Radfahrer gegen den Rest der Welt?

Wenn man einen Blick ins Internet wirft, kann man den Eindruck bekommen, dass das Gewaltpotential zwischen den Radfahrern und dem Rest der Menschheit steigt

Erstes Beispiel: Radfahrer schlug Busfahrer „Mit einem Faustschlag gegen die Schulter hat gestern Abend gegen 17 Uhr 50 in der Koch- Ecke Friedrichstraße in Kreuzberg ein unbekannter Radfahrer einen 43-jährigen Busfahrer attackiert. Zuvor war es zu Streitigkeiten gekommen, weil der Radfahrer behauptete, im fließenden Verkehr vom Bus geschnitten worden zu sein. Nach dem Schlag flüchtet der Radfahrer.“ Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 3066 vom 08.10.2008 – 09:55 Uhr.

Zweites Beispiel: Das Münchener Magazin jetzt.de hat den Autor Jochen Overbeck nach Berlin geschickt, um die Hauptstadt zu erkunden. In Overbecks neuester Berlinkolumne geht er unter die Radler und vergleicht München mit Berlin. Textauszug: „Jetzt ist es ja so, dass in München auf die Bedürfnisse der Radler sehr eingegangen wird. Radwege allenthalben, beidseitig, bis auf ein paar hässliche Ausnahmen autobahnbreit und in bestem Zustand. Auch die Autofahrer haben sich angewöhnt, zumindest ein bisschen auf ihre Verkehrspartner einzugehen und halten vorm Abbiegen freundlich Ausschau. Nachdem in Berlin im Straßenverkehr ohnehin etwas improvisatorischer und handfester agiert wird, war mir schon klar, dass es da Unterschiede geben würde. Insofern ist auch die erste Erkenntnis eine recht logische. Schon an der ersten Kreuzung wird mir klar, dass Ampeln allenfalls als lose Empfehlungen zu verstehen sind. Und: Man muss doch recht häufig auf dem Gehweg oder auf der Straße fahren. Wenn ein Radweg da ist, wird der nebenher gerne als Lieferzone für die umliegenden Ladengeschäfte genutzt oder ist eine wild und uneben gepflasterte Hindernisstrecke. Ein paar Baustellen dazu, und das Ganze ließe sich auch als BMX-Trail verkaufen.“

Overbecks launig geschriebener Artikel ist kein Stück radfahrerfeindlich. Interessant sind aber die mehr als 70 in kurzer Zeit aufgelaufenen Kommentare. So schreibt ein milagro: „ich hasse berliner fahrradfahrer, alle, alle, alle, und sorry für die 0.01% auf die das nicht zutrifft.“ Ein alcofribas pflichtet milagro bei und prügelt auf das vermeintliche Radlerpack ein: „ich halte ja noch an mich, aber der tag ist nicht mehr fern, an dem ich den erstbesten vollspacken von radler, der eine station am ring fährt, sowas von dumm anrede.“  Der Tenor vieler Kommentare ist purer Hass auf die Radfahrer.
jetzt.de: Berlinkolumne. Unter Radlern

22 Gedanken zu „Radfahrer gegen den Rest der Welt?

Kommentare-Feed
  1. Naja was erwartet man vom Dosentreiber, erst vergällts einem der Staat mit Regeln etc. dann muss man auch noch Horrende Preise fürs Benzin blechen, eine gewisse grundangepisstheit kann ich nachvollziehen, und ich als radfahrer rege mich auch über Rotschlabberer und Träumer auf. ( egal welche Form des Verkehrsteilnehmers)

    Datt adiert sich dann halt noch auf den aufgestauten Frust rauf und schon hat man lauter potentielle Amokläufer die offen damit drohen ihre Waffen auch einzusetzen, wird Zeit das Benzin endlich so teuer wird das die Karre nurnoch bewegt wird wenns wirklich nötig ist.

  2. Nachtrag zum Artikel: Nun schreibt auch der Tagesspiegel zum Angriff des Radfahrers auf den Busfahrer. Die Leserdiskussion zu diesem Thema wird ganz gewiss interessant.

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-BVG;art126,2631334

  3. Zwei Thesen meinerseits:

    1. Radfahrer können jeweils als singuläre Individuen nicht viel tun um die allgemeine Stimmung für/gegen Radfahrer zu verändern. Es sind primär regionale Behörden und insbesondere die Presse die darüber entscheiden ob man als Radfahrer „gern gesehen“ oder „wie die Pest gehaßt“ wird.

