Anton Saefkow-Straße: Vom Quer- über Längs- zum Schrägparken

Die Anton Saefkow-Straße ist eine 3/4-Kilometer lange, schmale und unbedeutende Einbahnstraße im Berliner Bezirk Pankow. Sie erschließt eine Wohnzeile entlang des S-Bahn-Rings und des Anton Saefkow-Parks. Seit langer Zeit konnten hier die Anwohner ihre Autos auf der Parkseite quer parken. Radfahrer durften die Straße nur in Richtung Kniprodestraße benutzen.

Um die Anton-Saefkow-Straße für den Radverkehr in Gegenrichtung zu öffnen, wurde eine Änderung der Parkordnung beschlossen. Statt quer sollte nur noch längs geparkt werden, damit Radfahrer nicht von rückwärts ausparkenden Kraftfahrern gefährdet werden. Das wiederum brachte eine Anwohnerinitiative auf die Palme. Sie initiierte eine Petition zum Erhalt der Parkplätze in der Anton-Saefkow-Straße, an der sich 449 Menschen beteiligten.

Der politische Druck der Petition und die Anwesenheit von Anwohnern der Straße auf der Sitzung des Verkehrsausschusses der BVV reichte aus, um den Bezirk zum Einknicken zu bringen. Letzte Woche wurde folgender Beschlussantrag angenommen:

„1. Die Freigabe zum Befahren der Anton-Saefkow-Straße entgegen der Richtung der Einbahnstraße für Fahrräder wird aufgehoben. Der ruhende Verkehr von PKW wird in Form von Schrägparkplätzen mit Richtung Kniprodestraße angeordnet.

2. In den Maßnahmekatalog im Rahmen des Programmes Stadtumbau Ost (ISEK Prenzlauer Berg) wird die Anlage eines Radweges auf der Nordseite der Anton-Saefkow-Straße von der Kniprodestraße bis zur Greifswalder Straße aufgenommen. SeinePlanungen werden zunächst dem Ausschuss für Verkehr und Öffentliche Ordnung vorgestellt und, nach Zustimmung, möglichst im Rahmen der Aufwertung des Anton-Saefkow-Parkes umgesetzt.“

Zur Zeit noch erlaubt: Fahrradgegenverkehr in der Anton Saefkow-Straße

Zur Zeit noch erlaubt: Fahrradgegenverkehr in der Anton Saefkow-Straße.

Nun muss noch die Bezirksverordnetenversammlung zustimmen, was laut Prenzberger Stime reine Formsche ist. Die Öffnung der Straße für einen gegenläufigen Radverkehr ist auf die lange Bank geschoben und wird langfristig nur dadurch gelöst, dass ein Stück des Parks versiegelt wird und als Fahrradweg in Ost-West-Richtung entsteht.

Petition der Anwohnerinitiative zum Erhalt der Parkplätze in der Anton-Saefkow-Str.
Prenzlberger Stimme: Erstmal Schluss mit Fahrradgegenverkehr in der Anton Saefkow-Straße vom 19. Februar 2017
Prenzlberger Stimme: Erst quer, dann längs – Kommunikationsproblem an der Anton-Saefkow-Straße vom 16. November 2016

8 Gedanken zu „Anton Saefkow-Straße: Vom Quer- über Längs- zum Schrägparken

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  1. Bei Parkplätzen hört der Spaß bekanntlich auf.

    Zeigt aber auch, wo das eigentliche Problem liegt. Wir regen uns meist über den fließenden Verkehr auf, dabei ist der wahnsinnige Platzverbrauch für die Stehzeuge viel schlimmer in den Griff zu kriegen.

  2. Die Lösung für die Reduktion der Stehzeuge lautet: privaten Autobesitz abschaffen! Das war vor 20 Jahren noch undenkbar, mit dem Carsharing ist es heute zumindest denkbar.

  3. Verkehrswege kann überhaupt nie irgendwie ändern, wenn man auf die betroffenen Anwohner hört. Anonyme Verkehrsteilnehmer sprengen selten VBVV-Versammlung. Hat das BA Friedrichshain-Kreuzberg beim Fränkelufer am Landwehrkanal-Ufer besser gemacht und das durchgezogen. Der zugehörige Volksentscheid ist zu Recht kläglich verendet.

    http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2016/11/buergerentscheid-fraenkelufer-friedrichshain-kreuzberg-nicht-erf.html

    Im Kern ging es auch dort um die Verlegung von Parkplätzen.

  4. Die Anton-Saefkow-Straße wurde bewusst für den Radverkehr geöffnet, weil sie so schmal ist. Es war ein Pilotprojekt, initiiert durch den ADFC-Pankow im bezirklichen FahrRat. Die Anforderungen zur Öffnung von Einbahnstrassen sind seit der letzten StVO-Novelle gesunken. So wird eine Mindestbreite von 3,50m ausdrücklich nur bei starkem LKW-Verkehr bzw. Busverkehr empfohlen. Allerdings hat die Verkehrsbehörde einen Ermessensspielraum. Viele der vorgeschlagenen Einbahnstrassen wurden nicht geöffnet. Das Pilotprojekt A-S-Str. sollte nach einem Beobachtungszeitraum die Bedenken der Pankower Verkehrsbehörde ausräumen und zu einer Vereinfachung bei der Freigabe weiterer Einbahnstraßen führen. Die Fahrbahn durch Änderung der Parkordnung zu verbreitern war nicht Teil der Absprache.
    Hier ein Auszug aus einem Dokument des Difu

