Bremsschwellen beruhigen den Verkehr

Laut Wikipedia sind Bremsschwellen bauliche Erhebungen auf einer Straße zur Verkehrsberuhigung. Im Onlinehandel sind die auch Berliner Kissen genannten Huckel zur Geschwindigkeitsdämpfung in Tempo-30-Zonen für wenig Geld zu haben, ab 146,- Euro pro Element. Da sich die Straßenbuckel weltweit durchgesetzt haben, hat man in vielen Ländern eigene Namen gefunden. In den USA heißen sie sleeping policeman, dead cops oder mexican bumps, in Holland Drempel, in Spanien bandas sonoras, in Brasilien quebra Mola, in Dänemark schlicht Bump. Hier werden sie auch Geschwindigkeitshuppel, GTI-Bremse, Schikane, Spaßhügel oder Achsenverschleißbeschleuniger genannt.

Wann immer in Berlin von Anwohnerinitiativen Schwellen gefordert werden, um den Durchgangsverkehr in Tempo-30-Zonen auszubremsen, stellen sich Verkehrsverwaltung und Tiefbauamt quer. Von Behinderung von Rettungs- und Winterräumdiensten ist die Rede und davon, dass durch Bremsen und erneutes Beschleunigen vor und nach Schwellen das Gegenteil der beabsichtigten Verkehrsberuhigung erreicht werde. Wir finden die Dinger gut, müssen aber dringend abraten von der im Video gezeigten Selbstbauvariante.

[youtube]_5ZwbDj7sQM[/youtube]

via: clevercycles
Wikipedia zu Bremsschwellen
fragenohneantwort.de: Wie heißt die Bodenwelle, die den Verkehr beruhigen soll?

14 Gedanken zu „Bremsschwellen beruhigen den Verkehr

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  1. … eigentlich muss man ja nicht jedem Mist kommentieren, in diesem Fall lohnt es sich aber, bevor sich der Schwachsinn durchsetzt. Nachdem im Gräfekietz die Dinger auf Drängen der Anwohner eingebaut (und meiner Erinnerung sogar finanziert) wurden, waren die ersten die sich langlegten und bei mir beschwerten zahlreiche Radfahrer. Gemeint sind die nichtreflektierenden, in einem unmöglichen Auffahrwinkel und natürlich bis an die parkenden Kfz ranreichenden Plastikelemente. Nicht anders sieht es mit den Aufpflasterungen aus Großsteinpflaster (Moabiter Kissen) aus, die mit dem Auto (außer dem Krankenwagen) problemlos überfahren werden können, für Radfahrer aber eine elende Nerverei sind. Lustig in dem Zusammenhang: genau hier im Blog lobt der Betreiber vor einigen Wochen Shared Space als sensationell …

  2. @benno: vom Fahrradbeauftragten des Senats erwarten wir zum Thema Verkehrsberuhigung natürlich etwas mehr als die Abqualifizierung einer immerhin weltweit praktizierten Maßnahme der Verkehrsberuhigung als „Schwachsinn“. Wie wärs mit einer sinnvollen Alternative? Das Thema Rasen in Tempo 30 Zonen ist in Berlin hochaktuell.

  3. Hi Jan, warum ist das Thema Rasen in Tempo-30-Zonen hochaktuell? Sowohl die Geschwindigkeitsmessungen und die Unfallzahlen sprechen doch für sich – nämlich eine positive und rückläufige, letztere praktisch eine kaum noch vorhandene. Radfahrer verunglücken in der Regel auf baulich angelegten Radwegen an Hauptstraßen – zum Beispiel der Schönhauser Allee, die noch immer Spitzenreiter ist – und natürlich gerne auf Bürgersteigen. Die Schwellen hingegen sind eine sinnlose Schikane, die sich lustigerweise vor allem gegen Radfahrer gerichtet haben. Nachdem mir in Treptow-Köpenick beim Überrumpeln einer dieser Schwellen mal die gute Ortlieb im hohen Bogen auf die Straße flog, habe ich mal beim Bezirksamt nachgefragt: jetzt regen sich vor allem Fahrradfahrer auf. In Friedrichshain-Kreuzberg hatten wir das Problem, dass die Fahrradfahrer immer gegen die Autotüren gegurkt sind, weil sie versucht haben, die Dinger irgendwie zu umfahren. In London habe ich gerade die von Euch gelobte Variante erlebt – als Autofahrer kann man da problemlos mit 60 drüberfahren, die haben nämlich genau die richtige Breite, so dass sich die flachen Enden nicht wesentlich von den Schlaglöchern ein paar Meter weiter unterscheiden. Es hält sich beim LCC zumdem die Legende, dass die Federung der Kfz auf diese Kissen optimiert wurde …

