Wenn in der Straße ein Parkstreifen vorhanden ist, dann sollte man dort ausreichend Ladezonen reservieren. Damit können auch Lieferanten problemlos legal parken und blockieren nicht die Fahrradspur.

  20. @Jakob:

    Was kurzparkende Lieferanten angeht ist die Sache tatsächlich ein wenig ambivalent. Einerseits dürfen die natürlich nicht „überall“ rumstehen. Genauso wie seit der Privatisierung der Post auch die Post-Privilegien diesbezüglich weggefallen sind. In der Praxis tolerieren die meisten Städte (nicht nur Berlin), dass Fahrzeuge von Paket-/Kurier-/Lieferdiensten mal kurzzeitig irgendwo rumstehen, wo sie es eigentlich nicht dürfen.

    Der Sachgrund dafür ist ein ganz einfacher: man geht davon aus, dass jegliche Erschwernisse für Lieferdienste, die immerhin gebündelt Sendungen durch die Stadt transportieren, letztlich zu noch mehr Individualverkehr führen würde. Denn Transportunternehmer würden ggf. Lieferungen an diverse Adressen verteuern oder sogar komplett ablehnen, weil viele Häuser schlicht nicht legal belieferbar sind, wenn’s um Dinge geht, die etwas größer als ein Briefumschlag sind.

  21. @ dan

    bei Post und anderen Lieferdiensten ist das Radspurparken sicher das kleinste Übel, da die meisten Geschäfte vielleicht einmal wöchentlich beliefert werden und auch nicht jedes Wohnhaus jeden Tag mit Paketen beliefert wird. Aber wenn jeder Hinz und Kunz auf der Radspur parkt, wird es für die Radfahrer zum Problem, insbesondere wenn alle 10 m einer steht. Früher hieß das Zweite-Reihe-Parken. Für die meisten ist das auch ganz normal, die stellen sich dahin wo platz ist. In Luft auflösen geht ja nicht.

  22. Auch bei Paketdiensten und Lieferanten habe ich wenig Verständnis für das Parken in zweiter Reihe oder auf Fahrradspuren. Pakete lassen sich problemlos zu Fuß oder mit einer Sackkarre auf dem Weg zwischen einem legalen Parkplatz und dem Ziel transportieren. Das führt zwar zu gewissen Mehrkosten (die sich im Moment nicht am Markt durchsetzen lassen), würde eine Belieferung aber keineswegs unmöglich machen. Durch Einrichtung von Ladezonen könnte man diese Mehrkosten auf ein sehr geringes Maß reduzieren. Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen (sehr geringe Kontrolldichte, niedrige Strafen und keine Konsequenzen für den Führerschein) können Lieferanten durch Ignorieren der STVO Geld sparen und so lange das so ist, wird sich an dem Problem auch nichts ändern. Helfen könnte eine höhere Kontrolldichte sowie höhere Strafen und Punkte für Falschparker.

    Bei richtig großen Transporten (z.B. Heizöl, Möbel oder Umzüge) sieht es natürlich anders aus. Wenn es in der Straße keinen Parkstreifen gibt, auf dem man durch ein temporäres Halteverbot Platz für den LKW schaffen kann, dann habe ich auch ein gewisses Verständnis für ein Parken auf dem Radstreifen.

    @dan:
    Ein einzelnes Geschäft wird oft deutlich mehr als 1x pro Woche beliefert und in einer Geschäftsstraße gibt es oft sehr viele Gewerbebetriebe. Dazu kommen die ganzen Pakete an die Anwohner. Insgesamt führt das doch schon dazu, dass man ständig zwischen Radspur und normaler Fahrban hin- und herwechseln muss.

  23. Übrigens ist das diskutierte Problem letztendlich genau das Parkplatzproblem. Es gibt zu viele Kfz in der Stadt. Und ganz ehrlich, man kann Falschparken verbieten, wie man möchte. Es geht einfach nicht anders. Beim Beliefern ist nicht die Radspur das Problem, sondern die dauerhafte Auslastung aller verfügbarer Parkplätze durch Privat-Kfz. So lange wir dieses Phänomen haben, können wir für freie Radstreifen kämpfen, wie wir wollen. Von der Seite aufgezäumt ist es ein von vornherein aussichtsloser Kampf.