    Konsequenz aus 1: Radfahrer können ihrerseits nur sehr begrenzt steuern ob sie in einer aktuellen Verkehrssituation „freundlich“ oder „rabiat“ behandelt werden.

    2. Radfahrer haben wenig Aussicht auf Rückendeckung der Exekutive wenn sie konkrete Gefährdungen durch andere Verkehrsteilnehmer auf dem Rechtsweg zur Ahndung bringen wollen.

    Konsequenz aus 2: Selbstjustiz vor Ort.

    Dabei ist 2. bezogen auf die Lage von Radfahrern gar nicht mal so völlig blöde. Wenn man schon die allgemeine Stimmung entsprechend Konsequenz aus 1 nicht ändern kann so kann man mit Konsequenz aus 2 wenigstens dafür sorgen dass Autofahrer Angst davor bekommen sich mit Radfahrern anzulegen.

    Ist halt pragmatischer Realismus.

    Ob es allerdings erforderlich ist gleich mit Körperverletzung als „Denkanstoß“ daherzukommen ist sicher fraglich. Aber wenn Autofahrer ihre Seitenspiegel eh nicht benutzen dann stört es auch nicht wenn sie abgehackt werden – schafft nachfolgenden Radfahrern mehr Platz beim Kolonnensurfen…

  4. Wenig überraschend. „Jetzt“ ist das Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung, einer Publikation, die gerne von im Prenzlauer Berg lebenden Migrant_innen aus Südwestdeutschland gelesen wird. Die erleben in Berlin gerade zum ersten in ihrem Leben, daß Straftaten und Ordnungswidrigkeiten von der staatlichen Gewalt trotz Daimler und persönlicher Bekanntschaft des Oberstaatsanwalts verfolgt werden.

    Klar, daß die erstmal versuchen, ihre kognitive Dissonanz durch den Haß auf vermeintlich Schwächere aufzulösen.

  5. @dan

    … genau: immer die Anderen … 😉

    Lustigerweise gibt es hier ja immer gar kein Ruckeln, wenn ich alleine mal die mögliche Beteiligung an öffentlichen Diskussionen nachfrage – Stichwort Leserbriefe an Boulevardzeitungen. Was der Tagesspiegel schreibt, kriegt doch kein Busfahrer oder Taxifahrer und schon gar nicht der vorurteilsbeladene Mitbürger mit..

    Die Unterstützung der Exekutive ist übrigens hervorragend, wenn man diese professionell nutzt. Bestes Beispiel war mal das Tagebuch des Dr. Basler – der Mann wurde auf seinem täglichen Weg von Lichterfelde nach Buckow permanent von Busfahrern gemobbt. Anstatt rumzubrüllen und handgreiflich zu werden, hat der Mann einfach eine Strichliste und von dem einen oder anderen Vorfall ein Gedächtnisprotokoll gemacht. Im Ergebnis hat er – trotz einem Bus voller Zeugen gegen sich (die sich ja nicht freuen, wenn die Polizei gerufen wird und sie laufen dürfen …) – den Prozess gewonnen und ein Schmerzensgeld von meiner Erinnerung nach 4.000 DM für Beleidigungen und Bedrohungen des Busfahrers erhalten.

    Auf der anderen Seite steuern zu viele Radfahrer sehr bewusst ihr Verhalten und beeinflussen das Verkehrsklima – negativ. Als ich mir neulich mal die neuen Radfahrstreifen in der Wisbyer Straße angeguckt habe, kam mir schon ein Radfahrer auf der Fahrbahn im dichten Verkehr entgegen – wie blöd dürfen Radfahrer eigentlich sein? Auf den alten Bürgersteig-Radwegen ist das illegale Benutzen des linken Radweges die Hauptunfallursache für von Radfahrern selbst verursachte Fahrradunfälle – wir könnten hier sofort bis zu einem Viertel aller Fahrradunfälle einsparen. Und die B-Note, also das hilflos irgendwo auf Gehwegen, Bahnhöfen, in Zügen oder anderswo rumgurken, versaut eben auch noch das Image … 😉

  6. @ benno: Warum sollte man Boulevard-Publikationen wie die Süddeutsche Zeitung, die man aus gutem Grund nicht liest, künstlich dadurch aufwerten, daß man ihnen Leserbriefe schreibt?

