Schildbürgerstreiche in Mitte

Die vor wenigen Jahren neu angelegte Alexanderstraße im Bezirk Mitte zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke besitzt auf beiden Seiten Hochbordradwege. Die kann man aber guten Gewissens ignorieren, weil sie nicht benutzungspflichtig sind.

Nun wurde gegenüber des Tiefgarageneingangs des Einkaufszentrums Alexa an der Alexanderstraße eine Baustelle eingerichtet. Und was macht die Verkehrsbehörde von Mitte? Die pflanzt an dieser Stelle ein blaues Schild: gemeinsamer Fuß- und Radweg. Radler, die sich korrekt verhalten wolllen, müssen also runter von der Straße und rauf auf den Bürgersteig. Zur Sicherheit steht gleich hinter der Baustelle noch einmal das gleiche Schild.

alexanderstrasse-mitte.jpg

Update Freitag, 25. Februar 2011:

Seit gestern ist das Schild „Gemeinsamer Fuß- und Radweg“ ausgestauscht durch das Schild „Fußgängerweg“ mit dem Zusatz „Radfahrer frei“. Dank an xyz.

alexanderstrasse-mitte-aktualisiert.jpg

17 Gedanken zu „Schildbürgerstreiche in Mitte

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  1. Das ist leider bei fast jeder Baustelle so, die in irgendeiner Form einen Radweg beeinflusst. Das ist offensichtlich so gewollt und nichts neues.
    Bei anderen Alternativen hört der Radweg einfach in der Baustelle auf, ohne dass ich den Fußweg benutzen darf. Oder man wird einfach in die befahrene Spur mitten in den Autoverkehr gelengt. Dann fehlt meist nur noch der wartende Leichenwagen, der die Radler dann im Minutentakt abtransportieren kann.
    Also für mich als Berliner ist das hier leider ein gaaanz normales Bild.

  2. „Und was macht die Verkehrsbehörde von Mitte? Die pflanzt an dieser Stelle ein blaues Schild“

    Das ist die Frage. Häufig ist es einfach die Baufirma, die da einfach ohne behördliche Anordnung „irgendsoein blaues Schild, wo ein Radfahrer oder ein Fußgänger oder so drauf ist“ in den Straßenverkehr pflanzt.

    Evtl. könnten Anzeigen gegen Unbekannt wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ und/oder „Amtsanmaßung“ da mittelfristig irgendjemanden aufwecken.

    Auf jeden Fall kann es nicht schaden, mal bei der Verkehrslenkung nachzufragen, ob für die Baustelle eine Anordnung für das Schild existiert und wenn Ja, inwiefern an dieser Stelle denn Benutzungspflicht aus Gründen der Verkehrssicherheit zwingend geboten sein soll, während es sie die 400m vor der Baustelle nicht ist…

  3. korrekt wäre in jedem fall n fußgängerschild mit „radfahrer frei“ drunter.

    unter den yorckbrücken aktuell der selbe mist.

    sind halt nur bauarbeiter, die die schilder aufstellen. denken sich sicher nicht mal was böses dabei

  4. Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden NRW stellt auf ihren Seiten diverse Hilfsmittel für lernbehinderte Behördenvertreter und Poliere zum Download zur Verfügung: http://www.fahrradfreundlich.nrw.de/cipp/agfs/lib/pub/abstract/standard,lang,1/oid,1971/ticket,guest, darunter auch die PDF Baustellenabsicherung. Schaut mal rein. Meine Lieblingsbroschüre ist übrigens: „Nur Dummies fahren gegeneinander“

    Jede Warnbarke und jedes Schild verursachen Kosten, die Baustellenbetreiber lieber nicht haben wollen. Und in der Regel hat die entsprechende Behörde nicht das geringste Interesse daran, Baustellenbetreiber lediglich wegen der paar Radfahrer zu sanktionieren. Das wird in Berlin nicht anders als in Köln sein!

  5. Naja, die eine Fahrspur scheint ja auch gesperrt zu sein, hier herrscht also eine extreme Gefahrenlage. 🙂

    Schön finde ich auch, wenn die Schilder linksseitig angeordnet werden. In der Möckernstraße war das letztes Jahr der Fall, man hätte von der gut befahrenen Fahrspur also nach links zur Baustelle abbiegen müssen, diese dann passieren und dann wieder auf die Fahrbahn einschwenken. Damit hätte man den „Verkehr“ stark aufgehalten und sich sicher viele Freunde gemacht.

    Aber „man weiss ja wie es gemeint ist“, genau nach diesem Motto werden teilweise falsche Schilder aufgestellt.