    Eine wirkliche Änderung kann man nur durch Anreize schaffen, auf den Privat-Pkw zu verzichten. Das müssen nicht immer nur negative Anreize sein, meist versucht man es ja über den Geldbeutel. Auch positive Angebote, die zum Radfahren, ÖPNV-Fahren oder meinetwegen auch Carsharing animieren, können die Situation langfristig entschärfen. Allerdings ist das Gefühl, einen eigenen Pkw zu benötigen, aus den meisten Köpfen kurzfristig nicht herauszukriegen. Ein passionierter Autofahrer wird sich maximal vom Carsharing zum Wechsel bewegen lassen. Ein pragmatischer Autofahrer, der auch mal Bus oder Rad fährt, wird das umso mehr tun, je mehr Angebote es gibt.

  24. @ berlinradler

    du hast es nochmal gut zusammengefasst.
    und ich sage zum abschluss, dass ziel sollte sein: eine ausgewogene verkehrsinfrastruktur die den bedürfnissen aller verkehrsarten gerecht wird und auch standortangepasst gewählt wird. so das jeder ob mit auto, rad oder zu fuß gut durch die stadt kommt.

  25. @ udo: das wäre die eierlegende Wollmilchsau. Ich sehe keinen Weg, „den bedürfnissen aller verkehrsarten gerecht“ zu werden. Wohin uns die autogerechte Stadt gebracht hat ist offensichtlich. Es geht nicht ohne Dezimierung der kostenlosen Stellflächen für Privat-PKW.

  26. @ Michael S
    was ich geschrieben habe schließt doch die „Dezimierung der kostenlosen Stellflächen für Privat-PKW“ nicht aus.

  27. @ udo: naja, das wäre dann aber eine Gewichtung der Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer zu Lasten der KFZ vom jetzigen Status Quo aus.

  28. Hallo Michael,
    ich gehe davon aus, dass sich in Zukunft die Mobilitätsgewohnheiten in den Großstädten ändern werden, u.a. aufgrund der Begrenzung fossiler Brennstoffe, mehr ältere Menschen die nicht mehr berufstätig sind, Rückgang der Neuwagenkäufe gerade von jungen Menschen usw.

  29. @udo:

    Dafür kommen immer mehr Alte hinzu, die sich mit steigender Zahl an Gebrechen umso mehr an ihr Heilig Blechle klammern und selbst dann noch fahren werden, wenn sie es kaum noch zu Fuß zu ihrer Karre schaffen. Von der Frage, ob sie überhaupt mit ihren parkinsongeschüttelten Händen das Lenkrad noch werden halten können, reden wir mal lieber gar nicht.

    Mit anderen Worten: bevor der Rückgang des MIV ansteht, wird erstmal die Gefahr, die vom MIV ausgeht, über die Jahre nochmal drastisch zunehmen. Denn politisch ist ja eine Überwachung der Fahrtauglichkeit zumindest bei der Nutzung privater Kfz nicht erwünscht. Und diese politische Haltung wird sich auch nicht ändern, solange die davon betroffene Generation ein immer größeres Quotel an der Wahlbevölkerung darstellt.

  30. Naja ich weiss nicht, ob alte Fahrer prinzipiell eine höhere Gefahr darstellen. Dazu gibts Auswertungen, hat mich noch nie interessiert 😉

    Der MIV ist in der Berliner Innenstadt ja schon zurückgegangen. Aber große Sprünge erwarte ich da, wenn es nur auf gesellschaftlichen Wandel ankommt, nicht. Und wenn es auf Politik ankommt, schon gar nicht.

    Es werden wohl eher externe Faktoren sein, z.B. eine drastische Verteuerung der Energiepreise. Wobei ich staune, derzeit hat der Benzinpreis m.W. keinen messbaren Einfluss auf den Modal Split. Bei so einer Verteuerung der Energiepreise mag man dann wieder ein angenehmeres Klima auf den Straßen haben – zu lachen wird man aber eher nix haben.

  31. Zum Thema gibts neue Informationen, scheinbar wird doch etwas mehr Geld locker gemacht als bisher gedacht: http://www.tagesspiegel.de/berlin/fahrrad/radwegsanierung-koalition-legt-noch-was-drauf-fuer-die-fahrradstadt/6305118.html

  32. SPAAAAM!

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