  7. @nachtregen1

    … wieso aufwerten? Du musst die Blätter weder kaufen, noch einen Klick auf deren Seiten machen, sondern einfach Deine Meinung mit einer E-Mail kundtun. Dadurch steigen bei denen weder die Werbeeinnahmen, noch die Verkaufszahlen. Ist doch aber gut, wenn der Leser nicht nur mit einer Meinung verblödet wird, wenn regelmäßig gegen Radfaher gehetzt wird. Das ist die Sache mit den Ghettos: falls wir hier mal einer Meinung sein sollten, macht dies das Verkehrsklima für das Fahrrad in dieser Stadt noch nicht besser. Die Mehrheit der Berliner liest weder diesen Blog, noch den Tagesspiegel. Und die Sternfahrt ist auch nicht groß geworden, weil es die taz gibt … 😉

  8. @benno:

    Nein, „immer die anderen“ trifft es in der Sache nicht. Natürlich kann man mit seinem eigenen Beitrag (sowohl in der öffentlichen Diskussion wie auch auf der Straße) schon ein wenig steuern wie es auf der Straße tatsächlich läuft. Aber was man als Individuum nicht beeinflussen kann sind z. B. so Dinge wie Überholabstände, Vorfahrtnahmen oder gezieltes Ausbremsen aus heiterem Himmel.

    Auch wenig Chancen hat man als Radfahrer im Dialog mit Behörden. Berlin ist was das Thema Radwege-Gefahren und Abschaffung von Benutzungspflichten angeht ein Lichtblick in Deutschland. In anderen Regionen – z. B. hier in Ostwestfalen – sieht es deutlich finsterer aus. Da sprießen die Radwege wie die Pilze aus dem Boden und schaffen Frust und neue Gefahrensituationen. Dialog mit Politik und Behörden nicht sinnvoll möglich. Klage vor dem Verwaltungsgericht braucht ewig (habe da auch noch ein Verfahren laufen).

    Aus dem Nicht-Dialog mit den Behörden und den derzeit in der Diskussion stehenden Änderungen an der VwV-StVO schließe ich dass die Bedürfnisse von Radfahrern als Verkehrsteilnehmer nicht ernst genommen werden. In der Konsequenz nehme ich die StVO immer weniger ernst. Es ist ein Regelwerk von Autofahrern für Autofahrer.

    Somit fahre ich da wo gerade Platz ist, die Risiken/Gefahren durch mich bestimmbar sind (d .h. ich die Gefahren *sehen* und darauf *reagieren* kann) und ich niemanden störe. Und wenn mir genügend Leute pro Zeiteinheit aggressiv in die Quere kommen entfällt in meinem Handlungsschema die zweite Hälfte des vorherigen Satzes. In Städten wie z. B. Köln fahre ich stur egoistisch und nehme auch Vollbremsungen motorisierter Verkehrsteilnehmer in Kauf oder provoziere sie um durchzukommen. Das ist sicher nicht fair, aber andererseits fühle ich mich auch nicht fair behandelt und sehe dementsprechend in solchen Städten auch nicht die Notwendigkeit selbst aufopfernd altruistisch zu handeln. Wenn es den Autofahrern an den entsprechenden Orten zu nervig wird sollen sie sich doch mit ihren Politikern und Behörden selbst auseinandersetzen.

    Und übrigens: auf Gehwegen fahre ich nicht.

  9. @dan

    … vergiss einfach Dein Freund-Feind-Bild – es ist falsch! Berlin ist nicht deshalb fahrradfreundlicher geworden, weil da irgendwas vom Himmel gefallen ist. Das liegt auch nicht daran, dass hier möglicherweise Behörden mehr oder weniger fahrradfreundlich sind als anderswo. Es liegt aber daran, dass hier einige Bürger ihre Rechte etwas geschickter wahrnehmen – am besten unideologisch, freundlich, schnell und fachlich perfekt … 😉

  10. @benno:

    Berlin hat sicher auch den Bonus eines hohen Radfahranteiles und damit ganz stumpf gerechnet erstmal vielen Individuen die auf eine einzige Behörde zugehen können. Und wenn man dann eine gewisse „Aktivistenquote“ auf diese Inviduen rechnet (vielleicht 1 %?) dann sind das einfach mehr Leute die die Berliner Behörden „stressen“ als das z. B. bei uns hier in der Gegend der Fall ist.

