Transport for London stellt „London Collision Map“ vor

Wenn sich in Berlin ein Unfall mit verletzten Personen ereignet, dann veröffentlicht die Pressestelle der Berliner Polizei eine Polizeimeldung, jedenfalls dann, wenn sie von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt wird. Ein Archiv älterer Polizeimeldungen geht zurück bis in den August 2014, noch ältere Polizeimeldungen sind gelöscht. Eine Rückwärtssuche ist nur mit Hilfsmitteln (siehe: Internetarchiv) möglich und lückenhaft, eine Suche mit bestimmten Filtern, etwa dem Unfallort, ist unmöglich.

London hat einen anderen Ansatz und versucht, ein wenig mehr Transparenz in das Unfallgeschehen der Stadt zu bringen. Vor einem Monat stellte Transport for London, die zentrale Verkehrsbehörde für London, die Betaversion der „London Collision Map“ ins Netz. In ihr sind alle Unfälle verzeichnet, die in Greater London seit dem Jahr 2005 passiert sind.

Die Daten der Londoner Unfallkarte lassen sich auf verschiedene Weise filtern, nach bestimmten Jahren zum Beispiel, danach, ob Kinder oder Erwachsene am Unfall beteiligt sind oder nach bestimmten Verkehrsteilnehmern. Wenn man sich nur die Unfälle mit Radfahrern zeigen lässt, bekommt man einen gehörigen Schreck, aber schließlich sind das auch alle Unfälle der letzten Dekade.

Die Daten sind opferzentriert und nicht unfallursachenzentriert. Es geht immer nur um leicht verletzt oder schwer verletzt oder „fatally injured“, nie geht es darum, welches Fehlverhalten welches Verkehrsteilnehmers zum Unfall geführt hat. Verkehrsteilnehmer sind pedestrian, pedal cycle, motorcycle, car, bus, taxi, goods vehicle und other vehicle, wobei die goods vehicle noch einmal unterschieden werden in light, medium und heavy goods vehicle. Alle Daten lassen sich auch im csv-Format herunterladen und sind damit offen.

Trotz aller berechtigter Kritik an den Daten der Londoner Unfallkarte ist die Veröffentlichung ein Schritt nach vorn. Nur mit Daten aus langen Zeitreihen kann man sehen, welche Infrastruktur zu welchen Unfällen führt und wo Verbesserungen wirklich zu einem verringerten Unfallgeschehen führen.

Transport for London: London Collision Map Beta
London Cycling Campaign: TfL Official Collision Map gives open access to data

2 Gedanken zu „Transport for London stellt „London Collision Map“ vor

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  1. Es ist ja nicht so, dass diese Daten nicht auch für Berlin vorlägen. Sie werden nur nicht veröffentlicht. So behält die Polizei/Politik die Deutungshoheit – ganz abgesehen davon, dass schon die Sachlichkeit der Erhebung nach den zur Verfügung stehenden Kriterien selbst immer auch durch eine erste selektive Wahrnehmung beeinträchtigt wird.

  2. Sowas gibts jetzt auch für Österreich:
    http://www.statistik.at/verkehrsunfallkarte/

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