Berlinweite Radfahrerkontrollen: Polizei zieht Bilanz

Bis einschließlich heute hatte die Berliner Polizei achttägige stadtweite Verkehrskontrollen zur Verhinderung von Radfahrunfällen angekündigt. Nun wurde Bilanz gezogen.

Kontrolliert wurden 8.084 Radfahrer und 1.210 Kfz-Fahrer. 3.731 Radler und 814 Kraftfahrer wurden zur Kasse gebeten. Gegen 46,15 Prozent  der kontrollierten Fahrradfahrer wurden also Ordnungswidrigkeitenanzeigen gefertigt. Bei den Kraftfahrzeugführern liegt die Quote der verteilten Tickets mit 67,27 Prozent erheblich höher.

In Hinblick auf die Radler wurden auf folgende Hauptunfallursachen besonders geachtet: Gehwegradeln und das Fahren auf Radwegen in die Gegenrichtung. Bei den Kfz-Führern wurde auf Fehler beim Rechtsabbiegen Augenmerk gelegt.

„Parallel zu den Überwachungsmaßnahmen führten die polizeilichen Verkehrssicherheitsberater an den Berliner Grundschulen insgesamt 166 Präventionsveranstaltungen zu den Gefahren des sogenannten Toten Winkels durch.“

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 1227 vom 13.04.2011 – 16:00 Uhr

14 Gedanken zu „Berlinweite Radfahrerkontrollen: Polizei zieht Bilanz

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  1. “Parallel zu den Überwachungsmaßnahmen führten die polizeilichen Verkehrssicherheitsberater an den Berliner Grundschulen insgesamt 166 Präventionsveranstaltungen zu den Gefahren des sogenannten Toten Winkels durch.”

    Und die Kleinen werden alle LKW-Fahrer, oder was? Stattdessen wären Infoveranstaltungen bei Logistikbetrieben wohl eher angemessen. Aber Hauptsache, die Opfer stecken zurück (wie in der „Sendung mit der Maus“-Reportage).

    Gehweg- und Geisteradeln sind Unsitten, da ist es vollkommen in Ordnung, wenn dagegen vorgegangen wird. Die Zahl 46 % sagt aber überhaupt nichts aus, da ja nur auffällige Radfahrer angezählt wurden. Eine parallel durchgeführte Verkehrszählung hätte vielleicht offenbart, wie viele Radfahrer sich eigentlich nicht regelkonform verhalten.

  2. hm, ja, die prozente halt ich auch für wenig aussagekräftig.

    mich würde mal ne aufschlüsselung interessieren, weswegen geldstrafen ausgesprochen wurden.

  3. Dass ich gegenüber einem LKW an der Ampel nicht auf meiner Vorfahrt bestehe, hat nichts mit Zurückstecken sondern sehr viel mit Überlebensinstinkt zu tun. Und Schulungen, die helfen, sich in die Position anderer Verkehrsteilnehmer versetzen zu können würde ich für ALLE empfehlen, ganz besonders aber den potentiellen Opfern eines Unfalls.
    Die Aktion der Polizei an den Schulen geht schon in Ordnung.

  4. > Dass ich gegenüber einem LKW an der Ampel nicht auf meiner
    > Vorfahrt bestehe, hat nichts mit Zurückstecken sondern sehr
    > viel mit Überlebensinstinkt zu tun.

    Daß das ein Verzicht auf §1 StVO bedeutet und ein Zurück zum „Recht des Stärkeren“, das ist Dir aber auch klar?

    Statt zurückzustecken und devot-brav rechts neben abbiegenden LKWs zu warten, sollte man einfach mit dem SCHWACHSINN aufhören, neben der Spur zu fahren.

    Man fährt einfach AUF DER SELBEN Spur wie der LKW. Dann kann es prinzipbedingt keine Abbiegeunfälle geben.

  5. @ Annette

    Natürlich soll man nicht blind auf sein Recht vertrauen, viel zu viele Unfälle zeugen davon. Aber trotzdem muss man sich, wenn dies durch die Fahrweise des Rechtsabbiegers und am besten Blickkontakt abgesichert ist, durchsetzen. Dem LKW-Fahrer überlassen der erste und zweite Radfahrer die Vorfahrt, der dritte eben nicht. Viele Probleme der Autofahrer mit Radlern resultieren aus der Tatsache, dass viele Radfahrer sehr unvorhersehbar fahren. Sei es, dass die eine Hälfte ihr Recht auf Vorfahrt wahrnimmt, die andere nicht, oder dass sehr viele Radler nicht den Arm vor dem Abbiegen raushalten. Vorhersehbare (und StVO-konforme) Fahrweise erhöht die eigene Sicherheit sehr oft.