    „Während in der alten VwV-StVO das Öffnen von Einbahnstraßen noch als Ausnahme gesehen wurde, die einer besonderen Begründung bedurfte, ist die Öffnung für den Radverkehr heute als Regel anzusehen. Da die Sicherheitsbedenken durch die Begleitforschung (vgl. BASt V 83, Literaturliste) und die positiven Erfahrungen vieler Kommunen ausgeräumt wurden, gilt nunmehr die umgekehrte Beweispflicht. Eine flächenhafte Radverkehrsplanung zum Nachweis „für die Benutzung einer bestimmten Straßenstrecke“ ist nicht mehr erforderlich. Das bedeutet, dass die Öffnung aller
    Einbahnstraßen in Tempo 30-Zonen, die die Voraussetzungen erfüllen, obligatorisch ist.“
    edoc.difu.de/edoc.php?id=KBGN45WD

  5. Danke Marion, so rum wird ein Schuh draus.

    reclaim schrieb:

    Wenn es nämlich irgendwo in Berlin eine Einbahnstraße gibt, die wirjklich zu schmal für Gegenverkehr ist, dann diese

    Ich habe in Belgien Einbahnstraßen gesehen, da musste man sich fast an die Hauswand quetschen, wenn mal Begegnungsverkehr mit KFZ war. Dein Einwand gilt nur dann, wenn man sich sicher fahrend begegnen können muss. Das ist derzeit auch sicher die Erwartungshaltung, nicht zuletzt bei Autofahrern. Warten, sich verständigen… das ist wohl noch schwer.

  6. Danke @Marion, nur, warum wusste das denn in der BVV offenbar niemand? Und wer hat das Park-Konzept umgestellt? Am Ende ist es vielleicht auch ein Beispiel, dass man nichts zustande bekommt, wenn man zuallererst die Konfrontation sucht, ohne ausreichend den Plan dahinter zu erklären.

    Die Kastanienallee lässt grüßen und die lauten Ankündigungen von Herrn Kirchner (Hauptstraßen einspurig! Nein, doch nicht, nur Pilot mit 800m Zweispurigkeit auf der Frankfurter!) stimmen nicht gerade optimistisch…

  7. Es gibt hunderte Straßenabschnitte im Bezirk / Berlin auf denen auch nicht mehr Platz ist, in allen Richtungen geparkt wird und die trotzdem nicht gefährlich sind. Auch abwarten, ggf zurücksetzen wenn sich zwei Autos begegnen oder auweichen funktioniert im wenig befahrenen Nebenstraßennetz eigentlich ziemlich gut, ich sehe da jetzt keinen so hohen Lernaufwand.
    Im Zeitraum von Juil bis November war die Antons-Saefkow-Straße freigegeben und die neue Parkordnung wurde nicht durchgesetzt / von niemandem bemerkt und war wie Marion schon schrieb auch nicht im FahrRat abgesprochen. Vermutlich – auch nach Auskunft einiger Anwohner – ist der Radverkehr in Gegenrichtung durch die Freigabe gar nicht mal angestiegen, nur dass es jetzt legal ist so zu fahren. Erst durch die überflüssige Anordnung / Durchsetzung des Wegfalls von zig Parkplätzen ist die Stimmung so eskaliert, dass zur Zeit eine Beibehaltung der Freigabe nicht sinnvoll erscheint. Es braucht da übrigens auch keinen Radweg, aber das wird sich bei der Prüfung vermutlich schnell genug herausstellen.

    Das ist letztlich wie mit sinnlosen (und oft gesetzwidrigen) Radwegbenutzungspflichten, gegen den Ermessensspielraum der Behörden kannst du parlamentarisch nicht angehen, das erfordert Überzeugungsarbeit und sachliches Argumentieren, Richtlinien von Seiten der Politik können dabei u.U. helfen.

    @fab sinnvollerweise gehen nicht alle Beschlüsse der Straßenverkehrsbehörde durch die BVV, die war erstmals nach der faktischen Wegnahme der Parkplätze und den darauf resultierenden Anwohnerprotesten damit befasst. Die Beteiligung der Fraktionen im bezirklichen FahrRat war leider bisher nicht sehr hoch, durch die Neuwahlen und die Neubesetzung der zuständigen Stadträte war die Kommunikation zusätzlich behindert. Am Rande: Herr Kirchner war auch zu seiner Zeit als Stadtrat in Pankow nicht für die Straßenverkehrsbehörde zuständig, die unterstand in der letzten Legislaturperiode Dr. Kühne und zur Zeit in Vertretung für den noch nicht gewählten AfD-Stadtrat Frau TIetje.

  8. „[…]im Rahmen der Aufwertung des Anton-Saefkow-Parkes umgesetzt.“

    Als ich das las schwanke mir schon Schlimmes. Im Saefkow Park hatten ein paar Jugendliche oder junge Erwachsene eine wundervolle Sitzlandschaft unter einem alten Baum in der Sonne recht professionell zusammengezimmert. Nun sitze ich im Anton Saefkow Park auf dem Stumpf eines frisch gefällt alten Baums. Und wie könnte es anders sein: Als allererster sichtbarer Schritt der „Aufwertung“ wurde schonmal die Sitzlandschaft abgerissen und restlos entfernt. Es ist zum Kotzen.

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