    Ob in London, Montevideo oder Kopenhagen – überall wo diese Schikanen zu finden sind, wird dazwischen mehr gerast, ich kann mich an keinen Sicherheitsgewinn erinnern. Genau dies war der Grund, dass Hans Mondermann vor 20 Jahren beauftragt wurde, eine Verkehrsberuhigung ohne diesen Schwachsinn zu planen – man nennt seine Lösung Shared Space. Wie gesagt, in diesem Blog bejubelt …

  4. Noch in der Unfallstatistik der berliner Polizei für 2006 wird als dritthäufigste Unfallursache nichtangepasste Geschwindigkeit angegeben, im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 6,2 %. Das Ganze lässt sich anschaulich auch in Tempo 30 Zonen studieren: ein gutes Beispiel ist die Fehrbehrliner Straße in Mitte/Prenzlauer Berg. Eigentlich durchgängig als Tempo 30 Zone ausgewiesen wird diese Straße als Ausweichstrecke für die Torstraße missbraucht, Tempo 50 ist – vorausgesetzt die Straße ist frei, die Regel. Diese Beobachtung wird von der berliner Polizei gestützt: eine „durchschnittliche Überschreitungsrate von 18% in Tempo 30 Zonen“ (Zitat Verkehrssicherheitsprogramm des berliner Senats von 2004) spricht eine deutliche Sprache.
    Das Autofahren muss meiner Meinung nach generell unbequemer werden mit dem Ziel den Autoverkehr zu minimieren, dabei geht es nicht nur um Unfallzahlen von RadfahrerInnen, sondern auch ganz einfach um Lebensqualität in der Stadt. Gut gebaute Schwellen, in der Höhe vielleicht wie in der Dieffenbachstraße in Kreuzberg, die am Rand allerdings genug Platz für RadfahrerInnen lassen und mit reflektierenden Streifen versehen sind- was spricht dagegen? Das mehr gerast wird? Dann muss eben der Abstand der Schwellen verringert werden.
    Schwellen sind gewiss nicht das Allheilmittel, ein preiswerter Baustein für die lebenswerte Stadt können sie meiner Meinung nach durchaus sein. Der „Shared Space“ ist sicherlich ein revolutionärer Ansatz, der es wert ist in Berlin ausprobiert zu werden, Voraussetzung ist dabei der gegenseitige Respekt aller Verkehrsteilnehmer. Die Behörden sprechen allerdings von einer zunehmenden Aggressivität im berliner Straßenverkehr…Was tun?

  5. Hallo Jan, ich weiß, dass es schwer ist, aber … ein Blick in die Fahrradunfallstatistik genügt: 2006 gab es laut polizeilicher Unfallstatistik bei 6.562 Fahrradunfällen in Berlin 362 Fälle (5,52 Prozent aller Fahrradunfälle) von „unzulässiger Geschwindigkeit“ von Radfahrern selbst und 31 Fälle (0,47 Prozent) von anderen Verkehrsteilnehmern. 81 Prozent aller schweren und tödlichen Fahrradunfälle in Kreuzungsbereichen finden auf baulich angelegten Radwegen statt – also auf Hauptstraßen. In den letzten Jahren ist mir nur ein tödlicher Fahrradunfall in einer Nebenstraße bekannt – die Radfahrerin fuhr auf einem unbefestigten Gehweg in Mahlsdorf und wurde von einem rechtsabbiegenden Lkw tödlich verletzt – nach Aussagen eines Gartenbesitzers gegenüber in Schrittgeschwindigkeit. Genau die Dieffenbachstraße war übrigens jene Straße im wo sich nach Einbau der Schwellen plötzlich zahreiche Radfahrer langgelegt und bei uns beschwert haben. Die Schwellen sind für Radfahrer nicht sicher überfahrbar und die seitliche Durchfahrt durch zu geringen Abstand zu den parkenden Kfz ebenfalls nicht. Besonders gefährlich wird’s nachts, wenn durch die standardmäßig immer noch lächerliche Fahrradbeleuchtung kaum die Hand vor Augen erkennen lässt, geschweige den dunklen Asphalt ausreichend ausleuchtet. Unter anderem durch unsere Intervention beim damaligen Baustadtrat ist die Situation etwas entschärft worden. Aus Fahrradsicht sind die Schwellen gefährlich und ohne Sicherheitsgewinn.