    Ich musste mir letzte Woche von einem Autofahrer anhören, dass er mich beim nächsten Mal töten würde, wenn ich nochmal in seinem toten Winkel auftauchen würde. Soweit wäre es mein Fehler gewesen, wenn er nicht aus der Nebenstraße kommend mir als Linksabbieger die Vorfahrt genommen hätte und dann ohne den Überholvorgang zu beenden wieder rechts abgebogen wäre. Er hat schlicht damit gerechnet, dass ich zurückstecken würde, wie es vor mir schon so viele Radfahrer getan haben.

    Die gleiche Meinung taucht doch ständig in Polizeimeldungen auf, wenn ein ermordeter Radler wieder „auf seine Vorfahrt bestand“. Kfz-Verkehr besteht komischerweise nie auf seine Vorfahrt, ihm wird sie nur genommen. Das Fahrrad gehört mindestens einen Meter LINKS neben den Fahrbahnrand. Vielleicht setzt sich diese Grunderkenntnis irgendwann durch und sei es nur, weil ab und zu Radler eben nicht den Kopf vor den Steuern zahlenden Autofahrern senken, sondern konsequent ihre Rechte wahrnehmen.

  6. @martin
    Das mit dem Steuerzahlen nimm mal bitte aus der Argumentation, wir alle zahlen Steuern, je nach Konsum und Lohn!

  7. Interessant finde ich, dass in der öffentlichen Wahrnehmung die schwächeren Verkehrsteilnehmer sich den häufigen Verstößen der Stärkeren anzupassen haben, wie Annette das sehr schön schreibt. Andersherum habe ich die Argumentation noch nie gesehen, also dass z.B. Autofahrer sich den vielen rotlichtradelnden Radfahrern eben anzupassen haben, indem sie langsamer und bremsbereit in Kreuzungsbereiche einfahren.

    Tatsächlich gilt Selbstgefährdung als „verrückt“, während Fremdgefährdung weitgehend hingenommen wird.

  8. Lieber Kohl, war doch nur ein kleines Späßchen von mir. Ich mache mich immer über einen Kumpel lustig, dass mir und meinen Rädern ein größeres Stück Straße gehören müsste als ihm und seiner Rostlaube. So ganz will er aber meiner Argumentation nicht folgen.

  9. @Prokrastes:

    Zur Ehrenrettung der Brummifahrer sollte aber auch mal erwähnt werden, dass diese sich häufig auch von einer sehr freundlichen Seite zeigen. Insbesondere neigen Berufskraftfahrer weniger zu diesen PKW-typischen Sinnlos-Überholmanövern im Sprint auf die nächste rote Ampel und lassen einen auch mal gezielt vor (= verzichten auf Vorfahrt), wenn sie glauben, dass der Radfahrer schneller ist.

    Vom Fahrverhalten her halte ich den Durchschnitt der LKW-Fahrer für berechenbarer als den Durchschnitt der PKW-Fahrer. Die LKW-spezifischen Gefahren sollte man als Radfahrer natürlich kennen. Aber irgendwelche urplötzlichen Chaosmanöver, wie sie immer wieder bei PKW zu beobachten sind, findet man bei den Brummis eher selten.

  10. @Martin Sorry ich bin da nen bissl Alergisch drauf, mir wird sowohl als Student als auch als Radfahrer zu oft vorgeworfen ich zahle keine Steuern und hätte somit implizit in der Argumentation mancher konsumnazis natürlich auch weniger Rechte.

    Den Rest fand ick aber schnieke 🙂

  11. @dan: Bist Du sicher, daß ich der richtige Adressat bin? Wo habe ich Berufskraftfahrer oder LKW-Fahrer angegriffen oder auch nur kritisiert?

    Was ich kritisiere, ist der massive und lebensgefährliche Fehler der Separation von Rad- und Autoverkehr innerorts.

  12. wie dem auch sei.
    ich glaube die idiotenquote ist unter allen verkehrsteilnehmern ungefähr gleich. nur das gefährdungspotential ist ein anderes

  13. berlinradler schreibt: „Tatsächlich gilt Selbstgefährdung als “verrückt”, während Fremdgefährdung weitgehend hingenommen wird.“

    Auf den Punkt gebracht.

  14. Was die Polizei alle paar Monate mal macht, machen die „Kiezläufer“ im Wedding täglich. Belustigungspotenzial und ein paar ermahnte Radfahrer:

    http://www.kabeleins.de/doku_reportage/achtung_kontrolle/videos/ganze-folgen/clip_auf-streife-mit-den-kiezkontrolleuren_185293/

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