    Hierzugegend ist man bezogen auf Radverkehrspolitik Einzelkämpfer. Ernst zu nehmende Interessensgruppen gibt es vor Ort nicht, insbesondere taugt auch der hiesige ADFC in dieser Hinsicht nicht. Ich habe schon viele Briefchen geschrieben, IFG-Anfragen gestellt, auch mal Widerspruch, auch mal Klage vorm Verwaltungsgericht. Das Verhältnis Aufwand-zu-Nutzen ist einfach völlig unattraktiv.

    Entsprechend lebe ich pragmatisch.

    Wobei „unsere“ Region hier noch einigermaßen erträglich ist. Gegenden wie z. B. Köln sind städteplanerisch bezüglich Radverkehr hoffnungslos und das Realklima eben auch. Und übrigens gibt es da sogar aktive Radfahrergruppen, Arbeitskreise und wasweissich, und deren Output-Rate ist exakt null.

    Und auf der Bundesebene? Die aktuell drohenden VwV-Änderungen, die die Mindestanforderungen an Benutzungspflichten für Radwege endgültig zur Lachnummer verkommen lassen während gleichzeitig Probleme wie „welche Ampel gilt nun“ immer noch nicht gelöst werden, stehen ja unmittelbar vor der Tür. Das ist eine Ohrfeige für jeden Menschen der Radverkehr als ernsthaften Modus der Fortbewegung sieht und lebt. Das mit den daraus resultierenden Konsequenzen ist für mich dann, wenn es wirklich so beschlossen wird, auch der endgültige Punkt erreicht wo ich das Thema StVO allerorts ad acta legen und nur noch auf zieloptimierten Fahrstil umstellen werde. Ich weiß wie ich lebend durch die Blechlawine komme, fahre jeden Monat vierstellig Kilometer ein seit Jahren. Aber wer von mir etwas fordert (z. B. regelkonformes Verhalten) muss mir dafür auch etwas geben (z. B. physische Sicherheit, Rechtssicherheit). Und solange der Staat sich unterm Strich vornehmlich *gegen* Radverkehr engagiert braucht er nicht zu erwarten dass ich ihn als Regelgeber sonderlich ernst nehme. Und die Verordnungsbastler sind gerade dabei mit ihren VwV-Aktiväten zumindest für mich endgültig ihre Autorität zu verlieren. Warum noch mit Behörden diskutieren wenn eh nur Müll rauskommt? Der Gesetzgeber will auch nicht verstehen, die großen Radfahrerverbände sprechen keine klare Sprache. Also hilft nur selbst Politik auf der Straße zu machen indem man einfach seinen Raum einfordert und da fährt wo man will.

  11. @dan:

    Zum letzten Absatz: Amen!

    …und auch zu den vorhergehenden Zustimmung.

    Gruß,
    Chris

  12. @dan

    … jetzt hast Du hier so viel Zeit und Kraft investiert und das Ergebnis ist Null – ganz schön ineffektiv …

    Wir können hier ja mal einen kleinen Grundkurs machen, wie Politik und Verwaltung funktioniert. Als erstes wäre da festzuhalten, dass unser Gesellschaftssystem Demokratie und nicht Diktatur heißt – und erstere macht deutlich mehr Arbeit. Du kannst ja mal damit beginnen, dass Du mal einen Termin bei Deinem Bundestagsabgeordneten machst – wenn die Arbeit dort aus Deiner Sicht eine Lachnummer ist. Oder Du schreibst mir bis Mo 15 Uhr Deine Wunschliste zusammen, die kann ich dann zufällig anschließend bei einem Termin dem zuständigen Staatssekretär in die Hand drücken … 😉

  13. Meine Anzeige gegen einen Busfahrer wurde, die unter Angabe von Zeugen, wegen üblen Schneidens auf dem Kudamm gemacht habe, ist auch leider versandet. Naja, die Verfolgung der Sache komme für den Staatsanwalt nicht in Betracht, weil durch das Verhalten des Busfahrers die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet sei. So’n Scheiß! Muss der erst drei Radfahrer auf einmal umnieten, damit die „Öffentlichkeit“ gefährdet wird. Bin ich etwa nicht auch ein Teil der Öffentlichkeit? Also ich kann es schon nachvollziehen, wenn einer im Affekt für lebensgefährdenedes Verhalten einem Arschloch was auf die Rübe gibt. Aber naja, wie ein Redner oben schon sagte. Vielleicht ist der Sprit in ein paar Jahren ja wirklich so teuer, dass es die ganzen Tiefergelegten und sonstwie Großkotzblechbüchsenfahrer einfach zu teuer wird. Gerade fällt der Ölpresi ja wieder in den Keller, aber das wird sich auch wieder ändern.