  6. Hi Benno,

    Da ich selbst in einer verkehrsberuhigten Straße mit Moabiter Schwellen wohne, würde ich gerne wissen, was denn der Stand der Technik bzw. die empfehlung des ADFC statt der Schwellen ist.

    In unserer Straße (Rathenower Str., oberes Ende) ist es unbedingt notwendig, für Durchgangsverkehr unattraktiv zu sein, da sie auf einer Länge von nur zwei Blocks die billigste Tankstelle im Umkreis von der vielbefahrenen Ecke Rathenower/Perleberger Straße trennt.

    Mir würden noch echte Rechts-Links-Schikanen einfallen, die aber die Übersicht einschränken und unklare Verkehrssituationen schaffen.

    Ich bin mit den Schwellen soweit zufrieden, und finde auch, daß sie im Schritttempo für Radfahrer gut zu überfahren sind. Ungeschickt gelöst finde ich, wie Du schon angesprochen hast, daß man versucht ist, sie seitlich zu umfahren, da sie nicht bis zum Bordstein reichen.

  7. Hi Ravn, meine Aufgabe ist es übrigens nicht, Autofahrern das Leben möglichst schwer zu machen – die Frage für die Rathenower Straße müsste umgedreht lauten, gibt es dort Fahrradunfälle und warum? 2006 gab es im Verlauf vier Fahrradunfälle, davon zwei an Strecken und zwei an Knoten. Bei ersteren vermute ich sich öffnende Autotüren. Details müsste ich im Zweifel erfragen. Was momentan als besonders disziplinierend für den Autoverkehr angesehen wird, sind die so genannten „Dialog“-Geschwindigkeitsanzeiger ohne Sanktionen. Unter Umständen sinnvoll finde ich auch querliegende Breitstriche aus Kunststoff (wenige Millimeter hoch). Beide Systeme arbeiten nach dem Belobigungsprinzip, während Schikanen oder Schwellen bestrafen, selbst wenn man extrem langsam fährt. Schikanen haben für Radfahrer noch den zusätzlichen Nachteil, das diese selbst (je nach dem in welcher Richtung die Schikane steht) wartepflichtig sind oder extrem dicht Kfz passieren müssen. Wir werden in Berlin immer von anderen (zum Beispiel den Londonern) beneidet, dass unsere Straßen so breit sind und man hier vor allem daher so gut Radfahren kann …

  8. Danke für Deine Ausführung –

    Ich sah die Schikanen auch nicht als gangbare Alternative. Es war nur eine andere „Lösung“, die mir begegnet ist. Wie gesagt, die Moabiter Kissen finde ich ganz ok (einmal gesetzt den Fall man akzeptiert, daß man es dem Durchgangsverkehr ein wenig schwerer machen möchte). Daß sie (je nach Ausführung) ziemlich rabiat sind, sehe ich ein.

    Ich persönlich glaube nicht, daß ein Geschwindigkeitsanzeiger an der Stelle gut funktioniert, weil man in beide Richtungen schon die Hauptstraße wieder im Blick hat. Man fährt nur mal die paar Meter flott durch. Aber Versuch macht kluch, ich würde es gerne mal ausprobieren. 🙂

    Aber wenn ich Deine Posts nochmal gründlich lese (sorry), sehe ich auch, daß Du Dich vor allem über Plastikelemente aufgeregt hast. Da ich die jetzt nicht vom drüberfahren her präsent habe, bezog ich mich vor allem auf die Moabiter Kissen. Daß man die mit dem Auto problemlos überfahren kann, würde ich so auf keinen Fall unterschreiben[1]. Mit Auto und Fahrrad ist das nur im Schrittempo möglich, soweit wäre der Zweck erfüllt. Eine elende Nerverei sind sie auch für Autofahrer.

    Wenn das jetzt zu einer erhöhten Unfallgefahr bei Radfahrern führt, müsste man über Alternativen nachdenken. Die Unfallzahlen in meinem Beispiel sind nicht so aussagekräftig, da dieses Ende der Straße nur von Anwohnern genutzt wird (Radfahrer betreffend, die nicht zur Tankstelle wollen) bzw. werden soll (Kraftverkehr). Ich vermute aber, daß das bei anderen Schwellentypen, insbesondere mit seitlich abgeschrägten Flächen oder geringerer Haftung bei Nässe (z.B. habe ich da kleine runde Elemente am Lausitzer Platz im Hinterkopf) für Radfahrer gefährlicher ist.