  6. Mir kommt da gerade der Gedanke, dass es im Zweifel sogar gut gemeint ist. Nämlich den Fußgängern zu signalisieren, Achtung, hier kommen jetzt auf eurem Streifchen auch noch ab und an mal Radfahrer angeschossen. Und: Es gibt ja auch noch genug Radfahrer, die dankbar für solche Wege sind und die eine Beschilderung – welche auch immer – begrüßen. Für die meisten ist doch gar kein Unterschied zwischen blauen Schildern und „Radfahrer frei“ erkennbar. Es ist echt zum Verzweifeln. Ich glaube, eigentlich würde nur eine 3-monatige Medienkampagne helfen.

  7. Da viele „unserer“ Erkenntnisse gegen das Bauchgefühl sprechen, glaube ich, dass auch Medienkampagnen nicht helfen würden. Ich diskutiere mit Kollegen auch gerne über Radfahren, viele glauben mir sogar, dass Radwege gefährlicher sind. Und können trotzdem nicht nachvollziehen, warum manche Radfahrer trotz Radwegen auf der Fahrbahn fahren. So komisch es klingen mag, es gehört wohl auch etwas Mut dazu, eher der Statistik als dem Bauchgefühl zu vertrauen.

  8. „Verkehrsplaner“ im Sinne von „für die Aufstellung von Schildern verantwortlicher“ und „für Radwegeplanung verantwortlicher“ ist nicht ohne Grund ein Schimpfwort.

  9. Das ging schnell:

    – Heute 9:40h Mail an Verkehrslenkung mit der Frage ob eine behördliche Anordnung für die Zeichen vorliegt, und falls ja, wie sich dort eine Benutzungspflichtanordnung begründet.
    …Und ob man nicht auch der Ansicht sei, dass Z239 (Gehweg) mit Zusatz „Radfahrer frei“ zielführender wäre.

    – 11:09 Antwort von der Verkehrslenkung, für diese Baustelle vom Bezirksamt Mitte -Straßenverkehrsbehörde- eine straßenverkehrsbehördliche Anordnung erteilt wurde und dass man meine Anfrage daher dorthin weitergeleitet habe.

    – 12:47 Antwort vom Bezirksamt Mitte, man habe bei einer Besichtigung der Baustelle heute(!) festgestellt, dass es sich dort um einen nicht benutzungspflichtigen Radweg handelt und die Baufirma sei daher sofort dazu aufgefordert worden, „das Zeichen 240 StVO/ 241 StVO durch Z 239 StVO
    mit Zusatzzeichen 1022-10 StVO zu ersetzen.“- Also Gehweg+“Radfahrer frei“
    Abschließend bekam ich sogar noch einen Dank für den Hinweis.

    Sensationell und sensationell schnell muß ich sagen!

    Nun können wir ja mal gemeinsam schauen, wie schnell die Baufirma ist. 🙂

  10. berlinradler: „wohl auch etwas Mut dazu, eher der Statistik als dem Bauchgefühl zu vertrauen“ … tja, der alte Kampf Großhirn gegen Kleinhirn. Meistens gewinnt das Kleinhirn und das Großhirn merkt es nicht mal.

  11. xyz: „… Mail an Verkehrslenkung …“ Sag mal bitte die email-Adresse. Thx.

  12. @Nebsler: Die Kontaktdaten der Verkehrslenkung findet man unter http://www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/lenkung/behoerden/de/vlb.shtml

  13. Bin ich jetzt der Einzige, der den Radweg dort vollkommen in Ordnung findet? xD Keine Autos, kaum Menschen, keine Scherben, keine Schäden, sehr übersichtlich. Habe ich letztes Jahr knapp 4 Monate ohne Probleme überlebt 😛
    + coole Aktion@xyz 🙂

  14. Den bin ich vor einiger Zeit auch regelmäßig gefahren, geht so. Da man die Wahl hat, kann man nicht meckern – so ganz hat man sie ja nicht, da viele Kraftfahrer von einem Gefährdungs-Belehrungsrecht und von einer generellen Benutzungspflicht ausgehen.

    Einmal bog ein Transporter dort so unvorsichtig ein, dass ich anhalten musste. Typische Radwegsituation. Fußgänger nehmen den Radweg oft nicht als solchen wahr. Gerade wer an die Parkautomaten oder zu seinem geparkten Kfz muss, fiel mir dort immer wieder als leichtsinnig auf.

  15. @Berlinradler: „Naja, die eine Fahrspur scheint ja auch gesperrt zu sein, hier herrscht also eine extreme Gefahrenlage.“

    Da ist keine gesperrte Fahrspur, sondern nur ein gesperrter Parkstreifen.

  16. Ja, nicht ganz so ernst nehmen was ich da geschrieben habe. Ich wollte eher die Behördendenkweise karikieren.

  17. Die Baufirma war auch schnell: Ich bin heute Mittag da vorbeigekommen und die Schilder waren durch Gehweg+“Radfahrer frei“ ersetzt. 🙂

    Wenn das nur immer so einfach ginge mit der Benutzungspflicht.

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