  14. @benno:

    Wenn Du so einen guten Draht in die Bundespolitik hast und offenbar eine funktionierende Demokratie zu sehen glaubst hier ein paar Stichworte:

    1. Die noch im Raum stehende Petition zur Abschaffung der RWBP muss endlich mal seriös behandelt werden. D. h. nicht nur mit irgendwelchen Placeboargumenten pseudoverhandelt, sondern wirklich mal sachlich und fundiert angegangen werden. Insbesondere zieht die Kasparick’sche Ausrede, dass wir ja in DE keine allgemeine RWBP haben, nicht. Was bringt eine solch augenwäscherische Aussage wenn der „Ausnahmezustand“ RWBP per Flächenbeschilderung zum de-facto-Regelfall erhoben wird?

    2. Die Implementierung der radfahrrelevanten Verwaltungsakte durch die örtlichen StVBen bedarf einer wirksamen Kontrolle. D. h. es braucht entweder einen zeitnah wirksamen rechtlichen, durch Bürger ansetzbaren, Hebel gegen illegale Verwaltungsakte der StVBen. Oder es braucht von der Bundesgesetzgebung her ein Aufsichts-/Strafnormsystem gegen die StVBen die sich unrechtmäßig verhalten.

    3. Wenn schon unbedingt Radverkehrsanlagen, dann klare Mindestanforderungen in der VwV. Der Trend des Gesetzgebers geht zum Gegenteil. Das muss gestoppt werden.

    4. Die Katastrophe mit den „Fahrradampeln“ muss in der StVO geradegebogen werden: Lichtzeichen gelten sonst für Fahrtrichtungen und/oder Fahrstreifen, nicht aber für Verkehrsarten. Das Prinzip „Fahrradampeln“ in heutiger Form muss weg weil es Radfahrer für Radfahrer den Zustand schafft dass häufig StVO-Verstöße der einzige Weg zum sicheren Fahren an Knotenpunkten sind.

    5. Radwege die eine Prüfung nach 3. nicht überleben gehören aufgelassen und rückgebaut. Anstatt auf Ebene des NRVP Fördermittel für den Bau neuer Gefahrenpunkte bereitzustellen sollten die Mittel lieber für die Wiederherstellung sicherer Verkehrsbedingungen für alle Verkehrsteilnehmer verwendet werden.

    Das wären mal so spontan ein paar Punkte die in den Wirkungsbereich der Bundespolitik fallen.

  15. Und noch ein weiterer Punkt:

    6. Wenn außerörtlich Straßen für Radverkehr umgestaltet und in diesem Zuge für Radfahrer gesperrt werden, wobei diese auf andere Wege verwiesen werden, dann muss sichergestellt werden dass auch eine ganzjährige Benutzbarkeit durch Radfahrer möglich ist und diese Wege eben einen gewissen Mindeststandard haben.

    Erläuterung: hier ist es seit einigen Jahren in Mode bestehende Bundesstraßen, die jahrelang für Radfahrer streßfrei nutzbar waren, umzugestalten und in diesem Zuge Streckenverbote zu etablieren. Die Konsequenz ist daß ich z. B. im Winterhalbjahr Richtung Bad Meinberg regelmäßig einen 12-km-Abschnitt Kraftfahrstraße fahre weil ich keine Lust habe auf vereisten Waldwegen zu verunfallen wo mich vermutlich niemand finden würde… (Die ausgeschilderte Route für Radfahrer ist übrigens Bestandteil des Radwegenetzes NRW welches nach ministerieller Selbstbeweihräucherung ein „Alltagswegenetz“ ist…)

  16. benno schrieb:
    „Berlin ist nicht deshalb fahrradfreundlicher geworden,“

    Ja, leider werden jetzt überall diese nervigen Radspuren eingerichtet und mindestens eine sinnlose Fahrradstraße in den Himmel gehoben. Und wenns dann ein bißchen aus dem Zentrum rausgeht, ist dann auch schon wieder Schluss mit vernünftigen Radfahren und benutzungspflichtige Holper-Radwege säumen die Wege.