    [1] wer’s nicht glaubt, kann sich mal auf dem Kissen hier austoben:
    http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&time=&date=&ttype=&q=bandelstra%C3%9Fe,+berlin&sll=37.0625,-95.677068&sspn=48.956293,81.5625&ie=UTF8&ll=52.529932,13.34994&spn=0.000289,0.000622&t=h&z=21&om=1

  9. Lieber Benno,
    Du schreibst richtig, dass die meisten Straßen in Berlin sehr breit sind. Es ist auch bekannt, dass je breiter die Straßen, desto schneller fahren die Autos.
    Das kennt man ja von sich selbst. Mir fällt es selbst immer wieder auf, dass ich, wenn ich mal mit dem Auto unterwegs bin, in den Tempo 30-Zonen viel schneller fahre, als erlaubt. Tja und wenn ich dann mal 30 fahre, dann drängeln die nachfahrenden Autos….
    Und schon klar, dass die Polizei nicht so viele Geschwindigkeitsüberschreitungen mißt. Die haben bekanntermaßen ja auch aufklärende Wirkung. Deswegen werden sie vorher im Radio etc. auch angekündigt. Über das wirkliche Ausmaß der Geschwindigkeitsüberschreitungen sagt das nichts aus.
    Übrigens habe ich als Reaktion auf die Gründung einer Bürgerini in Pankow zur Verkehrsberuhigung super viel Unterstützung für (Auto-)Verkehrsberuhigungsmaßnahmen erhalten. Das Ausmaß der Unterstüzung hat mich echt überrascht.
    Herzlichen Gruß.

  10. wer kann mir verbindliche tipps geben, wie wir in unserer strasse wirksame bumps bauen lassen können?
    ist sehr dringend!
    tausend dank für eure rückmeldung
    robson

  11. Starre Schwellen behindern auch Krankenwagen und brave Autofahrer welche sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten und sind daher strikt abzulehnen, man kann dagegen vor Gericht gehen.
    Viele Fahrer, speziell von 2 Rädern werden sogar durch die Schwellen zu verbotenen Manövern wie linksfahren oder verlasen der Fahrspur etc. angeregt.
    Der zusätzliche CO² ausstoss und die akustische Umweltverschmutzung welche von den Schwellen ausgeht hat dazu geführt das viele wieder entfernt wurden.
    Es gibt aber eine Erfingung von mir für Schwellen welche sich nur dann erheben wenn ein Fahrzeug zu schnell ist. Diese sind nur etwas teurer, schonen aber die Umwelt. Anfrage bitte per SMS +34609620096

  12. Ich bin in Seitenstraßen, die letztendlich nur fürs Parken genutzt werden, dafür, Barrieren in der Mitte aufzubauen – also z.B. Poller. Das wäre auch eine Option für die Linienstraße, denn hier sind nach meiner Beobachtung viele Pkw definitiv keine Anlieger. Vorteil: Die Parkplätze können weiterhin genutzt werden, die Straßen stehen dem Durchgangsverkehr nicht mehr zur Verfügung.

    Zu den Bremsschwellen – die machen sicherlich in manchen Fällen Sinn, ob sie so generell abzulehnen sind wie von einigen Diskussionsteilnehmern, bezweifle ich. Baulich kann man so etwas sicherlich auch weniger radfahrergefährdend umsetzen, als es tatsächlich häufig der Fall ist.

  13. in der monumentenstrasse an der grenze schöneberg/kreuzberg gibt es bremshügel, die in der mitte der strasse angeordnet sind. als zweiradfahrer kann man da bequem rechts dran vorbeifahren, während alle vierrädrigen fahrzeuge aufgrund ihrer breite bremsen müssen. das finde ich ne sehr gute lösung

  14. Ich habe gestern Abend gesehen wie ein Fahrradfahrer schwer über eine Bremsschwelle in der Graefestr in Berlin gestürzt ist. Er hatte Verletzungen an Kopf und Arm und wurde vom Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht.
    Es handelt sich bei der Bremsschwelle um eine gebaute, also keine festgeschraubte aus Plastik. Sie ist Nachts praktisch unsichtbar und sehr unangenehm für Fahrradfahrer. Wie in der Dieffenbachstrasse ist zwischen Bremsschwelle und parkenden Autos sehr wenig Platz. Ich bin dafür dass zumindest die bestehenden Bremsschwellen besser sichtbar gemacht werden mittels Blinklichtern, Markierungen und Laternen. So sind die Dinger echt Lebensgefährlich!

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