Fahrradbotschaften

Die Stadt Kopenhagen im besonderen und Dänemark im allgemeinen machen bereits seit einigen Jahren die Erfahrung, dass der Begriff einer Fahrradstadt oder der eines Fahrradlandes ein vorzügliches Marketinginstrument ist. Das lockt fahrradinteressierte Touristen ins Land und Dänemarks Image in der Welt erhält einen grünen Anstrich. Deshalb wurde bereits vor zwei Jahren eine neuartige Botschaft gegründet. Die dänische Fahrradbotschaft, englisch: Cycling Embassy of Denmark, ist ein Zusammenschluss von privaten Unternehmen, der öffentlichen Hand und von Organisationen aus dem Non-Profit-Bereich, die die Fahrradbotschaft gemeinsam finanzieren. Ihr gehören Experten zu Stadtplanung, Infrastruktur, Radverkehrsförderung, Abstellangeboten, Fahrradtourismus und zur Ausstattung von Fahrrädern an. Die Danish Cycling Embassy hat den Anspruch, zur Quelle für Fahrradwissen und Fahrradprodukte zu werden.

Cycling Embassy of Denmark

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die niederländische Fahrradbotschaft, die im letzten Oktober gegründet wurde. Sie wird von 26 Firmen, staatlichen Organisationen und NGOs getragen. Ziel der Botschaft ist ausdrücklich der Export fahrradbezogener Expertise, Produkte und Dienstleistungen. Und schließlich soll die Botschaft zum holländischem Branding beitragen und die Marke „Niederlande“ international stärken. Im Einzelnen will die Fahrradbotschaft
– ein lebendiges Bild der niederländischen Fahrradkultur in allen seinen Facetten bieten.
– Ansprechpartner für Fragen und Anfragen aus dem Ausland sein.
– eine Wissensdatenbank zur niederländischen Fahrradmobilität zur Verfügung stellen.
– vielfache Dienstleistungen zur Marktforschung und Entwicklung des Fahrradmarktes bereit stellen.

Dutch Cycling Embassy

4 Gedanken zu „Fahrradbotschaften

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  1. Die Dänen machen es mal wieder besser. Sofort eine englische Seite und man gelangt schnell zu den Inhalten. In Holland landet man erst über die Auswahl auf einer englischen Seite und der Inhalt ist gegenüber der niederländischen Sprachvariante abgespeckt. Richtigen Inhalt gibt es dort sowieso nur über die Datenbank des fietsberaad.

    Die Niederlande haben sicher die bessere Fahrradinfrastruktur, aber für die ist das scheinbar so selbstverständlich und der Gedanke noch so fremd, dass das was tolles ist, was sich zu exportieren lohnt. In Dänemark macht man ein Riesenwohei um die (in Kopenhagen) auch sehr gute Infrastruktur, dass alle Fahrradwelt nur noch dorthin blickt. Tja.

    Letztlich denke ich, ist es für uns in D wohl auch ziemlich unwahrscheinlich, den niederländischen Weg gehen zu können, es wird eher auf ein abgespecktes Kopenhagen hinauslaufen.

  2. Ja mei. Hier in NRW wurde irgendwann in den 90ern der wohltönende Begriff der „Fahrradfreundlichen Stadt“ eingeführt. Ist aber nicht zwingend das drin, was man vermuten würde/möchte. Sondern auch erstmal nur ein „Titel“, den man sich sozusagen kauft, um dann damit in beliebig erscheinender Weise herum zu mudkern (in der Matsche spielen).
    Wenn ich bedenke was sich meine Heimatstadt Hamm/Westf. seitdem für eine elende Vielzahl von Mist in Sachen Fahrrad geleistet hat … aber hauptsache man hat einmal im Jahr das Sattelfest und kann sich feiern. Aber substanziell hat sich hier erschreckend wenig getan.

    Kürzlich wurde die Musikschule nach intensivem Umbau wieder eröffnet. Dabei fiel dann auf (der ADFC hat seine Geschäftsstelle keine 50m entfernt), dass der ebenfalls neu gestaltete Gehweg davor keinen abgesetzten Radweg mehr hat, sondern einen kombinierten.
    Der Grund? Die Verwaltung wollte das schicke Erscheinungsbild der Musikschule nicht durch einen roten Radwegstreifen stören! *spuckebleibtweg*
    Und als Ausgleich zum *habengutgepennt* tuten se jetzt für ein Neubauprojekt in der Innenstadt, ins Horn des „wir fordern dort jetzt aber einen guten Radweg!“ und damit werden sie einen Unfallschwerpunkt bauen.
    Der hiesige ADFC ist genauso schnarchtütig wie die Stadtverwaltung der „fahrradfreundlichen Stadt Hamm“, denn jene Straße ist prädestiniert dafür, gar keinen Radweg zu haben.

    Ja, man kann auf „die Dänen“ schon neidisch sein. 😉

  3. Für mich ist das alles PR. Genau wie im Artikel vorher mit dem umstrickten Fahrrad. PR nehme ich nicht wirklich ernst. Genauso wenig wie angebliche Fahrradhauptstädte und angeblich besonders fahrradfreundliche Städte. Oder angebliche Radverkehrsanteile. Erhellend war da für mich das angeblich so fahrradfreundliche grüne Freiburg im Breisgau. Radfahrverbot in der gesamten historischen Innenstadt. Da kann ich nur lachen. In der IAA-Stadt Frankfurt darf man im Schritttempo sogar auf der Konsummeile Zeil fahren. Das ist fahrradfreundlich, auch wenn Frankfurt chancenlos auf einen Fahrrad-PR-Titel sein dürfte.

    Aber was soll’s, Fahrrad-PR kann nur nützen, auch wenn sie es mit den Fakten nicht so genau nimmt.

  4. @kl: Aber holla – Nach Jahrzehnten reiner Auto-PR kann es gar nicht genug Fahrrad-PR geben.

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