  17. @oli … irgendwie kommt ganz allgemein einem „Arschloch was auf die Rübe“ zu geben nicht gut an – es geht immer nur eins: ruhig und besonnen seine Rechte wahrnehmen oder rumbrüllen und nix kriegen … 😉

    @dan … ich war bei der Anhörung im Bundestag dabei. Nachdem das Thema vom ADFC in der Öffentlichkeitsarbeit vorab ganz gut unterstützt wurde – beim ADFC Berlin hatten Tausende auf meine Meldung geklickt und auch der Bundesverband hat die Petition offiziell unterstützt – hatte ich die Hoffnung, dass der Petent in der Anhörung brilliert. Deshalb habe ich das Thema hier in Berlin mit entsprechender Pressearbeit unterstützt und war dazu unter anderem im Studio der Abendschau. Was mich schon ein bisschen gewundert hatte, dass vom Petenten und seinem Umfeld dann eher gar nichts mehr kam. Dann ließ sich der Petent auch noch vertreten und das musste scheitern. Niemand der Mitglieder im Petitionsausschuss wurde vorab offenbar ausreichend vom Petenten und seinem Umfeld gebrieft – das Ergebnis war entsprechend, am schlimmsten waren die Stellungnahmen der PDS und der Grünen. Und selbst die Aussagen von Kasparick, dass es keine generelle Radwegbenutzungspflicht gibt, hat offenbar kaum jemand begriffen und für seine Arbeit genutzt. Das wäre doch ein super Spielball gewesen, den man zwischen Bund und Ländern hin und her spielen hätte können.

    Ich habe das Thema Radwegbenutzungspflicht gestern im Bundestag mal wieder angesprochen und mich wie immer unbeliebt gemacht. Radfahrer fordern ihre Rechte eben nicht so clever ein wie andere – zum Beispiel die Automobil-Industrie, die gerade 40 Milliarden Euro für die Entwicklung von spritsparenden Autos fordert … 😉 Und Demokratie heißt eben, dass ihr Euch an den Diskussionen in den Boulevardmedien, in der Politik und in der Verwaltung beteiligen müsst – und zwar so, dass es auch Leute verstehen, die nicht Rad fahren und möglichst sachlich und freundlich, dass andere auch Lust haben für uns zu arbeiten. Wir hätten doch auch keine Lust irgendwas für Andere zu tun, die uns dauernd angreifen und beleidigen.

    Dan, was hast Du zu dem Thema Reinigung bisher unternommen? Frag doch mal beim Bundesverkehrsminister nach dem Reinigungsplan – analog der Bundesstraßen. Im Normalfall sind nicht befahrbare Radwege nicht benutzungspflichtig. Und der Normalfall zum Beispiel in der Region Berlin-Brandenburg ist, dass parallele Bundesstraßen nicht als Kraftfahrstraße ausgeschildert werden. Da ich auch zu denen gehöre, die relativ häufig einsam Bundesstraßen ohne Radwege entlang gurken, solltest Du auch nicht vergessen, dass wir da eben alleine sind. Mein Ziel aber ist – und das wohl nicht ganz unerfolgreich – mehr Leute aufs Fahrrad zu setzen.

    @me … fahrradfreundlicher heißt, dass heute doppelt so viele Berliner Rad fahren wie Anfang der 1990er Jahre, man seltener angehupt wird und viele Medien und Entscheidungsträger freundlich mit dem Thema umgehen und den Leuten Mut machen, Rad zu fahren. Mir ist nicht ganz klar, wo diese Wunderwelt aus fahrradfreundlichen Bundesstraßen ohne Radwege irgendwo mal gelegen haben könnte. Außer mir fährt auch heute niemand über die Marzahner Brücke ohne Radspur oder über die B1 ab Stadtgrenze Richtung Osten auch nicht – habe ich am Sonntag erst wieder gemacht und niemanden getroffen. Zufällig bin ich gestern auch durch die neue Fahrradstraße Linienstraße entspannt zu zweit nebeneinander mit dem Fahrradbeauftragten aus Salzburg gefahren – und zeitgleich individuell mit Dutzenden enspannt aussehenden Radfahrern. Ich finde Fahrradstraßen auch nicht das Allheilmittel, zumal dort weiterhin Autoverkehr stattfindet. Aber an einer Straße die ohnehin saniert wurde – nicht aus Radverkehrsmitteln – für wenige tausend Euro ein paar Fahrradstraßenschilder aufzuhängen, schadet eben auch nicht. Im Gegenteil, es fahren dort mehr Radfahrer als jemals zuvor.

  18. Sicher kommt es weder in der Öffentlichkeit noch bei allen anderen Beteiligten gut an, wenn ein gefährdeter Radfahrer anderen Verkehrsteilnehmern was auf die Mütze gibt. Und ich gehöre nun überhaupt nicht zu denen, die sich darauf einlassen würden. Nur einmal stand ich kurz davor, allerdings erst, nachdem der SUV-Fahrer mich schon am Kragen schüttelte. 🙂
    Es ist aber dennoch ärgerlich, wenn man Zeugen hat, die bestätigen, wie man von einem Busfahrer bewusst abgedrängt wird und dann eine Anzeige mit der Begründung eingestellt wird, dass ja die öffentliche Sicherheit nicht gefährdt sei. Was soll das? In solchen Situationen kann sich schon auch Wut einstellen. Ich habe auch kein Interesse daran, dass der Busfahrer über alle Maße Ärger mit seinem Arbeitgeber bekommt oder eine hohe Strafe zahlen soll. Aber was ist denn das für ein Signal an Fahrer. Die Sache wurde eingestellt und er kann weiterhin Leute abdrängen.

  19. @Oli … na da haben wir ja größeres Glück, dass bei uns die Blutrache außer Mode gekommen ist … 😉 Du willst doch was erreichen, sonst würdest Du ja zum Beispiel nicht hier so viel Zeit investieren. Das Problem ist doch nicht, dass es unfähige Busfahrer gibt. Das Problem ist, dass sich Radfahrer hier darüber aufregen, anstatt das Problem an der richtigen Stelle zu lösen. Kam es tatsächlich zu einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr seitens des Busfahrers, rufst Du einfach sofort die 110 an. Ich habe es zwar erst einmal gemacht, aber der Lkw-Fahrer der mich zuvor lebensgefährlich abgestraft hatte, durfte bei während der Aufnahme seiner Personalien durch die Polizei erstmal seinen Beton aushärten lassen – obwohl ich weder Zeugen noch einen Unfall hatte. Es kommt einfach darauf an, ob Du freundlich, sachlich und glaubhaft Dein Anliegen schilderst. Bei Busfahrern ist es doch sehr einfach, diese auch unterhalb einer Strafanzeige und ohne Androhung von Gewalt an die StVO zu erinnern: Du schreibst einfach mit einem kurzen Gedächtnisprotokoll eine Mail an die BVG oder mich – und er bekommt im Zweifel eine Abmahnung. Wenn Du den genauen Ort, Zeit und Vorfall beschreibst – es ist ja bekannt, wann und wo welcher Bus ist. Und Du kannst natürlich auch Widerspruch gegen die Einstellung eines Verfahrens einlegen. Dazu helfen Dir Rechtsanwälte – beim ADFC in Berlin sogar kostenlos.

  20. ihr armen schwachen verkehrsteilnehmer… eine große klappe haben und ohne rücksicht auf verluste alles, was sich auf bürgersteigen in den weg stellt aus sämtlichen richtungen niedermähen (auf straßen oder radwegen fahren scheint ja aus der mode zu sein), verkehrsregeln wenn überhaupt dann miss- aber sicher nicht beachten (und eine maßlose arroganz ggü. autofahrern entwickeln) und dann auf einmal den schafspelz überziehen und großäugig fragen, woher dieser hass auf radfahrer kommt… hach. ich kauf euch vielleicht mal ne tüte mitleid. im nächsten leben.

  21. Hallo,

    Wir suchen für einen TV-Beitrag Leute, die regelmäßig schlechte Erfahrungen als Radfahrer im Straßenverkehr gemacht haben.

    Es können auch Autofahrer sein, die sich von Fahrradfahern regelmäßig gestört fühlen oder eben andersrum. Radfahrer die durch Autos oder gefährliche Straßenverhältnisse, am sicheren Fahren gestört werden.

    Wer Interesse hat einfach unter der
    030/ 247 55 480
    oder der berlinrecherche@infonetwork.de
    melden.

    Vielen Dank schon einmal

  22. Naja, wer aus dieser Runde soll denn bei einem RTL-Dienst beim Radfahrerbashing wohl für den üblichen Alibi-Radler herhalten wollen?

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